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JRatßucg, Sonnabend, 14. Februar 1880

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im Weißen Saale de» königlichen Schloffes wohnten nicht ganz 100 Reichstagsmitglieder bei, die meisten im Frack, nur wenige in Uniform. In der Diplomatmloge waren nur einige Attaches anwesend. Um 2 Uhr trat ber Sun* drsrath ein, an der Spitze Graf Stolberg, welchem der bayerische Gesandte v. Rudhardt, Minister v. Stosch, der sächsische Minister des Innern von Nostitz-Wallwrtz,, Mi- nister v. Kamele, der württembergische Gesandte v. Spitzem- berg und die übrigen BundeSrathsmitglieder folgten. Nach­dem Gras Stolberg seitwärts von dem verhüllten Throne Stellung genommen, verlas derselbe folgende Thronrede:

Geehrte Herren! Seine Majestät der Kaiser und König haben mir bett Auftrag zu ertheilen gemht, btt Sitzungen des Reichstages zu eröffnen.

Der Entwurf des ReichshaushaltS-Etats wird Ihnen unverweilt vorgelegt werden. Er ist unter Berücksichtigung der finanziellen Erträgnisse aufgestellt worden, welche die im verfloffenen Jahre unter Ihrer Zustimmung vorge­nommenen Reformen im nächsten Etatsjahre vorauSsichlltch ergeben werden. Zugleich ist sorgsam daraus Bedacht ge­nommen worden, die Ausgaben des Reiches in den Grenzen zu halten, welche durch das dringende Bedürfniß borge- zeichnet find.

Gleichwohl hat eS sich als unerläßlich gezeigt, in einer Erhöhung der diesjährigen Matrikularbeiträge und in einer Anleche Deckungsmittel für Aufwendungen vorzusehen, welche ohne überwiegenden Nachtheil nicht zurückgeftellt werden Knn<S'ef« Erscheinung steht die schon bei Eröffnung deS letzten Reichstages von Sr. Majestät dem Kaiser und Könige betonte Nothwmdigkeit zur Seite, bett einzelnen Regierungen durch Erhöhung der Einnahme des Reiches die Mittel zu gerechter wirthschastlicher Ausgleichung der Landessteuern zu gewähren. Diese Bedürfniffe legen den verbündeten Regiemngen die Pflicht auf, der im vorigen Jahre begonnenen Reform der Finanzgesetzgebung deS Reichs eine weitere Ausdehnung zu geben. Die Ergebniffe ihrer darüber schwebenden Berathungen werden, sobald sie zum Abschlüsse gelangt sind, dem Reichstag zugehen. Auch für die geschäftlichen Formen, in welchen bisher die gesetz­liche Feststellung des ReichShauShaltSetats erfolgte, hat sich das Bedürfniß einer Aenderung in jedem Jahre dringlicher herausgestellt. Die Bestimmung deS Artikel« 69 der ReichSverfaffung, nach welcher der Reichshaushaltsetat für jedes Etatsjahr vor dessen Beginn dnrch ein Gesetz festzu­stellen ist, macht eS unvermeidlich, den Reichstag zu einer Zeit einzuberufen, zu welcher in der Regel zahlreiche Land* tage die ihnen verfasiungSmäßig obliegenden Geschäfte noch nicht zur Erledigung gebracht haben.

Um der Beeinträchtigung, welche den Reichs- tote den

Kehren wir, lieber Leser, jetzt nach dem Badeorte zu unseren Freunden in Thüringen zurück. Das junge Tipper'sche Ehepaar hatte damals«^wei Kinderj, einen Knaben von fünf und ein Mädchen von drei Jahren. Der kleine Kuno war ein allerliebster Junge, und sein Schwesterchen, Ella, zeigte eine frappante Ähnlichkeit mit Frau Tipper, als diese sich in dem gleichen Alter be* funden. Die kleine Ella war daher zumal der Liebling der Großmama.

