flossenen Jahre nicht coastatirt worden ist, bin ich nicht in der Lage, die Einleitung der von dem Herrn Interpellanten wegen Verbots des Waffentragens gewünschten Schritte bei der Reichsregierung in Aussicht zu stellen.
Karlsruhe, 3. Febr. Unter dem Vorsitze des Großherzogs fern ) eine Lerathung des Staatsministeriums statt, in der dasselbe trotz der ablehnenden Haltung der Examencommission sich für die betreffende Gesetzvorlage solidarisch erklärte. Neben dem Minister des Innern, Stosser, der die Verhandlungen mit dem Herrn Erzbisthumsverwes-rr leitete, wird auch der Ministerpräsident Turban den Entwurf in der Kammer vertheioigen. Es wird oics durch das amtliche Blatt gemeldet, welches zweimal die Person des Großherzogs bedeutsam als Rückhalt sür das Ministerium in den Vordergrund stellt. Die Publikatton macht großen Eindruck.
Stuttgart, 4. Februar. Der König hat heute Vormittag 11 Uhr den Landtag mit folgender Thronrede eröffnet: Liebe Getreuei Zum zweiten Male im Laufe der Wahlperiode trete Ich in Ihre Mitte, um den Landtag zu eröffnen. Mit Genugthuung blicke Ich auf die Ergebnisse des vor wenigen Tagen geschlossenen ersten Landtags zurück. Meine volle Anerkennung hatte ich der Ausdauer und Hingebung zu zollen, womit die Vertreter des Landes zur rechtzeitigen Verabschiedung der Justizgesetze mitgewirkt haben. Ebenso weiß Ich die Bereitwilligkeit zu würdigen, mit welcher von Ihnen die Mittel zu mehrfacher Verbefferung der Lage der Justizbeamtcn bewilligt wurden. Durch das Forststraf- und Forstpolizeigesetz, sowie das Gesetz über die Rechtsverhältnisse der Volksschullehrer ist das Landesrecht in erwünschter Weise verbessert worden. In dem neuen Abschnitt Ihrer Thätigkeit wird eine Ihrer ersten und wichtigsten Arbeiten die Berathung des Entwurfs des Hauptfinauzetats bilden. Seine Bearbeitung wird die ganze Sorgfalt und Aufmerksamkeit Meiner Regierung in Anspruch nehmen. Bei der fortdauernden Schwierigkeit der finanziellen Verhältnisfe werden Anstrengungen nöthig fein, um den verschiedenen Anforderungen gerecht zu werden und die unentbehrliche Ordnung im Staatshaushalt zu bewahren. Ueber die finanzielle Wirkung der Aenderungen in der Zoll- und Steuergesetzgebung des Reiches wird die bevorstehende Feststellung deS Reichsetats die erforderlichen Aufschlüsse geben. Der Rechnungsabschluß über die abgelaufene Etatsperiode bis 1879 bietet ein Ergebniß, das im Ganzen nicht ungünstig ist. In der Restverwaltung wird ein kleiner Ueberschuß zur Aushülfe für die nächsten Jahre verbleiben. Die kürzlich stattgehabten Verhandlungen über die Umwandlung der Sproccntigen Staatsschuld und über die Aufnahme eines neuen Staats - Anlehens haben ein befriedigendes Ergebniß geliefert, worin ein erfreuliches Zeichen des guten Standes unseres StaatscreditS erblickt werden darf. Die wirthschaftlichen Zustänoe deS Landes geben zu außerordentlichen Maßregeln keinen Anlaß. Während der arbeitsame Stand der Weingärtner zu Meinem lebhaften Bedauern auch im letzten Jahre in Folge des sehr geringen Herbstertrages eine bittere Enttäuschung erfahren mußte, hat die sonstige Ernte in den meisten Gegenden des Landes einen befriedigenden Ertrag geliefert, welcher — Dank der göttlichen Vorsehung — schwerere Sorgen abgewendet hat. Auch auf dem Gebiete des Handels und Gewerbes sind einzelne Zeichen wahrnehmbar, welche eine Besserung ihrer Lage hoffen lassen. Die Reichsgesetzgebung hat durch die in den letzten Jahren ergangenen zahlreichen und tief eingreifenden Gesetze den vollziehenven Organen des Staats wie der ganzen Bevölkerung die große und schwierige Aufgabe gestellt, sich in umfasfende Neuerungen einzuleben. Mit Rücksicht hierauf wird die Landesgesetzgebung in der nächsten Zukunft aus solche Reformen im Staats- und Reichsleben sich zu beschränken haben, die als dringend erscheinen. Den Wünschen nach möglichster Gleichstellung der Vorschriften über die Landtagswahlen mit denjenigen über die Reichstagswahlen wird durch eine Vorlage Meiner Regierung Rechnung getragen werden. Ihrer Prüfung werden ferner Gesetzentwürfe unterstellt werden über die Bezirks- und Gemeindeverwaltung, wobei an dem Grundsatz der Selbstverwaltung festgehalten und die staatliche Aufsicht unter Beachtung der Verschiedenheit der Gemeinden neu geordnet wird; sodann über Aenderungen des Bürger
und auch wohl erst in einigen Stunden kommen werde. Er verstand den Wink, ließ sich jedoch nicht abschrecken, gab der jungen Frau vielmehr leise zu verstehen, daß er einen Wunsch ihres Mannes erfülle, indem er ihr die Zeit während dessen Abwesenheit durch seine Gesellschaft verkürze. Therese kannte keine Lüge, und so glaubte sie ihm, sich über die zane Aufmerksamkeit ihres Mannes freuend. Dem Wunsche Dalberg's entsprechend, sagte sie Rhcinfeld jedoch nichts von dem Besuche seines Freundes, sondern drückte ihm nur einen kräftigen Kuß auf die Lippen, indem sie ihm zuraunte: „Du bist der beste, liebenswürdigste Ehemann unter Gottes Sonne!"
