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Marburg, Dienstag, 3. Februar 1880
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Verhandlungen zwischen dem Fürsten Bismarck und den österreichischen Minister Graf Andrassy und Baron von Haymerle im September 1879 bekannt wurde, daß wir
Lungen nimmt entgegen: He Expedition d.vlatte», igtoie d.Annoncen-Bureaux sott Tb, Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. Dieirich in Frankfurt a.M.; paasenstein & Vogler in
scheint einmal die menschliche Erhabenheit und in ihr das Ideal menschlichen Seins, das sonst so fern liegt, daß es saft nie begriffen wird, das, wenn es einmal erscheint, wie ein lichter Sonnenstrahl durch Nebelwolken, vorübergeht auf lange Zeit und Leben verstreichen läßt, ohne einmal wieder zu kommen!
Wie vor zwanzig Jahren um dieselbe Zeit führte man die Leiche heim. Diesmal die Leiche des Mörders, wie
an« angesichts der wichtigen Wendung in Bezug auf die Mßere Politik in einer Krisis befunden hätten, beruhigte
mau sich bald wieder m dem Gefühle, daß die Gefahr vorüber sei. Die Krisis hat aber damals ihren Abschluß nicht gefunden; sie hat sich vom äußeren Gebiete auf das innere fortgefetzt und bis auf die letzten Tage fortgewirtt. Durch die Ankunft des Reichskanzlers hier nahm sie einen akuten Charakter an, und heute erst kann man davon sprechen, daß sie ihrem Ende zuneigt. Für die Spannung der Lage, in der wir uns befunden haben und dafür, daß gegenwärttg die Sache noch kritischer war als im vorigen Herbste, spricht schon die Bedeutung der diesmal betheiligten Personen. Nach der Rückkehr d«S Reichskanzlers aus Wien unb nach den darauf folgenden Berathungen des Staatsministeriums war Graf zu Stolberg-Wernigerode der Träger und Vermittler der wichtigen Gegenstände beim Kaiser zu Baden-Baden. Gegenwärtig aber hat es kein Geringerer als der Kronprinz des deutschen Reiches und von Preußen selbst übernommen, die Krisis zu beschwören. Auf direkte
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jRofie in Berlin, Frankfurt a. M. re.
stand schwierig und für den größten Theil der Bevölkerung der noch nicht die Qualifikation zum Armenrecht hat, geradezu ruinös ist; in weiterer Erwägung: 3) daß in einem gesunden Staatswesen das alte gute Rcchtssprüchwort: „Justitia est fundamentum regnorum“ auch für die wenig bemittelten Klassen gelten muß, wenn der Staat fortan seine Aufgabe erfüllen soll, beantrage ich: „Hohe Kammer wolle großherzogliche Staatsregierung auffordern, für Revision der Tax- und Gebührenordnungen im Reiche einzutreten und so weit dieselbe dem Einzelstaate competirt, diese herbeizuführen." — Eine Regierungsvorlage auf Erhöhung der Pensionen aller vor 1872 pensionirten Schullehrer auf gleichmäßig je 600 Mark Ruhegehalt ist, nadf der „Fr. Z.", jetzt der Zweiten Kammer zugegangen. Die berechtigte Forderung von 36 alten Lehrern wird damit nachgerade erfüllt. Jur Zeit gibt es, auch in Hessen, noch pensionirte Lehrer mit 171 Mark 43 Pfg. Ruhegehalt!
Karlsruhe, 31. Jan. Nach der „Bad. Landesztg." hat die Kommission der Kammer für das Examengesetz mit sämmtlichen Stimmen gegen einen Konservativen und zwei Ultramontane beschloffen zu beantragen, die Kammer möge in die Berathung der Gesetzvorlage nicht Eintreten, da in den bischöflichen Erklärungen die Vorraussetzungen, welche eine Abänderung des bestehenden Gesetzes ermöglicht hätten, nicht gegeben seien und auch eine Amendirung des Gesetzes von der Kommission nach der Sachlage nicht für thunlich erachtet werde.
Stuttgart, 31. Januar Der erste ordentliche Landtag in der laufenden Wahlperiode wurde heute von dem Ministerpräsidenten von Mittnacht im Namen des Königs geschlossen. Der zweite Landtag wird am nächsten Mittwoch von dem König selbst mit einer Thronrede feierlich eröffnet werden. Der ständische Ausschuß hat sich heute für die nächsten drei Jahre gebildet.
Müuche«, 31. Januar. Abgeordnetenkammer. Der Justizminister und der Finanzminister bringen einen Nachtrag zum Finanzgesetz ein. Die Aerarial-Rente von der Nürnberger Bank ist auf 360000 M. festgesetzt. In den Etat des Malzausschlags- und der Zoll- und Steuerverwaltung beantragt der Ausschuß als Antheil Bayerns an dem Erträgniß der Reichszölle per 1880/81 5,700,000 M. jährlich einzustellen, womit die Regierung einverstanden ist. Abg. Schcls fragt an, tote diese Einstellung sich rechtfertige, da der Entwurf zum Reichshaushaltsetat nur 4,775,000 M. als Antheil Bayerns eingesetzt habe. Der Finanzminister entgegnet, der Reichsanschlag bezieht sich auf eine nur einjährige Periode, wobei das UebergangSstadium zu größerer Geltung komme, als bei der zweijährigen bayerischen Etatsperiode. Abg. Frankenburger meint, die Einfuhrzölle würden 1881 50 pCt. mehr ergeben, als 1880. Diese Berechnung sei dem Ausschußantrage zu Grunde gelegt. Letzterer wurde sodanu angenommen.
