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Rr. 47.

Marburg, Mittwoch, 25. Februar 1880

xv. Iii-rgmg

liu eigen nimmt tmgegen: He Expedition d.vlattr», sowie d.Annoncen-Bureaur ,on Th, Dietrich & Co. in Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a- M.» Berlin, Leipzig, Cölu re.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frank­furt <l M- re.

ObnIikWe ZcitiiW

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatter sowie d.Annoncen-Bureaur von S-L-Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst^ Hermann'sche Buchhandl. daselbst: Jnvalidendank in Berlin; W- ThieneS in Elberfeld: <L Schlotte in Bremen-

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlustrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2h Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — JnsettionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

flkür den Monat März werden von allen Post- v anstalten (auf dem Lande von den Landpostboten) Bestellungen auf die

Sberhessische Zeitung

mit deren Gratisbeilage

JllustrirteS Sonntagsblatt angenommen, und bitten wir dieselben baldigst machen zu wollen.

Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.

Ein Schreibe« Bismarcks

über die allgemeine Heeres-Reduktion und den internatio­nalen Abgeordneten-Kongreß.

Die „Gazetta o'Jtalia" enthält in ihrer Nummer vom 12. d. M. Bruchstücke eines an den Universitäts-Professor Pietro Sbarbaro in Neapel gerichteten Schreibens, welches nach der Versicherung der Redaktion dieses Blattes von einem der ersten Staatsmänner des Jahrhunderts herrührt. Der Name und die Nationalität des Staatsmannes sind nicht angegeben; aber aus einzelnen Stellen des Briefes und aus dem ganzen Tenor desselben geht fast unzweifel­haft hervor, daß dessen Schreiber niemand anderer als der deutsche Reichskanzler ist. Der Brief, desien Ton bald ein ironischer und sarkastischer, bald ein tiefernster ist, Hird sicherlich die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Die Einleitung, welche das italienische Blatt dem in Rede stehenden Briese voranschickt, und der Brief selbst lauten wie folgt: Einer der größten Staatsmänner des Jahrhunderts richtete an Professor Sbarbaro einen langen Brief über die Frage der allgemeinen, gleichzeitigen, pro­portionalen und stufenweisen Heeresreduktion, welche im österreichischen Parlamente vom Abgeordneten Fux ange­regt wurde. Wir sind ermächtigt, demselben folgende Stellen zu entnehmen, sie zu übersetzen und zu veröffenüichen:

. 2. Februar 1880.

Mein Herr! Durch die Gräfin erhielt ich Ihren Bries und daS von einem ehemaligen^ Führer der Wiener Revolution, dem Dr. Fischhof, an Sie gerichtete und in der „Gazetta d'Jtalia" veröffentlichte Schreiben über das Projekt der Einberufung einer internationalen Abgeordneten - Versammlung zum Zwecke der Diskussion über jene Mittel, durch welche dem gejammten Europa die Wohlthaten des Friedens gesichert werden können ober mindestens eine gleichzeitige, dem militärischen Machtver­hältnisse der verschiedenen Staaten entsprechende Verringe- rung der Armeen sich herbeiführen ließe.

Vor allem muß ich Ihnen für das danken, was Sie mir und meiner Nation schmeichelhaftes sagen, wie auch — , —

Hilaria.

Erzählung von Ludwig Hesekiel. »Fortsetzung)

Commodus ging, Hilaria lag betend auf den Knien bis ihr Vater zurückkam, dem sie das Vorgefallene mittheilte. Schrecken und Entsetzen erfaßte ihn, aber er schwankte nicht, was zu thun war. In die Sünde durfte Hilaria nicht willigen, fliehen konnten sie nicht, durch ein Väugnen die Anklage hinfällig zu machen, daran dachten sie nicht. Noch hatten sie kein offenes Bekenntniß ihres Christenthums ab« gelegt, denn noch war keine Frage an sie herangetreten und Hilarius hätte auf diese Weise manchen Glaubensgenoffen schützen können, das war nicht möglich, und so ergaben sie sich bann betend in den Willen Gottes.