Dir letztere war überhaupt die Herzensfteundiu ihrer beiden Enkel, sie machte Spaziergänge mit ihnen und war fast den ganzen Tag die Leiterin ihrer Spiele. Frau Rheinfeld hatte indessen dem Wunsche ihres Schwieger­sohnes und ihrer Tochter, in deren Wohnung zu ziehen, trotzdem nicht willfahrt, sondern war allein in ihrem alten, liebgewonnenen Heim geblieben, welches ja auch nicht all­zuweit von der Wohnung des Doktors entfernt war. Die Freundschaft zwischen der Großmutter und ihren beiden Enkeln ließ fie nun entweder alle drei in Großmama'S Wohnung oder in der der Eltern sich zusammenfinden. Frau Rheinfeld sah übrigens als „Großmutter" sellsam genug aus, denn sie war eine stattliche Frau von einigen 40 Jahren. Nun, ste fand sich recht gut in ihre Rolle. Ihre Zärtlichkeit zu den Kindern ihrer Tochter «ar einer Großmutter würdig, wenn die brave Fran auch sonst durchaus noch keine „Großmutter" zu repräfentiren schien. Sie wurde im Gegentheil von vielen Leuten, welche ihr mit den beiden Kleinen begegneten, für deren Mutter ge­halten, wie denn auch der kleine Kuno und Ella sie gleichsam als ihre zweite Mama, als so eine Art Spezial­mama für die Erfüllung aller kleinen Wünsche, wie sie Kinder zu haben Pflegen, betrachteten.

Landes-Jntereffen aus der Gleichzeitigkeit der Reichs- und Landtags - Sessionen erwächst, wirksamer zu begegnen, als es auf den seither eingeschlagenen Wegen erreichbar gewesen ist, werden die verbündeten Regierungen Ihnen eine Ge­setzesvorlage zugehen lassen, welche den Artikel 69 und einige mit ihm in Verbindung stehende Artikel der Reichs­verfassung in dem Sinne abzuändern bezweckt, daß die ge­setzliche Feststellung des ReichshauShalts-Etats fortan auf einen Zeitraum von je zwei Jahren stattfinden soll.

Einer Umgestaltung und Weiterbildung bedürfen ferner die Grundlagen, auf welchen das Reichsmilitärgesetz vom 2. Mai 1874 das deutsche Heerwesen geordnet hat. Seit dem Erlaß dieses Gesetzes sind in den benachbarten Staaten so umfaffenbe Erweiterungen ber HeereSeinrichtungen zur Durchführung gelangt, baß bas Deutsche Reich, unbeschabet ber Friebsertigkeit seiner Politik, im Interesse seiner Sicher­heit genöthigt ist, auch seine militärischen Einrichtungen zu vervollstänbigen. ,, m „

Wenn Angesichts ber Opfer, welche baö beutsche Volk schon jetzt für bie Sicherstellung seiner Unabhängigkeit bringt, die verbündeten Regierungen nur mit Widerstreben eine Steigerung derselben in Aussicht nehmen, so hegt Se. Majestät der Kaiser und König doch keinen Zweifel daran, daß der Schutz der höchsten nationalen Güter gegen jede Gefährdung von Außen her von dem gesammten deutschen Volke und seinen Vertretern mit gleicher Klarheit für nothwendig erkannt und mit gleicher Entschiedenheit gefor­dert wird, wie von den verbündeten Regierungen.

Um die durch Umtriebe einer Umsturzpartei bedrohte innere Sicherheit deS Reiches zu schützen, haben Sie in der ersten Session der gegenwärtigen Legislaturperiode dem Gesetze gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Socialdemokratte Ihre Zustimmung ertheitt. Dies Gesetz hat damals nut bis zum 31. März 1881 Geltung er­halten.

Die Maßnahmen, welche zur Ausführung derselben er­griffen sind, haben den Erfolg gehabt, jene Bestrebungen in gewissen Schranken zu erhallen; ste völlig zu verhin­dern ist in der seither verfloffenen Zeit nicht gelungen und wird auch binnen Jahresfrist nicht zu ermöglichen sein. Es wird Ihnen deshalb vorgeschlagen werden, die Geltung de« erwähnten Gesetzes auf eine angemessene Zeit über den 31. März 1881 hinaus zu verlängern.

