Marburg, Dienstag, 10. Februar 1880
Br. 31
xv. Lahrg-V
änj eigen nimmt ewige gen: tie Expedition d.vlattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & So. in jkaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; baasenstein & Vogler in Krankfurt a M., Berlin, Leipzig, Söln re.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frank» für» a. M il
ObnWschk Jcitmiß
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» sowie d.Annoncen-Bureaur von @. L- Daube & So. in
Frankfurt a. M; JLger'sche Buchhandlung daselbst!; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin: W. Thiene» in Slberfeld: S. Schlotte in Bremen-
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiettagen. Preis für das Quattal mit der wöchentlichen Beilage „JAustrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 31 Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 3 Mark 50 Psg. (erd. Bestellgebühr). — FsnsettionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden »SJfcfg. berechnet.
Tagesbericht.
Dem BundeSrath ist jetzt der Gesammtetat für das Jahr 1880,81 zugegangen, dessen Inhalt aus den Special- EtatS bereits bekannt ist. Die Gesammtausgabe beziffert sich auf 544,888,184 Mark, nämlich auf 467,409,487 Mark an fortdauernden und auf 77,478,697 Mark an einmaligen Ausgaben. Im Vorjahr betrugen die Ausgaben 545,815,437 Mark, also 927,253 Mark mehr. Die Einnahmen bedürfen zur Deckung der Ausgaben einer Verstärkung durch Matrikularbeiträge in Höhe »on 97,164,929 Mark.
Der dem BundeSrath vorgelegte Gesetzentwurf, betr. die Anleihe von 36 Millionen Mark überweist 15 Mill. Mark der Verwaltung des Reichshceres für Kasernenbauten, 12 Millionen Mark der Marine-Verwaltung für Ausführung des Flottengründungsplans, 7 Millionen Mark der Telegraphen-Verwallung (unterirdischen Leitungen) und 2 Millionen Mark der Eisenbahn-Verwaltung.
Die BundesrathS-AuSschüsse für Landheer und Festungen und für Rechnungswesen haben am Freitag den Entwurf betr. die Erweiterung und Ergänzung des ReichS- heeres nahezu einstimmig unverändert angenommen. Es wird noch vor dem Zusammentritt des Reichstages, also etwa am Dienstag, noch eine Plenarsitzung des Bundes- ralhes stattfinden und in derselben die Militärgesetz-Novelle und voraussichtlich der gesammte Etat einschließlich des Etatsgesetzes zur Annahme gelangen.
Die Frage einer Nachsesston des Landtags wird in parlamentarischen Kreisen jetzt, wo der Landtag kurz vor Schluß seiner langen Arbeit steht, eifrig besprochen. Die Nachricht, daß das Staatsministerium sich zu Gunsten einer solchen Nachsession schlüssig gemacht habe, wird der „Magd. Ztg." als unrichtig bezeichnet. Die Entscheidung wird nach dem genannten Blatt davon abhängen, ob der Minister des Innern aus den Commisstonsverhandlungen die Ueberzeugung gewinnt, daß für das Zustandekommen des OrganisationSgesctzes Aussicht vorhanden ist. — ES heißt, Fürst Bismarck habe die Entscheidung über diese Frage in die Hände des Grafen Eulenburg gelegt.
Die Besetzung deS CultuS- und Unterrichtsministeriums in Oesterreich, welche bis jetzt noch nicht erfolgt ist, hat durch die Eingabe der böhmischen Bischöfe, betr. die Forderung der confessionellen Schule, ein erhöhtes Interesse gewonnen. Im Abgeordnetenhause wird die Frage bei Be- rathung deS Antrages deS Fürsten Liechtenstein, der eine Revision der Schulgesetzgebung in gleichem Sinne verlangt, schon bald erörtert werden. — Das Gerücht, daß die Ernennung eines Cultus- und Unterrichtsministers bevorstehe
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Eine silberne Hochzeit.
Erzählung von Ferdinand Gilles.
(Fortsetzung.)
Sie hielt inne, sprang von dem Stuhle auf, that einige Schritte vorwärt» und starrte dann wlld vor sich hin.
