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Rr. «8.

Marburg, Donnerstag, 26. Februar 1880

xv. Jahrgang

Anzeigen nimmt tmgegen: die Expedition d.vlatte«, sowie d-Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt <l2ÖL ; Haasenstein & Bögler in Krankfurt a. SDL, Berlin, ttipzig, Söln ic.; Rudolf Noffe in Berlin, Frank­furt a. M- re.

MttWme ZeitiiW

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte« sowie d. Annoncen-Bureaur von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jägerische Buchhandlung das elbft;

Herrnann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W- Thiene« in Elberfeld; 6. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Wetttagen nach Sonn- und Feiertagen- Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JäuftritteS SonntaaSblatt" durch die Ervedition fÄnib'fibe Buchdruckerei) bezogen U Mark, durch die Postämter de« Deutschen Reiches 2 Mark 50 Wg"(epiSeMgebüM-SSn«S ff gesialt-n- Zttle lO Pfa *’’ Mr m der Erpeditwn zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

ür den Monat März werden von allen Post- anstalten (auf dem Lande von den Landpostboten) Bestellungen auf die

Dberhessische Zeitung

mit deren Gratisbeilage

Jllustrirtes Sonntagsblatt angenommen, und bitten wir dieselben baldigst machen zu wollen.

Die Exped. d. Oberh. Zeitung.

Tagesbericht.

Großfürst Nikolaus von Rußland ist gestern früh 7», 4 Uhr in Berlin eingelroffen und von den Prinzen Karl, Friedrich Karl, Alexander und Prinz August von Württemberg am Bahnhof empfangen worden. Auf letzterem war eine Ehrenkompagnie mit Fahne und Mufik aufgestellt, welche beim Einfahren des Zuges die russische Nationalhymne intonirte. Prinz Karl geleitete den Groß­fürsten im königlichen Wagen nach dem russischen Bot- schastShotel. ______________

Die „Nordd. Allgem. Ztg." veröffentlicht eine von be- achtenswerther Seite kommende Zuschrift, welche in Betreff des gestrigen Artikels der „Nordd. Allg. Ztg." über die Befestigung Kowno'S die Meinung ausdrückl, daß aus der Befestigung der eigenen Grenze noch nicht nothwendig eine feindliche Tendenz gegen die Nachbarn hervorgehe, sondern nur das objektive Bedürfniß, die eigene Sicherheit durch eigene Mittel zu verbürgen. Die Haltung der polnischen Bevölkerung bei ausbrechenden Eonfllcten könne die forti- fikatorischen Anlagen von großer Wichtigkeit erscheinen lassen. Es ließen sich noch andere Conflicte denken, welche die Nützlichkeit der Befestigung Kowno's darthun würden, ohne daß dabei nothwendig der Bruch der langjährigen Freundschaft zwischen Rußland und Deutschland voraus­gesetzt werden müßte. Jedenfalls stehe daS Recht, sich so an den Grenzen zu befestigen, daß letztere mit eigenen Kräften zu schützen seien, jedem unabhängigen Staats- Wesen an. ____________

Bei der vorjährigen Etatsberathung hatte der Reichs­tag den Beschluß gefaßt, den Reichskanzler zu ersuchen, in Erwägung zu ziehen, ob nicht in Anlaß der neueren Be­stimmungen über die Behandlung der Nachnahmesendungen eine Ermäßigung der Gebühren eintreten könne. Der Reichs- kanzl-r hat dem Reichstag jetzt darauf erwidert, daß bei den bezüglich der Ermäßigung der Gebühren für Postnach-

Hilaria.

Erzählung von Ludwig Hesekiel.

(Schluß.)

