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Marburg, Sonetag, 15. Februar 1880

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Zum Glück war der Doktor gerade zu Haufe, als das Mädchen mit den Kindern ankam. Er befahl, daß Ella sofort in ihr Brüchen gelegt und tüchtig zugedrckt werde, damit ste ordentlich schwitze.

„Meine Frau und die Großmama brauchen vorläufig nichts davon zu wifien. Wenn das Kind geschwitzt hat, wird alles wieder gut sein", sagte er mit vor Schreck bleichem Antlitz.

Die junge Frau befand flch noch in der Wohnung Großmutter. Dr. Tipper hoffte der letzteren den Un» fall ganz verheimlichen zu können, seine Frau wollte er jedoch in schonender Weise schon deshalb von dem Vorgefallenen in Keuntniß setzen, weil das Dienst­mädchen nach seiner Meinung sofort $n entlassen war. Er begab sich, nachdem Ella gebettet war, nach der Wohnung seiner Schwiegermutter, um seine Frau vorzu- beretten.

Organisation der deutschen Gerichte nach den Normen des Reichsgesetzes über die Gerichtsverfaffung ist eine Reihe reformatorischer und organisatorischer Arbeiten von höchster Bedeutung auf dem Gebiete der Justizverfassung und Justiz- derwaltung abgeschlossen worden. Noch aber gilt es, die letzte Arbeit zu vollenden, noch fehlt der Schlußstein an dem denkwürdigen Bau — die einheitliche Rege­lung des Strafvollzugs im deutschen Reiche. Be­schlossen hat sie der Reichstag und Justizminister Dr. Leonhard hat durch den verdienstvollen Geheime-Rath Dr. Starke ein Reichsgefängnißgesetz ausarbeiten lassen, welches dem BundeSrath vorliegt und wahrscheinlich an den fett dem 12. d. M. in Berlin zufammengetretenen Reichstag zur entgültlichen Feststellung gelangen wird.

Mit der Einbringung, Berathung und Annahme des Reichsgesängnißgefrtzes aber allein ist ca^ioch nicht gethan; vor Allem wird man die Bedingungen schaffen müssen, auf Grund deren die praktische Durchführung eines solchen Gesetzes zur Möglichkeit gelangt, weil daffelbe ohnedies stets ein Blatt Papier bleiben wird. Hierhin gehört in erster Linie die Verständigung über das zum Grunde zu legende Strafsystem, die Beschaffung genügender und geeig­neter Räumlichkeiten und viele« Andere mehr.

Veranlaßt wurden wir zu vorstehender Skizze durch einen jüngst hier gehaltenen höchst interessanten Vortrag unseres verehrten Mitbürgers, des Herrn Landesgerichtsraths Fulda, der nun über den gleichen Gegenstand nächsten Montag noch einen zweiten und letzten Vortrag im hiesigen RathhauSsaale halten wird. Herr Landgerichtsrath Fulda hat seit langen Jahren die Strafanstalten in Amsterdam und in anderen holländischen Städten, die in Paris, Bel­gien und in einem sehr großen Theile von Deutschland wiederholt besucht und geprüft und seine auf diesem Gebiete

des Prinzm Friedrich Kari, später des General Herwarth v. Bittenfeld machte er im Regiment der Zieten-Husaren den Feldzug gegen Dänemark mit, trat 1864—1866 als HülfSarbeiter in das Ministerium des Innern, verwaltete im Jahre 1866 als Landrath den Kreis Templin, fungirte vom März 1873 bis November 1874 als Präsident von Lothringen in Metz und wurde dann zum Oberprästdenten von Schlesien ernannt, welche Funktion er nach Verur- thellung seines Schwagers, deö bekannten Diplomaten und ehemaligen Botschafters in Paris, niederlegte, um sich der Bewirthschastung seiner umfangreichen Güter zu widmen.

