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1880.

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JRaröurg, Sonnabend, 31. Januar 1880

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inictgen nimmt cmgegen: die Expedition d.vlatte», fxjBjie d.Annoncen-Bureauk «gn 16. Dietrich L Co. in gaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; tzaasenstein & Bögler in fcöilfurt a M., Berlin, vip»ig, Cöln ic.; Rudolf Mosie in Berlin, Frank­furt a. M. tu

OccheM jcitmig

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatter sowie d. Annoncen-Bureaux von @. L- Daube & Co- in Kiankfutt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; L. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJluftrirteS LonutagSblatt" durch die Expedition (Ko ch'fche Buchdruckerei) bezogen 2', Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. lexcl Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

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flkür die Monate Februar und März werden V von allen Postanstalten (auf dem Lande von ben Landpostboten) Bestellungen auf die

Bberhessische Zeitung

mit deren Gratisbeilage

IllustrirteS Sonntagsblatt mgenommen, und bitten wir dieselben baldigst machen zu wollen.

Die «xped. d. Oberh. Zeitung.

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Die neue Militärvorlage »ud das Ausland.

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Die neue Militärgesetzvorlage der Reichsregierung hat auch im Auslande überrascht und zwar zumeist durch die Gründe, mit welchen die Regierung ihr Verlangen nach Vermehrung der Armee unterstützt. Mit großer Offen­herzigkeit wird in den Motiven der Vorlage die Befürch- lung besprochen, daß Deutschland einmal sich einer russisch- ftanzöstschen Alliance gegenüber zu vertheidigen haben werde. Der englischeDaily Telegraph", das Organ Beacons­fields, erblickt in der Vorlage die Antwort deS Fürsten Bismarck auf die Concentration russischer Truppen in feinem westlichen Grenzgebiete. Das Blatt meint, der Kutsche Reichskanzler würde gewiß seinem Lande nicht eine erhöhte Militärlast aufbürden, wenn er nicht die Befürch­tung vor kriegerischen Verwickelungen hegte. Das Blatt »eist auch auf die Rothwendigkeit hin, daß auch die eng­lische Regierung ihre Land- und Seemacht entsprechend 'vermehren müsse. DieTimes" beuttheilt die deutsche Vorlage am ruhigsten; sie sieht darin nichts drohendes, noch irgend etwas, was die beunruhigenden, aber unbe­gründeten Gerüchte bestättgte, welche jüngst die öffentliche Meinung in einigen Kreisen aufgestört haben. DerStan­dard" berichtet, auf dem Festlande gebe es Leute, welche behaupteten, Fürst Bismarck ziele emsig auf eine Gelegen­heit zum Krieg mit Rußland ab, weil er einsehe, daß ein solcher doch unvermeidlich sein werde; aber er habe dabei zugleich mit Frankreich, also mit 2 Gegnern zu rechnen und nicht, wie 1864, 1866 und 1870, mit je einem. Die französischen Blätter gehen ziemlich zurückhaltend an der Vorlage vorüber, namentlich verhalten sie sich ebenso wie 'die russischen Blätter auffallend schweigend über die Hin­weisung der Mottve der Vorlage, auf eine russisch-fran- zisische Alliance. DieRepubl. franc'", derFigaro" und derGlobe" reden zwar über die Vorlage, aber in einem fast auffallend gemäßigten Tone. Die hochofficiöse ,St. Petcrsb. Ztg." meint, die Vorlage gebe den hand­werksmäßigen Allarmisten wieder für lange Zeit Vorrath.

Der Selbstrichter.

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Charakterskizze von Emil Richter.

(Fortsetzung.,

Julius wußte wohl, wie viel liefe Leidenschaft auch in Vertha verschlossen war; aber die Gewalt, welche jene Motte euf sie geübt, war ihr unfaßbar, und er, Der sich gewöhnt hatte, sich zu beherrschen und jede Gefühlsregung zu bannen, er verlor jetzt die Fassung, wenn er vor Bertha saß und ihrem Hinbrüten zusah, keinen Augenblick der Furcht, daß fie in neueren Ausbruch der inneren Zerrüttung verfallen würde, enthoben. Da brach er fast selbst zusammen und Dinge und Gedanken, die er seit Jahren im Innern in seiner Meise gestaltet, veränderten sich plötzlich, sie begannen ihn Irre zu machen an fernem Leben und Thun. Die Zweifel erwachten wieder; es tarnen Augenblicke, wo ihn die Furcht vor sich selbst erfaßte und die Furch» vor einer Selbstverzweiflung, wie er sie so elend vor sich sah. Er wollte zu Bertha reden und ihr Alles sagen, ihr sagen, wie nicht ein Mord das L.ben seines Bruders geendet, sondern ein Kampf, in dem Alben der Angreifer gewest war. Aber sie ließ ihn nicht reden. Ich weiß genau, wie es zuging, sagte sie.

Jeder Tag wurde nun schrecklicher für Julius. Er war gebannt. Mährend dem gingen die Vorbereitungen zum Begräbniß seiner Mutter vor sich. Deffen blieb sich Bertha wohl bewußt und es gab Augenblicke, wo sie davon sprach ganz wie die ordnende Hausfrau, die über Schmerz und Aufregung nie vergißt, was auf ihr liegt. Dann ordnete sie an, ohne ihr stlbstgewähltes Asyl zu verlassen, und schickte Julius, damit nickls versäumt werde, was üblich war den Leidtragenden und des Hauses wegen. Als

Am freundlichsten stellen sich die österreichischen Blätter der Vorlage gegenüber; diePresse" meint, es könne für Oesterreich nur angenehm sein, wenn sein Bundesgenosse noch mächtiger würde, als er schon ist.

