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XV. Mrgang

Marburg, Dienstag, 24. Februar 1880

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so leicht, solche Reduktion ins Werk zu setzen, ohne die Organisation auf geraume Zeit zu alteriren. Um nun bei Zeiten in diesen Dingen zur Klarheit zu kommen und bei einem so hochwichtigen Gegenstand, wie da« Heerwesen, nichts auf die Karte der unberechenbaren Kammerbeschlüsse zu setzen, vorzugsweise aber auch, um eine an maßgebenden militärischen Stellen zur größeren Sicherung des Vater» lande« als nothwendig erkannte Vermehrung und Verbesse­rung der Armee schon jetzt in die Wege zu leiten, hat die Reichsregierung es nicht abgewartet, bis das Septenat, das erst 1881 abläuft, zu Ende, sondern hat schon jetzt dem Reichstage einen Gesetzentwurf vorgclegt, betreffend Ergänzungen und Aenderungen des Reichs-Militärgesetzes dem 2 Mai 1874. In demselben handelt es sich vor­züglich um die Bewilligung eines neuen SepteniwtS bi« Ende 1888, ferner um die Erhöhung der Friedens-Prä­senzstärke auf 1 Procent der inzwischen zahlreicher gewor-

Ueber diese Dinge läßt sich ja allerdings nicht so ohne Weiteres absprechen, aber das möchte doch wohl zuzugeben sein, daß der Soldat, wenn er weniger für den Parade­marsch als für den Krieg ausgebildet würde, wohl eine kürzere Zeit unter der Fahne stchen könnte. Diese Zeit- ersparniß ist aber nicht nur ein Gewinn für den Staat durch ersparte Kosten, sondern auch ein Gewinn für den Menschen, der seinem Berufe desto eher wiedergegeben wird, und überhaupt ein wirthschaftlicher Gewinn. Das werden am meisten die Bauern fühlen, die ihre Söhne fortgeben und sich mit fremden Arbeitskräften behelfen müssen. Auch dieses mögen die Abgeordneten bei ihren Erwägungen hin­sichtlich des neuen Militärgesctzcs weislich mit in Rechnung ziehen. Sicherheit des Vaterlandes thut ja vor Allem zum Gedeihen und zur Wohlfahrt des Volkes noth und »ernt die Abgeordneten zu der Ueberzeugung kämen, daß diese Sicherheit nicht ohne Vermehrung der Truppen hergestellt werven könnte, so würden sie ihrer Pflicht fehlen, wenn sie die Kosten nicht bewilligen wollten; aber neben der Sicherheit muß auch daran gedacht werden, daß dem Volke nicht durch die ihm aufgelegten Lasten die Kehle zugeschnürt werde. Uebrigens hängt die Sicherheit des Vaterlandes vor Angriffen von außen nicht allein von der Menge un­serer Truppen ab, die wir dem Feinde entgegenzustellen haben; da lassen sich viele Constellationen denken, wo auch die jetzt verlangte Zahl noch nicht reichen dürfte, und ob wir mit 27—30,000 Mann mehr unter allen Um­ständen den Sieg an unsere Fahne heften werden, ist doch sehr ungewiß. Bei allen diesen Berechnungen wird meistens viel zu viel auf menschlichen Witz und Verstand gegeben und das göttliche Walten und Führen der Völker vergessen.

denen Reichsbevölkerung, womit natürlich eine entsprechende Vermehrung der Cadres verbunden, und endlich um Heran­ziehung der bisher meist ganz frei ausgegangenen Mann­schaften der sogenannten Ersatzreserve 1. Klasse zu einer Dienstleistung von im Ganzen 20 Wochen, um die Leute für den Kriegsfall geschickt zu machen und das schlagfertige Heer zu vermehren. Zunächst wird also wieder die Prin- cipienfrage der parlamentarischen Kostenbewilligung, welche eigentlich den streng constitutionellen Grundsatz jährlicher Etatsbewilligung durchbricht, zur Debatte kommen, hoffent­lich aber keine Schwierigkeiten machen, weil es ja, wie be­kannt, während des ersten Septennats ganz gut gegangen ist und das Feststehen der Heereskostenposition im Reichs­etat nur zum Vortheil, das heißt zur Abkürzung der Ver­handlungen des Reichstages gereicht hat. Anders wird es wahrscheinlich stehen mit der Frage nach der Vermehrung des Heeres durch Festhaltung des bisherigen Procentsatzes bei der vergrößerten Bevölkerung, weil dem Lande dadurch ganz bcdeuknde Kosten auferlegt werden, und es ist schon vorauSzusehen, daß man versuchen wird, wenn die Ver­mehrung des Heeres zur Sicherung der Ruhe und Wohl­fahrt des Vaterlandes als unbedingt nothwendig erkannt wird (was zu beweisen ja lediglich Sache der mllitärischen Vertretung des neuen Gesetzes ist), Wege zu finden, aus denen die Mehrkosten ausgeglichen oder wieder reducirt werden können. Als ein solcher Weg wird jedenfalls wie­der die Einführung einer zweijährigen Dienstzeit in Vor­schlag gebracht werden, eine Sache, die sogar unter Mili­tärpersonen streitig ist. Einige beziehen sich mit ihrer An­sicht in diesem Punkte auf das Ausland: Frankreich hat bei seiner Armee-Organisation 1872 die fünfjährige Dienst­zeit angenommen und für einen Theil der Mannschaften zur Ausbildung für die Reserve eine kürzere Dienstzeit festgestellt; Oesterreich und Italien haben eine dreijährige, Rußland seit 1874 eine sechsjährige Dienstzeit. Andere behaupten wieder, festgeschlossene Kriegscompagnien könnten nicht mit 2jährigen Mannschaften gebildet werden, denn erst im dritten Dienstjahre würde der Soldat zum wirklichen Kriegsmann, und bei der jetzigen Kriegführung, wo di« Mannschaften sich nicht erst auf langen Märschen kriegs­mäßig vorbilden können, sondern auf bett Eisenbahnen in kürzesten Fristen an den Feind geführt würden, müßten die Leute auf'S Vollkommenste ausgebildet werden, sollten sie für den Krieg tauglich sein. Dem gegenüber steht aber, daß jetzt schon bei der Infanterie viele mit 2J/2 Jahren oder gar ost mit 23 Monaten entlasten werden, und steht ferner das Institut der nur 1 Jahr dienenden Freiwilligen, von denen viele schon nach Beendigung des einen Dienstjahres mit der Anwaltschaft auf die Unter­offizier- und Offizier-Chargen abgehen. Dem gegenüber steht aber auch der neue Vorschlag, Menschen in 20 Wochen zum KrigSnachschub brauchbar machen zu wollen.

