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Marburg, Sonntag, 1. Februar 1880

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Lungen nimmt tmgegro: bitGrpedikro» d.Blattet, fe»te d.Lnnoncen-Bureauk you Th. Dietrich & Co. in gflffel und Hannover; LH Dietei h in Frankfurt a.M.; DAOienftein & Bögler in Lraichurt a M., Berlin, zxrpzig, Cöln re.; Rudolf Hioffe in Berlin, Frank­furt a. re.

AkcheMe Jfitmiß

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatter sowie d.Annoncen-Bureauk von &. 8. Daube & Co. in Frankfurt a. M; JSger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. LhieneS in Merfeld; C. Schlotte in Bremen.

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJlluftrtrtkS SouutagSblatt" durch die Expedition (R o ch'sche Buchdruclerei) bezogen 2s. Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf,, (excl. Bestellgebühr). - JnsettionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pf,. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pf,, berechnet.

flkür die Monate Februar und März werden v von allen Postanstalten (auf dem Lande von den Landpostboten) Bestellungen auf die

Dberhessische Zeitung

mit deren Gratisbeilage

JllustrirteS Sonntagsblatt angenommen, und bitten wir dieselben baldigst machen zu wollen.

Die Sxped. d. Oberh. Zeitung.

Tagesbericht.

Die Verzögerung der Abreise des Kronprinzen und die stattgehabten längeren Konferenzen mit dem Reichskanzler und mit dem Kaiser finden allerlei Deutungen Abgesehen von vagen Gerüchten über Vorsichtsmaßregeln an unserer Ostgrenze, sagen die Einen, eS habe sich um persönliche Informationen des Kronprinzen über die Reise Bismarcks nach Wien gehandelt, da der Kronprinz seitdem den Kanz­ler nicht gesehen habe; andere sagen, eS habe sich um eine Wieverannäherung Dentschlands an Rußland gehandelt; noch andere und das sind die meisten sagen, es habe sich um einen Besuch des Kronprinzen in Rom ge­handelt, da derselbe dann nicht blos den König, sondern auch den Papst besuchen müsse; noch andere deuten auf einen Druck der deutschen Regierung auf die italienische bezüglich der gegen Oesterreich gerichteten italienischen Be- sftebungen zur Erwerbung von Südtyrol und Istrien für Italien, wieder andere denken an Instruktionen des Kron­prinzen für die Verhandlungen mit dem Papste. Vielleicht ift an all diesen Dingen ein Kömchen Wahrheit aber die Wahrheit selbst hat wohl schwerlich eine dieser Ver- «uthungen getrosten unv wohl am wenigsten die der ,Rat.-Ztg.", welche den ganzen Aufschub der Reise mit all seinen Umftänolichkciten mit derTheilnahme an nn.m Osfiziersoiner in Potsdam zu Ehren des Geburts­tages des Prinzen Wilhelm" erklätte.

Von Seiten des Auswärtigen Amtes ist, wie stets zu Anfang des Jahres, fo auch jetzt wiederum eine neue Aus­gabe deS Verzeichnisses der Kaiserlich Deutschen Konsulate herausgegeben worden, welche den gegenwärtigen Stand unserer konsularischen Vertretung im Auslande darstelll. Das Verzeichniß weist mannigfache Veränderungen und Erweiterungen, namentlich auch die im Laufe des letzten Jahres hinzugetretenen Berufskonsulate auf. Von diesen verdankt das Generalkonsulat in Sofia zunächst den poli­tischen Vorgängen seine Entstehung; die Errichtung des

- Der Selbstrichter.

Charakterskizze von Emil Richter.

(Fottsetzung.)

18.

Jetzt kam bei Julius der Schmerz zum austoben; tt erschreckte alle durch seine Stärke und währte stunden­lang. ES schien auch er werde erliegen und nur allmälig ermannte er sich. Dann mußte sich Jedermann entfernen und lange blieb er in tiefer Betrachtung vor der Ver­blichenen stehen, und erst spät am Abend, als tiefe Stille eingetreten war, als Niemand mehr kam und der Schlummer der Erschöpfung Jedermann im Hause ergriffen hatte, wandte tt sich wie in festem Entschlüsse.

