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Marburg, Mittwoch, 11. Februar 1880

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Rheinfeld nahm feinen Abschied und wanderte >nach

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ergreifung von katholischen Kirchen handle, dann seien die Altkatholiken nicht zu vornehm, wie z. B. in der Heimath des Herrn Petri, in Wiesbaden, so daß die Katholiken sich dort nun mit Nothkirchen behelfen müßten. — Schon durch den Redekampf zwischen Schorlemer, Petri und Lieber war die Debatte eine sehr gespannte geworden, als nun aber der Abg. v. Sybel, der Begründer des kulturkämpfe­rischen „Deutschen Vereins", auftrat um sich gegen die persönlichen Angriffe des Abg. v. Schorlemer zu verthei-- digen und dabei ebenso rücksichtslos wie Herr v. Schor» lernet zu Werk ging, da brach der ganze Ingrimm des Centrums gegen Herrn v. Sybel los. Als er ihnen sagte, sie sollten sich an den Papst wenden, daß dieser den Katho­liken die Mitbenutzung der Kirchen mit den Altkatholiken gestatte, entstand schon Unruhe im Centrum, als aber Herr v. Sybel behauptete sie hätten vorhin die Verlesung de» Königlichen Altkatholiken-Erlaffes mit „schallendem Ge­lächter" begleitet, erhob sich im Centrum ein großer Lärm, untermischt mit den Rufen: Pfui! zur Ordnung! Als dann nach der Rede v. Sybels Hr. v. Schorlemer diese Aeußemng Sybels eine „Lüge" nannte und den Präsi­denten bat, das Centrum gegen einen so schweren beleidi­genden Vorwurf in Schutz zu nehmen, entstand der Lärm auf der linken Seite und Ruse zur Ordnung! ließen sich hören, weil Schorlemer dem Abgeordneten v. Sybel „Lüge" vorgeworfen habe. Der Vice-Präsident v. Benda konstatirte, daß er von dem Lachen nichts ge­merkt habe, er sich auch nicht denken könnte, daß bei Ver­lesung eines Königlichen Erlasses so etwas in dem Hause möglich sei. Herr v. Sybel behauptete nun, er habe „da« Lächeln" gesehen, sollte er sich geirrt haben, so würde er sich freuen. Der Abg. Windthorst bemerkte darauf, Herr Sybel habe erst von „schallendem Gelächter" geredet und jetzt rede er nur noch von einem „Lächeln"; sein Ausspruch sei eine tendenziöse unwahre Behauptung. Darauf erhob sich auf der Linken abermals ein heftiger Lärm. ES er­hoben sich die Abgeordneten Struwe, Serlo, von Zedlitz- Nenkirch und behaupteten, sie hätten ebenfalls das Lachen gesehen, sie könnten Namen nennen, und als der Abg. Röckerath sie aufforderte, die Namm zu nennen, wurde Abg. Franßen genannt. Dieser aber entgegnete, er habe während der Verlesung auf einem Stühlchen aus der linken Seite gesessen, wo ihn der Abg. Serlo gar nicht gesehen haben könne. Der Abg. v. Kröcher konstatirt, daß allerdings gelacht wordm sei, aber nicht über den Erlaß, sondern über die Schlüffe, welche der Abg. Petri daraus zog. Der Vicepräsident sprach dann einen Tadel gegen Schorlemer und gegen v. Sybel aus, daß derselbe den Vorwurf des Lachens erhoben habe, ohne den Zusam­menhang deffelben nachzuweisen. Auf die Aufforderung deS Abg. Struwe hin, sprach der Vicepräsident auch noch einen Tadel gegen Windthorst au«. Als dann Abg. Röcke-

Die Sitzung des Abgeordnetenhauses am vorigen Sonn­abend war in Sachen des Kulturkampfes eine sehr bewegte. Der Abg. v. Jagdzewski bat um ein Gesetz, durch welches die schweren Strafhärten der Maigesetze gemildert würden. Der Kultusminister erwiedcrte, daß die Regierung gegen- wärtig ein solches Declarattonsgesetz nicht erlassen könne,

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Tagesbericht.

