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Marburg, Mittwoch, 4. Februar 1880

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Sofie in Berlin, Frarü- furt s. M. tc

»«eigen nimmt entgegen: tie Expedition d.Blattet, sowie d.Ännoncen-Bureaur von Th. Dietrich & Co. in staffel unb Hannover; Th. xierrich in Frankfurt a.M.; Hänfenstem & Vogler in

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Anzeigen nimmt entgegen dieGxpedttton d. Blattet sowie d.Annoncen-Bureaur von L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hcrmann'sche Buchhandl. daselbst; ttnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Merfeld: 6. Schlotte in Bremen-

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiettagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllUstrirteS SouutagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 2^ Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (epi Bestellgebühr). — Jnsettionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

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5ür die Monate Februar und März werden von allen Postanstalten (auf dem Lande von

den Landpostboten) Bestellungen auf die

Dberhessische Zeitung

mit deren Gratisbeilage

JllustrirteS Sonntagsblatt angenommen, und bitten wir dieselben baldigst machen zu wollen.

Die Gxpev. d. Oberh. Zeitung.

Tagesbericht.

lieber die Eröffnung des Reichstages sind zwar bis jetzt noch keine definitiven Festsetzungen getroffen, jedoch ist in sonst gut unterrichteten Kreisen die Ansicht vertreten, daß sich die Feierlichkeit am Nachmittag 2 Uhr vollziehen unb durch Se. Majestät den Kaiser in. Person erfolgen wird. ______________

Die „Nordd. Allgcm. Ztg." bezeichnet die von aus­wärtigen Zeitungen an die Reise des Kronprinzen nach Italien gekilüpften Conjekturen als unrichtig und des chatsächlichen Anhalts entbehrend. Daß der Kronprinz seine Gesundheits halber in Pegli weilende Gemahlin mit Familie von neuem besuche und möglicher Weise demnächst die Rückreise gemeinsam antrete, sei ein so natürliches Vor- kommniß, daß die weitläufigen einander widersprechenden Conjnncturen, welche verschiedene Redaktionen im Interesse ihrer Blätter daran knüpften, kaum noch die Präsumtion der bona fides für sich hätten.

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f Die Konservativen im Abgeordnetenhause haben fol­genden „Verbesserungsanttag" zur zweiten Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Verwendung der aus dem Ertrage von Reichssteuern an Preußen zu überweisenden Geldsummen eingebracht: daS Haus der Abgeordneten wolle beschließen, den §. 1 in folgender Fassung anzu­nehmen : „Von den dem preußischen Staate aus dem Er­trag der Zölle und der Tabaksteuer des Reichs jährlich zu überweisenden Geldsummen wird nach Abrechnung des­jenigen Betrags, um welchen der je für daffelbe Jahr von Preußen geleistete Matrimlarbeitrag die in dem StaatS- hauShalts-Elat für 1879, 80 vorgesehene Summe übersteigt, in so weit darüber nicht mit Zustimmung der Landesver­tretung behufs Bedeckung der Staatsausgaben anderweitig Verfügung getroffen ist: a. die eine Hälfte an die Kreis- Kcutmunalverbände nach dem Verhältniß der in den be­treffenden Verbänden während des letzten Etatsjahrs auf-

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fNachdruck verboten.)

, Eiue silberne Hochzeit.

'Erzählung von Ferdinand Gilles.

„Antreten!" hatte der Hauptmann gerufen unb richtete dann folgende Worte an seine Kompagnie: „So, Ihr Leute, roenn Ihr aufmerksam sein unb Euch anstrengen wollt, so können wir statt mit drei auch einmal mit einer Stunde schließen. Ihr habt heute brav exerzirt, ich muß bas anerkennen, und wie ich Euch allemal nachexerziren lasse, wenn Ihr mir hier auf dem Platze Allotria treibt oder gar schläfrig seid, so sollt Ihr heute statt um sechs schon jetzt entlassen werden. Ich erwarte indessen, daß Ihr die freie Zeit dazu benutzt, Eure Sachen recht hübsch in Stand zu setzen Ihr wißt, daß wir morgen im Bataillon kperziren. Tretet — weg 1"

Damit war die Kompagnie entlassen und ebenso ver- gnügt wie die Soldaten rieben sich die Offiziere die Hände.

Vor Allem aber freute sich Lieutenant Rheinfeld, der schmuckste und beliebteste Offizier des Regiments; er war vit ganzer Seele Militair, immer tüchtig und sttamm im Dienst, aber er war auch mit ganzen Herzen Gatte seiner ihn iärtlich liebenden Keinen Frau, seiner Therese. Er war glück­lich sie, die ihn erst nach sechs Uhr erwartete, schon um halb sünf zu überraschen und alsdann, da das Wetter recht schön var, noch einen Spazierritt oder eine Kahnfahrt mit ihr i« machen, es fügte sich das allerliebst; er eilte also mit schnellen Schritten seiner Wohnung zu.

Eben war er am Kasernenthor angelangt, als er hinter ßch die (Stimme seines Hauptmanns vernahm.