Julius verließ das Zimmer und trat in eine Kammer daneben, wo seine Jagdgewehre hingen. Er warf einen Blick auf sie, die in ihren blanken Läufen das hereinfallende Helle Mondlicht wiederspiegelten, dann trat er an einen Dchrank; er öffnete ihn und nahm au« demselben ein an­deres Gewehr, wohlverwahrt in ledernem Futteral. Er wachte es frei, und als es, nicht minder blank wie die anderen, im Mondschein glänzte, behielt er es lange regungs­los vor Angen. Er kannte es wohl; als es zum letzten Diale ausblitzte, war eS gegen sein eigenes Haupt gerichtet gewesen, und die Kugeln, die es entsandt hatte, hatte er pfeifen gehört.

Endlich, wie abermals unter gewaltsamem Entschlüsse, prüfte Julius Schloß und Läufe und lud das Gewehr, tote es einst geladen gewesen, mit zwei Kugeln. Dann ging er festen Schrittes hinab, hinaus auf den Hof. Zuvor hatte er aus der Küche ein keines Glas genommen und ging über den Hof hinweg nach einem Schuppen, wo Wagen

Postens in dem neu gegründeten Fürstenthum war noth- wendig, nachdem auch von den übrigen Großmächten be­soldete Generalkonsuln beglaubigt worden. Die Berufs­posten in Apia und Montevideo, sowie das Generalkon­sulat zu Sidney sind gegründet worden mit Rücksicht auf den zunehmenden Umfang und die wachsende Bedeutung der deutschen Handels- und Verkehrsinteressen. Dem Kon­sulat in Apia ist der westliche Theil der Südsee als Amtsbezirk zugcwiesen, und sind ihm die dort bestehenden Wahlkonsulate zu Jaluit, Levuka und Papeete, da« erstere neu geschaffen, unterstellt. Von dem Generalkonsul in Sidney, dem jetzt noch die besondere Aufgabe zufällt, dort während der Weltausstellung in Gemeinschaft mit dem ent­sendeten Kommissar die deutschen Interessen zu vertreten, ressorttrten die Wahlkonsuln in den Kolonien Neu - Süd­wales, Victoria, Queensland und Südaustralien. Der Be­rufskonsul in Montevideo, dessen Einsetzung nach dem Ab­gang des langjährigen tüchtigen Wahlkonsuls nothwendig erschienen ist, wird reichlich Gelegenheit finden, sich der deutschen Schifffahrt und dem deutschen Handel nützlich zu erweisen. Zu erwähnen ist weiter, daß das Konsulat in Konstantinopel, entsprechend der Bedeutung des Postens, in ein Generalkonsulat umgewandelt ist. Dagegen sind die Posten in Mexico und Peru aus dem Verzeichniß au«- geschieden, da die dortigen Vertreter nicht, wie ihre Vor­gänger, mit konsularischen Funktionen bekleidet sind, sondern ebenso wie in Buenos-Aires und Chile, nur noch diplo­matische Stellungen einnehmen. Im Ganzen bestehen jetzt 606 deutsche Konfulatsposten. Davon find Berufsämter 55, und zwar 16 Generalkonsulate (5 gleichzeitig mit diplo­matischem Rang), 36 Konsulate nnd 3 Vicekonsulate. Die Zahl der bei den sämmtlichen Konsularämtern neben den Titulalen als Vicekonsuln, Dolmetscher, Kanzler, Sekretäre angestellten Beamten beträgt estwa 100.