Vierzigtausend Menschen faßte der ungeheure Raum und kein Platz war leer. Diese philosophisch gebildeten Römer, diese Stoiker, Epikuräcr, Platoniker und wie sie sich nennen mochten, sie kannten keine größere Freude als Fechterspiele und Thierkämpfe; die Philosophen mit der hohen Bildung, die den zarten Titull auswendig wußten, die ihren Horaz und Ovid täglich lasen, aber noch mehr Freude am Martial hatten, die für Plato schwärmten, da saßen sie und der Blutdurst leuchtete aus ihren Augen. Schaudernd wandte sich von solcher Rohheit nur daS ver­achtete Häuflein der Christen ab; o ja, Bildung hatten diese Heiden, aber Menschlichkeit hatte dieselbe nicht gelehrt; in allen den großen Bibliotheken, die Jedem offen standen, .and sich kein Buch, das diesen hochgebildeten Römern die Liebe gepredigt hätte, die Liebe zu jeglicher Creatur, die "wbe auch zum Feinde. Wie sie jauchzten, als die Löwen und Panther losgelassen wurden und sich aufeinander warfen, wilde Thiere hier und wilde Thiere dort! Noch größer aber wurde der Jubel, als nun die Verurtheilten die Arena betraten, der greise Mann, die würdige Mattone und das zarte junge Weib mit dem wehenden dunklen Haar. Auf dem Podium schloß Commodus die Augen, er haßte dieses Weib, aber er konnte es doch nicht sehen, wenn die Pranken der Ungethüme sich in die weichen Glieder schlugen. Die Christen waren waffenlos, sie rührten die gefalteten Hände nicht, sie beteten laut, Einer den Andern ermahnend. Da sprang Commodus auf.

„Haltet die Bestien zurück," befahl er mit Donnerstimme, Und die Wärter gehorchten.

nahmesendungen stattgehabten Erwägungen sich ergeben habe, daß eine solche Maßregel eine gewisse Rückwirkung auf die Gebühren für andere Postversendungs-Gegenstände auSüben würde. Hierüber sind Vorberathungen gepflogen und im Anschluß daran Ermittelungen eingeleitet worden. Erst nach Beendigung derselben kann die weitere Erörterung des Gegenstandes stattfinden. — In derselben Sitzung wurde ferner vom Reichstag beschloffen, den Reichskanzler zu er­suchen darauf Bedacht zu nehmen, daß den Post- und Telegraphenbeamten an Sonn- und Feiertagen die ent­sprechende Sonntagsruhe beziehungsweise die nothwendige Zeit zur Sonntagsfeier gewährt werde. Hierauf ist dem Reichstag jetzt erwidert, daß die Kaiserlichen Ober-Post­direktionen Seitens der obersten Post- und Telegraphen­verwaltung von Neuem veranlaßt worden sind, unter Be­achtung der allgemeinen Dienstvorschriften und unter Be­rücksichtigung der Bedürfnisse der Verkehrs-Einrichtungen An- ortmungen dahin zu treffen, daß durch Beschränkung und zweck- mäßigeBertheilung derDienstgeschäfte den Beamten und Unter­beamten die entsprechende Sonntagsruhe bezw. die noth­wendige Zeit zur Sonntagsfeier in weiterem Umfange, als bisher zu Theil werde. — Endlich wurde bei derselben Gelegenheit der Reichskanzler ersucht, die Vorschriften über die Annahme und Anstellung von Anwärtern im Tele­graphendienst, wonach die Anstellungsbefähigung für den Telegraphendienst nur ausnahmsweise verliehen werden kann, aufzuheben. Hierauf ist nun der Bescheid ergangen, daß in Betreff der Besetzung der Subaltern- und Unterbeamten­stellen bei den Reichs- und Staatsbehörden durch Militär­anwärter eine allgemeine Regelung in Aussicht genommen ist und daß bis nach erfolgter Beschlußfassung hierüber die Entscheidung wegen Abänderung der Bestimmungen bezüglich der Anwärter für den Telegraphendienst ausgesetzt bleiben müsse.

