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JTlarBurg, Freitag, 5. März 1880
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Aus Petersburg gingen noch folgende Telegramme vom d. Mts. ein:
Der Kaiser begab sich gestern nach 3 Uhr mit dem
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Nach einer ziemlich genauen Zusammenstellung der gegenwärtigen Mitglieder des Reichstags setzen sich diese zusammen aus 227 bürgerlichen Mitgliedern, 79 einfach
Die von einigen Blättern als bevorstehend annoncirte Trennung der Linken von der Rechten der nationalliberalen Partei, war wieder verfrüht und wird wiederum nicht stattfinden. Die wenigen Nationalliberalen, welche sich unter der Führung von LaSker und Forckenbeck zusammen- findcn würden, scheinen sich zu geniren, als gesondertes Fraktiönchen neben ihren ehemaligen Freunden herzulaufen und den Plan, sich als „Antikornliga" mit Herrn Richter und dessen politischen Freunden zu verbinden, scheinen sie, als nicht ganz geheuer wieder aufgegeben zu haben.
Die Generalversammlung der Rumänischen Eisenbahn beschloß nach eingehender Debatte und durchgreisendcr, besonders von Sturdza erfolgter Widerlegung des eingebrachten Protestes die Retrocession der rumänischen Eisenbahn an den rumänischen Staat mit 306,888 gegen 17,949 Stimmen.
Auch der Nihilismus lieferte seine Illustration in Folgendem. (Die Depesche ging gestern Abend spät noch ein und konnte nur noch in wenigen Extrablättern von uns verbreitet werden)
Petersburg, 3. März. Heute Nachmittag gegen 2 Uhr wurde auf den General Loris - Melikoff beim Eingang in dessen Wohnung auf dem großen Morskoi von einem jungen Mann aus nächster Nähe ein Schuß abgefeuert. Loris - Melikoff blieb unverletzt. Der Thäter ist verhaftet.
Als ergänzende Meldung wird noch mitgelheilt: Ein unbekannter etwa 30jähriger Mann schoß mit einem Revolver aus unmittelbarer Nähe auf Loris-Melikoff, als dieser vor seinem Hause in den Wagen stieg. Der General blieb unverletzt, seine Uniform wurde durchschossen. Er selbst ergriff den Verbrecher.
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Tagesbericht.
Der „Reichs - Anzeiger" publicirt eine Verfügung des Kaisers an den Reichskanzler vom 23. Februar, wodurch genehmigt wird, daß für das Ressort des Generalpostmeisters eine dritte Abtheilung errichtet werde, die oberste Reichsbehörde für die Verwaltungszweige dieses Ressorts künftig die Bezeichnung „Reichspostamt" erhalte und der Generalpostmeister künftig den Titel Staatssekretär führe. Wegen Errichtung einer dritten Direktorstelle hat der Reichskanzler endgültige Feststellung durch den Etat herbeizuführen. _____________
adeligen, 37 Freiherren, 33 Grafen, 1 Prinzen, 7 Fürsten und 1 Herzog. Ihrer bürgerlichen Stellung nach sind 69 Justizbeamte, 33 Verwaltungsbeamte, 20 Communal- verwaltungsbeamte, 129 Grundbesitzer, 9 Staatsminister in- und außer Dienst, 7 Aerzte, 27 Kaufleute und Ban- quiers, 19 Industrielle, 11 Literaten, 20 Geistliche, 18 Professoren und Lehrer, 1 Handwerker, 19 Rentner, 1 Generalfeldmarschall, 2 Generäle a. D. und bei 4 läßt sich die bürgerliche Stellung nicht klassifiziren.
Vor einiger Zeit hieß es, daß dem gegenwärtigen Reichstage unter anderen Vorlagen auch das neue Eisenbahn-Tarifgesetz vorgelegt werden werde. Wie wir jetzt von gut unterrichteter Seite erfahren, dürfte es mehr als fraglich sein, ob das neue Gesetz noch in dieser Session an den Reichstag gelangen werde. Der Entwurf desselben ist ja schon seit längerer Zeit ausgearbeitet und dem Bun- deörath vorgelegt worden, allein dort ruht er jetzt schon seit Monaten, ohne daß in der Angelegenheit eine Aen- derung eingetreten wäre; wie wir hören, ist der Grund hierzu darin zu suchen, daß man Seitens des Reichseisenbahnamtes in Betreff der Tarife bei den einzelnen Eisenbahnverwaltungen noch neue Erhebungen veranstaltet hat, deren Endresultat zuerst abzuwarten ist. Auch das Reichs-Eisenbahngesctz ist noch in weite Ferne gerückt und wird erst nach Erledigung des Tarifgesctzes zur weiteren Berathung gelangen. Es ruht gleichfalls in dem Schooße des Bundesrath.
Die Nachtwandlerin.