„Ha!" flüsterte sie dann, „er schreibt, ich wäre ein Weib wie alle Weiber! er hält mich nicht allein für schuldig, nein, verzeiht — mir großmüthig und verspottet mich, bevor er mich von sich stößt! Sind wir denn wirklich ein so klägliches Geschlecht? Sind wir Weiber wirklich die Sklavinnen der Männer? Und darf man uns zertreten wie man einen Wurm zertritt? O, auch wir Weiber sind Menschen, sind freie und stolze Menschen! Er hat mich von sich gestoßen — gut, ich gehe, ich werde ihn nicht um Gnade betteln; wenn ihm eines Tages die Augen aufgehen und er sich bewußt werden wird, was er gethan hat, dann mag er die Frucht seiner Thorheit genießen! Lebe wohl, Kuno, wir sind quitt!"
Sie kehrte in den Salon zurück, wo der Hauptmann auf Antwort wartete.
„Indem ich Ihnen meinen verbindlichsten Dank auS- fpreche, Herr Hauptmann, für Ihre große Freundlichkeit," sagte sie, „möchte ich Sie zugleich bitten, doch die Güte haben zu wollen, meinem Manne zu sagen, daß ich ihm sehr verbunden bin für seine vertrauensvollen Zeilen, ich würde mich in seinen Willen fügen. Wollen Sie diese kleine Botschaft auSrichten, Herr Hauptmann? Ich weiß eigentlich nicht, wie ich so anmaßend sein kann, aber —"
„O, bitte gnädige Frau, ich stehe mit Vergnügen zu Ihren Diensten!" antwortete jener höflich und mit zartem Taktgefühl weitere Redensarten vermeidend, empfahl er sich ülsbald.
und daß -.hierzu der ehemalige Sektions-Chef Belcredi's, Schwager Bach's und Secretär der Donau - Dampfschifffahrt-Gesellschaft, Freiherr v. Kriegsau, ausersehen sei, erhält sich mit großer Hartnäckigkeit. — Der Gang der Verhandlungen mit dem serbischen Unterhändler bezüglich der Eisenbahnfrage ist nach wie vor ein sehr schleppender und berechtigt kaum zu Hoffnungen auf Erfolg. Martisch verlangt immer noch vor Abschluß eines endgültigen Vertrages die Zuziehung Bulgariens und der Pforte zu den Berathungen, was Heymerle entschieden ablehnt. Serbien spekulirt auf die noch nicht erfolgte Einigung zwischen Oesterreich und Ungarn.
Deutsche- Reich.
Berlin, 7. Febr. Die „Kreuz-Zeitung" bezeichnet in der diesmaligen Culturkampf-Debatte als besonders dankenS- werth die Erklärung des Herrn CultuSministerS, daß der Ausgleich mit Rom nur auf dem Boden der preußischen Landesgesetzgebung stattfinden dürfe. Ziehe man auch nur die Anerkennung dieses Grundsatzes gewissermaßen als die Summe der Debatte im Abgeordnetenhause, so würde man dies Resultat immerhin als einen Gewinn ansehen müssen. „Aber noch nach zwei anderen Richtungen hin, schreibt daS genannte Blatt, ist die Debatte von großer Bedeutung. Der CultuSminister erklärte gegenüber einer bezüglichen Anregung des Abgeordneten Freiherrn von Hammerstein, er könne sich keinen Fall denken, daß die evangelische Kirche bei dem Friedensschluß mit der katholischen Kirche den Kürzeren ziehen könne, und weiterhin gab der Minister gegenüber einer Art Beschwerde über die Generalsynode, vom Abgeordneten Löwe (Bochum) vorgebracht, seiner Be- frieoigung darüber Ausdruck, daß die Generalsynode gezeigt habe, daß sie auf dem Boden deS Bekenntnisses stehe; eS sei nur zu wünschen, fuhr er fort, daß die künfttgen Generalsynoden auf demselben Standpunkte stehen bleiben. Die Conservattven haben Ursache mit dem Verlaufe der Debatte über den Cultusetat im Ganzen zufrieden zu sein." — Die „Germania" schreibt über dieselbe Debatte: „In der Erwiverung des Herrn v. Pntttamer (aus die Rede deS Herrn Windthorst) berührt die milde und versöhnliche Sprache und die Bereitwilligkeit, Hilfe zu schaffen und dem Frieden vorzuarbeiten, sympathisch und verdient den Dank, welchen die Abgeordneten Windthorst und Freiherr Schor- lemer ihm dafür aussprachen; aber nicht denselben Eindruck werden die retrospektiven Betrachtungen des Ministers im Lande machen, ja wir fürchten, daß sie das Vertrauen, welches die katholische Bevölkerung dem Minister entgegenbringt, leicht etwas erschüttern können. Wir verstehen wohl, daß der Minister als Vertreter der Staatsregierung manche Angriffe abwehrte, daß er aber die alte Fabel von Ueber- griffen der Kirche in das staatliche Gebiet wieder vorführte, und gar fast im Tone der „National-Zeitung" von dem
„Die Würfel sind gefallen," sagte Therese, als sie wieder allein war. Sie klingelte dem Mädchen und bemerkte demselben, daß sie heute für Niemanden mehr zu sprechen wäre. Dann zog sie sich wieder in ihr Kabinet zurück.
