Einzelbild herunterladen
 
  

im

Rt. 36

JIlarGutg, Donnerstag, 12. Februar 1880

XV. Jahrgang

nferti- :ci ge- ■ Ein- [322

-enneit :n unb es bei

toeigen nimmt tmgegen: tft Expedition d.vlatte«, f0tDie d.Ännoncen-Bureaux «n Th, Dietrich & Eo. in Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; baasenstein & Bögler in jrantfurt a. M., Berlin, Einzig, Köln ic.; Rudolf Aoffe in Berlin, Stan!» fort a. tut. ic.

Anzeigen nimmt entgegen dteG^editton d. Blattes sowie d- Annoncen-Bureaux von G-L-Daube & Co. in Frankfurt a- M; JSger'sche Buchhandlung daselbsch Hermann'sche Buchhanbl. ♦ daselbst; Jnvalibendan! in

Berlin; W. ThieneS in Merfeld: 6. Schlotte in

Bremen-

2c?i4eint tänlid) außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiettagen. Preis für das Quattal mit der wöchentlichen Beilage „Jlnstrtrtes SountagSblatt" durch die Expedition («och'sche ^'^""B«chdr -utzer-an ^A^er deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. lexcl. Bestellgebühr).-Jns-rttonsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf,.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Psg. berechnet.

sin,—

>yi,- ichaft

ligften [28?2

®or= ?ann, audr t mir ntritt

1880.

1.

feiner oem? [345

litär- oem? [344 ilte [384 ße- it

en)

e ge­hren

allen das

ung,

Tagesbericht.

Den Berl. Abendblättern zufolge findet die Eröffnung des Reichstags durch den Fürsten Bismarck statt. — Auch die ,Nordd. Allg. Ztg." bestätigt, daß ein kurzes Nebeneinan- tagen des Reichstags und des Landtags schon deS Etats wegen unvermeidlich fei. Wegen Erledigung der übrigen Aufgaben des Landtages werde erst in einigen Tagen Beschluß gefaßt. — Dieselbe Zeitung hört ebenfalls, die Vorlegung eines Gesetzentwurfs über die Aktiengesetz- gebung sei in der bevorstehenden Reichstagssesston nicht zu «warten. ____________

Freiherr von Franckenstein, der bisherige erste Vice- Präsident deS Reichstags ist bereits in Berlin eingetroffen. Da der bisherige Präsident von Seydewitz sein Amt be­kanntlich niedergelegt hat, so liegt dem genannten Vice- Präsidenten bis zur Vollziehung einer Neuwahl die Leitung der Geschäfte deS Reichstages ob. Heber diese Neuwahl unb die dafür in Aussicht genommenen Personen courstren jetzt in den Zeitungen die mannigfachsten Gerüchte, welche aber mit Rücksicht darauf, daß zwifchen den Fraktionen noch gar keine Besprechungen stattgefunden haben, sämmt- lich in das Gebiet der Eombinalionen zu verweisen sind. Daß Herr v. Seydewitz das Amt als Präsident des Reichs­tags entschieden nicht mehr annehmen werde, haben wir bereits zur Weihnachtszeit gemeldet. Wenn nationalliberale Blätter jetzt wieder Hrn. v. Bennigsen für den Prästdenten- posten in den Voroergrund drängen wollen, so dürste das allerdings „vergebene Liebesmüh" sein, da sich auf diese Kandidatur voraussichtlich keine Majorität vereinigen dürste. Andere Meldungen dürsten vielleicht der Wahrheit näher kommen.__

Ein dem Bundesrathe zugegangener Antrag Preußens wegen Aenderung des § 30 des SocialistengesetzeS, (welcher die Dauer der Geltung des Gesetzes bis 31. März 1881 ausspricht) wurde den zuständigen AuSschüffen überwiesen. Die VerwaltungSgesetz-Eommission des Abgeordnetenhauses beschloß in zweiter Lesung deS Behörden-OrganisationSge- setzeS für die Provinz Hannover die bestehenden sechs Be­zirke sämmtlich beizubehalten. (Die Regierungsvorlage wollte drei Regierungsbezirke.) Die Frage der Verbindung des Bezirksverwaltungsgerichts mit dem BezirkSrathe wurde, weil eine Einigung nicht zu erzielen war, der Subkommission zur erneuten Prüfung überwiesen.