Die Rechnungscommission des Abgeordnetenhauses hat in Folge eines Streites, der zwischen der Regierung und der Oberrechnungskammer seit längerer Zeit schwebt, dem Plenum vorgeschlagen, die königliche Siaatsregierung auf­zufordern, in der nächsten Session des Landtages einen Ge­setzentwurf vorzulegen, worin das Gesetz vom 3. Juli 1876, betreffend die Besteuerung deS Gewerbebetriebes im Um­herziehen u. s. w., eine Auslegung in dem Sinne erhält, daß die Regierungen befugt seien, die nach §. 22 des ge­nannten Gesetzes von den Contravenienten zu zahlende Nachsteuer zu ermäßigen. Es hatte nämlich der Fincnz- minister (was die Oberrechnungskammer moniren zu müssen glaubte) in einer Anweisung vom 30. August 1876 er­klärt, daß es wegen der Befugniß der Regierungen, eine ermäßigte Nachsteuer festzusetzen, bei den bisherigen Be­stimmungen bewende und es hatten dann in Folge dieser letzteren Erklärung die Regierungen nach Maßgabe der

und Wagengeräth sich befanden. Dann füllte er sein Glas mit Theer, umwickelte es mit einem Tuch und verbarg eS in der Tasche. Dann verließ er den Hof und kam durch den Garten in'S Freie.

In langen Schatten warf der Mond die Gestalten der Bäume und Sträucher über die Ebene. Julius selbst sah sich in so mannigfaltigen Verzerrungen dahinschreiten. Zum ersten Male im Leben graute es ihm vor sich selbst.

Er brauchte sich nicht mehr zu eütschließen wegen deffen, was ihm noch zu thun bleibe; darüber «ar er sich klar, seit dem Augenblicke, wo er sich über den Schluß des Ge­schicks, dem seine Gattin erlegen, klar geworden: ihre Vol­lendung war der Zeitpunkt, wo er mit sich selbst zu Gericht gehen mußte. Er brauchte keinen Ankläger und keinen Vertheidiger; wie aus der Ewigkeit herausgewachsen stellte sich im Augenblick das Gewordene und das Werdende in seinem Willen fest. ES war ein selbstgesprochencs Uttheil, das er vor sich hatte uflb er vergaß nicht das Kleinste, um eS in seiner vollen Bedeutung zur Geltung zu bringen.

Die Welt sollte das Urtheil erfahren, wenn es voll­streckt war, obgleich es Julius nicht kümmerte, daß sie eS erfuhr. Der Conflict, der « ihm zu Ende ging, ging nicht der Welt Recht und Meinung an; er erkannte kein Mittel, ihn in Frieden zu lösen, er sah beide neben dem Leben dahin gehen, niemals aber da« Leben umfaffen; wo dies rauscht in breiten Fluchen, wo es dahinstürzt in hef­tigen Güssen, da schwimmen Recht und Meinung obenauf wie steuerlose, schwankende Fahrzeuge und der Schwimmer, der sich auf sie zu retten meint, ist völlig verloren. Auch im letzten Augenblick bewegte sich. Julius' Gedankenganz auf solchem Boden. Er stieß die nahenden Fahrzeuge zu­rück, sah er sie doch selbst unsicher und ungewiß dahin

Circularverfügung deS Finanzministers vom 24. Juni 1843 auch seit der Rechtskraft jenes Gesetzes in einer großen Anzahl von Haufirsteuer-Contraventionsfällen erhebliche Er­mäßigungen der nachzuenttichtenden Steuer eintreten lasten. Die Rechnungskommission thellt den Standpunkt der Ober- rechnungSkammer, daß dies unzulässig sei und schlägt deß- halb das erwähnte Gesetz vor.

