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Xr. 69. jllatöutg, Mittwoch, 17. März 1880

XV. Jalil ging

Anzeigen nimmt entgegen: Sie Expedition d.Nlatte», sowie d-Annoncen-Bureaux oon Th, Dietrich & Co. ir ikaffel und Hannover; Th Dietrich in Frankfurt a.SDt. haaienstein & Vogler ir Frankfurt e M., Berlin Lc'-pzis, Soin ju; Rudolf ixcpt in Berlin, Frank- fcn a. 1t ic.

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» sowie d- Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube L Co. in Frankfurt a. M; Jäger'fche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berli.i; W Thiene» in Elberfeld; 6. Schlotte in Bremen.

Erscheint tiiglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageJluftrirleS EonntagSdlatt" durch die Expedition (tioch'sche Änchdruckerei) bezogen 2s> Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (excl Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfz. berechnet-

Tagesgericht.

Nach einem dem Reichstag zugegangeuen Bericht deS Reichskanzlers über die Thätigkett der Reichskommissars für das Auswanderungswesen während des Jahres 1879 nebst dazu gehörigen statistischen Nachweisen ist die Be­stimmung erlassen worden, daß in den Uebersahrtsverträgen ausdrücklich ersichtlich zu machen ist, ob die Beförderung nach dem überseeischen Hafen direkt vom EinschiffungSha'en oder ob und über welche Zwischenhäfen sie zu bewirken ist. Ferner ist zu erwähnen, daß Beschwerden vorgekommen sind, denen zufolge deutsche Einwanderer in Australien in der Regel mit deutscher Münze versehen ankommen, während es saft eine Unmöglichkeit ist, solche dort auch nur zu an­näherndem Werthe gegen Landesmünze umzuwechseln. In­folge dessen ist Veranlassung genommen worden, die Aus­wanderer in geeigneter Weise hierüber zu belehren. Eine bemerkenswerthe Erscheinung war im verflossenen Jahre die Rückkehr größerer Züge von russischen Auswanderern (meist Mennoniten), welche im Jahre 1877 nach Brasilien auszewandert, dort aber in ihren Erwartungen getäuscht waren und nunmehr über eie deutschen Häfen nach ihrer Heimat zurückkehrten. Die Verpflegung und die Rückbe­förderung dieser zum Theil mittellosen Einwanderer nach Rußland war für die bethciligten Behörden und Rhedereien der deutschen Hafenorte mit nicht geringen Schwierigkeiten und Kosten verbunden. Nach den statistischen Nachweisen sind im Jahre 1879 von Hamburg und Bremen aus dem Deutschen Reiche 28,993 Personen, aus nichtdeutschen Staaten 2252 Personen von Bremen und Hamburg aus befördert wordru, und zwar aus deutschen Staaten: nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika 27,176, nach Britisch-Nordamerika 44, nach Centralamerika und Mexiko 17, nach Westindien 69, nach Brasilien 942, nach den Argentinischen Staaten 203, nach Pern 48, nach Chile 113, nach anderen südamcnkanischen Staaten 64, nach Afrika 22, nach Asien 31, nach Australien 2747 Personen.

In Bezug auf die Stellvertretung des Reichskanzlers wird der WienerPresse" Folgendes geschrieben: Fürst sBismarck hat wahrgenommen, daß das Reichskanzler-Stell- vertretuitgSgesetz nicht immer richtig zur Ausführung ge­langt ist, und zwar mouirte er, daß der Chef der Ac- frniralität, v. Stosch- nicht innerhalb seiner Competenzen blieb. Der Kanzler geh , und gewiß mit Recht, davon aus, cs sei ihm von allen Reichsressortö Alles vorzulegen, was an den LundeSrath und an den Reichstag gelangen solle. Ist er, der Kanzler, verhindert, so tritt sein un­mittelbarer Vertreter, Otto Graf Stolberg, für ihn ein. Nur dieser darf Entwürfe und Anträge an den BundeS- rath und den Reichstag bringen, außerdem noch ter vom Reichskanzler substiluirle Voisitzende des Bundesraths, der

Die Nachtwandlerin.