«Fortsetzung)
Die junge Dame blickte noch immer ungewiß auf den Fremden, und dieser eben so verlegen auf sie; beice Theile fühlten, daß sie sich eine Erklärung schuldig seien. Endlich begann der Unbekannte mit höflicher Verbeugung: ■ Madame, es scheint Ihnen unerklärlich zu sein, wie ich berechtigt fühlen konnte, mich Ihnen auf fo seltsame Weise zu nähern. Mir ist Vieles eben so wenig klar. Ich sah Sie in sehr gefährlicher Stellung und glaubte durch mein Dazwischentreten ein Unglück verhüten zu können. Habe ich zu voreilig gehandelt, so bitte ich dieses einzig einem verzeihlichen Jrrthum zuzuschreiben.
Ich fühle, sagte die junge Dame mit unsicherer Stimme, b>ie räthselhast Ihnen mein Hiersein zu dieser Stunde vorkommen muß; ich bitte Sie indeß dringend kein vorschnelles sirtheil darüber zu fällen. Zu geeigneter Stunde werde ich Ihnen mit Vergnügen dieses Räthsel aufklären und die Besitzerin jener Villa dort — sie zeigte auf das nächstge- : legen e Landhaus — wird sich geehrt fühlen, den unbekannten fetter, dessen Hülfe vielleicht keineswegs überflüssig war, bei sich zu empfangen, und ihm für seine großmüthige That W herzlich zu danken. — Mit einer graziösen Verbeugung wendete sie sich zum Gehen und die Schatten der Kastanienbäume entzogen sie bald den nachschauenden Blicken ^8 verwunderten Fremden.
Die Morgensonne strahlte glanzvoll und glühend über ber i» südlicher Pracht prangenden Gegend. Eine junge Dame trat leichten Schrittes auf den Balkon des sreund- iühen Landhauses, in dessen Nähe während der vergangenen ^acht das seltsame Zusammentreffen am Seegestade statt-
Jn Bezug auf die Verhandlungen mit dem Vatican wird der „Köln. Ztg." von Berlin geschrieben, „der Papst Lev XIII. habe sich, wenn auch mit schwerem Herzen, dem Standpunkt des preußischen Staats bequemt und werde die Geistlichkeit auffordern, die unter allen Umständen bestehen bleibenden grundlegenden kirchenpolitischen Gesche (Maigesetze) in Preußen zu befolgen und die Befugnisse des Staates, seine Rechtssphäre der Kirche gegenüber aus eigener Machtvollkommenheit zu bestimmen, stillschweigend anerkennen oder doch über sich ergehen lassen. Der Staat werde lediglich solche Zusätze zu den bestehenden Gesetzesbestimmungen neu ertasten, welche im Geiste derselben liegen, aber der nunmehr geänderten Haltung des päpstlichen Stuhles dem Staate gegenüber Rechnung tragen. Wann dies geschehen werde, laste sich genau nicht vorher- bestimmen. Im Vatican hoffe man, daß der Ausgleich noch in diesem Sommer zustande komme." Die Bestätigung dieser Nachricht wird abzuwarten sein; vorerst möchien wir noch an der Unterwerfung des Papstes einigermaßen zweifeln, cs wäre denn, daß wir die Zusätze zu den Maige- setzen gesehen hätten.
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Äür dm Monat März werden von allen Post- Ö anstalten (auf dem Lande von den Landpostboten) Bestellungen auf die
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jemals hier stattgefunden hat. Auf den Straßen spielten Musikcorps und unzählige Equipagen und Droschken, buntgemischt, hielten eine Corsofahrt. Auf den Trottoirs bewegte sich eine Kopf an Kopf gedrängte, Hurrah rufende Menschenmenge. Das Fest verlief bis zu seinem Ende in ungetrübter Freude. Nirgends fand irgendwelche Störung statt.
Der „Regierungsbote" theilt die Glückwunsch-Adressen des Reichsrathes und des Senates, sowie die vom Kaiser darauf erteilten Antworten mit. In der Antwort auf die Reichsraths-Adreste dankt der Kaiser für den Ausdruck treuer Gefühle und die Mithülfe des Reichsrathes wie der jetzigen und früheren Minister bei den großen legislatorischen Arbeiten, gedenkt ferner der bereits verstorbenen Theilnehmer an dem Reformwerke, auch der besonderen Thcilnahme deö Großfürsten Konstantin an der Reform des Bauernstandes. Im weiteren spricht der Kaiser die Hoffnung aus auf die Hülfe des Reichsrathes bei den noch bevorstehenden Arbeiten und schließlich das Vertrauen, daß Gott Rußland aus den jetzigen schweren Tagen herausführen werde. In der Antwort des Kaisers auf die Senats-Adresse wird die Ueberzeugung ausgedrückt, der Senat werde auch künftig wie bisher zu Rußlands Wohl wirken und feine Thätigkeit auf Bekräftigung der legalen Ordnung richten. Der Kaiser hofft, er werde auch künftig Gelegenheit haben, dem Senate für loyale Erfüllung seiner Pflichten zu danken. — Das Kabinetsschreiben des deutschen Kaisers an den Kaiser Alexander wird von der russischen Presse sympathisch begrüßt. „Golos" findet dasselbe im gegenwärtigen Augenblicke besonders geeignet, die russische Gesellschaft zu beruhigen.