Die Berwaltungsgesetz-Commission des Abgeordneten­hauses nahm mit 13 gegen 7 Stimmen den Antrag v. Bennigsens an, wonach Bezirksrath und Bezirksverwaltungs­gericht zwar vereinigt werden im Bezirks - Ausschuß, in letzterem aber zwei Senate bestehen, von denen der eine unter dem Vorsitz deö Regierungsbezirks-Präsidenten die Verwaltungsbeschlußsachen, der andere unter dem Vorsitze eines auf Lebenszeit ernannten Richters (VerwaltungS- GerichtSdirektorS) die VerwaltungS - Streitsachen behandelt. — Der Verlaus dieser Sitzung war ein solcher, daß man wohl annehmen darf, es werde eine Nachsession des Land­tages stattfinden, falls es dem Minister de« Innern ge­lingt, das Staatsministerium und vor Allem den Fürsten Bismarck für seinen Wunsch zu gewinnen. Erst jetzt wird das Staatsministerium sich mit dieser Frage beschäftigen und wie es heißt, wird dasselbe deßhalb schon morgen zu einer Berathung darüber zusammen treten. Sollte es dem Minister deS Innern gelingen, die übrigen Mitglieder des Staatsministeriums für seinen Plan zu gewinnen, so dürste schon in der nächsten Woche dem Abgeordnetenhause ein hierauf bezügliches Gesetz vorgelegt werden, nach welchem eine Vertagung des Landtages auf die Zeit von drei Monaten eintritt, während derselben aber die Commission für die Verwaltungsgesetze ihre Thätigkeit unter Gewährung der Diäten sortsetzt.

Die konservative Fraktion des Abgeordnetenhauses be­ging am Donnerstag Abend ein Fraktionsdiner, das sehr zahlreich besucht war und bei dem neben den geladenen Ehrengästen — der Präsident v. Köller und die Minister — auch viele Mitglieder der deutsch-konservativen Partei deS Reichstages erschienen waren. Den einzigen Toast, welcher bei dieser Gelegenheit ausgebracht wurde — den auf Se. Majestät den Kaiser und König brachte in einer zündenden Rede der Präsident v. Köller aus und begeistert stimmten sämmttiche Anwesende drei Mal in diesen Rus ein.

An der konstituirenden Generalversammlung der deut­schen Seehandelsgesellschaft nahmen Theil 14 Aktionäre mit 4699 Stimmen. Zu Mitgliedern des AufsichtSratheS

Ersibeint täglich außer en den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Pre,S für daS Quartal mit der wSchentltchen Beilage ,,JSuftrirteS SonntagSSlatt burch die «^pedttwu (Koch sche Buchdruckerei) bezogen 2b Wart, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 5® Pf«. (e$cl Bestellgebühr). — stnserttonsgebühr für bte gespaltene Zeile 16 Pf«.

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Kuno, Du solltest hierhinkommen, um mein Schwesterchen zu retten!"

„Ja, ja, Du hast Recht!" antwortete der Fremde, dem Knaben die Wangen streichelnd.

„Jetzt gehst Du aber auch mit unS, nicht wahr?" fuhr dieser unermüdlich fort.

„Nein, kleiner Freund, ich werde jetzt in'« Hotel gehen, mich umkleiden und dann kommen, um nachzusehen, wie sich Dein Schwesterchen erhott haben wird. Also auf Wiedersehen!"

Der Fremde wandte sich ab und das Mädchen eilte klopfenden Herzens mit den Kindern nach Hause.

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Eiue filberue Hochzeit.

Erzählung von Ferdinand Gilles.

«Fortsetzung)

DaS leichtsinnige Ding stammelte tausend Entschuldi­gungen und erging sich in heißen Dankesbe^eugungen, in­dem eS den Fremden flehentlich bat, er möge doch mit­gehen, zur Wohnung ihrer Herrschaft, um auch den Dank der Eltern für die Rettung ihres Kindes entgegenzunehmen; denn sie werde auf die Gefahr hin, aus dem Dienste ent» lassen zu werden, getreulich alles berichten, was sich zuge­tragen. Der Fremde lehnte dies ab. er meinte, wenn das Ereiguiß zur Folge haben würde, daß das Mädchen in Zukunft achtsamer sein werde, so genüge daS ihm vollkom­men, daS allerliebste Kind gerettet zu haben, Dank bean­spruche er nicht für seine einfache Pflichterfüllung. Da aber klammerte sich der kleine Kuno um feine Kniee, und legte sich so herzlich aufs Bitten, daß an einen Wider­stand von feiten des Fremden bald nicht mchr zu denken war.

