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Anzeigen nimmt entgegen: Me Expedition d.vlatte», [emie d.Annoncen-Bureau oon Th, Dietrich & Co. ii gefiel und Hannover; Th Dietrich in Franlfurt a.M. Raaienftein & Vogler ii Mnifarl 3. M., Berlin Leipzig, LLlu er.; Rudol, Stoffe in Berlin, Frankfurt a. M. re.
Jllarßurg, Sonntag, 14. März 1880
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Anzeigen nimmt entgegen die Expeditton d. Blattes f owie b. Annoneen-Bureaur von ®. L Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jüger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Luchhandl. ♦ daselbst; Juvalidendank in
Berlin; Ä. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in
Bremen
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Eriche nt täglich außer an een Werktagen nach Sonn- und geiertogen. Preis für das Guartal mit der wöchentlichen Beilage „JAnftrtrteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdrucierei) bezogen 2i Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg (erd. Bestellgebühr). — Jnsettionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertheileude Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
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Tagesbericht.
Der Bundesrath genehmigte gestern das Wuchergesetz nach den Anträgen des JustizausschusscS mit einigen Abänderungen und nahm den Antrag an, die Zollaversen für die Hansestädte von 3 auf 5 Mark per Kopf der Bevölkerung zu erhöhen.
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Regierung konnte nicht wohl anders handeln, als sie gehandelt hat, und wenn Rußland nichts desto weniger sich gekränkt fühlt, so hat der Vorfall wenigstens das Gute, daß die Zettelungen zwischen Rußland und Frankreich dadurch für einige Zeit erschwert werden. Der frühere fran- jösifche Minister des Auswärtigen, Herr Waddington, hat sich bei den russischen Lockungen vortrefflich benommen und auch sein Nachfolger Freycinet hat noch so eben erklärt, die Beziehungen Frankreichs zu Deutschland seien besser als (je. Im Augenblick trübe kein Wölkchen den politischen Horizont und ein Minister mit kriegerischen Absichten würde sich keine 24 Stunden behaupten können.
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Die Zersetzung der nationalliberalen Fraktion hat ihren Anfang genommen. Nachdem schon in voriger Session die nach rechts hin dissentirende» Mitglieder ausgeschieoen, voll-- zieht sich derselbe Prozeß jetzt nach der linken Seite hin. Die Abgg. Lasker, Jegel und Dr. Schröder (Friedberg) haben den Anfang gemacht und ihren Austritt aus der Fraktion erklärt, die Herren von Forckenbeck, Frhrr. von Stauffenberg, Dr. Bamberger und Dr. Braun, vielleicht auch die Herren Rickert, Dr. Witte und Dr. Wolfffon werden ihnen folgen und vorläufig als „Wilde" ihr parlamentarisches Dasein fristen. — W e wärs denn nun mit der „Antikornliga?"
Beachtenswerth ist folgende Mittheilung des Hannoverschen Couriers: „Gutem Vernehmen nach hat der Reichskanzler eine Zusammenstellung diplomatischer Aktenstücke veranlaßt, welche die Beläge für die deutschfeindliche Politik Rußlands enthalten. Darunter befinden sich auch die Dokumente für die Allianzvorschläge Gortschakows an die französischen Staatsmänner. ES dürfte keinem Zweifel unterliegeri, daß auf Grundlage dieses aktenmäßigen Materials an eigentlich leitendem Orte die Ueberzeugung sich hrrausgestellt hat, wie berechtigt die bisherige deutsche Politik gegenüber den russischen Ambitionen verfuhr. Wie aus Petersburger Briefen von versirter Seite hervorgeht, scheint man sich dort darüber beunruhigt zu fühlen, daß auch andere Cabinette über das zweideutige Verhalten Rußlands unterrichtet worden sind." Die Weigerung der französischen Regierung, Hartmann auszuliefern, macht begreiflicherweise in Rußland einen peinlichen Eindruck. Die französische
Deutsches Reich.
