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JRarfiurg, Sonnabend, 31. Februar 1880.

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fem, heißester Wunsch sein, aber bis jetzt sprach auch nicht der leiseste Umstand dafür, daß solche Hoffnungen in Er­füllung gehen könnten. Trotzdem hörte Hilaria nicht auf, für den Gefährten ihrer Jugend zu beten, und je mehr sie das that, desto mehr erlosch jede« irdische Gefühl in ihrem Herzm, das sich bald voll und ungetheilt Cajnö LmtuluS zuneigte.

Von schweren Gedanken bewegt ging Cajus LmtuluS seinem Hause zu, im Orient, wo römische Heere gegen das tapfere Volk der Perther kämpften, war ein Aufstand gegen den Kaiser ausgebrochen, und dieser hatte beschlosien, ihn in Person zu unterdrücken. An Cajus Lentulus war der Befehl ergangen, den Kaifer auf diesem Kriegszuge zu be- gletten und schweren Herzens gedachte er seines WeibeS, das er nun in der großen gewalügen Stadt zurücklasien mußte. In seinem Hause konnte er sie nicht allein lassen, sie sollte für die Zeit seiner Abwesenheit zu den Eltern zurückkehren, im Uebrigen mußte er sie in Gottes Schutz stellen. Durch diesen Gedanken ermuthigt, hob er das Haupt wieder höher, und sah jetzt aus den Bädern deS Titus einen Mann in einer Purpur-Toga auf sich zukommen, desien Anblick kotz alles Gottvertrauens die kaum beschwichtigten Befürchtungen wieder in ihm wach rief. Es war ein schöner noch junger Mann von fast herkulischer Gestalt, aber Laster und Leiden­schaften hatten ihre breitesten Stempel auf das ursprüng­lich edle Antlitz gedrückt, die großen blauen Augen blickten gleichgülttg, fast stumpf, doch jetzt als sie den CajuS Len­tulus erkannten, blitzten sie in wlldem Feuer aus. Sein schleppender Schritt wurde rasch und hastig trat er ihm mit der Frage entgegen: „Ist es wahr, daß Du Hllaria,

Dem eben erschienenen Februarheft der Zeitschrift des landwirthschastlichen Vereins in Bayern entnehmen wir folgende Mittheilung: Seit Einführung der Getreidezölle ist der erste Monat vorübergegangen, ohne daß eine wesent­liche Aenderung in den Gekeidepreisen, welche bis Schluß des vergangenen Jahres in Folge bedeutender Aufkäufe bei noch zollfreier Einfuhr ohnehin schon eine nicht uner­hebliche Steigerung erlitten hatten, zu bemerken gewesen wäre. Thatsächlich ist seit Beginn des Jahres statt der durch Einführung der Zölle vorhergesagten höheren Ge­treidepreise eher eine rückgängige Bewegung erfolgt, welcher Preisrückgang jedoch zunächst eine Folge der großen Vor- räthe und verminderten Nachfrage ist, andererseits aber auch durch ein günstigeres Ernteergebniß beeinflußt wird, als anfänglich für einen großen Theil Deutschlands be­fürchtet wurde. Außerdem scheint eine allzukühne Speku­lation, welche in Amerika mit massenhaftem Ankauf von Getreide unternommen wurde, um dasselbe bei künstlich in die Höhe getriebenen Preisen nach Europa zu exporttrm, gründlich gescheitert zu sein, was zur Folge haben wird, daß der von der amerikanischen Spekulation in letzter Zeit nur mäßig betriebene Getreideexport zur Vermeidung grö­ßerer Verluste in nächster Zeit größere Dimensionen an­nehmen wird und aller Wahrscheinlichkeit nach ein weiterer Preisrückgang für Getreide zu erwartm sein dürste.