„So schnell konnte also ein Glück zerstieben, das ich unwandelbar wähnte! O, alle menschliche Glückseligkeit ist ein Wahn, ist Sirenengesang, der uns in den Abgrund der Verzweiflung lockt. — Ich habe ihn so heiß, so innig so — treu gelicht, und er konnte bei dem ersten kindischen Anlaß ein Tyrann werden gegen mich und gegen sich selbst — das ist des Schicksals Tücke! Gut, ich widersetze mich Dir nicht. Du grausame» Schicksal, wenn der starke Mann Dir unterworfen ist, so muß auch das schwache Weib Dir weichen. Du hast den stolzen Bau meines Glückes zertrümmert, warum hast Du mich nicht begraben unter seinen Ruinen? Du grinsest mich an, und ich muß mich darein fügen! „Sie sprach diese Worte im Tone der Verzweiflung. Nach einer Weile fuhr sie fort:
„Ich muß dieses Haus verlaffen, dieses HauS, in dem ich so glücklich war, in dem ich jetzt so unendlich unglücklich bin! Ich werde es verlassen, morgen am Tage werde ich diese Schwelle fliehen. Doch wohin soll ich mich wenden, die ich weder Eltern noch Verwandte habe? ich stehe allein und verlassen in dieser großen unseligen Well — nein, bleibt mir nicht sein Kind, mein Kind? Ja, mein Kind wird bei mir sein, als das sprechende Monument früherer und als Born zukünftiger Glückseligkeit, denn in meiner Therese soll mein Glück wieder aufleben! Dank Dir, fKuno, daß Du mir wenigstens meine Tochter gelaffen hast! Dieser meiner Tochter soll mein ganzes ferneres Leben angehören, ich «erde mich mit ihr an einen einsamen, Wen Ort
Versuche, „eine auswärtige Macht an die Stelle unserer geordneten Staatsgewalt zu setzen," hat weder unsere Hochachtung vor dem staatsmännischen Talente de» gegenwärtigen Leiters des CultusministeriumS vermehrt, noch unsere Ansicht über seine ausgezeichnete Befähigung zu dem Werke des Friedens bestärkt. Wenn diese Jrrthümer, die daS Uebel erzeugt und daS Unheil vermehrt haben, sich auch wie eS scheint, auf den Nachfolger des Herrn Falk vererbt haben, so werden wir daS Mißtrauen, das man uns zum Vorwurf macht, nicht so bald ablegen können. Indessen sollten jene Ausführungen vielleicht nur zur Beruhigung der Linken dienen, wie wir denn auch den Hinweis auf das protestantische Bekenntniß der Dynastie nur al» eine Empfehlung für die Rechte deuten können, die durch Frhrn. von Hammerstein ihre Befürchtungen für die evangelische Kirche im Falle eines Friedensschlusses aussprechen ließ." UebrigmS werde sie dies Alles nicht abhalten die Verdienste anzuerkennen, „welche Herr von Puttkamer sich in der kurzen Zeit seiner Amtsführung erworben, und den friedlichen Versicherungen und warmen Wünschen zu vertrauen, die er jetzt ausgesprochen hat." — Der nationalliberalen Fraktion im Reichstage widmet di« „National-Zeitung" eine Betrachtung, in welcher erklärt wird, daß die nationalliberale Partei langsam die Erschütterungen zu überwinden beginne, welche der Verlauf des Reichstags in ihre Reihen brachte. Der nächste Reichstag sehe schwerlich wiederum eine Zusammensetzung der Mehrheit wie in der vorigen Session. ES sei nicht unwahrscheinlich, daß in großen und tiefgehenden Fragen, wie z. B. die Militärvorlage, der nationalliberalen Partei die Entscheidung zufallen wird.