Nheinfeld, dessen ganzes Eheleben sich aus Zärtlichkeit zusammensetzte, fiel es dabei gar nicht ein, an etwas Besonderes zu denken.
Dalberg hatte bei diesem ersten Besuche recht wohl empfunden, daß er mit einer Erklärung bei der jungen Frau sehr schlecht ankommen würde. „Die Festung muß belagert werden, und da wird Geduld, <list uns Ausdauer nöthig sein," sagte er sich selbst.
(Fortsetzung folgt.)
rechtsgesetzes uns über Aufbringung der zu Bestreitung der Gemeinde- und Körperschaftsbedürfnisse erforderlichen Mittel. Entwürfe von Gesetzen über Zwangsenteignung, sowie über Fluß- und Uferbauten sind in Behandlung. Zur Durchführung der auf dem Wege der kirchlichen Gesetzgebung angebahnten vollständigen Organisation der evangelischen Kirchengemeinden wird eine Vorlage an Sie gebracht werden. Eine weitere Vorlage wird dazu bestimmt sein, die betreffenden Fragen für die katholische Kirche des Landes zu regeln. Im Vertrauen auf den pflichtgetreuen patriotischen Sinn der Stände gebe Ich Mich gerne der Hoffnung hin, daß die Arbeit auch dieses beginnenden Landtags mit Gottes Hülfe zum Wohle des Landes gereichen werde. Ich erkläre den Landtag für eröffnet.
München, 4. Febr. Abgeordnetenkammer. Der Gesetzentwurf betreffs Ergänzung des Polizeistrafgesetzbuches wegen des Spielens in auswärtigen Lotterien wird nach längerer Debatte in erster Berathung angenommen. ' — Bei Fortsetzung der Etatsberathung — Ausgaben für Reichszwecke 1880,81 — beantragt der Ausschuß, den Matrikularbeitrag anstatt 16,300,000 nur mit 16 Mill, zu bewilligen. Daller beantragt, an den König die Bitte zu richten, daß Bayern dem neuen Gesetzentwürfe wegen Ergänzung der Reichsarmee im Bundesrathe nicht seine Zustimmung erthcile, soweit dadurch das Septennat erneuert und die Militärlast vergrößert werde. Der Präsident wird diesen Antrag nächster Tage auf die Tagesordnung fetzen-väJörg beantragt, den ganzen Etat abzusetzen, damit derselbe zugleich mit obigem Anträge berathen werden könne. Das Haus beschließt gemäß dem Anträge Jörg.
Ausland.
Wie«, 4. Februar. Der in der gestrigen Generalversammlung der österreichisch-ungarischen Bank verlesene Bericht des Generalrathes spricht die Ueberzeugung aus, daß der neue Bankverwaltungs-Organismus Dank dem gemeinsinnigen und unbefangenen Zusammenwirken der detheiligten Körperschaften sich als ein vollständig lebensfähiger und ersprießlicher bewährte. Der Bericht beleuchtet die Ursachen des andauernd flüssigen Geldstandes bei dem beträchtlichen Sinken des Zinsfußes und konstatirt, daß der durch die Silberprägungen hervorgerufene Silberverkehr das große Publikum nahezu unberührt ließ und daß die Absicht der Bank, auch außerhalb Wiens Silbermünze in den Verkehr zu bringen, ohne gleichzeitige energische Verminderung der Staatsnoten sich als undurchführbar zeigte. Die Versammlung ertheille dem Generalrathe das Absolutorium.