(Schluß.)

Dann überflog s in Blick die Umstehenden, und intern er den Fr mden für ihre Bemühungen dankte, da fiel sein Auge auf den erstarrt und vernichtet dastehenden jungen Mann, der vorhin bei dem Anblick der Torten so erschrocken war. Ein Blitz schoß auS teil sonst so ruhigen Augen des Lords. Er betrachtete einige Sekunten mit durch­bohrenden Blicken den Fremden. Wahrhaftig! sagte er plötzlich einige Schritte näher tretend, Herr Antonio von Sylva, wenn ich nicht irre. Nun, elender Feigling! donnerte er, als der Angeredete, unfähig ein Wort zu sprechen vor ihm stand, haben Sie jetzt die Folgen Ihrer Machinationen gesehen.

Der junge Spanier antwortete nicht. Der Lord kehrte ihm verächtlich den Rücken, und wendete sich zu den beiden Anderen, Graf von Noirville und Herrn von Bubenberg. Meine Herren, sagte er,. Ihr Aeußeres verräth mir, daß Sie einem Stande angehören, der in der Regel unter allen eivilisirten Nationen streng auf Ehre hält. Sie scheinen die Freunde dieses Mannes zu sein, und ich bin Ihnen also eine Erklärung meines Benehmens schuldig. Vor ungefähr einem Jahr forderte ich jenen Elenden dort zum Zweikampfe; er mag Ihnen selbst erklären, ob die tödtliche Beleidigung, die er mir zugefügt, solche Forderung rechtfertigt. Statt die Herausforderung, wie es einem Edel- manne geziemt, anzunehmen, floh er feig ans England, und wußte mit gaunermäßiger Gewandtheit meinen Ver­folgungen bis dahn zu entschlüpfen.

Tie beiden Andern, schauten den Spanier bei tiefen Worten fragens und mit Verachtung au Herr, fuhr

Präsident des Reichsamtes des Innern, Staatsminister Hofmann. Die übrigen Chefs von Reichsämtern sind ge­halten, sich mit Anträgen und legislatorischen Vorschlägen ausschließlich an den Kanzler oder Vice-Kanzler, nicht direkt an den Bundesrath und Reichstag, zu wenden. Herr v. Stosch halte hiervon abgesehen und eine Vorlage unter Umgehung des Kanzlers unmittelbar dem Bundesrath zu- gestellt. Das war zufällig derselbe Entwurf unter Nr. 23 der Drucksachen des Reichstages, der die Puttkamer'sche Rechtschreibung adoptirt hatte und unglücklicherweise war die Stosch'sche Vorlage auch inhaltlich so mcorrekt gehalten, daß sie zurückgezogen werden mußte, was unter allen Um­ständen fatal bleibt. Um so mehr sah sich also der Kanz­ler genöthigt, rasch zu intertieniren, um nicht so etwas wie eine Nebenregierung auskornmen zu lassen, und in Rück­sicht auf das Stosch'sche Vorgehen ist vom Kanzler an alle Einzelbestimmungen des Stellvertretungsgesetzes erin­nert worden. Der Kanzler verlangt etwas, wozu et be­rechtigt und verpflichtet ist; Herr v. Stosch hatte sich einer Controle entzogen, die der Kanzler ex lege ausüben muß, wenn Alles correct laufen und er die alleinige Ver­antwortlichkeit auf sich nehmen soll.

DerNordd. Allg. Ztg." zufolge sind zur Beseitigung der Klagen über den Druck des der Landesgesetzgebung unterliegenden Jmmobilienstempels seitens der preußischen Regierung vorbereitende Schritte zur Reform der bezüg­lichen gesetzlichen Bestimmungen eingeleitet.