Der Einschleppung und Verbreitung von Viehseuchen haben die Landesgesetzgebungen bisher mit ungleichem Er­folge abzuhelfen gesucht. Nachdem von Reichswegen ein­heitliche Maßregeln zur Bekämpfung der Rinderpest fest- gestellt worden sind, haben die verbündeten Regierungen beschlossen, durch Vorlage des Entwurfs eines weiteren Gesetzes über die Abwehr und Unterdrückung von Vieh­seuchen Ihnen Gelegenheit zu eingehender Erörterung der Fragen zu geben, welche sich an diesen Gegenstand knüpfen.

„Ja, sie ist rein wie der frisch gefallene Schnee!" be- cheuerte Dalberg.

„O, ich war längst davon überzeugt und habe es längst bitter bereut, sie in rasendem Wahnwitz von meiner Schwelle gewiesen zu habm. Ich war ein tyran-

„Erlaffe einen Aufruf in allen Zeitungen Deutsch­lands," meinte Dalberg. , ,

„Nein", erwiderte Rheinfeld, „damit wurde ich unser Heiligstes profaniren; ich werde ste auffuchen, ganz Deutsch­land von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf durch­reisen und nicht eher rasten, bis ich sie wiedergefunden habe. Lebe wohl, Dalberg! Ich will vergessen, waS Du mir gethan, will Dir vergeben; denn eS war ein schreckliches Schicksal, welches unS Alle ereilte! Ich war zu glücklich, mich traf der Götter Neid." *

es Zeit, Alles wieder gut zu machen. Frau auf und versöhne Dich mit ihr

Viosie in Berlin, Frank­furt a. M re.

Eine silberne Hochzeit.

Erzählung von Ferdinand Gilles-

(Fortsetzung.

„Mein Name ist Kuno Rheinfeld. Wen habe ich die Ehre?" antwortete der Reisende.

„O, Du bist eS also wirklich? Und Du erkennst mich nicht wieder? ES ist wahr, ich habe mich sehr verändert und es sind auch schon zwanzig Jahre her, seitdem wir uns zum letzten Male gesehen habm. Dalberg ist mein Name, weiland Assessor und jetzt Direktor deS hiestgm Kreisgerichts!"

„Dalberg?! Und Du mußt der erste sein, der mir auf heimathlicher Erde von allen meinen Bekannten entgegen­tritt! Willst Du nochmals verrätherisch meine Bahn durch­kreuzen?" ftagte Rheinfeld, den Andern mit einem Blick ber Verzweiflung anstarrend.

„Rein, mein Freund! Ich habe damals schwer an Dir gesündigt, habe Dich tödtlich verletzt, bin frevelhaft in das Heiligthum Deines süßen Eheglückes gedrungen und habe Dich, dm besten Freund, durch meinen Verrath ans dem Lande getrieben. Ich habe das Alles durch die gräßlichsten Gewissensbisse schrecklich gebüßt, habe feiten eine ruhige und wohl nie eine glückliche Stunde verlebt, meine eigene Ehe aber ist meine Hölle geworden! Ich bin namenlos unglücklich, das hat mich so verändert, daß Du den einstigen Jugendgenossen nicht mehr wieder erkanntest. Ich danke dem Himmel, daß er Dich mir hierher geschickt hat, damit ich Dir sagen kann, daß Deine Fran unschuldig war und damit ich Dich um Verzeihung bitten kann.

„Meine Frau unschuldig?" rief Rheinfeld.

nischer Thor.

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Aus Anlaß der Justizreform waren Ihnen in der letzten Session die Entwürfe eines Gesetzes über das Faust­pfandrecht für Pfandbriefe und ähnliche Schuldverschrei- mngen, sowie eines Gesetzes über das Pfandrecht an Eisen­bahnen und über die Zwangsvollstreckung in denselben vorgelegt worden, welche damals nicht zur Erledigung ge­langten. Beide Entwürfe werden von Neuem Ihrer Be- schlußfasfung unterbreitet werden.