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Großfürsten - Thronfolger nach der Kasan'schen Kathedrale, wo er ein Dankgebet verrichtete und unternahm bann eine Spazierfahrt. Die Illumination war die glänzendste, welche
gefunden hatte. Ein schwarzes, eng anschließendes Kleid umgab die zarten, schwellenden Formen des schönen Weibes. Die dunkle Trauerfarbe trug indeß nicht wenig dazu bei, den blendend weißen Teint des Nackens und des auffallend blassen, aber in seiner Blässe unendlich lieblichen und interessanten Gesichtes zu heben. Im Gegensätze zu der bleichen Lilie hüpfte ein junges Mädchen von ungefähr sechs Jahren, mit tiefblauen Äugest, goldblonden Haaren und mit dem rosigen Vollmondsgesichtchen der jungen Dame nach, klatschte in die kleinen Händchen vor Jubel über den prächtigen Morgen, und schlang dann seine Arme schmeichelnd um die Knie der Dame, die klugen Taubenaugen zu ihr aufschlagend. Fast erschrocken ließ es aber wieder los, als es das traurige Antlitz derselben erblickte. — Bist du schon wieder traurig schöne Mutter? Hat dich Emmy böse gemacht? fragte das Kind betrübt.
Amalia hob schmeichelnd das liebliche Gechöpfchen zu sich empor, drückte einen warmen Kuß auf ihr kleines Kirschenmündchen, und sagte dann: Geh ein wenig in den Garten hinunter, Emmy... sei nur recht fröhlich, du hast mich nicht traurig gemacht. — Willst du nicht mittommen, Mamachen? schmeichelte die Kleine, es ist so hübsch. — Nein, Emmy, ich habe nicht Zeit. — Und darf ich Schmetterlinge fangen und Rosen brechen, Mama? — So viel du willst, Emmy; nur nimm dich vor den Dornen in Acht! rief Amalia dem kleinen Schmetterling nach, der die Warnung kaum mehr hörte, und seufzte schwer auf.--
Es waren eigentümliche Verhältnisse des Lebens gewesen, welche Amalia an diesen Ort gebracht hatten. Es konnte zwar am ganzen Corner-See feine schönere landschaftlichere Lage gefunden werden, aber trotzdem fühlte die Bewohnerin des Schlosses sich hier trostlos und verlassen.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllnftrirteS SomttagSblatt" durch die Expedition (K och'fche Buchdruckerei) bezogen 3k Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgsbühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pfg. berechnet.
Deutsches Reich.
•* Berlin, 3. März Im Namen des Kaisers hat der Reichskanzler dem Bundesrath eine Ergänzung zu dem
In bescheidenen Verhältnissen ausgewachsen, hatte Amalia, nachdem ihre Eltern schon früh verstorben, sich mit ihrer Hände Arbeit redlich ernährt.
Nicht lange jedoch sollte ihr Seelenfriede ein ungestörter bleiben. Den hartnäckigen Anstrengungen eines in Bern sich aufhaltenden Mitgliedes der spanischen Gesandtschaft, Namens Antonio de la Casa war es gelungen, ihr Vertrauen sich zu erwerben. Zwar erfüllten anfänglich bange Zweifel das Herz Amaliens, und nicht immer vermochte sie es, ohne den störenden Beiklang banger Ahnungen, sich in ihr neues Glück hineinzufindeu. Sie hatte ihrem Gatten die Hand vor dem Altäre gereicht und der weihevolle Eindruck des Trauungsaktes hätte ihr eine volle Beruhigung verliehen, wenn derselbe nicht unter größter Beobachtung der Vorsicht und Heimlichkeit vollzogen wäre.
Amalia war von Antonio gleich nach ihrer Trauung hierher gebracht worden. Ein paar glückliche Monate hatte sie an der Seite des schwärmerisch geliebten Mannes hier verlebt. Antonio schien ganz Liebe zu sein, er betete feine junge Gemahlin an und lebte nur ihr allein. Gegen Ende des Winters ward er abes ost nachdenklich und verdrießlich, und schützte auf die liebevollen Erkundigungen Amalia'S unangenehme Familienverhältnisse vor. Endlich äußerte er sich, daß wichtige Angelegenheiten seine Anwesenheit in seinem Vaterlande dringend nothwendig machten, und daß sein alter Vater dieses auch gebieterisch fordere. Trotz Amalia'S Thränen und ihren Bitten, sie nicht hier allein zurüctzulasfen, verreiste er und befahl ihr streng diesen sicheren Aufenthalt nicht zu verlassen und keine Erkundigungen nach ihm einzuziehen, um nicht den geheimen Bund zu verrathcn, dessen Entdeckung für ihn gerade jetzt von den traurigsten Folgen sein müßte. Anfangs erhielt das
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