•* Berlin, 12. März. Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung des Bundesraths stehen an Vorlagen der Entwurf eines Gesetzes wegen Abänderung des Gesetzes über Naturalleistungen für die betreffenoe Macht im Frieden, der Entwurf einer Verordnung über die Gewährung von Tagegeldern, Fuhrkosten und Umzugskosten an Beamte der Militär- und Marineverwaltung, und die Ausführung des Gesetzes über die Besteuerung des Tabacks. Ferner enthält die Tagesordnung den Antrag des Justizausschusses in Betreff des Wuchergesetzes und Berichte über die beantragte Verordnung von weiteren Surrogaten bei der Herstellung von Tabackfabrikaten, sowie über die anderweite Festsetzung der Aversa für die Zollausschüsse. — Was den vorerwähnten Entwurf einer Verordnung über die Gewährung von Tagegeldern u. s. w. betrifft, so haben sich die bezüglichen Bestimmungen der allerhöchsten Verordnung vom 21. Juni 1875 bezüglich ihrer Anwendung auf die Beamten der Miltitärverwaltung bei der Eigenthümlichkcit der militärischen Verhältnisse für die Prüfung und Feststellung der von den Beamten erhobenen Ansprüche auf Fuhrkosten und Tagegelder in mehrfacher Beziehung als nicht ausreichend erwiesen. In mehreren Fällen sind sogar gegen die von dem preußischen Kriegsministerium in dieser Hinsicht getroffenen Entscheioungen Prozesse angestrengt worden. Vorkommnissen solcher Art muß aber in dienstlichem Interesse möglichst vorgebeugt werden. Der Erlaß einer Königl. Verordnung, welche den Anspruch der Beamten der Militärverwaltung auf Fuhrkosten und Tagegelder näher regelt, erscheint durchaus nothwendig, und es ist nun der Entwurf einer solchen Verordnung dem Bun- desrathe vorgelegt worden. — Die Ausführung des Gesetzes über die Besteuerung deS Tabacks bedingt den Erlaß mehrerer Vorschriften und Regulative. Zunächst und thunlichst bald wird es einer Aussührungsbestimmung bedürfen, durch welche der Tabackpflanzer in den Stanv gesetzt wird, die Bedingungen für den Anbau von Taback und daS Maß der im Steuerintereffe an ihn gestellten Anforderungen zu übersehen. Die bezüglichen Vorschriften, welche zweckmäßig in die Form einer Bekanntmachung zu bringen sein werden, sind in einem Entwurf derselben zusammengefaßt, welcher gleichfalls auf der heutigen Tagesordnung der Bundes- rathSsitzung steht. — Für die deutsche Fischerei-Ausstellung in Berlin ist von dem Kronprinzen unv der Kronprinzessin ebenfalls ein Ehrenpreis bewilligt. — Der Chef der Admiralität wird am 23. und 24. d. MlS. in Wilhelmshaven und vom 30. März bis 1. April in Kiel Besichtigungen abhalten. — ES wirv bestätigt, daß der Konsistorial- rath Dr. Geß zum Generalsuperintendenten der Provinz Pofen in Aussicht genommen ist. — Zu dem Gesetz, betreffend die Emcritenordnung ist Seilens des evangetischen
Oberkirchenraths eine sehr eingehende Instruktion in der Ausarbeitung begriffen. Nach Beendigung dieser Arbeit, die aber immerhin noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, soll die Publikation des Gesetzes selbst und zugleich die Instruktion erfolgen. — Nach den §§. 18 und 24 der Gewerbeordnung von 1869 soll sich die Prüfung der Gesuche um Konzessionirung gewerblicher Anlagen auch auf die Beachtung der bestehenden bau-, feuer- und gesundheits- polizeilichen Vorschriften erstrecken. Es ist daher in einem Erlaß von 1877 ausgeführt, daß die Ertheilung der gewerbepolizeilichen Kommission zugleich die Ertheilung deS BaukonscnseS in sich schließe; es ist somit den Verwaltungsbeschlußbehörden, insofern solche nach dem Kompetenz- Gesetz vom 26. Juli 1875 dazu berechtigt sind, die Handhabung der Baupolizei übertragen. Die Verwaltungsbeschlußbehörden werden hierzu nothwendig in organische Verbindung mit den Behörden, welchen im übrigen die Verwaltung der Baupolizei obliegt, bleiben müssen. In einem Erlaß der Minister für Handel und Gewerbe, deS Innern und der öffentlichen Arbeiten wird diese Verbindung näher bezeichnet und alsdann bestimmt, daß die Stadtausschüffe und Magistrate in denjenigen Städten, in welchen die Verwaltung der Baupolizei einer Königl. Behörde zusteht, in dem zu ihrer Kompetenz gehörigen Konzessionsverfahren die sämmtlichen Vorlagen, sobald sie vollständig befunden worden, der letzgenannten Behörde zu übersenden haben. Im Weiteren bestimmt der Erlaß die alsdann zu treffenden Maßnahmen.
