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Alarburg, Donnerstag, 18. März 1880

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Tagesbericht.

DerN. Preuß. Ztg." wird aus Mitteldeutschland geschrieben :Wenn der Reichskanzler darauf hält, daß vor­läufig die für die preußischen Schulen angcordnete Recht­schreibung nicht imReichsdienst" eingeführt, sondern da­mit gewartet werde, bis dieselbeim Wege der Reichs­gesetzgebung oder einstimmiger amtlicher Vereinbarung" auch für die Behörden angenommen ist, so ist dicö ganz correct, !ohne daß dadurch der deutsche Reichökanzle- mit dem preu­ßischen (oder bairischen) Cnltusminister in Conflikt zu kommen braucht. Um übrigens jede Fiction einer der-

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artigen Friction zu zerstören, wird die Mittheilung der Thatsache genügen, daß kürzlich der Reichskanzler, selbst die

aanns- betreffenden Erlasse des Cultusministers v. Puttkamer den deutschen Regierungen mitgetheilt hat, um ihrerseits die allgemeine Einführung der fraglichen Rechtschreibung in lz uneben Schulen der einzelnen Länder zu veranlassen." In einer anderen Mittheilungaus der Provinz" wird dem-

irsterei tcigert,

selben Blatte geschrieben:Die Verfügung des Ministers vom 21. Januar wird durch das Reichskanzleramt gebilligt und den sämmtlichen deutschen Regierungen mitgeiheilt sein;

Rmtr. denn einzelne, wie nach Zeitungsnachrichten Oldenburg, Rmtr haben gleichfalls bereits ähnliche Verfügungen erlassen. Sie

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liegt in der Richtung der Entwicklung des Lebens, nur daß sie dessen Resultate auf das allergeringste Maß be­schrankt, wie schon ohnehin viele der Gebildeten schreiben, wie im großen und ganzen ein Theil der größten Zeitungen, -z. B. dieKölnische Zeitung", druck.n; sie ist mit Freude chegrüßt und sofort ausgeführt von der bedeutendsten säch- L und fischen Buchdruckerei. Sie wird hoffentlich bald in allen tt und Schulen Deutschlands eingeführt und ganz Deutschland dem Keifer- bairischen und preußischen Unterrichtsminister dann dafür

serholz dankbar sein."

Die bevorstehende Anwesenheit der mittelstaatlichen

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Finanzminister in Berlin hangt, wie behauptet wird, mit

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)ardt der Absicht des Reichskanzlers zusammen, das TabakS-

Monopol einzuführen. Wie es heißt, hat der Kanzler ein Projekt zur Einführung des Monopols ausarbeiten lassen und rechnet auf eine genügende Mehrheit im BundeS- rath. Man spricht sogar davon, daß der Reichstag deß- halb noch in diesem Jahre vor der Herbstsession des preu- »ßischen Landtags cinberufen werden soll. Mit Bestimmt- Pfi^hlt wird behauptet, - daß der Kanzler sich die Einführung ' des Tabaksmonopols fest vorgesetzt habe.

'!/ : I Die Militärgesetz - Commission nahm mit 11 gegen 8 ten.e. Stimmen einen von v. Maltzahn und v. Lerchenfeld bean- Ledrr tragten neuen Paragraphen an, wonach im Falle eines mmis außerordentlichen Bedürfnisses der gesammte Bestand der beiten jüngsten Jahresklassen der Ersatzreserve erster Classe

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Zwei eiserne Jungfrauen.

Sehen Sie den Arm mit dem Kranz da oben bei den Thürmm?" so fragt ter Coupegenosse auf der Fahrt nach München,der gehört der Bavaria I"

Auf dem Bahnhof stehen die Hotelwagen empfangbereit, und ter wüste Lärm,' erregt durch die dabeistehenten Führer, lost sich endlich in die Worte auf: Hotel National, Vier Jahreszeiten Marienbad Oberpollinzer rc.