Der Reise deS Kronprinzen nach Karlsruhe wird eine kirchenpolitische Bedeutung beigelegt. Wenigstens schreibt das demokratische „Frankfurter Journal" Folgende«: Der Kronprinz hatte auf seiner Reise nach Pegli unterwegs ähnliche Ausgleichsarbeit wie in Berlin zu vollführen.

Prolog zu der Vorstellung vou „Wallensteins Lager" im Saalba» zu Marbarg am 8. Februar 1880.

Verfaßt von H. Schellenberg.

id»

ches cht» 317

fiel ).

Wir führen Euch zurück in düstere Zeiten, Zu unseres Vaterlandes tiefster Schmach, Wo durch den Feind bedräut von allen Seiten Zerrissen, blutend es am Boden lag.

Wo um der Liebe Religion, die hehre — Zur ewigen Schande unserem Vaterland — DeS Kaisers Heer entgegen deutschem Heere Im Kamps der Bruder gegen Bruder stand.

Und im Gesolg' des KriegesgvtteSwalten Verderben bringend allem, was da leht Die Pest, der Hunger, grausige Gestalten; Nicht vor dem Schwert des Menschen Herz so bebt.

iri8.

Am

Jahrhunderte, sie rollten hin inzwischen, Doch konnten sie die Spuren, die das Schwert, Die Pest, der Hunger liehen, nicht, verwischen, Aufbauen nicht, was jener Krieg zerstört. —

Doch nicht ein Bild des Elends wir Euch geben — Die Gegenwart sie hat genug der Noch — Zu malen suchen wir das freie Leben Wie roilotn Kriegern es das Lager bot.

r.i.

i,o;.

Den Geist der Zeit Ihr werdet ihn erkennen, । „Ihr schaut im Heer des großen Feldherrn Bild . | Bewundernd die, voll Haß ihn jene nennen, Den Mann deß Ehrgeiz nimmer ward gestillt.

Sein Weg führte ihn bekanntlich über Karlsruhe, wo eben­falls der Staat gerade im Begriff steht, vor den Forderungen des VaticanS zu capituliren. Da nun die nationalliberale Partei der badischen Kammer entschlossen ist, die neuen Zugeständnisse an die Curie nicht gut zu heißen, »so tritt an den Großherzog von Baden die Frage heran, ob er die Kammer auflösen oder ein neues Ministerium aus den Reihen der nationalliberalen Majorität wird bilden wollen. Seitdem nun der deutsche Kronprinz am badischen Hofe verweilt, sind die Aussichten auf Bildung eines neuen Ministeriums, welches die Staatsrechte der Curie nicht preisgiebt, bedeutend gestiegen, und die ultramontanen wie reactionären Elemente in Baden sehen sich um die Hoff­nung betrogen, durch Neuwahl in ihrem Sinn dem Vatikan auf deutscher Erde zu einem ersten Siege zu verhelfen.

Die Staatssprache in Oesterreich ist bekanntlich die deutsche; neuerdings machen aber die Czechen die größten Anstrengungen, die Gleichberechtigung ihrer Sprache mit der deutschen durchzusetzen. Der Czecheu-Club im Abgeord­netenhause hat seine diesbezüglichen Wünsche in einem Memorandum niedergelegt und dasselbe dem Kaiser und der Regierung überreicht. Wollte die Regierung alle diese Wünsche erfüllen, so würde sie damit auf eine schiefe Bahn gedrängt, die zuletzt zur Zerstückelung des Reiches in ein­zelne Nationalitäten führen müßte. Das Band, welches die verschiedenen Volksstämme der Monarchie znsammenhält, ist die deutsche Sprache und je mehr dieselbe ein Gemein­gut aller wird, desto fester wird auch das Reich fein. — Die deutsch-böhmischen Abgeordneten haben bereits ein Gegen-Memorandum versaßt und dasselbe dem Kaiser Überreicht. .