Gern wollen wir auf einen Aufsatz im XIV. Band der Preußischen Jahrbücher aufmerksam machen, weil er von hoher Bedeutung für Deutschland ist; er ist betitelt: „Aus Belgien". Der Verfasser, ein offenbar mit den Vev- hältnisien sehr wohl vertrauter Mann, zeigt, wie falsch die früher verbreitete Meinung ist, die Belgier seien noch heute „Halb-Franzosen". Vor 50 Jahren etwa hätte diese An­sicht einen Schein von Berechttgung gehabt, jetzt aber nicht mehr. Das flamändische Elemmt im Lande ist gewachsen, selbst die Wallonen lernen Flamändisch, das germanische Element stirbt in Belgien nicht aus. Deutsche Studien werden dort mit Ernst betrieben, deutsche Gelehrte zieren die Universitäten, die Zahl der Deutschen in Belgien ist vielleicht jetzt schon der der Franzosen gleich. Der Ver­fasser zeigt, welche Illusionen in dieser Beziehung in Frank­reich herrschen, er zeigt, welche Anstrengungen von Paris aus fortwährend gemacht worden und noch gemacht werden, um erst den Geist, das £>er$ der Bewohner, dann dies reiche Land selbst zu annettiren, er zeigt, wie vergeblich die ersteren Bemühungen bis jetzt gewesen und schließt mit den schönen und beherzigenswerthen Worten: (Belgien würdigt zwar Frankreichs Vorzüge) „aber sein Vertrauen hat es auf Deutschland gesetzt, und mehr als irgend ein Volk sind die Belgier auf den Wunsch angewiesen, daß das Deutsche Reich einig und stark bleibe. Es ist eine Lebens­bedingung für Belgien." ______

Tagesbericht.

Gestern Mittag 1 Uhr fand in der russischen Bot­schaftskapelle in Berlin ein feierliches Tedeum statt, wel­chem der Kaiser mit den Prinzen Friedrich Karl und Alexander und dem Prinzen August von Württemberg bei­wohnte. Die Minister, Generalseldmarschall v. Moltke mit der Generalität, die höchsten Hofbeamten und alle aus­wärtigen Botschafter und Gesandte mit ihren Rächen und Sekretären, sowie die Hofmarschälle des Kronprinzen und der Prinzen Karl und Friedrich Karl und die Offiziere des Kaiser Alexander Garde-Regiments nahmen gleichfalls an der Feier Theil.

Der Bundesrath hat gestern den Gesetzentwurf über die Erhebung der Brausteuer gemäß den AuSschußanträgen angenommen.

In der dem Bundesrathe zugegangenen Vorlage in Betreff der Verwendung von Surrogaten bei der Her­stellung von Tabaksfabrikaten handelt es sich um Folgendes. Bekanntlich ist durch einen BundesrathS-Beschluß vom 27. November v. I die Verwendung von Kirsch- und Weichsel- blätter als Tabakssurrogate gestattet. In dem jenem Be­schlüsse zu Grunde gelegenen Antrag war bereits der An­sicht Ausdruck gegeben worden, daß die Erlaubniß dem­nächst auch auf einzelne aromattsche Kräuter würde er- streckt werden können, sofern der Wunsch einer Verwen­dung solcher Kräuter näher begründet werde. Ein derar- ttges Gesuch ist nunmehr gestellt worden, indem ein Fabri- kaut die Verwendung von Melilothenblüthen (Steinklee) und eingesalzenen Rosenblättern zur Herstellung einiger Sorten Schnupftabak als im Bedürfniß liegend bezeichnet hat. Da diese Gegenstände nur in einer Menge von höch- stms 5 Procent zugesetzt werden sollen, der Zusatz also in erfter Linie nicht zur Vermehrung der Fabrikatsmenge, sondern zur Herstellung eines gewissen Aromas bestimmt ist, so scheinen der Genehmigung des Antrages Bedenken nicht entgegenzustehen. Der Reichskanzler hat daher beim BundeSrath beantragt, zu beschließen, daß in Zukunft auch die gedachten Surrogate unter den in dem Beschluß vom 27. November v. I. enthaltenen Bedingungen und Kon- trollen zur Verwendung als Tabakssurrogat freigegeben werden. ____________

Im Reichstage hat der Abg. Stumm, unterstützt von zahlreichen Mitgliedern der konservativen und freikonser­vativen Fraktion an den Reichskanzler die Anfrage gerichtet: ob die Reichsregierung die Absicht habe, noch in dieser Session dem Reichstage einen Gesetzentwurf, betreffend die Regelung der Normen für die Errichtung von Altersver­sorgungskassen für die arbeitende Bevölkerung einzubringen.