Würdigkeiten^ Der Hofgarten, ein allen zugänglicher Ort, fft an zwei Leiten von Bogenreihen begrenzt, die mit Fresken geziert sind. Leider nahmen Zeit und nordisches Wetter mancher Landschaft und manchem Geschichtsbild mit mählig bröckelndem Finger Theil um Theil, ein Kampf, in dem auch jede Restauration unterliegt. Daö Schloß birgt eine Fülle tes Interessanten und die an seiner" Ostseite ge­legene Neue Hofcapelle ist ein Kleinodienschrein, deffen farbiger Marmor, Goldzierrath, Bilder und seltsame Be­leuchtungen blenden. Das Denkmal des Königs Maximilian 11. im Krönungsornat ragt von dem gegliederten Granit des Unterbaues stattlich empor. Das Maximilianum, des NamenSgebers Schöpfung zur Ausbildung besonders Be­fähigter für den Staatsdienst, gewährt den künstlerisch an- Muthigen Rnhepunkt am Ende der aucb nach ihm benannten kStraße. Auf einer Anhöhe baut sich die prächtige Fraxa e -auf, deren in Ecktdürmen abschließende Bogenhallen von einem geschweiften Mittelbau auögehen. Schon zur Vor­stadt Au gehört die Auer-Kirche, deren besondere Zierde, außer dem Dach von bunt glasirten Ziegeln, wundervolle

Tanz Die breiten Straßen der Residenz mit dem verhältnißmäßig geringenVerkehr gestatten ein ruhiges Genießen ihrer SehenS-

einschließlich der Mannschaften, welche nach §. 3 nicht übungspflichtig sind, zu einer höchstens achtwöchentlichen Uebung auf Grund einer besonderen kaiserlichen Verordnung einberufcn werden können. Die Socialistengesetz-Com- missiott lehnte die Anträge Reichenspergers ab, nach welchen das Reichsgericht an die Stelle der Beschwerde-Commission trete und Wahlversammlungen gestattet sein sollen.

Nachdem der frühere ReichStagSabgeordncte für den Wahlkreis Kreuzburg - Rosenberg, Graf Bethusy-Huc, in Folge seiner Ernennung zum Landrath sein Mandat nieoer- gelegt bat, ist nunmehr die Neuwahl vollzogen worden. Wie derN. Pr. Ztg." telegraphisch gemeldet wird, hat der Erbprinz von Hohenlohe 6001, der Gutsbesitzer von Aulock (Centrums - Kandidat) 6000 Stimmen erhalten. Ersterer wäre also mit Majorität von einer Stimme gewählt. ____________

Die Steuer- und Wirthschafsreformer faßten in ihrer Ende Februar abgehaltenen Generalversammlung den Be­schluß, eine Resolution in Betreff der Wucherfrage und des Bank- und Münzwesens, resp. einer Revision der diesbezüglichen Gesetzesbestimmungen außer an den Reichs­kanzler und den Bundesrath auch an den Reichstag als Petition einzureichen. Die Petitionskommission des letzteren hat nun unter dem Vorsitze des Abg. Stephani über die­selbe berathen und sie in ihrer Majorität als ungeeignet zu weiterer Berathung erklärt, weil die Angelegenheit in dieser Session bereits zur eingehenden Erörterung gekommen. Unter konservativen Reichstagsabgeordneten ist man mit dieser Abweisung sehr unzufrieden, zumal bei der Debatte über daS Münzwesen, bezw. bei der Rede Bambergers, der Abg. Frhr. v. Mirbach, der Vorsitzende des Steuer» und WirthschaftsreformvereinS, nicht im Hause anwesend war. Wie unS gemeldet wird, beabsichtigt nunmehr der genannte Abgeordnete im Verein mit seinen politischen Gesinnungsgenossen einen Antrag auf Aufnahme einer Schatzscheinanleihe von 100 Millionen Mark zum Zwecke der Deckung der Verluste beim Silberverkauf zu stellen, um auf diese Weise noch einmal in der laufenden Session die Gelegenheit zu einer weiteren Erörterung der einschlä­gigen Fragen zu gewinnen.

Deutsches Reich.

