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«r- 30.

fllarßucg, Donnerstag, 5. Februar 1880.

XV. Ie-Wiiff

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K.

Lungen nimmt entgegen: Ht Expedition d.vlatte-, fplpie d.Annoncen-Bnreauk Mn Th. Dietrich & Co. in staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; caafenftein & Vogler in kranlfurL a- M., Berlin, cdpsis, Cöln re.; Rudolf Uoffe iu Berlin, Frank-

Anzeigen nimmt entgegen dir Expedition d. Blatter sowie d-Annoncen-Bureaux von L Daube & Co. in Ktankfutt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendanl in

Berlin; W- Thienes in «berfeld: C. Schlotte in

Bremen.

Sri Leint täglich außer an den Werktagen nach L>onn» und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlnfttirteS Eonntagvblatt" durch die Elpedition(K o ch'sche Buchdruckerei) beiogen »art, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 »Ort 50 Pfg- (erd. Bestellgebühr). -Znsettwnsgebühr für dte gespaltene Zelle 10 Pf,.

Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

*ür die Monate Februar und März werden ö von allen Postanstalten (auf dem Lande von den Landpostboten) auf die

Dberhesstsche Zeitung

mit deren Gratisbeilage

Jllustrirtes Sonntagsblatt angenommen, und bitten wir dieselben baldigst machen zu wollen.

Die Exped. d. Oberh. Zeitung.

Tagesbericht.

Die „Nordd. Allg. Ztg." erklärt die Nachricht ver­schiedener Blätter, der angebliche Kalischer Vorfall sei in Czenstochau passtrt, für erfunden. Der Verkehr von preußischen Offizieren des 6. ArmeecorpS mit Offizieren der benachbarten russischen Garnisonen sei durchaus kamerad­schaftlicher und freundschafllicher Natur.

Die Commission des Abgeordnetenhauses für Dorbera- chung der Verwaltungsgesetze setzte die Berathung über das Zwangsverfahren fort. Nach §. 18 der Vorlage sollen gegen die Androhung eines Zwangsverfahrens die­selben Rechtsmittel offen stehen, wie gegen die betreffende Unordnung gegen die Festsetzung und Ausführung des Zwangsmittels dagegen nur die Beschwerde. Hierzu waren von nationalliberalen und Centrumsmitgliedern Anträge gestellt, welche auch im Zwangsverfahren einen noch wei­teren Rechtsschutz bezwecken, dieselben sanden jedoch nicht die Majorität, vielmehr wurde die Regierungsvorlage un­verändert angenommen. Die weiteren Paragraphen über das Zwangsverfahren gelangten ohne wesentliche Diskussion zur Annahme. Die Commission ging sodann zu dem Ab­schnitt rüber die Polizeiverordnungen über und nahm die Bestimmungen über das Verordnungsrecht der Minister, Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten, unverän­dert an. ________

Ueber die Ausgleichsverhandlungen mit den kurhessi­schen Agnaten wird dem „Hannov. Cour." aus Kassel Folgendes gemeldet: In den Vergleichsverhandlungen mit den hessischen Agnaten ist jetzt abermals eine neue Phase eingetteten, — die vierte seit der bekannten Dezembercon- ferenz in Berlin, in welcher die Präliminarien für einen Abschluß mit drei der Agnaten festgesetzt wurden. Nachdem es sich als unzweifelhaft ergeben hatte, daß die proponirte Abfindungssumme nicht aus dem Baarbestande des Familien- fideicommihvermögens genommen werden darf, suchte man

Eine filberve Hochzeit.

Erzählung von Ferdinand Gilles-

(Fortsetzung.)