TastrLdericht.

Einige Zeitungen wollen davon wisftn, daß im ReichS- Justizamt oder im preußischen Justizministerium Erörterungen stattfinden sollen zum Zweck der Verminderung der Ge­richtskosten, wie sie durch die neue Gerichtsorganisatton normirt sind. Glaubwürdigem Vernehmen zufolge haben aber solche Erörterungen nicht stattgefunden, sondern es sind nur statisttsche Erhebungen in Folge des bekannten Reichstagsbeschlustes angeordnet worden. Man wird jeden­falls das Resultat dieser Erhebungen und außerdem einige Erfahrungen abwarlen müssen, ehe man eine Aenderung des jetzigen Gesetzes ins Auge fassen könnte. Die Erklärun­gen, welche in Preußen von dem Justizminister Friedberg, in Sachsen von dem Justizminister Abeken und in Württem­berg von dem Minister Faber abgegeben worden, behalten ihre völlige Geltung.

Der Zoll- und Steuerausschuß deS BundeSrathS hat sich über die Eingaben um Erlaß des Eingangszolles für Getreide, welches durch Naturereignisse (Stürme rc.) am

Hilaria.

Erzählung von Ludwig Hesekiel.

(Fortsetzung)

„Ein Fremder!" schrie Commodus, in Wuth auSbrechende „bin ich ein Fremder für Dich?"

„Ich bin das Weib des CajuS LentuluS, jeder andere Mann ist rin Fremder für mich", entgegnete sic unerschüt­terlich. Die unnahbare Hoheit, welche die junge Frau umgab, reizte den Fürstensohn nur noch mehr; eS mußte eine Maske sein, es war ja nicht möglich, daß sie den alten Casus LentuluS, besten Haar schon zn ergrauen be­gann, ihm, dem schönsten aller Männer, vorzog.

„Verstelle Dich, wie Du willst," begann er aufs Neue, „ich will diese starre Römertugend, die ich bei unsern Frauen auSgestorbm glaubte, gelten lasten, ich will Dich nicht in meine Arme nehmen und in meinen Palast schleppen."

„Das dürftest Du der freien Römerin, der Tochter eines alten Patriziergeschlechts gar nicht anthun, CommoduS, ent­gegnete sie stolz.

„Wer sollte mich daran hindern?" fragte er mit dem Hochmuth deS Tyrannen.

„Der Senat, das Volk selbst!"

„Senat, Volk! wiederholte er mit giftigem Hohn, mit eisiger Verachtung.

„Und wenn Du Senat und Volk nicht fürchtest," Com­modus," nahm sie von Neuem das Wort, „fürchtest Du Deine Götter nicht?"

In ein schallendes Gelächter brach jetzt der Wüstling 6u§. Gibt es denn auch Götter, glaubst Du denn an Götter?"

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Hermamr'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W- ThieneS in Elberfeld; E. vchlotte in Bremen.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition 6. Blattei sowie d- Annoncen-Bureaux von G. L- Daube & Co. in

Hilaria bebte; sie wußte es ja, daß die Römer ihre Götter verläugneten, daß selbst die Besseren den Götter­glauben mit der Philosophie vertauscht hatten und hastig entgegnete sie: „Auch die Philosophen lehren die Freiheit Anderer achten!"

„Was frage ich nach den Philosophen," lacht Commodus, „laß Dir's ein für alle Mal sagen, ich frage nichts als meinen eigenen Willen, ich kenne nichts als den Genuß und ich fürchte nichts als das Alter, das mich im Genuß stört. Kommt es unabweislich, dann werfe ich ein Leben von mir, das mir nichts mehr nützt, weil es mir keinen Genuß mehr beut."