* Berlin, 16. März. Der Entwurf eines Gesetzes für Elsaß-Lothringen, betr. die Gewerbegerichte, war in der vom Bundesrath in der Sitzung vom 5. Dezember v. I. angenommenen Fassung dem Landesausschusse von Elsaß- Lothringen zur Beschlußfassung vorgelegt worden. Der Landesausschuß hat alSoann zu dem Gesetzentwurf mehrere 2leu erungen beschlossen und mit diesen dem Entwurf seine Zustimmung ertheilt. Jetzt ist dem BundcSrath eine Gegen-

Buntes Treiben, das Treffen der Vorbereitungen für die Herbstfeste, herrscht auf der Theresienwiese. An ihrem Ende, vor einem mit der Zeit ihr zum würdigen Hinter­grund erwachsenden Wald, erhebt sich die Bavaria. Ihr Meister Ludwig von Schwanthaler hat in der nahen Ruhmes- Halle für verdiente Baiern seine Stelle erhalten. In dem, von der Sonne angeglühten Innern führt eine Wendel­treppe aufwärts nach dem Kopf, dtr bequeme Ruheplätze und durch die GlaSfenster der Augen, Aussicht auf ferne Gebirge gewährt. Der Arm mit dem Kranz ist in feiner Kraft und Schöne von hier wie greifbar nahe und die Vereinigung von Weiblichkeit und Macht hat wohl selten eine so befriedigende Wirkung, wie in dieser eisernen Jung­frau, die auf eine Stadt herabschaut, der die Kunst ein neues Leben gab und durch ihre unvergleichlichen Schätze eine mit diesen wachsende Anziehungskraft.

In der Burg zu Nürnberg haust im unheimlichen Ge­mache ein Weib, wie geschaffen zur Erklärung der schauer­lichen Foltergeräthe, die in ihrem Bereich aufgehäuft sind. Dort hängt an der Wand der fahlrothe Mantel des Henkers und fein blutrostiges Richtschwert. An der niederen Decke mahnt ein unsäglich mühsames Schnitzwerk an die Kerker­qualen des gefangenen Trenck: aus einem Stück in sich ver­bunden laufen die Glieder einer hölzernen Kette mit abwärts fallenden Zierratheu.

Mit leisem Hohnlachen sieht die Erklärende manchen Zuhörer bei ihren drastischen Schilderungen sich zum Gehen wenoen und doch birgt dieser Raum noch nicht das Gräß­lichste, was Menschen ersannen, um Menschen zu quälen. In einer Seitengasse der alten Stadt führt eine Gitterthür nach einer herabsteigenden Treppe. Der Führer trägt die hübe flackernde Leuchte in der einen Hand, die andere hält

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Anzeigen nimmt entgegen: Mt Expedition d.Blatte«, sowie d-Ännsncen-Bureaux »on Th. Dietrich &. Co. in -asset und Hannover; Th Dietrich in Frankfurt a.M.; paasenstein & Bögler in Frankfurt a. M., Berti», Leipzig, LöiN Rudot> ßtoffe w Berlin, Frant- fxtrt <l M rc.