Der „Reichsanzeiger" publicirt eine Bekanntmachung oes Reichskanzlers, wonach die Eröffnung des Reichstags Donnerstag Nachmittag 2 Uhr im Weißen Saal des königlichen Schlosses erfolgen wird.

Zu dem an der gestrigen Berliner Börse kurfirenden Gerücht, bei der preußischen Hypothekenaktienbank (Spiel­hagen) sei ein Regierungsrescript eingegangen, wonach auf Grund einer seitens der Regierung vorgenommenen Revision die Vertheilung einer Dividende pro 1879 als unzulässig bezeichnet werde, wird von Berliner Abendblät­tern bemerkt: der Vertreter der genannten Bank habe er» klärt, der Direktion sei von dem erwähnten Rescript nichts bekannt. ____________

Les extremes se touchentGegensätze berühren sich. Dieses alte Sprichwort enthält viel Wahres. Man sieht es alle Tage, daß die ungleichartigsten Charaktere sich „berühren", daß zwei Menschen, die in ihrem Wesen durch­aus verschieden sind, sich einander ihr Herz schenken und glücklich werden. Es ist das ganz natürlich; denn eben ihrer Verschiedenheit in Charakter und Verstandesanlagen wegen ergänzm sie sich zu einem Ganzen, das in solcher Zusammensetzung die besten Bedingungen zu einem har­monischen Gedeihen findet.

Umgekehrt stoßen sich aber auch zwei ganz gleicharttg gestaltete Wesen ab. Ihrer Gleichheit wegen können sie sich nicht einander ergänzen, gerathen vielmehr durch die­selbe in Conflitt, und der Conflikt wird stets um so un­hellvollere Folgen haben, je größer die Gleicharttgkett ist.

Wmn zwei Freunde, zwei Liebende sich durch nichts von einander uMerscheidm, so wird die Freundschaft, die Liebe gewiß nur bis zum ersten Anlasse eines Zwistes dauern, um beide desto tiefer von einander zu trennen, je inniger sie scheinbar oder auch wirklich mit einander ver­bunden waren.

Kuno und Therese waren in chrem Charakter und Gemüth zwei völlig gleiche Wesen. Sie waren glücklich, sehr glücklich miteinander; aber nur bis zum ersten Stein des Anstoßes — ihr beiderseitiger Stolz machte da eine Versöhnung unmöglich.

Therese war zu stolz, dem sie ungerechterweise verur- chellenoen Manne gegenüber chre Unschuld zu betheuern, und Kuno, in dem die Zweifel an der Schuld seiner Frau

Rheinfeld, „habe ich denn nicht deutlich gehört, wie sie sich von ihm eine Liebeserklärung machen ließ? — Freilich, ihre Antwort habe ich nicht abgewartet! Ha, wenn ich ihr Unrecht gethan hätte! — Der Gedanke macht mich wahn­sinnig. Doch was hilst's: Die Würfel sind gefallen!" Diese letzten Worte sprach er restgnirt, aber mit derselben Entschlossenheit, wie Therese sie gesprochen. Dann versank er wieder in dumpfes Brüten. ,

Als der Hauptmann, der sich ihm in seiner traurigen Lage als Freund bewährte, ihm am andern Abmd die Ab­reise seiner Frau mitthellte, meinte Rheinfeld:

„Sie haben mit das gestern schon gesagt, Herr Haupt­mann, Ich danke Ihnen."

„Gestern schon? O, o, ich verstehe — das also war eS! Sie sind unbesonnen gewesen, Rheinfeld!"

„Mag sein," antwortete dieser wehmüthig, „sei es nun, wie es wolle, der Krystallkelch sprang entzwei, und mein Mück ist dahin für immer 1“

„Nein, daS ist nicht wahr, versöhnen Sie sich mll Ihrer Fran!"

„DaS kann ich nicht! That ich ihr Unrecht, wie könnte ich ihr wieder unter die Augm treten — und ist sie schuldig, wie kann ich chr verzechm, wenn sie mich nicht darum bittet!"

Rheinfeld wurde nach wenigm Tagen aus dem Arrest entlassen. Der Affeffor aber, der sehr schwer verwundet, erholte sich schneller, als man erwartet hatte. Sowohl Rheinfeld, wie von Dalberg hatten einflußreiche Verwandte, durch deren Vermlltelung eS gelang, die Geschichte nicder- zuschlagen.