An Stelle der Liebe zu Hilaria trat bei Commodus ein wilder Haß; er wollte sie tobt zu seinen Füßen sehen und das Mittel, diesen Wunsch zu erfüllen, hatte er in der Hand. Er wußte genau, daß Hilarius sich schon vor et« uchen Jahren mit seinem ganzen Hause hatte taufen lassen, baß ihn der Kaiser aber geschont hatte, um sich nicht eines sonst treuen und sehr brauchbaren Dieners zu berauben. Commodus wußte auch, daß Hilaria verloren war, wmn bie Anklage wegen Abfalls von der Staatsreligion gegen ste erhoben wurde, denn nur in den seltensten Fällen läug- ueten die Christen, die sich lieber den qualvollsten Mattern Wlterwarfern. Und an Hilattas Mattern wollte er sich weiden, sie sollte die Eltern sterben sehen und ihnen unter benselben Qualen folgen. Der Kaiser war fern und war bas Haus deS Hilarius bei seiner Heimkehr vernichtet, jebenbtg konnte er die Tobten nicht wieder machen; waS kam es auch auf ein paar Chttstenleben mehr oder weniger tor dafür wollte er sich schon Verzeihung verschaffen.

für die Wünsche, die Sie in Bezug auf die Wiederher­stellung meiner Gesundheit und auf meine Lebensdauer aussprechen

Wenn Sie, Ihrer Zusage gemäß, mich mit Ihrem Besuche erfreuten, würde es mir nicht schwer sein, die lange Reihe Ihrer Fragen bis ins kleinste zu beantworten. Ihrer Diskretion und Loyalität vertrauend, könnte ich die ausgezeichnete Meinung, die Sie von meinem Frcirnuthe haben, voll bekräftigen; aber heute ist es mir unmöglich, Ihren Wunsch vollständig zu erfüllen und muß ich, wenn auch nur ungern, meine Antwort auf einige wenige und einfache Erklärungen beschränken, von denen ich wünschte, daß sie unter uns bleiben und nicht mit meinem Namen in die Oeffentlichkeit gelangen

Frankreich wird keinen Revanchekrieg führen, so lange es Republik bleibt Deutschland wird nicht die französische Republik angreifen und die Mög­lichkeit einer aufrichtigen Aussöhnung beider Nationen ist nicht so gering, als man gemeiniglich annimmt

Ich habe auch die feste Ueberzeugung, daß der Friede mit Rußland erhalten bleibt, da dieser jetzt und für lange Zeit das größte Interesse dieses Staates ist

Was England betrifft, sind die hervorragenden Staats­männer jeder Partei und ihre politischen Freunde, wenn auch aus verschiedenen Gründen, im Wunsche nach Frieden ganz einzig. Herr Gladstone Hal eine offene Thür einge­brochen, als er in den an Sie gerichteten Zeilen bemerkte, daß der jetzige Zustand fortwährender Beunruhigung eine Schmach für Europa fei. Man braucht nicht Quäker zu sein und muß nicht der Gesellschaft der friedenSsreunde ange­hört haben, um das Mutvergießen und alles Kriegsunheil zu verabscheuen......; aber die wahre und sichere Grund­

lage eines dauerhaften Friedens ist nur in einem Systeme von Allianzen zu finden, das durch ein richtiges Gefühl für die historischen Nothwendigkeitev be8 gegenwärtigen Moments bestimmt wird

Die Uebereinftimmung Deutschlands, Oesterre'ch-Un- garns, Ihres Vaterlandes und Großbritanniens würde jetzt die sicherste Bürgschaft des allgemeinen Friedens sein. Dieses System von Kräften würde alle Staaten anziehen, die gleich uns bestrebt sind, jenem Zustande ein Ende zu machen, der allen lästig und niemandem angenehm ist.