Arolsen, 11. März. Der Fürst begiebt sich voraussichtlich zur Theilnahme des Geburtstages unseres Kaisers nach Berlin. Der Landesdirektor v. Sommerfeld ist bereits seit einiger Zeit dort anwesend und wohnt den Sitzungen deö BundeSrathes bei. — Der Präsident des Landgerichte- zu Kassel, ConSbruch, wird in nächster Woche behufs Jn- spizirung der Amtsgerichte eine Reise durch unser Fürsten- thum machen. (H. M.)
Karlsruhe, 12. März. (Zweite Kammer.) Staatsminister Turban erklärt, der Grohherzog habe das Entlassungsgesuch des Präsidenten deS Ministeriums des Innern, Stösser, nicht genehmigt.
ÜllSIaud.
Loudo», 12. März. (Unterhaus.) Gladstone befürwortet die Budgetberathung für nächsten Montag. North- cote erklärt seine Zustimmung mit dem Beifügen, die Budgetberathung könne anläßlich der zweiten Lesung der Finanzbill stattfinden. Hierauf werden mehrere formelle Resolutionen bezüglich des Budgets angenommen. — Die in das gestern Abend eingebrachte Budget eingestellten Ausgaben von 81,486,000 Pfd. erhöhen sich auf 82,075,000 Pfd., da von der schwebenden Schuld von 8 Millionen Pfd. Schatzbonds, welche sämmtliche DeficitS, auch dasjenige
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Die Nachtwandlerin.
i Fortsetzung.)
Wie würden die Ladies und Mißes der haute societe die schon so oft mit heimlichem Neire von Mesalliance und Abenteuerin zusammen geflüstert, wenn die alle verdunkelnde Lady B. .in ihre Gesellschaft trat, wie würden sie mit höhnischem Gelächter die Köpfe zusammenstecken! Und selbst die Vernünftigeren, die Freunde deS Lords, an deren Uriheil ihm etwas gelegen, mit welchen Augen würden sie dm Gatten der Entehrten ansehen. Solche Gedanken durchschnitten wie mit Dolchstichen das Herz deS stolzen Aristokraten. Ein Dämon flüsterte ihm zu, durch eine rasche That dm Knoten zu lösen, der ihn an eine unwürdige band. Heiß wie Höllenfeuer fluthete eS nach seinem Herzen — er sprang auf, sein Alhem. flog, seine Pulse zitterten und seine Hand griff bebend in den Busen, wo nach einer Gewohnheit, die ihren Grund in seinem langen Aufenthalte im Süden hatte, die todbringende Waffe verborgen war. Langsam zog er die blitzende kleine Klinge auS der Scheide und prüfte mechanisch die feinge- • schliffme scharfe Spitze. Eine geisterhafte Blässe überflog sein Gesicht und der Schweiß riefelte eiskalt über seine Stirn. Unentschlossen lehnte er sich wieder an das Sekretär Und starrte auf .die vor ihm liegenden unheilvollen Gegenstände, feine Kniec zitterten. Doch der Anblick gab ihm feine Kräfte; entschlossen faßte er den Leuchter und schritt auf das Schlafgemach seiner verbrecherischen Gemahlin zu. Angestrengt lauschte er einen Augenblick in das Zimmer hinein; eS war tottenstill darin, nur schwach vecnahm daS Ohr wie Gcifterflüstern die leisen Athcmzüge der Schläferin. Hastig, aber leise trat er jetzt in das Kabinet an das Bett
der fest Eingeschlafenen. Schön, wie nur Engel schön sein können, lag sie da, mit halbgeöffneten Rosenlippen träumend lächelnd. Der fürchterlich beleidigte Gatte starrte mit umflorten Augen auf diese anmuthSvolle Gestalt, auf diese halbverhüllten Reize, die er vernichten wollte mit seiner TodeSwaffe und fast wäre sein Herz weich geworden bei dem reizenden Anblicke. Da flüsterte wieder er böse Dämon ihm zu: Du zauderst, und sie spaltete des Schwächlings in den Armen eines Anderen, häufte Schande und Schmach über den Gemahl, der sie emporhob zu seiner stolzen Höhe — und rasch zuckte seine Faust empor zum Todesstöße — da bewegte sich plötzlich das Haupt der Schläferin, ein leiser Seufzer hob ihre Brust, sie schien erwachen zu wollen — und erschrocken sank die Faust mit dem blitzenden Dolche nieder; die Lady schlief jedoch wieder ruhig fort.