„Ja, Du mußt mit uns gehen, fremder Onkel!" bat der Kleine eindringlich. „Du hast Ellchen aus dem Waffer geholt und die Großmama wird uns böse sein, wenn wir Dich nicht mitbringen. Nicht wahr, Du kommst mit, Onkel?"

Der Fremde lächelte, nahm den Knaben auf den Arm, küßte ihm die Stirn und erzählte ihm, daß er vor einer halben Stunde erst mit der Eisenbahn angekommen wäre und daß die prächttgen Anlagen ihn vermocht hätten, be­vor er noch ein Hotel ausgesucht habe, sich hier zu ergehen. ,

,Da« hat der liebe Gott so gewollt", sagte der kleine

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Frau Rheinfeld'S Unwohlsein war nicht von Dauer gewesen und schon wieder vorüber. — Da ihr die Sorge um die Kinder keine Ruhe ließ und sie wiffen wollte, ob chre Lieblinge wohlbehaltm nach Hause gekommen wären, war ste mit ihrer Tochter nach deren Wohnung ausge­brochen und begegnete so chrem Schwiegersöhne.

„Was machen die Kinder?" lautete die erste Frage der Großmama?"

„Sind wohl und munter!" antwortete Tipper, indem er überlegte, wie er es nun anfangen sollte, damit Frau Rheinfeld nicht dennoch den Vorfall erführe.

„Ich wollte einen kleinen Spaziergang machen," fegte er nach einer Weile, „das Wetter ist prachtvoll schön, be­gleitet mich!"

Die Damen waren damit einverstanden, und Tipper führte sie nun fo lange herum, bis er glaubte, die kleine Ella werde wieder ganz wohl fein. Es konnte daS nämlich nicht lange dauern, da das Kind bloß durch den Schreck gelitten hatte, das Bad in dem warmem Waffer konnte ihm kaum fchaden.

Als Tipper mit den beiden Damen nach einem ändert» halbstündigen Spaziergange in seiner Wohnung ankam, hörte er das laute Lachen seiner beiden Kinder, denn Ella war wieder munter und hatte den kleinen Unfall bereits längst vergessen. Dem Doktor fiel eine Centn erlast, vorn Herzen, und er athmete wieder leicht auf. Da flüsterte ihm daS Dienstmädchen zu, daß der Fremde da sei, der Ella gerettet habe.

... Wie sehr Tipper fich auch freute, den Retter seiner Tochter begrüßen zu können, in diesem Momente brachte ihn der Besuch desselben doch in peinliche Verlegenheit; denn es war große Gefahr vorhanden, daß die Großmama

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faltigen nimmt tmgegen: He Expedition d.BlatteS, foarie d.Annoncen-Bureaux gon Th. Dietrich & Eo. in Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Saasenstein & Bögler in Frankfurt n- M., Berlin, geizig, ESln re.; Rudolf Moffe in Berlin, Frank­furt a. M. re.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d.BlatteS sowie d.Annoncen-Bureaux von G-L- Daube L Eo. in Frankfurt a-M; Jäger'sche Buchhandlung daselbstd Hennann'fche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; 8B. ThieneS in (Kbetfetb; 6. Schlotte in

