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Marburg, Freitag, 12. März 1880.
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fcueigen nimmt entgegen: die Expedition d.vlalte», sowie d-Annoncen-Bureaux von Th, Dietrich & Co. in gaffet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt o.SDL; haa! custern & Vogler in zranifurt o- M., Berlin. Leipzig, Löln re.; Rudolf Moff« in Berlin, Arant» hat a. Li tc.
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Anzeigen nimmt entgegen die Expeditio» d. Blattes sowie d- Annoncen-Bureaur von ®. L- Daube & Co. in K:ankfutt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Duchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Merfeld; C. Schlotte in Bremen-
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Zur Geschichte des Nihilismus.
Die gegenwärtige Bewegung in Rußland bezeichnet man gewöhnlich mit dem Namen Nihilismus. Dieser Name ist jedoch nicht ganz correct, da der russische Nihilismus that- sächlich socialistische Principien zur Grundlage hat und somit zur allgemeinen socialdemokratischen Bewegung wohl zu rechnen ist. Die ersten Anfänge der socialvemokratischen Bewegung datiren auf den Anfang der 60er Jahre zurück.
IliniT 3m Jahre 61 erhoben die russischen Studenten in Er- Äderung auf die fiskalischen Maßregeln, welche den Zweck
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hatten, arme junge Leute von den höheren BildungSan- stalten fern zu halten, so wie auf die DiSciplinarverfügungen, welche die Tendenz hatten, sie der diScretionären Zucht der Polizeibeamten zu unterwerfen, wilde Proteste, die sich aus ihren Versammlungen auf die Straße fortpflanzten und zu tumultarischen Kundgebungen heranwuchsen. Die Petersburger Universität wurde damals für einige Zeit geschlossen, die Studenten in's Gefängniß geworfen oder verbannt. Dieses Vorgehen der Regierung veranlaßte einen Theil der Zugend, geheime Gesellschaften zu gründen, die aber die Polizei sehr bald auffpürte und die Angehörigen derselben in's Gefängniß schickte. Andere gründeten Kaffen, die in der Weise organisirt waren, daß ihre Geschäftsführung in kleinen Cirkeln gehandhabt wurde. Diese Cirkel gaben zu» gleich Gelegenheit, sociale und politische Fragen zu diöcn- tiren. Die Seele der ganzen Bewegung war der später nach Sibirien verbannte Tschernyschessky. Doch auch diese Cirkel wurden sehr bald von der Polizei unterdrückt und hat man seit dieser Zeit socialistischerseitS nicht wieder versucht, öffentliche Organisationen zu gründen, sondern hat sich mit der geheimen begnügt.
Der im Jahre 1856 nach Sibirien verbannte und im Jahre 1861 von dort entflohene Revolutionär und Anarchist Bakunin ist der Vater der geheimen Organisation in Rußland, wie überhaupt der Schöpfer und Gründer der geheimen Allianz in Europa. Um den Geist zu beur» theilen, der diese geheime Organisation beherrscht, lassen wir einen Abdruck aus den geheimen Statuten hier folgen:
Organisation der Allianz der Internationalen Brüder.
Drei Grade:
1) Internationale Brüder,
2) Die nationalen Brüder,
3) Die halb geheime, halb öffenlliche Organisation der Internationalen Allianz der socialistischen Demokratie. Reglement der Internationalen Brüder.
1) Die internationalen Brüder haben kein anderes Vaterland als die allgemeine Revolution, kein anderes Ausland und keinen anderen Feind als die Reaktion.
2) Sie verwerfen jede Versöhnung-» und Compromiß- Politik und halten jede politische Bewegung sür reaktionär,
Die Rachtwaustleria.
(Fortsetzung.)