Ich kann nicht bireft und persönlich für alles einstehen, was aus daS Projekt der Einberufung von Mitgliedern aller europäischen Parlamente nach Rom oder Brüssel sich bezieht......Ich möchte nur wissen, wie Sie für die Ver­

tretung Rußlands und der Türkei vorgesorgt haben Ich bitte Sie, dies nicht so zu verstehen, als sei es nur gesagt, um den Werth Ihres Planes herabzusetzen, von dem ich sicher bin, daß er bei Vielen Anklang und in allen Ländern Beifall finden wird. Ich weiß sehr wohl, daß Sie zu Jenen zählen, deren Willenszähigkeit nur von der

®er Unmensch führte fein Vorhaben aus; als er nach drei Stunden das Haus des Hilarius wieder betreten wollte, das diesmal besser bewacht war, ließ ihm dieser sagen, er möge nach seinem Willen thun, Hilaria werde er nicht mehr sehen.

Rasend vor Wnth verklagte er sofort den Hilarius, dessen Fran und Tochter bei den Priestern, die frohlockend, neue Opfer gefunden zu haben, die Verhaftung der Ange­klagten beschlossen. Noch einmal klopfte mahnend das Gewissen an das verstockte Herz des Commodus; er wünschte leise, Hilaria möchte ihren Glauben verläugnen, dann war sie gerettet; aber schon am nächsten Tage brachte man ihm die Nachricht, Hilarius sammt Weib und Kind hätten sich geweigert, ben Göttern zu opfern unb sich öffentlich als Christen bekannt. Der Würfel war gefallen, jetzt konnte auch Commobus sie nicht mehr retten, selbst wenn er ge­wollt hätte, jetzt rettete sic nur der eigene Widerruf.

„Mag sie ihren Willen haben," sagte sich Commodus, Casus Lentulus wenigstens sieht sie nicht wieder."

Hilariuö, sein Weib und seine Tochter wurden zum Tode verurtheilt; die Christengemeinde lag Tag und Nacht auf ben Knien und betete, daß ber Herr ben Veruttheilten wolle Beftänbigkeit verleihen bis zum letzten Augenblick. Die Römer jubelten, nun gab eS doch wieder etwas im Amphitheater zu fehen. Zu Taufenben strömten sie in das riesige steinerne Gebäude, deffen Bau schon PompejuS be­gonnen hatte; da das Spiel noch nicht angefangen war, erging man sich äußern großen, mit schattigen Bäumen bepflanzten Platz, den es umschloß, erquickte sich an dem Rieseln deS Springbrunnens und bewundene die Bildsäulen, die zwischen ben Bäumen ausgestellt waren. Wer sah es diesen Menschen an, daß sie hierher gekommen waren, um

Reinheit der Absichten übertroffen wird und sage Jhnm ganz offen, daß ich an dem unmittelbaren Erfolg Ihres Strebens nicht zweifle. Der internationale Congreß wird zu Stande kommen; haben ja so viele internationale Ver­sammlungen im Laufe dieses Jahrhunderts stattgefunden und wir sehen gewiß auch jene deutschen, österreichischen, ungarischen, englischen, französischen (da Sie versichern, daß auch die französische Assemblse ihr Vertreter-Kontin­gent stellen wird, habe ich nicht Ursache, die höchst liebens­würdige Nation auszunehmen), italienischen, griechischen, holländischen, portugiesischen Abgeordneten unb den von San Marino vereint, um zu ftubiren, wie man für un­bestimmte Zeit Europa paciftciren könne. Ich bin darauf gefaßt, in Ihrem ökumenischen Abrüstungs-Koncile Tur­banträger und katholische Polaken neben moskowitischen Internationalisten aus Friedensliebe sitzen zu sehen. Ich werde mit großem Vergnügen alle Kongreßberichte lesen, die Sie mir gefälligst zusenden, ich werde sie ftubiren als eine Erscheinung der Zeit und ich hoffe, daß ich aus ihnen etwas lernen werde. Kann ich Ihnen besser meine auf­richtige Sorgfalt für alles beweisen, was auf die Friedens- Propaganda in unserem Welttheile Bezug hat? Ich gehe noch weiter und erkläre Ihnen, daß ich wünsche, es möge der Helle des Geistes und der Wärme der Beredtsamkeit, die ihr Echo im Capitol finden soll, gelingen, die öffent­liche Meinung davon zu überzeugen, daß es nvthwendig sei, in eine Epoche der Arbeit und des allgemeinen Frieden« zu treten. Sie aber mein Herr, sind wohl nicht so indiscret, zu fragen: Was wird in Europa geschehen, wenn daS Parlament der Parlamente feine Session geschlossen haben wird?