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Die Gefättguitzfrage

hat sowohl in politischer und socialer als in kirchlicher und finanzieller Beziehung mit allen ihren Voraussetzungen und Nachwirkungen eine so tief eingreifende Bedeutung erlangt, daß nicht genug geschehen kann, die Besten und die Ein- fichtsvollsten im Volke dafür zu erwärmen und in Anspruch zu nehmen, daS öffentliche Interesse für den eigentlichen Stand der Sache nach allen Seiten hin möglichst zu orien- tireu und zu klären sowie die Ueberzeugung zu befestigen, daß Stadt und Land, bürgerliche und kirchliche Gemeinde, Behörde und Privatpersonen, sei es vorbeugend oder nach­helfend, unmittelbar oder mittelbar, irgendwie bei der Lösung dieser hochwichtigen Aufgabe sich zu betheiligen haben und daß die Staatsregierung den dabei ihr in erster Linie zufallm- den Antheil nur in dem Maße zu erfüllen vermag, als ihr alle jene Faktoren zusammenstimmend und entsprechend in einander greifend, die Hand dazu bieten.

Mit der am 1. Oktober v. I. ins Leben getretenen

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gesammelten Erfahrungen durch größere und kleinere Auf­sätze weiteren Kreisen zugänglich gemacht. Bei der großen Wichtigkeit eine« allgemein richtigen Verständnisses der Gefängnißfrage wollen wir daher nicht allein auf den be­vorstehenden Vortrag unsere hiesigen Leser aufmerksam machen, sondern werden auch noch näher auf beide Vorträge zurückkommen._________________________________________

Tagesbericht.

Die Thronrede, mit welcher der Reichstag eröffnet wurde, hat, wie die meisten dieser Reden einen geschäftlichen Stil. Sie zählt die Vorlagen auf, mit welchen der Reichs­tag sich zu beschäftigen haben wird. Leider beginnt sie mit der Ankündigung einer Erhöhung der Matrikularbeiträge und der Aufnahme einer neuen Anleihe und fährt fort mit der Nothwendigkeit, der begonnenen Finanzreform eine neue Ausdehnung zu geben, v. h. mit der Ankündigung neuer indirekter Steuern. Selber vermissen wir schmerzlich die Ankündigung einer Fortführung der Reform unserer Gewerbegesetzgebung, welche uns wichttger und nothwendiger dünkt, wie alles Andere. Schutz vor Viehseuchen und der Socialdemokratie ist nöthig; aber für mindestens eben so nöthig halten wir den Schutz unseres Volkes, insbesondere des landwirthschaftlichen und gewerblichen Mittelstandes, vor dem Mißbrauch der Gewerbefreiheit seitens des grün­denden Kapitals und vor dem Börsenspiel. Wir wollen hoffen, daß die konservative Partei, welche ja schon seit Jahren diese Reform der Gewerbeordnung in die Hand genommen hat, in dieser Session mit um so größerem Nachdruck hiermit die Jnittative ergreifen wird, als die Thronrede darüber mit Stillschweigen hinweggegangen ist. Der letzte Theil der Thronrede beschäftigte sich mit den auswärtigen Beziehungen und stellte dieselben, wie üblich, als „friedliche und freundschaftliche" dar, obwohl vorher die Einbringung der Milftärvorlage mit der Nothwendig­keit des „Schutzes der höchsten nationalen Güter vor jeder Gefährdung von außen her" begründet wird. Hoffen wir, daß dieser letzte Hinweis keine concrete augenblickliche Be- beutung hat, sondern nur auf die allgemeine Nothwendig­keit sich bezieht, daß Deutschland seine Milttärmacht auf der Höhe ihrer Aufgabe erhält.

Der zum Präsidenten deö Reichstags gewählte Graf Adolf v. Arnim-Boytzenburg ist am 12. December 1832 in Boytzenburg in der Uckermark geboren und jetzt Besitzer dieser Grafschaft. Er ist evangelischer Religion, besuchte bis 1851 die Gymnasien zu Posen, Berlin und Torgau, stu- birte in Göttingen, Torgau und Berlin, fungirte als Aus­kultator in Berlin und Merseburg, als Regierungsreferen­dar dann in Merseburg wurde er im Jahre 1862 Re- gierungSaffeffor und arbeitete in dieser Eigenschaft bis 1863 bei der Regierung in PotSoam. Als Ordonnanz-Officier

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