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Lady B., die ihrem Gemahl, wenn sie ihn auch dicht mit jener Glut liebte, wie einst Antonio, doch mit herzlicher Zuneigung und Achtung zugethan war, halte Antonio beschworen, ihre Ruhe nicht länger zu stören und sich von London zu entfernen. In dem Briefe, den sie eben gelesen, versprach der junge Spanier, diese Bitte erfüllen zu wollen, beschwor aber seine Geliebte, ihm noch zuvor eine geheime Zusammenkunft zu bewilligen, um auf ewig von ihr Abschied zu nehmen. Mit den glühendsten Aarbcn malte er dem schwankenden Weibe seine immer fortdauernde Liebe, seine Verzweiflung, sie verlaffen zu Müssen, und bot den ganzen Zauber seiner Beredtsamkeit auf, um die junge Lady zu bestimmen, ihn diese Nacht um elf Uhr im Parke zu erwarten. Zum Zeichen der Gewährung sollte sie beim Einbrüche der Nacht eine brennende Kerze an ein i.i dem Briese »äher bezeichnetes Fenster Hellen.
Was sollte Amalia thun? Wie bang klopfte ihr das Herz, wie verabscheute sich schon den Gedanken, ihren edeln Gemahl zu betrügen I Wie sollte sie wieder vor den Blick des vertrauenden Gatten treten, wenn sie einem Andern
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0«. ?U solcher Stunde eine geheime Zusammenkunft bewilligte?
Und dann wieder, wie mächtig drangen die Worte des rinst so Heißgeliebten zu ihrem Herzem, wie wallten höher Uno höher die Pulse des reizenden Weibes, wenn vor ihrer 0-4^6. Stele die entzückenden Bilder der ersten glühenden Liebe > 72.4J. dorbcizogen, deren schwarzen Berrath sie nicht ahnteWie lockend trat ihr aus der Erinnerung entgegen die blühende ---- Gestalt deS liebeglühenden Jüngling-, und rote nachtheilig
die nicht den Triumph ihrer Principien zum unmittelbaren und direkten Zweck hat.
3) Sie sind Brüder — nie greifen sie einander an, noch machen sie ihre Streitigkeiten vor der Oeffentlichkeit oder den Gerichten aus. Ehren-Jury, gewählt von beiden Parteien aus der Zahl der Brüder — das ist ihre einzige Gerichtsbarkeit.
4) Jeder von ihnen muß allen Anderen heilig fein, heiliger als ein natürlicher Bruder. Jeder Bruder hat auf die Hülfe und den Beistand aller Anderen bis auf die Auslöschung der Möglichkeit zu rechnen.
5) Internationaler Bruder kann nur werden, wer offen das gaize Programm in allen seinen theoretischen und praktischen Consequenzen angenommen hat und außer der gehörigen Intelligenz, Energie, Ehrenhaftigkeit und Zuverlässigkeit auch noch die revolutionäre Leidenschaft besitzt — den Teufel im Leibe hat. Wir legen weder Pflichten noch Opfer auf. Denn wer jene Leidenschaft besitzt, wird Vieles vollbringen, ohne sich nur einznbilden, daß er Opfer bringt.
6) ES darf für einen Bruder keine ernsteren und heiligeren Angelegenheiten, Interessen und Pflichten geben, als den Dienst der Revolution und unserer ihrem Dienste bestimmten geheimen Association.
7) Ein Bruder hat stets das Recht, die Dienste zu verweigern, welche das Central-Comits oder sein National- Comitö von ihm fordert — doch werden viele aufeinander folgende Weigerungen geeignet sein, ihn als trag oder böswillig betrachten zu lassen; er kann durch sein National- Comitö suspendirt und aus Vorstellung des letzteren durch das Central » Comitö bis zur definittven Entscheidung der Constituante in Ruhestand versetzt werden.
8) Kein Bruder darf ein öffenttiches Amt annehmen ohne Zustimmung des Comilö'S, dem er angehört. — Er darf sich an keiner öffentlichen Handlung oder Kundgebung beteiligen, die der von feinem Comit« gezogenen Richtschnur feindlich oder selbst nut fremd ist, oder bei der er letztere« nicht zu Rathe gezogen hat. So oft zwei oder mehrere Brüder beisammen sind, haben sie sich über alle wichtigen öffentlichen Angelegenheiten zu berathen.