Lettisches »eich.
Berlin, 31. Januar. Die mehrfachen Conferenzen, welche unmittelbar nach der Hierherkunft des Reichskanzlers stattgefunden haben, der zuerst einen längeren Besuch des Kronprinzen empfing und dann von dem Kaiser empfangen wurde, haben, verbunden mit dem Umstande, daß die Ab- |reife des Kronprinzen um 24 Stunden nach dem ursprünglich festgesetzten Termin verschoben wurde, eine Menge von Versionen über den Gegenstand der stattgefundenen Ver- handlnngen hervorgerufen. Um unsere Leser nicht im Sttch über Dasjenige zu lassen, was in dieser Beziehung um- lchift, geben wir wieder, was der „Magdeb. Ztg." von hier geschrieben wird, selbstverständlich ohne irgend für die Richtigkeit eine Garantie übernehmen zu können. Man schreibt dem genannten Blatte: „AlS nach den Wiener
Der Gl-strichter.
Charakterskizze von Emil Richter.
(Schluß.)
19.
Daran bewährt sich die Stählung deS Charakters, daß sie den Menschen auS allen Schwankungen und Zweifeln heraus immer wieder sich emporheben läßt zur Klarheit her Einsicht, daß jede Haltung ihre Folge, jeder Fehler seine Strafe haben muß und daß es sich nicht schickt für den Mann, kleinmüthig zu jammern im Elend ober gar iurüchuschrecken vor der letzten Folgerung eines Thuns, das, je irrender es war, je weniger in der Umkehr Lösung falben kann. Der Jrrlhum muß vollenbet werben.
Julius erhob sich enblich aus seinem Brüten. Er war sich seine» Anrechts voll bewußt geworben; aber dies Voll- bewußtsein hatte ihn zur Klarheit mit sich selbst zurückgeführt und diese Klarheit hatte den Entschkiß, den er bvr Stunden gefaßt, nicht erschüttern lassen. Das Urthell Äieb unberührt, nur die Gründe hatten sich geändert. Ja jetzt erst war er mit sich in's Gericht gegangen; vordem dachte er nur an ein Opfer, das er den Manen derer, die der Unvollkommenheit der Welt erlegen waren, bringen sollte; jetzt war's auch die Sühne für die Welt, an die tt dachte, als er wieder dahin schritt; hinauf nach dem Wäldchen und durch dasselbe hindurch nach dem Ritsch, b>v sich bet Obelisk erhebt. — Der Obelisk, ben er hatte errichten lassen, wie ihm nun schwer auf das Gewissen fiel, doch auch nur bet Welt wegen, ihr einen Tribut bringend, d>o er sich noch hoch über-beten Schein erhaben gewähnt, d>o er gewähnt, er trage sein Recht in sich, felsenfest unb Unerschütterlich I
Weisung bes Kaisers hat bet Thronerbe seine schon fest bestimmte Abreise nach Italien aufgeschoben, den Reichskanzler ausgesucht und allem Anscheine die dem Reiche und Staate drohende Gefahr abgewendet. Auf Gmnd der Unterredung, die der Kronprinz mit dem Reichskanzler hatte, erfolgte dann die gestrige Audienz des Letzteren beim Kaiser, welche, wie verlautet, zu vollständiger Verständigung geführt hat. Hatten auch die wichtigen Verhandlungen, welche unter den höchsten Personen des Reiche» in den letztverflossenen Tagen stattfanden, keinen unmittelbaren Zusammenhang mit der auswärtigen Politik, so wird man doch nicht fehlgehen, wenn man die hochbedeutsamen Vorgänge mit den politischen Ereignissen vorn vorigen Herbst in innere Verbindung bringt." — Und von anderer Seite: „Der Verkehr amtlicher und außeramtlicher Persönlichkeiten im Palais des Fürsten Bismarck ist seit gestern ein so reget, daß daraus mit Recht auf die volle Hingabe des Reichskanzlers an die Staatsgeschäfte geschlossen wird. In der Thal ist der Besuch des Kronprinzen im Palais des Fürsten ein ebenso spontaner gewesen, al» der Letztere einem gleichen Wunsche des Kaisers nur durch eine Beschleunigung seiner Antrittsvisite zuvotkomrnen konnte. Was die Conferenzen Der letzten Tage betrifft, die mit Recht die Aufmerksamkeit unserer politischen Kreise erregt haben, so wollen die Freunde des leitenden Staatsmannes aus seiner heiteren Laune schließen, daß dieselben zu einem ihn befriedigenden Ergebniß geführt haben. Dem Vernehmen nach betraf einer der Punkte, um welche es sich bei der zweistündigen Unterredung mit dem Kronprinzen handelte, den schwebenden Kirchen conflikt. Das Resultat soll eine vollständige Uebereinftimmung der beiderseitigen Auffassungen gewesen sein. Bekanntlich haben sich seit den letzten Wochen am Hofe Einflüsse geltend gemacht, um den Kaiser zu bewegen, einen für die Kurie günstigen Vergleich zu schließen. ES scheint, daß diese Bestrebungen durch andere Faktoren para- lysirt worden sind, und daß der Kaiser nunmehr die vom Fürsten Bismarck ausgestellten Gesichtspunkte betreffs einer Beilegung des Kirchenstreites auf einer Basis acceptirt hat, welche vorläufig einen Abschluß der Verhandlungen nicht voranSsehen läßt."