Die Benutzung der Eisenbahnen zu Kriegszwecken scheint sich in Deutschland mehr und mehr zu einem besonderen Zweige der Kriegsführung und der Kriegswissenschaft aus- zubilden Bekanntlich ist kürzlich die Organisation des Militärtransportwesens auf Eisenbahnen und Wasserstraßen durch Anstellung von 41 Offizieren als permanenten Bahn­hofs-Kommandanten ergänzt worden. Ferner istimKriegS- Ministerinm der Entwurf zu einem Tarife für die Mili­tärbeförderung auf Eisenbahnen festzestellt worden, der sich sowohl auf die Beförderung von Truppen, als auch auf den Transport von Militär-Fuhrwerken, Geschützen, Pfer­den, Munition u. s. w. bezieht, und aus der Grundlage von Beralhungen, die zwischen Offizieren und Militär- Verwaltungs-Beamten und Etsenbahn-Technikcrn und Be­amten stattgefunden haben, aufgestellt worden ist. Außer­dem sollen durch ein vom Kaiser mit Zustimmung des BundeSratheS zu erlassendes Reglement die näheren Be­stimmungen getroffen werden, nach welchen jed: Eisenbahn- Verwaltung die Beförderung der bewaffneten Macht und der KriegSbedürsnisse, sowie der Abrechnung mit den Mili­tärbehörden zu bewirken hat. Diese Bcstimmnitgen sollen sich insbesondere beziehen auf die Transportmittel, die Vor­bereitung zum Beladen, .die Disposition für die Fahrten,

dieser plötzlich auf, ich bin bereit, mich mit Ihnen zu schlagen.

Das kommt etwas spät, mein Herr! entgegnete Lord B., nicht ohne einen Anflug von verächtlichem Hohn; die Waffen?

Pistolen!

Gut! entgegnete ter Lord beistimmend.

Meine Herren, sagte er, sich zu den beiten Gefährten des Spaniers wendend, jetzt ruft mich die Sorge um meine unglückliche Gattin. In einer Stunde werde ich auf der kleinen Ebene jenseits des Gasthofes bereit sein. Ich habe meine Gründe, diese Angelegenheit so schnell als möglich abzuthun, und der Mond mag un» zu dem blutigen Spiele leuchten. Einer von Ihnen wird mir, da es eine Ehrensache betrifft, als Zeuge dienen.

Herr von Noirville verbeugte sich zusagend.

Gut denn, in einer Stunde also, bestimmte der Lord, sich höflich gegen die Herren verbeugend, und eilte dem Gasthofe zu. Die Anderen folgten langsam, ernst und schweigend.

Eine Stunde später standen die Gegner sich auf dem bestimmlen Platze gegenüber. Herr von Noirville sekundirte dem Lord, Herr von Bubenberg dem Spanier. Die Nacht war still und sternhell, kein Lüftchen regte sich in den Zweigen. Tie Sekundanten luden die Pistolen vor den Augen der Gegner. Ein in die Lust geworfenes Füns- srankenstück sollte je nach der Seite, auf_ welche es zu liegen kam, entscheiden, wer den ersten Schuß haben sollte; das Loos entschied zu Gunsten des Spaniers. Ein Strahl der Hoffnung funkelte auS feinen ernster gewordenen schwarzen Augen, als einer der Sekui.danten das Loos bekannt machte. Die Sekundanten traten zurück. Ter Spanier legte an

das Einladen und Einsteigen, wie Entladen und Aus- steigen der Mannschaften, der Pferde und des Materials, sowie auf Organisation deS Transportes größerer Truppen« massen auf Eisenbahnen. Schließlich sei noch erwähnt, daß bereits eine Verordnung erlassen ist, wonach der Be­darf an Gegenständen zur Ausrüstung von Eisenbahnwagen für die Beförderung von Mannschaften und Pferden, von den vereinigten Ausschüssen des Bundesraths für das Land­heer und die Festungen, und für Eisenbahnen, Post und Telegraphen festgesetzt wird, während daS Reichseisenbahn- amt den Maßstab festzusetzen hat, nach welchem die Eisen­bahn-Verwaltungen ihr Personal, sowie ihr zur Herstellung und zum Betriebe von Eisenbahnen dienliches Material auf Erfordern herzugeben haben.