Eine silberne Hochzeit.

Erzählung von Ferdinand Gilles-

(Fortsetzung.

„Nun, ich dächte, eine günstige, lieber Rheinfeld?" ant­wortete Buchholz.

„Ja, die Nachricht ist in der Thal günstig ! erwi­derte der Gefangene, indem er sich auf die Lippen biß, et hatte einen reumütigen Brief, er hatte eine offene Er­klärung von Therese erwartet, und sie — wich ihm stolz aus. Wie sollte er daS verstehen? Et wünschte nicht, daß der Hauptmann sein Innerstes errathe, er lenkte deß- halb daS Gespräch auf ein anderes Thema.

Wie geht es dem Assessor?" fragte er gleichgültig.

„Er ist außer aller Gefahr, so daß wir Sie vielleicht in einigen Tagen entlassen dürfen."

„So, so?"

„Sie freuen sich dessen nicht?"

.Ganz gewiß; benn ich hatte nicht die Absicht, einen Menschen zu tobten, sondern ich folgte nur dem unwider­stehlichen Triebe, meine Ehre zu rächen, die jener so bübisch ö» beschimpfm gewagt hatte!"

„Nun, die Sache ist noch mcht aufgeklart. Vielleicht beruht Alles auf einem Jrrthume Ihrerseits!"

„Noch nicht aufgeklärt? Jrrthum? Ha! eS wäre schrecklich!" Rheinfeld stützte bcn Kopf in seine Hand und versank in tiefe« Brüten, ganz vergessend, daß er nicht allein war. Der Hauptmann ließ ihn ruhig gewähren. „Diese Stimmung ist hellsam", dachte er, möge er nur darüber nachsinnen, was er gethan!^' bann entfernte er jidj (cifc.

Die Sache ist noch nicht aufgeklärt 1" wiederholte

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änieigen nimmt entgegen: He Expedition b.Blatte«, f0»ie d.Annoncen-Bureaur non Th. Dietrich & Eo. in gaffet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; ftacfenftein & Bögler in Konifurt a M., Berlin, Leipzig, $ötn rc.; Rudolf iäoffe in Berlin, Frank­furt a. M. ic.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte« sowie d.Annoncen-Bureaur von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung befewte Hermann'sche Buchhandl. daselbst; 3n»«Iibenb<nd in Berlin; W- Thienes in (toetfelb: C. Schlotte in Bremen-