Darmstadt, 30. Januar. In der zweiten Kammer ist von dem Abg. v. Nordeck zu Rabenau folgender Antrag auf Ermäßigung der hohen Taxen und Gebühren der neuen Justizordnung gestellt worden: In Erwägung: 1) daß eine der wichtigsten Aufgaben eines geordneten Staatswesens in Verwirklichung der Rechtsidee besteht; 2) daß die Realisirung dieser Aufgabe durch die in Folge der Einführung der Reichs-Justizgesetze durch das Reich und die Parlikular- staaien festgesetzten Taxen unb Gebühren wesentlich gefährdet wird, indem sowohl das Rechtssuchen, als die Durchführung von Seiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit und was damit zusammenhängt, der Höhe der Taxen wegen für ben Mittel
harte gut getroffen, bester wie der Andere ehemals, war ans mit ihm. Sein Urtheil war vollstreckt.
20.
Doch da» war nun vorbei. Jetzt war sich Julius der Dinge vollbewußt; er war sich feinet Schuld auch vor der Welt klar; aber er zweifelte auch nicht mehr daran, daß die Sühne, die er sich geboten, nicht übertroffen werden könne, durch irgend eine, welche die Welt zu nehmen vermöchte. Er hatte gerichtet nach dem Spruch: Wie ihr sündigt, so sollt ihr gestraft werden. Er hatte sich selbst gerichtet und er wollte seinen Spruch auch selbst vollziehen.
Lange stand Julius vor dem TodeSmal seines Bruders in tiefem Sinnen; dann beugte er sich nieder und brach einen Stab, und als die Stücke vor seine Füße gefallen waren, hob er die Büchse empor, um sie zu spannen. Aber, als besinne er sich auf ein Vergessenes, so hielt er plötzlich inne und lehnte die Büchse an das Denkmal.
Julius zweifelte nicht, daß alle Welt am andern Morgen sich vollkommen klar sein werde, über das, was für fie von diesem Punkte ausgegangen war, um sich an ihm wieder zur Kette zu schließen. Zuerst, als nur sein Wille ihm ben Weg, ben er angetreten, vorgeschrieben hatte, war eS trotziger Spott, der ihm eingab, der Welt auch den letzten Zweifel über sein Thun zu entreißen. Jetzt war es mehr; jetzt wollte er zeigen, daß er sich vor dem Recht beuge, nachdem er erkannt, daß Alles, was geschehen und auch Alles, was er thue, den Folgen sich zu entziehen, Unrecht fei.
Er nahm das Glas, das er, gefüllt mit schwarzer Masse, bei sich trug, und griff nach einem Stück des gebrochenen Stabes. An den Obelisk herantretend, laS er dann laut die Inschrift:
Hier starb Albert Hasten.
Dann schrieb er darunter mit festen, starken Zügen, ohne zu zittern:
von BruderShand.
Nochmals las er das Ganze; da fühlte er sich erschüttert; eS kam über ihn rote einst ein tiefes Weh und seine Hand zitterte, als er abermals den Griffel faßte und hinzusetzte:
Er sei gesühnt!
Wenige Minuten jedoch dauerte die Erschütterung; dann ergriff er wieder fest und sicher die Büchse; er spannte sie, unb stehenb bem Mal gegenüber traf er die letzten Vorbereitungen.
flkür die Monate Februar und März werden v von allen Postanstalten (auf dem Lande von den Landpostboten) Bestellungen auf die
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mit deren Gratisbeilage
Jllustrirtes Sonntagsblatt angenommen, und bitten wir dieselben baldigst machen zu wollen.
Die Ex-ed. i. Oberh. Zeitung.
gibt Dinge, über die eine Welt erschrecken kann, und über die es ausbricht wie lang verhaltene Ahnung im Unbegreiflichen; an denen die Frivolität ebenso wie die Formensucht erstarrt; Dinge, die so mächtig sind, daß vor ihnen endlich einmal das menschliche Gefühl, das eingebannte und gewaltsam ertöbtete, durchbricht und Alles mit sich fortreißt in einem Ausbruch des Gefühls. Da er-
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