Die Nothlage in Konstantinopel hat, wie dem „Pest. Lloyd" gemeldet wird, schreckliche Dimensionen erreicht. Unter Anderem werden folgende Fälle hervorgehoben: Viele Offiziere haben sich, da die Regierung mit der Gage im Rückstände ist und erst im Dezember einen Theil der bis Juli 1879 fällig gewordenen Löhne bezahlt hat veranlaßt gefunden, aus der Armee auszuscheiden und ihr Brot durch andere Beschäftigung zu suchen. Einige dieser Offiziere sind sogar als Lastttäger in den Straßen beschäftigt. Nicht besser ergeht eS der Municipalität, welche nicht einmal die Verpflichtungen der dortigen Gasgesellschaft gegenüber zu erfüllen in der Lage ist, weßhalb die Gesellschaft der Stadt das Gas entzog und die Strafen einige Abende mit Pe­troleum beleuchtet werden mußten. Als Beweis für die Noch, welche in der Bevölkerung herrscht, wird die That- sache hervorgehoben, daß Mohameoaner sich nicht scheuten, die sonst heilig gehaltenen Tauben, welche die Moschee Bajazid umflatterten und bisher den Türken unverletzbar waren, herabzuschießen und zur Sttllung des Hungers zu

Genug von ihm, sein „Charakterbild" erfassen, Dazu ist hier nicht Kraft, nicht Ort und Zeit Das wollen gern wir andern überlasten, Die Klio tiefer ins Geheimniß weiht. —

Warum jedoch die Bretter wir beschreiten Mit Staunen wohl hier Mancher von Euch fragt, Die Bretter, die nicht unsere Welt bedeuten;

Denn Keiner nach ThalienS Kränzen jagt.

Zur Antwort will ich Euch erwidernd sagen:

Schaut in die deutschen Gauen nur einmal Hört nicht Ihr wieder Flehen, Jammern, Klagen? Vernehmt Ihr nichts von Elend, Hungersqual?

Nicht durch den KriegSgott ward und nicht von Feinden Jetzt unser theures Vaterland verheert, Die Elemente, die sich wild vereinten, Sie haben manchen Gaue« Frucht zerstört.

Laut schallt der Armen Rufen nach Erbarmen, Seht Ihr verschmachtend dort den Greis am Stab? Den zarten Säugling hält in welken Armen Das junge Weib, hinstechend selbst zum Grab.

Der Vater bebt, er schaut mit düstern Blicken Die Kleinen an, sie flehen um ihr Brod.

Wird er vielleicht das scharfe Mester zücken, Zu enden ihre Noch mit jähem Tod?

Zur Hilfe hier, an Bord jetzt alle Hände!

ES fehlet noch so manche, rüst'ge Kraft.

Wie sänd' der Nothstand doch sein schnelles Ende, Wenn je nach Kraft ein Jeder Hilfe schafft. —

verwenden. Heber die letzte Thatsache speziell herrscht in Konstantinopel allgemeine außerordentliche Aufregung.

Deutscher Reich.