„Aber so lassen Sie mich doch aussprechen! Es han­delt sich nämlich hier darum, einen Schein zu vermeiden, auf den sich gewisse Rednereien stützen, ich meine die häu­figen Besuche des Herrn von Dalberg, während Sie sich im Dienst befinden. Ich zweifle ja nicht daran, daß dieselben durchaus harmloser Natur, aber wie gesagt, diese Visiten des Assessors fallen auf und sind unfern Klatsch­schwestern Anlaß genug, um daraus Schlüsse zu ziehen, welche ihre häusliche Ehre beeinträchtigen. Mein warnen­der Rath geht also dahin: bedeuten Sie Ihrem Freunde, das er seine Besuche auf die Zeit beschränken möge, wo Sie selbst zu Hause sind; denn man kann sich gegen klatsch- süchttge Zungen am besten eben nur dadurch wehren, daß man ihnen sorgfälttg aus dem Wege geht."

Der Lieutenant war sprachlos vor Erstaunen, er blieb stehen, sann eine Weile nach und lachte dann laut auf.

„WaS? solche Geschichten erzählt man? Dalberg ist ja kaum jemals während meiner Abwesenheit in meiner Wohnung gewesen, und man spricht von häufigen Besuchen desselben, während ich im Dienste sei?"

„Mit diesen Besuchen hat eS allerdings seine Richtig­keit, Herr Kamerav!" entgegnete der Hauptmann.

„Ich weiß nichts von solchen Besuchen?"

„Wie, Herr von Dalberg hat Ihnen niemals gesagt, daß er in Ihrer Abwesenheit in Ihrer Wohnung war? Und auch Ihre Frau nicht? DaS ist mir unbegreiflich!"

„Ich weiß von nichts!" . , ,

„Was, Ihre Frau hat Ihnen wirklich niemals gesagt,

den Ausweg, daß den zu einer Abfindung geneigten Klä­gern die betreffenden Summen aus preußischen Staats­mitteln gewissermaßen „leihweise" gegeben werden sollten, wogegen diese für den Fall des für den Fiscus günstigen Ausgangs des schwebenden Monstreprozesses ihrerseits die ihnen aus dem Vermögen unantastbar zustehende Apanage (jährlich rot. 18,600 Mark jür jedes Glied) bis zur Höhe des Capitals nebst Zinsen „verpfändeten." Nunmehr stellt sich aber heraus, daß nach der einschlägigen Gesetzgebung die Apanage absolut unverpfändbar ist, wie denn die Ge­richte auch bereits eine deSfalsige Entscheidung gegeben haben, als die Gläubiger der in Concurs gerachenen land- gräflichen (agnatischen) Familie von Heffen-PhilippSthal die Apanage mit Beschlag belegen wollten. Hiernach er­scheint eine partielle Abfindung schlechterdings unthunlich zu sein, und erst das Erkenntniß des Reichsgerichts in Leipzig wird unS die Entscheidung bringen. Inzwischen drängt der dissentirende Prinz Wilhelm auf die Beendigung deS Prozesses und wird sich beschwerdeführend wiederholt an den Justizminister, so wie ferner an den Reichstag und das Reichsgericht wenden, well das Oberlandesgericht dahier, trotzdem die letzte Rechtfertigungsschrift bereits vor länger als zwei Jahren bei dem vorhinnigen AppellationS- gerichte eingereicht wurde, und die Sache wohl längst spruchreif ist, kein Erkenntniß gibt."

Zum Kapitel der Freizügigkeit bringen schweizerische Zeitungen und Korrespondenten recht interessante Mitthei­lungen. Im Besonderen entwirft ein Baseler Korrespon­dent deS „Vaterlandes" in diesem Blatte ein wahrhaft er­schreckendes Bild von dem dermaligen Vagantenthum, wie eS iu Basel zu Tage tritt. „Wir glauben durchaus nicht zu viel zu sagen" — sagt der Korrespondent am Schluffe seiner Mittheilungen — „wenn wir behaupten, daß sich Senwärtig täglich bei 200. solcher Individuen beider Ge- echter hier aufhalten. Werden heute zwanzig gefaßt, so bringt uns der nächste Morgen dreißig neue, womöglich noch gefährlichere Gesellen. Mit Ausweispapieren, Ar- muths- und Krankheitszeugnissen wird förmlicher Handel getrieben. Erprobte Gauner und Bettler verkaufen den Neulingen Listen, auf denen solche Häuser vorgemerkt sind, wo es am leichtesten etwas zu erbetteln oder zu stehlen gibt." Wie der Korrespondent außerdem noch be­merkt, erhelle auS den im Laufe des verfloffrnen Jahres hinsichtlich der Nationalität der Bettler, Handwerksburschen rc., welche sich bei der „Gesellschaft gegen den HauS- und Gassenbettel" und auf der „Armenherberge" einfanden, veranstalteten statistischen Erhebungen die für Deutschland nicht sehr schmeichelhafte Thaffache, daß von den ca. 25,000 Hülfesuchenden gut drei Vicrtheile, also fast 19,000 Deutsche waren.