Paris, 4. Februar. Bei Argenteuil, in der Nähe von Paris, hat in Folge Zusammenstoßes ein Eisenbahnunfall stattgefunden, durch welchen 7 Menschen gelüstet uno 20 verwundet wurden. — Da das Gesetz über den oberen Uniecrichtsrath, welches den klerikalen noch verhaßter ist als der Art. 7 des zweiten Gesetzes von Jules Ferry in erster Lesung im Senat durchging, so ist auch alle Aussicht vorhanden, daß der republikanische Kandidat übermorgen zum lebenslänglichen Senator gewählt und der famose Artikel 7 vor dem Senate Gnade finden wird. Ein Theil der Mitglieder des linken Centrums, die sonst mit Dufaure und Jules Simon gehen, welche aber nicht wie diese lebens längliche Senatoren sind, befürchtete, sich gar zu unbeliebt zu machen, wenn sie dem Beispiel von Jules Simon folgen und offen in das clericale Lager überträten. Falls wider Erwarten der Artikel 7 vom Senate verworfen werden sollte, so ist die Regierung nach wie vor entschlossen, die bestehenden Gesetze gegen die Jesuiten in Anwendung zu bringen — Der französische Konsul hat dieser Tage elf in Genf weilenden Communards ihre Begnadigung angezeigt.
Petersburg, 4. Februar. Die Kaiserin ist heute Nachmittag 4 Uhr bei heilerem, mildem Welter wohlbehalten eingettoffen. Der Kaiser und die kaiserliche Familie empfingen die Kaiserin am Bahnhofe und geleiteten sie nach dem Winlerpalais. Die Kaiserin fuhr im geschloffenen zweispännigen Wagen und wurde auf dem Wege durch die mit Flaggen geschmückte Stadt von der dichtgedrängten Menge, welche Spalier bildete, mir begeistetten Zurufen begrüßt.
Bukarest, 4. Februar. Fürst Alexander von Bulgarien trifft auf seiner Reise nach Petersburg incognito in Bukarest ein, nimmt hier jedoch nur einen Aufenthalt von zwei Tagen.
Washington, 4. Februar. Schatzsekretär Sherman kündigt an, er werde am 11. d. M. elf Millionen Dollars Bonds für die Tilgungskaffe kaufen.
Rew-Aork, 4. Februar. „New-Jork Heralb" zeigt an, daß er eine Subfkription für Unterstützung der noth- leidenden Irländer eröffnete und seine eigene Beisteuer 100,000 Dollar.
Sau Franzisko, 3. Februar. Nachrichten aus Unter» kalisvrnien zufolge berief der Gouverneur der Provinz Frontera die Miliz unter Waffen und proklamiere den Belagerungszustand in dem ganzen Distrikte. In Folge des Aufstandes in La Paz unter Marguez ist letzterer aus La Paz vertrieben und mit einigen Anhängern nordwärts geflohen.
HrLru-Kaßa».
Marburg, 5. Februar. Wie nicht anders zu erwarten fand die gestrige Theatervorstellung hiesiger Studirenden bei „gänzlich ausverkauflem Hause" und unter dem anerkennendsten Beifalle de» sehr zahlreichen Publikums statt, i
Mögen in Beidem Darsteller, Leiter und Unternehmer einen Beweis dafür finden, daß sic Mühe und Zeit einem edlen Zwecke widmeten, wozu ihre Darstellungskunst ihnen ein vortreffliches Mittel bot. Die beste Anerkennung aber wird ihnen noch werden von denen, für die sie diese Opfer zur Linderung von Noth und Elend brachten. — Dankend anzuerkennen ist auch noch die unentgeldliche Mitwirkung der hiesigen Jägerkapelle.
Marburg, 5. Februar. Wie wir soeben erfahren, findet auf vielseitigen Wunsch nächsten Sonntag, nachdem von Seiner Excellenz dem Herrn Generalintendanten von Hülsen in Berlin die nochmalige Benutzung der Costnme telegraphisch erbeten und gestaltet worden, eine Wiederholung der gestrigen Theatervorstellung statt. Die Königl. Theaterintendantur in Kassel hatte die Bitte um Belassung der Costüme zu dieser Wiederholung, gleichwie zur ersten Aufführung, abgeschlagen.
— Dem Reallehrer a. D. Kliukerfues zu Kassel ist der Königl. Kronen-Ordeu vierter Klasse verliehen worden.
X Kaffel, 2. Februar. Der ordentliche Lehrer an der Realschule II. Ordnung Dr. Hermann Keßler wurde durch Diplom vom 23. December 1879 von der Acade= mia Caesarea Leopoldino-Carolina Germanica naturae cunosorum in Halle a./S. zum Mttgliete ernannt.