„Watten Sie, Rheinfeld, ich gehe mit. Ich habe noch ein Wort mit Ihnen zu sprechen."

gekommenen Staats-, Grund- und Gebäudesteuerlt vertheilt; b. die andere Hälfte zum Erlaß entsprechenden Betrags an Classen- und Einkommensteuer nach Maßgabe der folgenden Bestimmungen verwandt."

Wie man der „Politischen Korrespondenz" aus Rom berichtet, scheint die italienische Regierung entschlossen zu sein, dem Treiben der Italia irredenta mit nachsichts­loser Strenge und Entschiedenheit entgegenzutreten. Da sich die schädliche Agitation der Irredentisten hauptsächlich in den an Oesterreich grenzenden italienischen Provinzen bemerkbar macht, so hat der Minister des Innern einen Erlaß an die betreffenden Präfekten gerichtet, worin er in sehr entschiedener Weise den außerordentlichen Werth her- vorhebt, welchen die italienische Regierung auf die Kulti- vimng des herzlichen Freundschaftsbundes mit Oesterreich- Ungarn lege, unb wie sehr ihr daher daran gelegen fein müsse, Alles zu vermeiden, was dieses Einvernehmen stören und der österreichisch-ungarischen Regierung Anlaß zu ge­rechten Beschwerden geben könnte. Die Präfekten werden daher angewiesen, in diesem Sinne auf die ihrer Admini­stration unterstellten Provinzen einzuwirken, die in den­selben sich aufhaltende Emigration sowohl als auch die auS Triest, Görz, Trient u. s. w. zureisenden politischen Agi­tatoren zu überwachen und jede Ausschreitung derselben mit rücksichtsloser Strenge zu unterdrücken.

Die „Times" dementirt das Gerücht, daß Lord Lytton, Vice-König von Indien, zurückzutreten wünsche. — Der „Standard" meldet, die britische Regierung habe dem Befehlshaber des Pacific-Geschwaders telegraphirt, ein Kriegsschiff nach La Paz in Unter-Kalisornien zn senden, um daselbst die durch Unruhen an Leben und Besitz be­drohten Engländer zu schützen.

Fürst Alexander von Bulgarien hat die Reise nach Petersburg, wohin er sich zum 25jährigen Regierungs- Jubiläum des Czars bezieht, bereits angetreten.

Deutsches Reich.

A Berlin, 2. Febr. In Ermangelung einer besseren Thätigkeit gehen die Nationalliberalen und ihre Correspon- benten jetzt auf die Entenjagd und da Herr von Bennigsen einstweilen in Dispositionsstellung getreten ist, so sucht man ihn von Zeit zu Zeit wieder einmal ans Licht zu ziehen, um ihn der Vergangenheit zu entreißen. Zunächst suchte man die Nachricht zu verbreiten, daß, weil Herr von Seydewitz wegen seines Amtes als Oberpräsident von Schlesien in der bevorstehenden Session deö Reichstages das Präsidium nicht übernehmen könne, bereits zwischen der Reichspartei und den Nationalliberalen und der Fvrt- schrittspartei ein Uebereinkommen getroffen sei, welches

Rheinfeld blieb stehen unb blickte seinen Kompagniechef gespannt an.

„Ich habe die Leute nicht johne Ursache so früh ent­lassen, die Kerle haben heute nicht besser exerzirt, wie an anberen Tagen, aber ich wollte Sie sprechen, verehrter Kamerad; sagte der Hauptmann, nachdem sie vielleicht zwanzig Schritte schweigend neben einander fottgeschritten waren.

„Weil Sie mich sprechen wollten, haben Sie die Kom­pagnie entlassen, Herr Hauptmann?" fragte Rheinfeld ver­wundert.

„Jawohl, nur aus diesem Grunde. Das rounbert Sie?"

„Allerdings, wenn ich so frei sein darf! Denn ich stehe ja jederzeit zur Disposition des Herrn Hauptmann."

„Schön! Ich habe Ihnen also etwas mitzutheilen und Sie zugleich von der Wahrheit desselben überführen wollen; nm das zu könnm, mußte ich den Dienst aussetzen. Hören Sie also!"

„Ich bin gespannt, Herr Hauptmann I"

Der Hauptmann überlegte, räusperte sich und leitete endlich seine Eröffnung folgendermaßen ein:

„Sie haben eine schöne, liebenswürdige unb ohne jeden Zweifel tugendhafte Frau, mein lieber Rheinfeld —"

„Meine Frau ist mein Glück und mein Stolz!" be­stätigte der Lieutenant.

„Ich weiß das und freue mich darüber," fuhr jener fort, „hielt es aber gerade deßhalb um so mehr für meine Pflicht, Sie zu warnen."