daß Dalberg dagewesen?" fragte der Hauptmann noch­mals, Rheinseld überrascht betrachtend.

„Nein, nie ein Wort!"

„Hm, hm, daS ist mir ein Räthsel", sagte der Andere kopffchüttelnd, „das hatte ich nicht erwartet. Ich glaubte, Sie wüßten von den Besuchen des Assessors, und jetzt höre ich zu meinem Erstaunen, daß Sie nichts davon wissen. Es war also doch gut, daß ich die Compagnie enttieß; denn Sie werden sich selbst überzeugen können, daß Ihr Freund jetzt in Ihrer Wohnung weilt."

Rheinfeld blickte den Redenden ftagend an. Er hatte in der That keine Ahnung, daß Dalberg seine Dienst- stunden benutzte, um seine Frau zn unterhatten. Es war daS Erste, was er hörte, und er war fest überzeugt, daß der Hauptmann sich in einem Jrrthume befinde, daß der­selbe elendem Weibergewäsche mehr Gehör geschenkt habe, wie nöthiz.

„Ueberzeugen Sie sich also selbst," fuhr der Haupt­mann fort, als Rheinfeld schwieg, „und beherzigen Sie meinen freundschaftlichen Rath; Sie werden die Gelegen­heit günstig dazu finden. Auf Wiedersehen, Herr Lieute­nant !"

Der Hauptmann war weg, und Rheinfeld sah ihm zweifelnd, ob das Alles ernst gemeint sein könne, noch lange nach, als jener schon um die nächste Straßenecke verschwunden war. Dann wandte er sich, seiner nahen Wohnung zu, fieberhaft gespannt, ob der Assessor wirklich, wie der Hauptmann gesagt hatte, zugegen sein werde. „ES ist nicht möglich", meinte er, „erstens ist Dalberg über jeden Verdacht erhaben und zweitens würde Therese mir seine Besuche nicht verheimlicht haben."

Deutscher «eich.

•* Berlin, 22. Februar. Einige Blätter, darunter der hiesige „Börsen-Courier" stellen den angeblich Kalischen Vorfall zwischen preußischen und russischen Offizieren auch nach der vollzogenen Berichtigung als tatsächlich hin, in­dem sie letztere auf daS 5. Armeecorps beschränken und den Vorfall auf das 6. Armeekorps und die Stadt Czen­stochau bezogen wissen wollen. Wir find in der Lage, auch diese veränderte Mittheilung für ebenso erfunden zu er­klären, wie die in das Lokal von Kalisch verlegte. Der Verkehr preußischer Offiziere des 6. Armeekorps mit denen der benachbarten russischen Garnison Czenstochau ist, wie wir aus authentischer Quelle berichten können, ein durch­aus kameradschaftlicher und freundschaftlicher. — Es ist vielfach die Rede von einer Anzahl neuer Steuern, welche dem Reichstag jetzt vorgelegt werden sollen. Soviel wir in Erfahrung gebracht haben, ist feststehend nur die Wieder­einbringung der Brausteuer und der Börsensteuer und wahrscheinlich noch die Eiilbringung einer Quittungssteuer. — Dem Bundesrath ist der Entwurf eines Gesches, be­treffend das Faustpfandrecht für Pfandbriefe und ähnliche Schuldverschreibungen, nebst Motiven und Anlagen zur Beschlußnahme vorgelegt worden. — Unter Bezugnahme auf die Paragraphen 188 und 189 des Berggesetzes vom 24. Juni 1865 hat der Minister der öffentlichen Arbeiten eine anderweite Begrenzung der 11 Bergreviere des Ober- bergamts Breslau angeordnet. Das Oberbergamt um­saßt die Provinzen Schlesien, Posen, West- und Ostpreußen. — Nach der in dem so eben erschienenen 28. Band, 1. Heft, der Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinen­wesen aufgestellten Uebersicht über die im Jahre 1879 vor­handen gewesene Zahl der Berg-Assessoren, Berg-Referen- darien und Bergbaubeflissenen, welche nach den Vorschriften vom 21. Dezember 1871 ausgebildet oder in der Aus­bildung begriffen sind, waren Ende 1879 7 Bergassessoren, 45 Berg-Referendarien und 127 Bergbaubeflissene.