Carlshafeu, 2. Februar. Am gestrigen Tage ist die Weser zum zweitenmale bei verhältnißmäßig großem Wasser- stande zugefroren. Dies ist seit einer längeren Reihe von Jahren nicht vorgekommen und ist hierdurch der Verkehr mit der jenseits gelegenen westphälischm Eisenbahn bedeutend erschwert. (2t. u. T.)
Melsungen. In der Nacht vom 1. auf den 2. Febr. nach 1 Uhr brannten in der Vorstadt, hinter dem Eisenbahn- Viadukt drei an- und ineinander verbaute kleine Wohn- häuschen ab. Die Entstehung des Feuers ist nicht bekannt. Von Mobilar konnte nur wenig gerettet werden. Von den 4 Familien hatte nur eine das Mobiliarvermögen versichert. Gefahr für die Nachbarschaft ,war bei der Windstille nicht zu befürchten, zumal die Häuschen nur ein Stock hoch und ziemlich ifolirt liegen. Die Mitglieder des „Meisterbunoes", welche größtentheils der freiwilligen Feuerwehr angehören, hielten ihren Jahresball ab, und waren in Folge dessen sofort zur Brandstelle geeilt. Die freiwillige Feuerwehr ist ganz vorzüglich, besonders verdienen die beiden Mitglieder Schreiner Hachemeister und Koch wegen ihrer umsichtigen Thätigkeit lobende Anerkennung. (H. M.)
Wiesbaden, 2. Februar. Die Geschworenen sprachen den Maurer Haibach von hier des Mordes seiner Frau schuldig und wurde derselbe zum Tove verurtheilt.
Frankfurt, 2. Februar. Bei dem Comite für die nächstes Jahr hier abzuhaltende Patent- und Musterschutz- Ausstellung hat sich, obwohl erst seit einigen Wochen Anmeldungen entgegen genommen werden, schon eine sehr erhebliche Zahl von Ausstellern aus allen Theilen Deutschlands, sowie deS Auslandes angemeldet. Ein besonderes Interesse wird die Ausstellung dadurch gewinnen, daß die meisten Aussteller sich nicht daraus beschränken werden, den palen- tirten oder durch das Musterschutzgesetz geschützten Gegenstand einfach vor Augen zu führen, fondern ihn mit allem Zubehör auszustatten gedenken, um die Anwendung zu verdeutlichen. Bei dieser Gelegenheit sei hervorgehoben, daß Einrichtungen und Dekorationen, welche die Wirksamkeit deö auszustellenden Gegenstandes zu versinnlichen geeignet sind, nicht nur gestattet, sondern sogar gewünscht werben. Unter den angemeldeten Gegenständen ist bis jetzt das Maschinenwesen am reichsten vertreten Alle möglichen Maschinen und Apparate, die im Verkehrswesen, im Fabrik- und Gewerbebetriebe zur Anwendung kommen, ferner solche für den Hausgebrauch sind bereits in reicher Zahl angekündigt. Motoren jeder Art, Dampfmaschinen von den verschiedensten Construktionen werden zu sehen sein; außerdem Maschinen für Baumwollenspinnerei, für Schuhfabrikation und zur Filzverarbeitung, Nähmaschinen jeder Gattung, Maschinen und Apparate für ^Bierbrauerei, lanv- wirthschastliche Maschinen aller Art, Feuerspritzen, verschiedenartige Uhrwerke, Strick- und Häkelmaschinen, telegraphische Apparate, Musikinstrumente, Feuerwaffen, optische Gegenstände u. s. w. Oefen und Heizungsapparate sind in solcher Menge angemeleet, daß jedes Bedürfniß und jeder Geschmack wird besriedigt werden können. Als Besonderheiten sind zu erwähnen: eine Mechanik für Glockenspiele, ein lenkbares Flügelluftschiff, eine in 51 Thcile zerlegbare verkleinerte Nachbildung des Heidelberger Fasses in Alfenide (als Punschbowle dienend), ferner transportable Grabhügel.
Sitzung des Abgeordnetenhauses.
52. Plenar-Sitzung vom 4. Februar.
Präsident v. Koller eröffnet die Sitzung um 11 */* Uhr mit geschäftlichen Mittheilungen.
Am Ministertisch, Finanzminister Bitter und Minister der öffentlichen Arbeiten Maybach. Das Haus tritt sofort in die Tagesordnung.
I. Zweite Berathung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend den Erwerb der Rheinischen und deS Berlin- Potsdam - Magdeburger E senbahnunternehmens für den Staat. Zum §. 1, nach welchem die Staatsregiernng ermächtigt wird, den Betrieb der Rheinischen Eif.nbahn und der Berlin-Potsdam-Magdeburger Eisenbahn vom 24. Dezember 1879 zu übernehmen, spricht Abg. Gosch er zu Gunsten einer Petition, die dahin geht, daß die Wester- waldbahn von Walda statt von Engers gehen möge, wo-