Dor Kurzem ging durch die Zeitungen die Nachricht, eö liege in der Absicht des Reichskanzlers, das Versicherungs­wesen gleich wie daS Eisenbahnwesen gemeinsam in die Hände deS Staates zu vereinen. Wir haben damals be­reits auf die Unrichtigkeit dieser Nachricht hingewiesen und sind heute in der Lage, das Tatsächliche an derselben folgendermaßen festzustcllen. Im verflossenen Jahre wurde in Folge einer Petition deS Reserve-Lieutenants Ohlen- schläger in Berlin vom Reichstag der Beschluß gefaßt, der Reichsregierung diese Petition mit dem Ersuchen zu über­weisen, daß das Versicherungswesen im Wege der Reich«- gesetzgebung baldmöglichst geregelt werde. In Folge dessen sind die Bundesregierungen seitens des damaligen Reichs­kanzleramts ersucht worden, über daS Bedürsniß und über die Modalitäten einer reichsgesetzlichen Regelung des Ver­sicherungswesens sich zu äußern. Diese Antworten der Bundesregierungen sind bis jetzt erst nur cheilweise einge-

„Pontifex Maximus," wandte er sich an den neben ihm sitzenden höchsten Priester, „frage die Gefangenen, ob sie in Deiner Gegenwart den Göttern opfern und ihren Glau­ben abschwören wollen, dann will ich sie im Namen des Kaisers begnadigen!"

Mit finsterer Miene schritt der Pontifex an den Rand deS Podiums; zwischen den Eltern stand Hilaria, die Augen betend erhoben; sie sahen die wihden Bestien nicht, die von den Wärtern rasch in ihre Käfige gedrängt wurden und heulend gehorchten, daS Leben der Wärter stand auf dem Spiel dabei, was fragte Commodos danach und sie ge­horchten ihm, HM weil es gegen diese Stimme keinen Un­gehorsam gab, halb weil in diesen rohen Gesellen Mitleid mit dem zarten Weibe erwachte, von dem die 40,000 Zu­schauer nichts wußten.

„Wollt Ihr den Göttern opfern?" rief der Priester.

Die Augen der Christen hoben sich, sie sahen unter all' den erbarmungslos auf sie gerichteten Blicken hie und da ein bekanntes Gesicht; eine Hand hob sich uumerklich, das Zeichen des Kreuzes machend.

„Nein", sprachen alle drei mit fester Stimme.

„Wir glauben an den dreieinigen Gott," klang eS von Hilarias Lippen.

„So laßt die Bestien wieder los", wollte CommoduS rufen, da drängte sich ein Mann herein, mit Helm und Schwert, der rief über das ganze Theater hin: „Ich bin auch ein Christ, ich will auch sterben!"

„CajuS Lentulus", schallte es ringsum; Hilaria hob die Arme nach ihm empor, Commodus erblaßte, denn er sah Helme und Schmetter in der Thür blitzen. CajuS Lentulus führte die zwölfte Legion, die schon seit den Tagen des Augustus den Namen „Donnerlegion" trug und bei

gangen und ist deßhalb in dieser Angelegenheit auch noch nichts Weiteres unternommen worden. Nicht früher, als bis diese Aeußerungen eingegangen sind, wird seitens der Reichsregierung ein Beschluß gefaßt werden können, ob im Sinne des Beschlusses des Reichstages etwas zu geschehen habe.

Die „Politische Korrespondenz" meldet aus Serajewo: Landstreicher in der Umgebung von Plevlje schoffen auf österreichische Patrouillen, ohne Jemand zu ver­wunden. Von den Thätern befinden sich vier in Unter­suchungshaft.

Deutsche» Reich.