9) Alle Internationalen Brüder kennen einander. Kein politisches Geheimniß darf je unter ihnen exiftiren. Niemand kann irgend einer geheimen Gesellschaft angehören, ohne positive Zustimmung seines Csmits'S, oder im Noth- fall, wenn dieses es verlangt, ohne die des Central-Comi- te’6; und er kann ihr nur unter der Bedingung angehören, daß er diesen Comitv's alle Geheimnisse aufdeckt, welche ste direkt oder indirekt interesstren tonnten.
DieS die ersten Paragraphen aus den Statuten. Mitglied des ersten GradeS kann nur derjenige werden, welcher sich durch eine politische Thal in hervorrageno er Weise ausgezeichnet hat. Durch die Mitglieder dieses ersten Grades wird das leitende Ceittral-Comits bezw. Executiv-Comite Sge i «Tiina- in-- ■gna.-gr jF-..;- z. , z.
wurde dem kalten, gesetzten Gemahl der Vergleich, den das junge, glühende Weib in diesem Augenblick zwischen den Beiden anstellte.
Die Nacht war sternhell; wie lauschende Augen schauten die zahllosen Lichter des Himmels herab auf die schlafende Erde, aber kein verrätherischer Mondstrahl verfolgte mit seiner lästigen Begleitung den lauernden, scheuen Dieb oder den kühnen Liebhaber, der zur verbotenen Zusammenkunft mit seiner Angebeteten schlich. Selbst der Wind flüsterte kaum hörbar in den Gebüschen deS Parkes, durch besten verschlungene Gänge geschmeidig und unhörbar wie eine Schlange sich eben eine dunkle, schlanke Männergestalt wand. Im Mittelpunkte des großen Parkes, auf welchem eine mächtige, Jahrhunderte alte Eiche ihre breite Krone in die Lüfte breitete, stand der Unbekannte still, sich vor- stchttg hinter den mächtigen Stamm des alten Riesenbaumes versteckend, und blickte lauschend zu dem großen Schloßgebäude empor, das in seiner alterthümlich - großartigen Form sich düster und fast unheimlich im Sternendunkel ausnahm.
Das Signal fehlt I murmelte der nächttiche Gast unwillig. Sie wird nicht kommen; die Lichter sind bis auf das einzige Flämmchen dort erloschen. Es ist grabesstill in dem alten Steinhaufen, nichts kann ste verhindern, mein Flehen zu erhören, und doch war mein Brief meisterhaft abgefaßt, ich muß mich loben. — Der Ungeduldige hatte kaum diese Worte gesprochen, als der Lichtschimmer, den er noch in einem Gemache des Schlosses wahrgenommen, plötzlich verschwand, bann rasch auf einander aus verschiedenen Fenstern des Gebäudes flüchtig blitzte und sich immer näher gegen den nördlichen Theil des Schlosses hinzog. Endlich flackerte das schwache Lichtchen geheimnihvoll an dem
gewählt. Um sich vor Berrath zu schützen, ist seit dem Jahre 1877 in Rußland das System der falschen Namens- sührung eingeführt worden. Jedes neu eingeführte Mitglied wird, nachdem ihn mindestens zwei bewährte Genossen der Sektion empfohlen haben, unter falschem Namen vorgestellt, er selbst lernt feine Mitverschworenen ebenfalls nur unter den Namen kennen, welche sie als Mitglieder der Sekt'on führen. Erst die Zeit macht es ihm möglich, seine Genossen näher kennen zu lernen, nie aber wird eö ihm, oder überhaupt aber einem gewöhnlichen Mitgliede, möglich fein, mehrere feiner Oberen kennen zu lernen. Dieser Organisation ist eS zuzuschreiben, daß eben, wie bekannt, Fälle vorgekommen sind, wo daS Gericht nicht einmal in der Lage gewesen ist, Namen und Stand des Verhafteten zu erfahren. Andererseits schützt diese Art der Organisation auch stets vor Berrath. Der geheime Agent oder der gewöhnliche Denunciant, dem es gelungen ist, sich in eine Sektion einzuschleichen, wird immer nur im Stande fein, und zwar im günstigsten Falle, seine Mit- genoffen, mit denen er immer zusammengekommen, zu ver- rathen, aber nimmer ist er in der Lage, weitere Dennn- ciationen über den engen Kreis feiner eigenen Sphäre hinaus machen zu können. Dieser Umstand bringt es nun mit sich, daß der Berrath unter den Genossen selbst fast nie anzutreffen ist; denn da der Berräther feine Oberen nicht kennt, diese aber ihn, so vermag er sich vor der auf Berrath gesetzten Strafe, den Tod, nicht zu schützen — eS sei denn durch die schleunigste Flucht, und auch dadurch nur im günstigsten Falle.