Der Lord steckte langsam den Dolch wieder in den Busen. Du zitterst. Ernst? sagte er zu sich selbst; also war es wohl ein Bubenstück, das du begehen wolltest? Und wirklich eine schöne Heldmthvt für Lord B . . . ., eine Schlafende zu ermorden! — Othello! — rasch wandte er sich weg und schritt vorsichtig, aber fest, dm Weg zurück, den er gekommen war.
Nochmals nahm er die unglücklichen Papiere zur Hand, las und prüfte den Inhalt. Die Briefe waren alle mit Antonio unterzeichnet. Doch hier lagen noch die gerichtlichen Akten, welche den Tod von Amalias erstem Gemahl bescheinigten. Seltsamer Weise war aber der Familienname ein anderer, als derjenige, welchen das Original des Bflbes, das vor ihm lag, damals geführt hatte, als der Lord ihn kennen gelernt, und doch erwähnte dieser Antonio, der jetzt so verhängnißvoll in sein Geschick eingriff, dieses BilveS als des feinigen, und aus feinen Briesen ging deutlich hervor,
daß er und der vermeintliche Verstorbene ein und dieselbe Person sein mußten. — Wie war dieses seltsame Räthsel zu erklären? Der Lord sann eine Weile hin und her — plötzlich dämmerte dunkel die Ahnung eines ungeheuren Bubenstückes in seiner Seele auf, dessen Opfer seine Gattin geworden, und ob er auch die näheren Umstände nicht zu enträthseln vermochte, es lies ihm doch das Vergehen seiner Gattin in einem milderen Lichte erscheinen. Er legte die Papiere wieder in das geheime Fach, verschloß dos Sekretär sorgfältig und begab sich in sein Gemach zurück.
Unruhig erwartete am folgenden Morgen Lady B. ihren Gemahl gewohntermaßen zum gemeinsamen Frühstück; er kam nicht. Mit wachsender Unruhe schellte envlich die Dame ihrer Dienerin, und befahl ihr, sich zu erkundigen, wo der Herr bleibe. Das Mädchen kehtte mit der Nachricht zurück, Seine Herrlichkeit sei schon am frühen Morgen ausgeritten und habe durchaus keine Nachricht hinterlassen. In peinigender Ungewißheit schwebend, erwartete die Lady die Zurückkunft ihres Gemahls; nie pflegte er sonst sich auch nur auf Stunden zu entfernen, ohne Abschied von Amalia zu nehmen. Was konnte sein räthselhaftes Verschwinden wohl für Gründe haben? Der Abend kam heran, der Lord kehtte nicht zurück. Unter tausend quälenden Vorstellungen legte sich die junge Frau endlich nieder und hoffte aus den Morgen, dieser kam, aber mit ihm nicht Lord B. — Vier lange Tage gingen so dahin; die Angst des schuldbewußten jungen Weibes stieg aufs Höchste; denn auch von Antonio hatte sie seit dieser Zeit nichts mehr vernommen.
(Fortsetzung folgt.)