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Überstellung der Beschlüsse des Bundesraths und des Lan- deSausschusseS mit dem Anträge vorgelegt worden, über den Gesetzentwurf, wie er sich nach den Beschlüssen des Landesausschusses gestaltet hat Beschluß zu fassen. Ein gleiches gilt hinsichtlich des Gesetzentwurfs, betreffend die Ausführung des Gerichtskostengesetzes und der Gebühren­ordnung für Rechtsanwälte, für Gerichtsvollzieher und für Zeugen und Sachverständige, ferner hinsichtlich des Gesetz­entwurfs, betreffend die Verwendung von Zuchthengsten und des dazu gehörigen Ausführungsverordnungs-Entwurfs, endlich hinsichtlich des Gesetzentwurfs, betreffend die Fest­stellung des LandeShauShalts-Etats für 1880,81. Zu diesen sämmtlichen Gesetzentwürfen hat der Landesausschuß von Eljaß-Lothringksi Abänderungen beschlosfen, und dem Bundesrath liegt es jetzt ob, über die Entwürfe in der durch diese Aenderungen gewonnenen Fassung zu entscheiden. DerA. A. Z." wird aus Berlin vom 10. d. über eine Verstimmung in parlamentarischen Kreisen Mittheilung gemacht, die darauf zurückzuführen fei, daß der StaatS- secretär im Reichspostamt Dr. Stephan, bis jetzt noch keine Veranlassung genommen hat, dem Reichstag den auf der Londoner internationalen Tclegraphen-Conferenz abgeschlosse­nen Vertrag vorzulegen, wie man erfährt, hat dies seinen guten Grund darin, daß die Verhandlungen zwischen den Staaten eben noch n cht beendet sind. Nachdem nämlich die Grundsätze der Tarifänderungen auf der internationalen Telegraphen-Conferenz festgestellt waren, hat es, wie unschwer einzusehcn ist, noch bestimmter Feststellungen über die ein­zelnen Tarifsätze für den Verkehr zwischen den verschiedenen Ländern bedurft. Sobald letztere zum Abschluß gekommen sein werden, dürfte eine Veröffentlichung der bezüglichen Bestimmungen alsbald zu erwarten sein. Wenngleich die Vorschriften der früheren Exekutionsordnungen, welche die Zulässigkeit der Sudhastation zur Beitreibung von Geldbeträgen im Verwaltungszwangsverfahren von der Ge­nehmigung der Aufsichtsbehörde abhängig machen, in die Verordnung über das Verwaltungszwaugsversahren vom 7. September v. I. nicht aufgenommen worden sind, so ist doch nicht an den für die einzelnen Ressorts bestehenden besonderen Bestimmungen geändert, namentlich nicht die Bestimmung, nach welcher wegen Rückstände von direkten ober indirekten Steuern die Subhastation nur mit Geneh­migung des Finanzministers in Antrag gebracht werden soll. Eine solche Genehmigung in jedem einzelnen Fall ist aber nicht mehr Bedürfmß; der Finanzminister hat daher in einem Erlaß vom 8. März bestimmt, daß künftig die Genehmigung der Provinzialaufsichtsbehörde einzuholen ist. Diese Behörde soll jeden einzelnen Fall sorgfältig prüfen und danach verfahren. An den gesetzlichen Be­stimmungen über die Unzulässigkeit der Ä«bhastation in besonderen Fällen wie z. B. wegen der Geldstrafe für Zoll- und Steuer-Defraudation wird uichts geändert.

den Schlüssel zu dem wieder versperrten Eingang. Die bedrückende Luft, der enge Gang, sie wecken- abenteuerliche Vorstellungen: wenn das Licht verlöscht, der Schlüssel in einem Spalt verschwindet, was dann? Auch hier sind an den breiteren Plätzen der Pfade längs der dicken, jeden Schmerzensschrei verschlingenden Steinmauern Werkzeuge zur Tortur aufgereiht. Eine Wendung bringt in einen engen, abgeschlossenen Raum. Eine cüjtere Frauengestalt, deren eisernes Gewand die ehemalige Kleidung der Patrizierin nachahmt, blickt dem Beschauer entgegen. Die Seitentheile öffnen sich, um das mit Messern besetzte Innere zu ent­hüllen, das Oeffnen einer Klappthür am Fuße ließ die Opfer in unterirdische Wasser fallen. Entsetzen attzmet diese Stätte und schwer liegt ein Bann auf dem, der solcher Greuel Erinnerung heraufbeschwor. Das Bild dieser eisernen Jungfrau, das so gern vom Menschenfreund in das Reich der Sage verbannt werden möchte, es beweist hier feine Wirklichkeit und wirft einen Schatten auf die Zeit, von deren Kunstfertigkeit Nürnberg einen Reichthum an Zeugnissen besitzt.

Das Mondlicht verklärt mit feinem milden Strahl die alterthümlichen Giebel; es webt feinen Silberschleier um die Erzgeftalten, die denschönen Brunnen" bilden, doch selbst der leise Humor, der in dem Gänsemännchen kichert dem Bäuerlein, das nach einer Hungersnoth zuerst wieder, unter jedem Arm eine Gans haltend, die Stadt betrat und, so beladen, zum Dank in Erz gegoffen ward vermag daS Schreckbild im öden Kerkerraum nicht zu verwischen.

Die als gültig angenommene Bezeichnung der Zeit des Mittelalters als einer dunklen begründet die Annahme, es seien alle Bestrebungen auf dem Gebiete des Wissens in jenen Tagen wie beim spärlich?» Grubenlicht eines unter-