Die geheimen Organisationen und Verschwörungen können überhaupt nur in einem Lande wie Rußland, dessen Angehörigen stetig gezwungen gewesen sind, sofern sie sich mit politischen Dingen befaßten, zur nichtöffentlichen Agitation zu schreiten, in einem solchen Maße gedeihen. Hier in Deutschland ist eine solche Eventualität nie zu fürchten — der deutsche Charakter ist dazu viel zu vorsichtig angelegt. Im Uebrigen sei erwähnt, dqß nicht nur die nach Bakuninschem Muster geschaffene centrale geheime Organisation besteht, sondern auch noch ein ganz Theil von einander unabhängige auf eigenen Füßen stehende geheime Verbindungen vorhanden sind. (R. B.)
Tagesbericht.
In Berlin hat die feierliche Enthüllung de» Denkmals der Königin Luise im Thiergarten gestern Mittag um 1 Uhr, von dem herrlichsten Frühlingswetter begünstigt, statt- gesunden. Noch vor Ankunft des Kaisers und der Kaiserin hatten sich der Kronprinz und alle Prinzen und Prinzesstnuen deS königlichen Hauses, die Großherzogin-Wittwe von Schwerin und der Erbgroßherzog von Mecklenburg-Strelitz im kaiserlichen Zelte versammett. Auf den Estraden in der Nähe de- Denkmals hatten die Minister, die früheren
bezeichneten Eckfenster. Mit klopfendem Herzen lauschte jetzt der Fremde, kaum wagte et zu athmen, und erschrak selbst über das Knirschen des feinen Kieses unter seinen Füßen, das bei der leisesten Bewegung, die seine Aufgeregtheit verursachte, sich hören ließ. Endlich vernahm sein Ohr e n leises Knarren, wie von einer kleinen Thüre herrührend ; doch es konnte nur eine Täuschung gewesen sein, Alles wurde wieder todtenstill. Doch jetzt knisterten Tritte im Sande; es war zu deutlich, als daß das lauschende Ohr sich hätte täuschen können. Ein seidenes Gewand rauschte, eine hohe Frauengestalt stand vor ihm.
Der Fremde warf mit einem gedämpften Jubelausrufe den Mantel von sich, der seinen schlanken Körper umhüllte, und stürzte vor der schönen Erscheinung auf die Knie, und suchte dieselben zu umfassen. Antonio I sprach Amalia zurückttetend, aber mit zitternder Stimme; ich habe schwer gefehlt, daß ich Deinen Bitten Gehör gab. Möge Gott eS mir verzeihen, waS ich gethan! Aber ich konnte eS mir sticht versagen, Dich noch einmal zu sehen, obschon eine innere Stimme sich gegen diesen Schritt sträubte, der wahrlich sich wenig mit den Verpflichtungen erträgt, die ich gegen meinen edeln Gemahl eingegangen.
Amalia! herrliches, göttliches Weib! flüsterte der Spanier auffpringend, und suchte seinen Arm um ihre schlanke Gestalt zu schlingen. Doch ste trat abwehrend zurück.
Antonio! sagte ste, indem ste ihrer Stimme gewaltsam Festigkeit zu geben suchte, ich bin gekommen, um Dir Lebewohl zu sagen, und erwartete einen Freund, der edel genug denken werde, um zu begreifen, was Lady B ... sich selbst und ihrem Gemahl schuldig ist.
Freund — Freund! nichts mehr als Freund! murmette