„Mich zu warnen? Vor meiner Frau zu warnen?" Ryeinfeld sagte diese Worte mit sichtlicher Überraschung, dann blickte er dem Hauptmann prüfend in's Antlitz, als suche er nach der Bestätigung seiner Vermuthung, daß

Herrn v, Bennigsen die Präsidentschaft des Reichsparla­ments sichere. Und als diese Nachricht nun entschieden de­mentirt worben, ba nehmen dieselben Correspondenten wieder die schon so oft aus der Rumpelkammer hervorge­suchte Ministerkandidatur des Herrn v. Bennigsen hervor und melden ihn als Nachfolger des kaum erst im Mini­sterialgebäude heimisch gewordenen Finanzminister Bitter, und um ihrer Nachricht auch die möglichste GlaubenSwür- bigfeit zu verleihen, fügen sie dem Herrn Bitter noch die Herren v. Puttkamer und Dr. Friedberg als diejenigen Collegen bei, welche gleichfalls gesinnt seien, ihr Porte­feuille niederzulegen. Sonderbar! Herr Friedberg: einer der Ihrigen, der kaum erst das Portefeuille in die Hand genommen! Unb als ob sie sich selbst ihrer schwachen Kombinationsgabe schämten, so lassen sie — während sie für Herrn Bitter Herrn v. Bennigsen und für Herrn v. Puttkamer Herrn Gneist sofort in Bereitschaft haben — für Herrn Friedberg die Ablösung ungenannt. Hätten die Herren nationalliberalen Correspondenten doch den Minister des Innern in ihre Kombinationen verflochten, bann hätte die Nachricht doch wenigstens einige Wahrscheinlichkeit für sich gehabt, wenn man der einzelnen Meinungsverschieden­heiten gedenkt, welche in den letzten Wochen sich zwischen dem Grafen zu Eulenburg unb einem der hervorragenben Abgeo ebneten ber rechten Seite des Hauses gezeigt haben. Da wäre boch noch ein klein wenig Wahrscheinlichkeit vor­handen gewesen, wenn man Herrn v. Bennigsen das Porte­feuille des Innern übertragen hätte; aber als Finanz­minister gegenüber dieser neuen Finanz-, Steuer- unb Zoll­reform ? Da müßte ja bas ganze neue System wieder über ben Haufen geworfen werben unb Fürst Bismarck sein eigenes Werk roieber zerstören! Nein, jene Herren glauben selbst nicht was sie geschrieben, unb haben sich mit ben Blättern, welche sie bebienen, einen schlechten Scherz — einen Fastnachtsscherz erlaubt, ber allerdings keiner Wiederlegung erst bedarf. — Die Kaiserin von Rußland, welche am Sonnabend ihre Rückreise nach St. Petersburg in Cannes angetreten hat, wird heut Abend gegen 8 Uhr Berlin — ohne Aufenthalt — passiven und zwar auf der Potsdamer Bahn bis zur Station Schöne­berg fahren und sich von dort mit der Verbindungsbahn nach dem Ostbahnhof begeben, wo ein kurzer Halt gemacht werden wirb. Seitens unseres Hofes wirb bie hohe Patientin voraussichtlich auf bem Ostbahnhof begrüßt werben unb auch das Personal ber hiesigen russischen Bot­schaft wird sich dort einftnben. Gegen 9 Uhr wird die Kaiserin ihre Reise fortsetzen unb sich bircct bis nach Wirballen begeben, wo ber Extrazug am Nachmittag ein« treffen wirb, um erst nach 24ftünbigem Aufenthalt bie Reise nach St. Petersburg fortzusetzen.

Darmstadt, 30. Januar. Man schreibt ber „Frk. Z.": Die Genehmigung bes Verkaufs bes hessischen Antheils

jener nur scherze. Aber des Hauptmanns Züge waren ernst, sehr ernst.

„Hörte ich recht, Herr Hauptmann, Sie wollen mich vor meiner Frau warnen!" wiederholte er, als dieser fort­gesetzt schwieg und augenscheinlich mit einer großen Ver­legenheit kämpfte.

„3a, Herr Kamerad, als Ihr Hauptmann unb Ihr Freund will und muß ich Sie warnen, nicht vor Ihrer braven Frau, sondern vor dem Assessor von Dalberg."

„Dalberg?! er ist mein bester, mein intimster Freund!" rief Rheinseld.

„Wie ich sagte, ich muß Sie warnen vor diesem Dal­berg. Ich will nicht behaupten, baß Herr von Dalberg Ihnen kein aufrichtiger Freunb ist; aber dieser Herr ist die bewußte ober unbewußte Veranlassung, baß in bei letzten Zeit über Sie unb Ihre liebe Frau in gewissen Kreisen mehr gesprochm wurde, als sich mit Ihrer Ehre als Offizier berträgt"

„AIS sich mit meiner Ehre als Offizier verträgt?" wiederholte Rheinseld, seinen Hauptmann mit weitaufge« Offenen Augen anftarrenb. „Man hat meine Ehre ange­griffen ? Nennen Sie mir Namen, wer sie auch seien; es sinb niederttächtige Verläumder!"

„Habe auch ich behauptet, Herr Kamerad!" beruhigte ihn ber Hauptmann, „beim Ihre Frau ist über alle Ver­dächtigungen unzweifelhaft erhaben."

„Und für Dalberg stehe ich wie für mich selbst 1"

„Auch bas kann ich nut loben; denn zwischen Freun­den muß Vertrauen herrschen. Aber ich muß Sie dennoch warnen. —"

„Das verstehe ich nicht!"

(Fortsetzung folgt.)