sondern sie müsse die kirchenpolitischen Verhältnisse in ihrem einheitlichen Zusammenhänge ins Auge fassen. Die Re­gierung habe den äußersten Schritt gethan, welchen sie, ohne die Gesetze zu verletzen, thun kann, indem sie die Bemtheilung jedes einzelnen Straffalles in die Hände eines hohen Beamten gelegt hat, damit nicht jede unter­geordnete Polizeibehörde in die Lage kommt, Strafen zu beantragen. — Der Abg. Reichensperger (Köln) weist darauf hin, daß die Regierung allerdings Gesetze auf sich beruhen lassen könne, sobald sie zu-'der Einsicht gekommen ist, daß durch dieselben ein Unrecht sanktionirt und Schaden gestiftet wird. So habe man in England das ganze Ar­senal der Verfolgungsgesetze gegen die Katholiken bei Seite gesetzt, ohne die Gesetze ausdrücklich aufzuheben; es würde jetzt Niemand mehr einfallen, dieselben in Anwendung zu Bringen. ES spann sich dann noch eine Weile die Debatte über das Gesetz vom 2. Mai 1874, insbesondere den Ar­tikel 2 desselben, welcher von den straffälligen Amtshand­lungen der Geistlichen handelt, ohne einen eigentlichen Zweck zu erreichen. — Eine sehr heftige, ja stürmische Debatte, wie sie das Abgeordnetenhaus lange nicht gesehen hat, ent­stand bei den Kosten (48,000 Mark) für den altkatho­lischen Bischof. Der Abg. v. Schorlemer sagte, der Etat für den altkatholischen Bischof gehöre in dm Reichsetat, da dieser Bischof in ganz Deutschland amtire; es sei also kein Grund vorhanden, warum Preußen dm altkatholischm Bischof für ganz Deutschland allein besolden wolle. Die Aera Fall habe die Alttatholikm als Bundesgenossen im Kulturkämpfe bettachtet und diese 48,000 Mark seien als Subsidien für diese Bundesgenossen anzusehen; allein dieser Bundesgenosse habe nichts geleistet, deßhalb solle man ihm die Subsidien entziehen. Gegen den Abg. v. Sybel be­klagte er sich, daß er die Katholiken Nmkatholiken nenne. Daraus ergebe sich, daß eS doch bedenklich sei für die Ge­schichtsschreibung, wenn die Quellenstudien in ben Händen des Herrn v. Sybel blieben. — Der Abg. Petri (Alt­katholik) sagte, er fei zu „vornehm", um auf die Angriffe deS Herrn von Schorlemer zu antworten, er wolle ab- warten, ob die Landesvertretung den Altkatholiken, nach Anhörung des Erlasses Sr. Majestät des Königs, welchen er verlas, das Gehalt deS Bischofs entziehen werde. — Der Kultusminister erklärte, das Gehalt des altkatholischen BischvfS sei eine reine Finanzfrage; er sei durch den Erlaß deS Königs anerkannt, die gesetzlichen Faktoren hätten daS Gchalt dauemd bewilligt und eS fei kein Grund, jetzt eine Aenderung vorzunehmeu. Der Abg. Lieber beklagte sich darüber, daß der Abg. Petri den Erlaß des Königs in die Debatte gezogen habe; Petri spiele sich immer als Katholll auf, wenn es gälte, die Kirchen für die Katholiken in Anspruch zu nehmen, aber wenn es sich um Kirchensteuer handle, dann berufe sich Herr Petri auf ben Bann. Wenn es sich um bie Besitz-

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JkluftrirteS LonntagSölatt durch die Erpeditton (Äoch fche Buchdruckerei) bezogen Sb Wart, durch die Postämter deS Deutschen Reiches S Wart 50 Pfg. (epi Bestellgebühr). — JnfertwnSgebühr für die gespaltene Zette 10 Pf,.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden S5 Pf,, berechnet.

In bem Etat ber Reichspost- unb Telegraphenverwal­tung, der bereits den Bundesrath passtrt hat, ist bie Zahl ber ktatsmäßigen Stellen für Postsecretäre unb Telegraphen- secretäre um 100 vermehrt worben, nämlich von 4065 auf 4165. Bekanntlich machte seiner Zeit die Zusammen­legung der Post- und Telegraphen-Bettiebsstellen und die Verschmelzung der Post- und Telegraphen-Dienstgeschäfte, namentlich die Aufhebung ber früheren selbstständigen, von Telegraphensecretären verwalteten Telegraphenämter 2. Klasse — im Ganzen 141 —, welche durchweg mit den Postanstalten an den betreffenden Orten vereinigt wurden, eine Verminderung der Zahl der Secretärstellen nöthig. Der Bedarf an etatsmäßigen Stellen ist durch die gedachte Combiitirung, bezw. Aufhebung naturgemäß ein geringerer geworden. Zu Gunsten der Beamten des Betriebsdienstes unb zum Zwecke; der Umwandelung der frühere» wider- ruflichen Depeschen-Tantiemen in festes, penstonsfähigeS Gehalt wurde eine mit erheblichen Mehrausgaben verknüpfte träÄ Aufbesserung der etatsmäßigen Besoldungen ins Werk ge- setzt. Inzwischen sind nun, Dank der Steigerung des Verkehrs und der günstigen Finanzabschlüffe ber Post- unb Telegraphenverwalttmg nicht nur neue Stellen für Kassirer und Obersecretäre geschaffen worden, sondern eS waren auch bereits durch den Etat für 1879 80 70 Stellen für Post- unb Telegraphensecretäre neu in ben Etat gesetzt worden. Die jetzige abermalige Vermehrung der Secretär­stellen um 100 wird deshalb in den Kreisen ber bethei- Beamten gewiß freudig begrüßt werden.

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