Hilaria.

Erzählung von Ludwig Hesekiel.

(Fortsetzung.)

Er war zuftieden, und auch in ihrer Seele war's Ml. Das heiße Sehnen, das sie wider ihren Willen, hinge- zogen zu dem schönen Kaisersohn,, dem sie, die Chnsttn doch niemals angehören durste, es schwieg, seit sie an der Seite dieses Mannes waltete, mit dem sie Einem Herrn diente, mit dem sie an einem Altar kniete, an besten Hand sie Kranke besuchte, Arme unterstützte, mit dessen Stimme sie die ihrige vereinigte zu Lob- und Dankgesängen. Das Bild deö Spielgefährten erblaßte neben dem des Gatten, der sie auf Händen trug. In der Gemeinde pries man sie glücklich, daß sie dieses Mannes Weib geworden, ihr Vater lobte ihren Gehorsam, ihre Mutter segnete sie, wie hätte sie eine Klage wagen dürfen! Auch im tiefsten Herzm er­laubte sie sich keinen Senszer, sie hatte nur zu danken, ihr Loos war aufs Lieblichste gefallm.

Trotzdem bebte sie leise, wenn der Name Commodus gmannt wurde, und ein leises Weh zog durch ihre Seele, wenn sie an jedem Tage von einer neuen Schandthat des Prinzen erzählen hörte. Wollte er sich denn nie ändern? Gab's denn kein Mittel, ihm ins Gewissen zu reden, ihm die Bostchaft von dem Sünderheiland zu bringen? Sollte er anf ewig verloren gehen, er, den ehedem ein Wort von ihr gebändigt; die kaum aufgefproßte Liebe zu ihm Hütte sie mit starker Hand schon im Keim erstickt, aber um sein Seelenheil bangte sich doch. Freüich verrieth sie solche Sorge nur selten ihrem Manne; ganz verschwieg sie ihm dieselbe nicht und er theute sie f°8ar; eine Sinnesänderung des künftigen Casaren mußte tilet besser Denkende, mochtm sie Christen oder Heiden

Das neue Attentat auf dm Kaiser von Rußland und seine Familie wirst merkwürdige Schlaglichter auf die rus­sischen Zustände. Man denke sich: Im kaiserlichen Pa­lais, welches seit vielen Wochen mit aller möglichen Sorg­falt bewacht wird, legen die Feinde unter dem Wachtlocale der Soldaten Minen ober ihre Sprengstoffe an, — ohne mtbeckt zu werden und es gelingt ihnen, ihr teuflisches Werk zur Ausführung zu bringen. Man fragt sich, wie ist das möglich, — wenn die revolutionäre Mörderbande nicht auch int Palaste des Kaisers, ja selbst unter denen, welchen die Bewachung des Palastes anvertraut ist, ihre Mitverschwormen und also ihre geheimen Helfershelfer hat? Schon seit Monaten ging durch die Zeitungen die Behaup­tung, die Nihllisten wollten den Kaiser in seinem Winter- palaste ermorden. Noch in den letzten Tagen brachte das Pariser Communistenblatt „La Lanterne" ausführliche Be­schreibungen über die Versuche, welche gemacht worden seien, nm Sprengstoffe in den Winterpalast hineinzubringen. ES hieß, es seien Anfang Februar 2 als Schornsteinfeger " kleidete Personen festgenommen worden, welche sich in Palais geschlichen hätten, um Pulver in die Kamine Kaiserlichen Wohngemächer zu legen. Dann sei beladener Wagen in einen der Hosräume Palais gefahren, der Kutscher habe die Pferde lassen und sei verschwunden; der Wagen sei einem Diener verdächttg erschienen und man habe in demselben eine große Quantität Pulver, Dynamit und eine angezündete Lunte gefunden. Am Abend eine» der vorhergehendm Tage habe man einen Mann arretirt, welcher im Kostüm eines Sauern das Palais umstrich; in einem Sacke, den er auf dem Rücken ring, habe man 5 Flaschen Nitro­glycerin gefunden, welche wahrscheinlich unter das Fenster des Kaisers gelegt werden sollten und deren Explosion eine furchtbare Wirkung gehabt haben würde. In Pari» soll, wie der „Nat.-Z." berichtet wird, am 16. Februar ein Ruffe verhaftet worden fein, der ein Attentat gegen den Kaiser von Rußland beabsichtigt haben soll. Hier­nach scheint eS also, daß die Fäden der Verschwörung bis nach Paris in die Kreise der mit den Nihilisten verwandten Communisten reichen. Ob gegen solche Teufelspläne mensch­liche Vorsicht hilft? — Dieses Mal hat nur Gottes ret­tende Hand den Czaren bewahrt.