•* Berlin, 24. Febr. Die Ausschüsse des BundrS- raths für Handel und Verkehr und ffür Justizwesen haben hinsichtlich der ihnen überwiefenen Gesetzentwürfe betreffend die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen und betr. die Anzeige der in Fabriken und ähnlichen Bettieben vor­kommenden Unfälle beim BundeSrath beantragt, denselben in der von ihnen beschloffenen Fassung die Zustimmung zu. ertheilen. — Dem BundeSrath sind ferner die Ent­würfe eines Regulativs für die Privatttansitlager von Ge­treide u. s. w. und von Bestimmungen, betr. die Gewäh­rung einer Zollerleichterung bei der Ausfuhr von Mühlen­fabrikaten, welche aus ausländischem Getreide hergestellt sind, vorgelegt worden. — DaS „Bett. Tagebl." theilt mit, die Notirung der preußischen KonsolS an der Londoner Fondbörse sei abgelehnt unter dem Vorwande, daß in London eine Zahlstelle für die Koupons fehle, wttche die bald erforderlichen neuen TalonS ausgebe. Weiter meldet das Blatt, um die Errichtung einer solchen Zahl­stelle habe man sich Seitens mehrerer Berliner Bankhäuser bei dem preußischen Finanzminister gegen Ende v. I. viel­fach bemüht. Die Zumuthung soll jedoch zurückgewiesen, aber dennoch der Versuch gemacht worden sein, mit Unter­stützung der Frankfurter Firme Rothschild die KonsolS in den Vettehr der Londoner Börse zu bringen. Das „Tageblatt" findet jedoch schließlich, daß die Ablehnung der Notirung in London ein eigenthümlicheS Licht auf dm dottigen Börsenvorstand werfe, namentlich auf die Lon­doner Firma Rothschild, wttche die Ablehnung besonders veranlaßt haben soll, und zwar weil ihr die gewünschte Zahlstelle in London von der Finanzverwaltung nicht zu­gestanden worden sei. Wie ich höre, scheint die Ablehnung einer Kouponzahlstelle in London Seitens des Finanzmini­steriums in der That erfolgt zu sein, und eS dürfte dabei wohl sein Bewenden haben. Man scheint in Berlin nicht der Meinung zu sein, daß die mit dieser Zahlstelle ver­bundenen Spekulationen, welche vorzugsweise dem Vortheil der Agenten dienen dürften, auf die Verantwortlichkeit der Finanzverwaltung zn nehmen sein würden, der man sie der sich viele httmliche Chttsten befanden. Was war ge­schehen? War der Aufstand siegreich, war CajuS Lentulus abgefallen und drohte ihm nun?

„Der Kaiser, wo ist der Kaiser!" herrschte man CajuS Lentulus von allen Seiten an.

„Im Orient; der Aufstand ist unterdrückt, wir konnten umkehren, der Kaiser aber ist zu seinen Truppen, man hatte ihnen vorgespiegelt, er sei tobt, als sie die Lüge er­fuhren, ermordeten sie den AridiuS Cassius, den Anführer der Aufrührer."

Jauchzen und Jubel erscholl im Saal, CajuS LentuluS aber trat zu Commodus und sagte ernst: „Gieb die Meinen loS oder ich sterbe mit ihnen!"

„Gnade", sprachen jetzt auch Mehrere der Senatoren.

Ein böses Lächeln spielte um die Sippen des Commodus; er sah, daß Casus Lentulus nicht an Aufruhr dachte und die alte Grausamkeit wachte auf.

»Ich will Dir einen Vorschlag machen," sagte er hämisch, „Du weißt, ich bin ein erfahrener Gladiator, laß uns dott in der Arena kämpfen, wer von uns siegt, behält Hilaria!"

Statt aller Antwott sprang CajuS Lentulus in die Arena hinab — er wußte, daß Commodus, der sich in der That nicht scheute, als öffentlicher Fechter aufzutreten, stets siegte, er sorgte für Schutz und Hülfe — mit einem Schrei warf sich Hilaria an seine Brust. Dieser Anblick aber weckte alle bösen Geister in der Brust des Kaisersohnes, er erhob sich ebenfalls und rief in die Zuschauer hinein: „Römer, Casus Lentulus hat uns rine gute Nachricht gebracht, aber er ist ein Christ, ein Feind des Staates; dürfen wir uns unwürdig eines Brutus zeigen, der die eigenen Verwandten nicht schonte, um des Staates willen?" Beifallklatschen