** Berlin, 10. Febr. In der heutigen Sitzung de« Bundesraths wird sowohl der Gesammtetat für 1880 81 als auch der Entwurf des Anleihegesetzes zur Beschluß­fassung gelangen. Er wird daher möglich sein, daß beide Finanzvorlagen gleich nach Konstitnirnng des Reichstage« demselben zugehen werden. — Dem Bundesrath ist ein im Reichseisenbahnamt ausgearbeiteter Entwurf einer Aenderung und Ergänzung der Bestimmungen im Abschnitt II. b. der Signalordnung für die Eisenbahnen Deutsch- land« von 1875 zur Beschlußfassung vorgelegt worden. Ferner ist dem Bundesrath ein neuer Entwurf eines Brausteuergesetzes zugegangen. Bekanntlich sind die beiden in der vorigen Session dem Reichstage vorgelegten Ent­würfe, betreffend die Erhebung der Brausteuer und die Erhöhung der Brausteuer bei der ersten Plenarberathung an eine Kommission verwiesen und von dieser durchbe- rathen, jedoch nicht weiter erledigt worden. Inzwischen bestehen die Gründe, welche für die bezeichneten Vorlagen maßgebend waren, unverändert fort, so daß deren Wieder­einbringung geboten erscheint. Bei der erneuten Aufstel- lung sind die beiden getrennten Gesetzentwürfe zu einem Entwürfe vereinigt worden^, auch haben die Abänderungs­vorschläge der Reichstagskommission zum großen Theil Berücksichtigung gefunden. Malzsurrvgate werden in dem Gesetzentwurf verboten und die Steuer auf 4 Mark vom Hectoliter ungebrochenen Malze« normirt. Endlich liegt dem Bundesrathe der Entwurf eines Gesetze«, betreffend die Besteuerung der Dienstwohnungen vor. Es darf danach der Miethwerth, von welchem die Steuer erhoben wird, nicht höher al« mit zehn vorn Hundert de« Dienst- einkornrnen« der Reichsbeamten bemessen werden. — In Betreff des dem Bundesrath zugegangenen preußischen Entwurfs von Vorschriften, betreffend den Schutz gewerb­licher Arbeiter gegen Gefahr für Leben und Gesundheit hat der Bundesrath dem preußischen Anträge entsprechend, beschlossen, den Reichskanzler zu ersuchen, den Entwurf durch eine Kommission von Sachverständigen prüfen zu lasten, zu welcher Aufstchtsbeamte und hervorragende im Dienste der Industrie praktisch beschäftigte Personen zu berufen sind. — Der Centralausschuß für die innere Mission der deutschen evangelischen Kirche hat an alle in Deutschland ihm verbundenen Kreise ein Hmschreiben er­tasten, um den Schutz, welchen der Staat durch die auf die jugendlichen Fabrikarbeiter bezüglichen Bestimmungen der Gewerbeordnung dieser Klasse von Arbeitern zugewendet hat, durch entsprechende kirchliche Fürsorge zu verstärken. Durch eine Verfügung vom 3. d. hat der Kultusminister nun die Kreisschulinspektoren veranlaßt, die Volksschullehrer

Deshalb die Bretter heute wir beschreiten, Deshalb Euer Kommen un« so freut, Ihr werdet Euch der Armen Dank bereiten, Mit Eurer Freude tilgt Ihr manches Leid.

Nehmt unseren Dank auch, daß Ihr hier erschienen, Doch eine Bitte sei an Euch gericht't — Vernehmt, daß wir zwar fteudig Musen dienen Doch sonst der holden Schwestern Jeder nicht.

Man pflegt der Musen Söhne uns zu nennen, Jedoch eS sei vor Allen hier erklärt Wir muffen frei und offen es bekennen, Nicht einen hat ThalienS Brust genährt.

Wir bitten Euch die« gnädig zu bedenken, — Da Thalia Keiner Mutter nannte —

So müßt Ihr güt'ge Nachsicht heut' unS schenken,

Wo wir's versuchen in dem Dienst der — Tante.

Ei« filberue Hochzeit.

Erzählung von Ferdinand Gille«.

(Fortsetzung.

Da faßte sich eine« Tage« selbst ein hochgestellter Be­amter ein Herz und machte der schönen jungen Frau in bester Form einen Heirathsantrag. Therese hatte den Herrn, der sich zur Kur im Badeorte aufhielt, bei einer befreun­deten Familie kennen gelernt und schätzte in ihm den liebens­würdigen Gesellschafter, dessen ungezierte Ritterlichkeit die