Die junge Frau bedeckte ihr Anllitz mit be< Händen, als fürchte sie sich in den Abgrund hineinzuschauen, der sich da vor ihr austhat. Und sie hatte ihn doch einst lieb gehabt, diesen Verworfenen.

„Hilaria", begann er abermals, „entsetze Dich nicht, ich sagte Dir schon, ich verlange nichts von Dir, das nicht die Gesetze gut heißen. Ich will Dich als mein rechtmäßig Weib in mein HauS führen!"

„Wie kannst Du das," fuhr sie auf, „Du weißt, daß ich vermählt bin."

„Du läßt Dich von CajuS LentuluS scheiden," erwiderte er lüchtsinnig.

„Scheiden!" wiederholte sie, als habe sie ihn nicht ver­standen.

„Nun ja, bist Du denn die Erste, die-sich von ihrem Manne trennt, um einem Anderem zu folgen!"

Beide Hände streckte Hilaria wie abwehrend auS. „Nim- tuermehr," rief sie.

Das jetzt geltende RetchSmilitärgesetz datirt vom 2. Mai 1874. Bei der Berathung desselben im Reichstage drehte sich der Hauptstreit darum, ob die Friedens-Präsenz­stärke des deutschen Heeres eine dauernde oder eine in ge- ■ wissen Perioden nach den jedesmaligen Verhandlungen der ischaii Reichsregierung mit dem Reichstage festzusetzende sein solle, and nach langen Debatten kam es zu dem Ausgleich, daß die Friedens-Präsenzstärke vorläufig für den Zeitraum von 7 Jahren (das sogenannte Septennat) angenommen und auf 1 Prvcent der damaligen Bevölkerung normirt wurde. Dies geschah, damit zwar dem Reichstag die Machtbefug- niß in Betreff der Ausgabebestimmung für das Heer nicht für immer auS der Hand genommen, dem Heere aber auch für seine Schlagfertigkeit nothwendige Stetigkeit des Prä- stnzstandes gewahrt würde, denn es ist klar, daß es für bk Organisation des Heeres zu großen Unzuträglichkeiten führen müßte, wenn alle Jahre oder alle zwei Jahre an der Zahl seines Bestandes gerüttell ober wenn gar ber Stand des Heeres einmal durch Reichstagsbeschluß um ein Bedeutendes reducirt werden würde. ES ist eben gar nicht

toieigen nimmt entgegen: die Expedition d.BlatteS, sowie dAnnoncen-Bureaux Ben Th, Dietrich & Co. in Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haafenstein & Vogler in Lankfurt a. M., Berlin, SeipziS, Mn rc.; Rudolf Noffe in Berlin, Frank­furt a. M re.

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Aür den Monat März werden von allen Post- vanstalten (auf dem Lande von den Landpostboten) veftellunge« auf die

Dbrrhessische Zeitung

mit deren Gratisbeilage

ZllustrirteS Sonntagsblatt angenommen, und bitten wir dieselben baldigst machen zu wollen.

Die Exped. d. Oberh. Zeitung.

Das neue Militärgesetz.

Erscheint täglich außer en den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JluftrirteS EonutagSblatt durch dre Expedttton (K o ch fche Buchdruckerei) bezogen 2i Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zelle 10 PsS.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet. __

Er trat dicht auf sie zu. „Ist bas Dein letztes Wort?" fragte er mit heiserer Stimme.

„Ja," entgegnete sie fest.

„Warum willst Du Dich nicht scheiden lassen?" fragte er mit funkelnden Augen.

Sie neigte das Haupt bis auf die Brust. „Es ist Sünde," sagte sie leise.

„Klara," mahnte er, „gib nach, „es wird Dich reuen, denn wisse, ich habe die Macht, mich furchtbar zu rächen, men» Du auf Deiner Weigerung beharrst."

„Ich stehe in sichern» Schutz," erwiderte sie und faltete die Hände.

„Wer ist mächtiger in Rom als ich!" rief er hochmüthig. „Einer!" erwiderte sie und sah furchtlos zu ihm empor. Da packte er den zarten Arm und mit vor Zorn bebender Stimme sprach er: „Du giebst Dich selbst in meine Hand. Schon heißt's in ganz Rom, Hilarius mit seinem Hause und seinem Eidam sei dem Glauben der Christen, dem Glauben an einen Gott ergeben, gehörst Du auch zu diesen Schwärmern, so zeige ich Dich an, und der Tod ist Dir gewiß; bist Du Christin?"

„Ich bin es," erwiderte sie fest.

Er schleuderte sie verächtlich von sich.

„Drei Stunden gebe ich Dir Zeit, bann sage mir, ob Du mein Weib merben willst, ober Du gehst mit ben Deinen ben Weg, ben schon so Mancher vor Euch ging, Du rettest nicht nur Dich, fonbern auch bie Deinen vor schmachvollem Tode, wenn Du Dich von CajuS LentuluS scheidest 1*

(Fortsetzung folgt.)