DieGermania" veröffentlicht eine Uebersetzung des bereits stgnalistrten Schreibens des Papstes d. d. Rom, 24. Februar a. c. an den Erzbischof von Köln. In dem­selben heißt:Die Gebete und Wünsche, daß Gott die Freiheit der Kirche im deutschen Reiche glücklich wieder schenke, seien zwar noch nicht in Erfüllung gegangen, all­mählich werde aber der leere Verdacht und die ungerechte Eifersucht gegen die Kirche aushören. Die Staatslenker werden einsehen, daß wir nicht in fremde Rechte eingreifen und daß zwischen der kirchlichen und staatlichen Gewalt ein dauerndes Einvernehmen bestehen kann, wenn von beiden Seiten der geneigte Willen, den Frieden aufrechtzuerhalten und wo nöthig wiederherzustellen, nicht fehlt. Daß wir von diesem Geiste und Willen beseelt sind, steht bei allen Gläubigen zuverlässig fest. Ja, wir hegen diesen Willen so entschieden, daß wir in Voraussicht der sür das Heil der Seelen und die öffentliche Ordnung daraus hervorgehenden Vortheile teilt Bevenkeii tragen, Dir zu erklären, daß wir, um dieses Einvernehmen zu beschleunigen, dulden werden, daß der preußischen Regierung vor der canonischen Insti­tution die Namen jener Priester angezeigt werden, welche die Bischöfe der Diöcesen zu Theilnehmern ihrer Sorgen in Ausübung der Seelsorge wählen.

Deutsches Reich.

»* Berti«, 15. März. Die Ausschüsse des Bundes- rathS für Seewesen, für Handel- und Verkehr und für Justiz haben dem Bundesrath den Bericht über das von ihnen vorberathene Gesetz, betreffend die Küstenfrachtfahrt überreicht und beantragen, den Entwurf in der Fassung, welche die Ausschüsse ihm gegeben haben, zu genehmigen. Das auS 5 Paragraphen bestehende Gesetz soll am 1. Januar k. I. in Kraft treten. Das Kriegsministerium hat eine Declaration des Begriffs Militärbehörde in Bezug auf die Vorschriften der Civilprozeßordnung und der Straf- Prozeßordnung, soweit das Heer damit betroffen wird, aus­arbeiten lassen und solche den Truppenkommandos über«

und zielte lange ein Blitz zuckte durch die Nacht, ein Knall wiederhallte vielfach und tosend in den Bergen. Aber durch den Pulverdamps sah Antonio seinen Gegner ruhig vor sich stehen. Seine Hand hatte gezittert, die Kugel war effeetlos dicht am Haupte des Lords vorbeigestreift. Rasch hob dieser jetzt das Pistol, ein zweiter Knall erschütterte die Lust und der Spanier wälzte sich röchelnd auf dem Boden.

Mitleidig traten die Sekundanten und der Sieger zu dem Sterbenden. Lord. B., sagte dieser mit schwacher Stimme, Ihre Hand! Der Lord reichte sie mit abgewandtem Gesichte. Ich fühle, daß ich sterben muß. Sie haben gut getroffen Mylord! fuhr der Sterbende mit Anstrengung fort, und ich möchte gerne versöhnt mit AmaliaS Gatten sterben.

Ter Lord wendete sich auf diese Anrede zu dem Ver­wundeten. Sagen Sie mir nur Eins, und dann mögen Sie mit meiner Verzeihung von hinnen gehen. War Arnalia je ihre Gattin?

Nein, erwiderte der Sterbende schwach, und eine matte Röthe flog über sein bleich gewordenes, schönes Antlitz. Der Priester, der uns zum Scheine einsegnete, war ein von mir erkaufter Betrüger. Dessen ungeachtet habe ich dieses göttliche Wesen wahrhaft geliebt, und ich glaube, ich hätte mich nie von ihr getrennt, wenn nicht mein Vater mich ernstlich nach Spanien zurückgerufen hätte. Hier ver­gaß ich freilich, von dem Zauber einer glänzenden Ver­bindung gelockt, die arme Geliebte. Mich von ihr auf immer zu trennen, war eine gebieterische Nothwendigkeit. Obschon Amalia mich nie unter meinem wahren Namen gekannt hatte, hielt ich es doch für das Sicherste, ihr die falsche Nachricht meines Todes mit beglaubigten Papieren