Ueber das Attentat sind noch folgende Telegramme

Für in bet Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Abreffen werben 25 Pf». berechnet.________

»„zeigen nimmt entgegen: btt Expedition b.Btatte», sowie b.Annoncen-Bureaur von Th, Dietrich & Co. in Gaffel unb Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Laasenstein & Vogler in Lranffurt a. M., Berlin, gospzig, Löln re.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frank-

furt a. M. ic______

eingetroffen:

Petersburg, 19. Febr. „Nowoje „Wremlia" zu­folge ereignete sich die Explosion unter dem Speisesaal des Winterpalais, woselbst das kaiserliche Famllien-Diner um 6 Uhr beginnen sollte, zufälliger Weise jedoch eine halbe Stunde verschoben war. Die Explosion, welche vom Erd- geschosst aus, wo die Centralheizungseinrichtung sich be­findet, erfolgte, Kat gerade in dem Augenblicke ein, als der Kaiser mit dem Prinzen von Hesien und dem Fürsten des alten Rechtsgelehrten Tochter, geheirathet hast CajuS Lentulus!"

„So ist eS, mein Prinz," entgegnete der Angeredete ruhig.

„Dann wirst Du ihr den Scheidebrief gehen," brauste der Kaisersohn auf.

„Warum, o Commodus," erwiederie der Andere, „Hi­laria ist mir eine gute Gattin!"

„Aber ich will sie selbst heirathen," rief Commodus.

Die Züge deS CajuS Lentulus wurde tief traurig; an das Unerhörte eines solchen Beginnens durfte er den Com­modus nicht mahnen, denn leider waren die leichtsinnigsten Trennungen von ebenso leichtsinnig geschloffenen Ehen nichts Unerhörtes in dem zerfallenden römischen Staat. Ernst entgegnete er: „Der Sohn des Kaisers kann um so viele schöne grauen werben, warum streckt er die Hand aus nach dem Gute eines Andern?"

Ging ihm eine Erinnerung an Naboth'S Weinberg, an deS Propheten Nathan Gleichniß durch die Seele?

„Ich will kein anderes Weib, ich will Hllaria, die mir zugesagt war seit chrer Kindheit, warum hat der Schwach­kopf ihr Vater fein Wort nicht gehalten?"

Noch immer hielt Caju» Lentulus an sich; „mein Weib ist nun mein Weib, und sie würde auch keinen Scheidebrief wollen."

„Meinst Du, eitier Narr!" fuhr Commodus auf.

„Hüte Dich", sprach Lentulus jetzt ruhig, „im Orient tobt der Aufstand, auch weißt Du nicht, ob Dein Vater die Krone behält; sie schwankt, ich soll ihm helfen, sie wieder fest zu setzen; wird er Dir'S nachsehen, wenn Du mich jetzt anfällst oder nach meinem Weibe kachtest?"

(Fortsetzung folgt.)

Anzeigen nimmt entgegen die Expeditton d. Blatter sowie b.Annoncen-Bureaur von S-L. Daube L Co.in Frankfurt a-M; Jägerffche Buchhandlung daselbstb HermaniLsche Buchhandl. daselbst; Kvalidendarck in Berlin; W- Thiene» in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.