In der Rede deS Ministers v. Haymerle in der Dele­gatton vom 27. d. M. ist besonders ein Satz bemerkt worden, welchen der telegraphische Auszug nicht deutlich erwähnt hat. Bezüglich des deutsch-österreichischen Bünd­nisses hat nämlich der Minister betont,wenn die beiden Mächte in der Gemeinsamkeit ihrer Interessen und in der gleichen Auffassung derselben sich begegnet haben, so dürfte wohl auch kein Zweifel darüber bestehen, daß sie auch gegenseitig über die Bürgschaften dieses Einverständnisses übereingekommen sind." Es ist das eine augenscheinlich sehr wichtige Ergänzung der Aeußerungen deS österrei­chischen Ministers von Mitte Januar. Eigensinnige oder interesstrte Skeptiker werden zugeben, daß der Satz keinen Sinn hätte, wenn er nur auf eine mündliche Unterredung zwischen Bismarck und Andrassy vom vorigen Herbst Bezug nähme. Er reiht sich also an die halbamtlichen und amt­lichen Zeugnisse, welche neulich als Beweise des Gegen- theils, daß nämlich jene Wiener Besprechungen nicht nur einen mündlichen Gedanken - Austausch erzielt haben werden. Darüber herrscht auch in allen un­terrichteten Kreisen kein Zweifel. Nach der Begegnung der drei Kaiser im September 1872 sagte Gortschakow, e« sei nur ein Glück, daß nichts geschrieben wvrden sei. Im vorigen Sommer bementirte der Deutsche Reichs-Anzeiger mit großem Nachdruck, daß vor dem letzten Orientkriege irgend eine geheime Abmachung zwischen den drei Kaiser­reichen über orientalische Verhältnisse Statt gefunden hätte. Deutschland hatte freie Hand und konnte in dem gegebenen Augenblick seine Interessen wahrnehmen, die sich mit den österreichischen deckten. Wahrscheinlich wird Gortschakow jetzt nicht mehr als ein Glück ausehen, daß vor acht Jahren oder später kein Abkommen geschlossen wurde, welches Ruß­land übrigen« ganz eben so für seine Sonderzwecke aus­gebeutet hätte, wie es das dem Draikaiserbund gegenüber gethan hat, bis dagegen im Interesse des Friedens Vor­kehrungen getroffen werden mufft, n. Diese aber bedrohen auch Rußland nicht, wenn es sich endlich bei dem Vertrage beruhigen will, welchen eS selbst mit unterzeichnet hat.

Im Anschlüsse an die jüngste polittsche Debatte in der österreichischen Delegation bemerkt dieTimes": Nach den jüngsten Beunruhigungen, welchen die öffentliche Meinung in Europa ausgesetzt war, ist es wahrhaft erfrischend, von der ruhigen und verständigen Debatte zu hören, welche in

schaukeln. In ihrem Angesicht wollte er untergehen, wie immer in festem, unverrückbarem Entschluß sich fest stützend auf daS, was fein eigenes Recht ihm gebot. Als er nun aber so einsam mit sich selbst dahinschritt und unter dem fahlen Leichenlicht des Mondes die Dinge und sich selbst in wechselnder Gespensttgkeit dahin gaukeln sah, als ihn bann das Granen vor sich ergreifen wollte, da stiegen auch zum ersten Male Zweifel auf an feinem Thun und sein letzter Entschluß gerieth ins Wanken.

Die Heirnlichkett, in die er den Kampf mit feinem Bruder gehüllt, stieg jetzt vor Julius auf als der gewal­tigste Vorwurf. Er fühlte diesen Vorwurf zum erften Mal; aber um so tiefer und härter traf er ihn; vor ihm gerieth jetzt fein ganzes Rechtsgefühl in heftige Erschütterung und was ihm bisher unzweifelhaftes Recht gewesen, ward plötzlich zum Verbrechen. Wahrhaftig, hörte er sich fragen, fann das Recht die Heimlichkeit suchen müffen? strebt es nicht immer, sich herauszuthuu, das Licht zu suchen und vor aller Wett zu glänzen? Aber nie kam Dir der Ge­danke nie im Leben! Du schloffest Alles ein in Dich, was Dir, wie Du meintest, Werth und Ehre gab. Was kümmert das die Welt, sagtest Du Dir vor, die Welt mit ihrem Schein, ohne Festigkeit und Wesen! Und doch nahmst Du von der Welt, was sie bot! So nahmst von ihr Reichthnm und Ansehen; ja selbst was Dir an eigenem Glück geworden es gab« die Welt; nicht Du hast e« geschaffen! Wo bleibt bann Dein Recht für Dich!

Hinter solchem Zwiespalt stand die Verzweiflung. DaS fühlte Julius, als er nun, der früheren Festigkeit seiner Entschlüsse um Himmelw iten entrückt, am Niederholz stand, an derselben Stelle, wo er so oft lange Nächte gebrütet, um sich mit sich selbst abzufinden. Niemal« war ihm der