Das Reich ist fortgesetzt bemüht, dem Handel und der Schifffahrt Deutschlands Schutz und Förderung zu gewähren. Ein zu dem Ende im vorigen Jahre mit Hawaii abge­schlossener und von dem Könige dieses Inselstaats bereits ratificirter Handelsvertrag wird Ihnen zur Beschlußfassung vvrgelegt werden.

In gleichem Sinne werden Ihnen Vorschläge zu Gunsten der Aufrechterhaltung und Erweiterung der bestehenden und bisher blühenden deutschm Handelsbeziehungen mit Samoa und anderen Inselgruppen der Südsee zur Beschluß- nahme zugehen.

Die Beziehungen des Deutschen Reiches zu allen aus­wärtigen Mächten sind friedlich und freundschaftlich. Das Vertrauen auf die Sicherheit des Friedens durch die Er­gebniffe des Congresses, welchem Seine Majestät der Kaiser und König im vorigen Jahre Ausdruck gab, hat sich als ein berechtigtes bewährt.

Die Bestimmungen des Berliner Vertrages haben in nahezu allen Punkten ihre Ausführung bereit« gefunden. An allen weiteren Bestrebungen, den Frieden Europas dauernd sicher zu stellen, bleibt das deutsche Reich nach wie vor eifrig beteiligt.

Mit der Herstellung unserer nationalen Einigung sind die friedlichen Neigungen des deutschen Volkes in ihr volles Recht getreten. In Bethätigung desselben bleibt die Politik Seiner Majestät des Kaisers und Königs eine friedliche und erhaltende. r.„ v

Mit der unbeirrten Stetigkeit, welche das Gefühl der eigenen Kraft verleiht, wird ste auch ferner bestrebt fein, in voller Uneigennützigkeit für die Erhaltung des FriedmS nicht nur selbst einzutreten, sondern die Mitwirkung und die Bürgschaft der gleichgesinnten Mächte zu gewinnen und sicher zu stellen. ,

Nach Verlesung der Thronrede brachte der bisherige Vicepräsident des Reichstags v. Franckmstein das Hoch auf den Kaiser aus, in welches die Versammlung dreimal be­geistert einstimmte._____________________________________________

Tagesbericht.

Am Schluffe eines Resumv's über die Festlichkeiten bei Hofe während der abgelaufenen Woche bemerkt die „Prov.-Corresp.", daß namentlich die Heiterkeit und Rüstig* kett deS Kaisers allgemeine Bewunderung und Freude erregte. Das Befinden unseres Kaisers ist fortdauernd das allerbeste.

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Kassel 88». rt.

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«Eigen nimmt dagegen: Me Expedition b.Blatte«, tanie d.Annoncen-Bureaux von Th, Dietrich & 60. in jläflel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.2JL; Laasenstein & Bögler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Ldln ic; Rudolf

Suche Deine Frau auf und versöhne Dich mit ihr Vergelte ihr die schwere Kränkung durch zweifache Liebe!"

„Ja, daS will ich! In dieser Absicht bin ich zurück über den Ocean gekommen. Ja, ich will Therese auf­suchen, sie um Verzeihung bitten, will sie — doch wo soll ich sie finden? Lebt der RechtSanwall Köster noch?

„Er ist tobt seit zehn Jahren!"

„Und Hauptmann Bnchholtz?"

„Fiel bei Königsgrätz." , ,

„So lebt also Niemand mehr, der mir Auskunft geben könnte", rief Kuno schmerzlich ans, und drückte die Hand an die Stirn, auf welche Tropfen kalten Schweißes

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Buchdruaerer) bezog i der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pf«, berechnet. _______

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte« sowie d.Annoncen-Bureaur von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst!; Herrnann'sche Buchhandk. daselbst; Kvalidendarü in Berlin; W- ThieneS in Elberfeld; 0. Schlotte in

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