Karlsruhe, 30. Januar. Die „Badische LandeS-Ztg." schreibt: Gestern Abend war fast die ganze Zweite Kammer im Rondel deS Ständehauses versammelt, um da« Referat deS Berichterstatters Lamey über die Korrespondenz deS Ministers des Innern mit der erzbischöflichen Kurie über das Prüfungsgesetz zu vernehmen. Diese Kommissions­sitzung gehörte, nach der Wichttgkeit der behandelten Sache und vor Allem nach den authentischen Aufschlüffen über den Gang der staatlich-kirchlichen Verhandlung, deren Er- gebniß der unseren Ständen vorliegende Gesetzentwurf ist, zu den belehrendsten und anziehendsten, welche wohl je im Karlsruher Ständehaus stattgefunden haben. Lamcy's Berichterstattung bewegte sich vorwiegend in der Verlesung der Aktenstücke selbst. Seine dazwischengeschobenen Bemer­kungen erfüllten lediglich die Nachweisung der zeillichen Verbinduug der verlesenen Urkunden. Hiernach ist erficht-

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Selten wohl mag eS ein glücklicheres Paar gegeben haben, wie der Lieutenant Rheinfeld und Therese, seine liebreizende Frau. Jenes Eheparadie«, welches die Phan­tasie junger Liebender sich so gerne ausmalt, jene süße Zufriedenheit und vollkommene Glückseligkeit, von der die liebende Jugend träumt, die Träume des Brautstandes schienen sich bei Rheinfeld und Therese in der That ver­wirklicht zu haben. Sie waren ein Pärchen, das aufging in seiner zärtlichen, schwärmerischen Liebe, ein Pärchen, auf dessen Wegen nur Rosen blühten, Rosen ohne Dornen. Sie hatten nie einen Wunsch, den sie sich versagen mußten und uie trübte auch nur vorüberellend ein Wölkchen den glänzenden Azur ihres stets lachenden Ehehimmels. Ihr größtes Glück war, für einander zu leben! War er eifrig und pünktlich im Dienst, so war er eS nicht zum geringen Theile damit mit ihm auch seine Therese avancire, damit sie bald Frau Hauptmann, Frau Oberst-Wachtmeisterin werde.

Und sie war die Anmuth und Liebenswürdigkeit selbst sie war ihrem Kuno eine hingebende Gattin, deren größte Sorge darin bestand, dem Geliebten den Aufenthalt in seinem Heim möglichst zu versüßen, und die kein höheres Glück kannte, als wenn sie in seinen Augen la«, daß er mit ihr zufrieden wäre. Das aber konnte sie zu jeder Stunde, die er bei ihr verbrachte; denn sie war ihm der Inbegriff, die Verkörperung aller weiblichen Tugend, sie war ihm der lieblichste Quell glückseliger Häuslichkeit. — O, Kuno und Therese war ein seltenes Paar!

Therese war die einzige Tochter eines Obersten, Ihre Mutter starb, als Therese noch ein Kind war, und als Rheinfeld seine spätere Frau kennen lernte, da war dieselbe eine Waise, die ganz allein stand in der Welt, die weder