Seien Sie mit gleichem Eifer bemüht, die Vvrurtheile zu zerstreuen, welche die Völker daran hindern, deutlich im Buche ihrer wahren Jntereffen zu lesen. Fürwahr, Sie wirken als guter Italiener, wenn Sie die Idee des aufrichtigen ZufammengehenS Ihre« jungen Staates mit Deutschland fördern, welches in jedem Fortschritte Ihres Gedeihens einen Triumph der modernen Civilisation unb ein neues Element der Ordnung und deS allgemeinen Fort­schrittes erblickt.

Mit außerordentlicher Freude las ich, waS Sie mir über die Sympathie schrieben, die sich in Ihrem Ligurien für die Prinzessin Victoria (die in Pegli wettende deutsche Kronprinzessin) kundgibt und über all die Siebe, das Ihre Hoheit von Seite der wackeren Bevölkerung erfuhr.

Ich glaube, wie Sie, fest daran, daß daS Jahr 1880 keinen Kanonenlänn hören wird. Spielen Sie auf der Börse? ....

Oesterreich - Ungarn wird Ihr bester Freund fein und alles räch Ihnen, es ja nicht zu Ihrem Feinde zu machen.

Was Baron Holtzendorff Ihnen gesagt, ist richtig. Italien wird nicht sterben, es legte denn Hand an sich selbst.

in den nächsten Stunden ihre Mitmenschen unter den Klauen wilder Thiere verbluten zu sehen! War es ein Wunder, wenn die christlichen Bischöfe ihren Glaubensgenossen den Besuch der Amphietheater streng untersagten. ES gab in- deß Ausnahmen von diesem Verbot und auch heut zeigten sich einige Christen unter ben Zuschauern; nicht der Wunsch, einen etwaigen Verdacht von sich abzulenken, hatte sie hier­her getrieben, sondern bie Liebe zu ben veruttheilten Stübern. Denen in ber Qual einen aufmunternben Blick zuzuwerfen, mit einem Zeichen der Hanb sie zur AuSbauer zu ermuntern, vor allen Dingen aber, um nachher bie Geschichte ihre» Tobes ben andern Brüdern zur Nacheiferung verkünden zu können, darum bdraten sie die ihnen fo verhaßten Amphi­theater.

Schon strömte daS ganze Volk durch die Säulengänge auf die Steppen und in das Theater hinein. Die ovale Arena, die sich im tiefsten, mittelsten Raume befand, war noch leer. Eine Mauer trennte sie von den Sitzreihen, die treppenartig, auf Sogengewölben ruhend, rings um die Mauer liefen, bie das ganze einfchloß. Auf bem untersten Sitz, bem Podium, den ein breiter Graben und ein Gitter von dem Kampfplatz trennte, um das Einbrechen der wilden Thiere zu verhindern saß in Purpur und Gold, einen Lorbeerkranz um das blonde Haar, Commodus, der Veran­stalter der heutigm Spiele. Um ihn herum saßen die Kampfrichter, neben denen die Victoren fianden, das im Ruthenbündel versteckte Seil auf der Schulter. Hier saßen auch in ihren purpurumsäumten Gewändern die Vestalinen, bie jungfräulichen Priesterinnen ber Vesta, an ihrem Ehren­platz; hinter ihnen die Smatoren, die Ritter, daS Volk.

(Schluß folgt.)