Darmstadt, 5. Febr. Die Regierung hat an die Zweite Kammer den Antrag gestellt: „Zur Abwehr eines Nothstandes in den inneren Theilen des Landes der Regierung den Betrag von 100,000 M. aus bett paratesten Mitteln der Hauptstaatskasse zur Verfügung stellen zu wollen." Die Gegenden, in betten nach Ansicht ber Regierung Hülfe geleistet werben soll finb Theile ber Provinz Oberheffen unb ein Theil der OdenwaldeS, und zwar soll hier der Hauptsache nach einestheils durch Gewährung unverzinslicher Vorschüsse an einzelne Gemeinden behufs Beschaffung und zur demnächstigen Rückgabe verpflichtender Hingabe von Saatkartoffeln und Saatfrucht an bedürftige Einwohner, anderntheilö durch Inangriffnahme öffentlicher Arbeiten auf Kosten und unter Mitwirkung des Staats in Oberschlesien (Wegebauten in bett Domanialwalbungen unb Straßenbauten im Kreise Büdingen) geholfen werden Der größte Theil der geforderten 100,000 Mk., nämlich die Wegebauten in Oberheffen, stellen sich nach der Vorlage nur als eine anticipirte Zahlung dar, die in späteren Jahren doch seitens des Staates würde geleistet werden müssen. Durch dieselbe würden zugleich Zwecke des Gemeinwohls gefördert und den betreffenden Gemeinden, sowie
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zurückziehen und dort ganz ihrer Erziehung leben. Dank Dir, Kuno, das war Dein altes, treues Herz, welches Dir den Gedanken eingab, mir mein Kind zu lassen!" —
Sie stand auf und ging zu dem Bettchen, in dem die kleine Therese in kindlicher Unschuld schlummerte. Die Mutter bedeckte das schlafende Kind mit heißen Küssen; dann weinte sie, daß ihre Thränen in Strömen herabfloffen auf das Bett der ahnungslosen Kleinen.
Am Nachmittage deS nächsten Tages reiste sie mit ihrem Kinde ab. Eisenbahnen gab'S damals jschon, aber in jener Gegend noch nicht, sie fuhr deshalb in einem Miethwagen davon. Vorher hatte sie noch einige Zellen an ihren Mann gerichtet, die sie auf seinem Schreibpulte liegen ließ. Sie nahm herzlich Abschied von dem ehemaligen Ideale ihres Herzens, vermied eS aber sorgfältig, bett Grund ber Trennung auch nur mit einem Worte zu berühren. Sie schrieb nur: „Du hast eS so gewollt, eS sei beim!"
In einer Nachschrift bat sie Rheinfelb, mit bem Rechtsanwalt Köster ihre Verhältnisse zu orbnen, sie würbe diesem ihre Abreffe mittheilen, indessen wünsche ste, baß er, Kuno, nicht nach ihrem Aufenthaltsorte forsche. Sie werbe fern von aller Well an einem Wen Fleck nur ihrem Kinde leben.
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Als der Hauptmann Rheinfelb bie Antwort seiner Frau überbrachte, fuhr bieser jäh auf und blickte den Hauptmann wild an.
„Wiffen Sie, was Sie mir da für eine Nachricht bringen?" fragte er bann, inbem er sich vergebens zu lachen bemühte.
(Fortsetzung folgt.)