Immer allgemeiner aber kommt die Ueberzeugung zum Ausdruck, daß es mit dieser fortwährenden Steigerung der Militärlasten in allen Staaten Europas nicht so fortgehen könne. So wurde im österreichischen Abgeordnetenhause vom Abg. Fux ein Antrag auf allgemeine gleichmäßig und gleichzeitige Verminderung der Heere eingebracht, welche das gegenseitige Machtverhältniß der Staaten nicht alteriren solle. Auch im englischen Parlamente will der Abg. Richard demnächst an die Regierung eine desfallsige An­frage stellen in der Hoffnung, die Regierung zu bewegen, mit den übrigen Regierungen in freundliche Unterhand­lungen zu treten, um eine gemeinsame und gleichzeitige Re- duclion der stehenden Heere herbeizuführen. Diese Absicht des Abg. Richard wurde am Donnerstag in einem Mee­ting des Londoner Vereins für die Einführung interna­tionaler Schiedsgerichte mit Freuden begrüßt. Auch in Deutschland sind bereits ähnliche Stimmen laut geworden. So machte derReichsbote" den Vorschlag zu einer völker­rechtlichen Festsetzung eines bestimmten Procentsatzes der Bevölkerung der Staaten, welcher zur Armee herangezogen werden dürfe. In Deutschland haben wir ja bereits einen solchen Procentsatz, aber derselbe könnte und müßte durch ein solches völkerrechtliches Uebereinkommen bedeutend herab­gesetzt werden. Auch dieNat.-Ztg." giebt diesem Gedanken einer internationalen Verständigung Ausdruck, indem sie die Ueberzeugung ausspricht, daß die Rothwendigkeit die Staaten doch einmal zu diesem Auswege zwingen werde.

Der deutscheReichsbote" nennt die Rivalität der Staaten in der Militärmachteine große Demüthigung für unsere Kulturentwickelung" und die englischeDaily Rews" bezeichnet diese Rivalität alsein seltsames Produkt unserer Civilisation" und fragt:Wohin soll dieses Spiel führen als zum Staatsbankerott? So lange die Diplo­matie sich nicht höhere sittliche und wirthschastliche Ge­sichtspunkte für ihre Thätigkcit steckt, werden freilich solche Vorschläge fromme Wünsche bleiben; aber immerhin ist eS ein erfreuliches Zeichen, daß in der conservativen und ge­mäßigt liberalen Presse aller Länder jene Vorschläge und Ueberzeugungen Ausdruck finden, und es wäre nur zu wünschen, daß diese Uecerzeugungen gerade von der loyalen Presse immer lebhafteren Ausdruck, und in der öffentlichen Meinung einen mächtigeren Nachruck erhielten. Dann würde sich auch die Diplomatie ihnen nicht mehr entziehen können. Ein einzelner Staat kann natürlich nicht mit Abrüstung anfangen und am wenigsten kann das das zur Rechten wie zur Linken von mächtigen Feinden umgebene Deutschland. Unser Reichstag wird sich schwerlich der Rothwendigkeit entziehen können, der Vermehrung der beut»

dann der Tag deS Begräbnisses kam, ließ sie sich schwarze Kleiber bringen und sagte auch Julius, daß er sich in Trauer kleiden solle. Aber sobald er zu ihr sprechen wollte, nahm sie ihm das Wott; und immer sagte sie: O, ich weiß, wie es kam; und ich weiß auch, wie es kommen wird; sei ruhig; Deine Mutter wußte es auch.

Endlich waren die Leidtragenden im Hausflur und im Hofe versammelt. Der Sarg, noch offen wie es gebräuch­lich, damit Alle, die kamen, noch einmal die Verstorbene sehen und ihr selbst ein letztes Wort nachrufen könnten, stand im Flur. Da öffnete sich oben die Thüre und Bertha trat heraus; zum ersten Mal seit dem Todestag; sie kam die Treppe herab. Hinter ihr Julius.

Alle, die jetzt die Kommenden sahen, entsetzten sich. Drei Tage hatten die rüstigste Frau zur Greisin gemacht; der Tod selbst schien sie zu sein und gespenstische Ver­störung entstellten ihre Züge. Sie kümmerte sich um Keines der Anwesenden. Nur den Sarg hatte sie im Auge und auf ihn wankte sie zu mehr als sie schritt. Starr blickte sie auf die Todte nieder, starr unter peinlicher Sttlle. Jedermann ahnte etwas Schreckliches und kaum wagte man zu athmen.

Plötzlich warf sich Bertha über die Todte. ES war, als flüstere sie ihr Worte in das Ohr. Aber nur Julius, der sie zu umfaffen strebte, verstand die Worte: Nein, ich bin die Schuldige!

Nun aber waren von allen Seiten Männer herange­treten; sie hoben die in innerster Erregung Zusammenge­sunkene auf; und als man sie dieselbe Treppe, welche sie kaum herabgekommes, wieder hinaustrug, wußte man nicht, ob noch Leben in ihr vorhanden sei, ober ob der Tod in diesem Hause schon wieder einen Schritt gethan habe.

schen Armee zuzustimmen. Aber er wird in ernstliche Er­wägung zu ziehen haben, ob nicht etwa durch Verkürzung der Dienstzeit wenigstens die Erhöhung des Militärbudgets vermieden werden kann; denn die wirthschastliche und finan­zielle Lage Deutschlands ist keineswegs eine derartige, daß man ohne die dringendste Noth die Militärlasten vermehren kann. In jedem Falle aber müssen die Verhandlungen mit ruhigem Ernste geführt werden und wir können es deßhalb nicht billigen, wenn die Berliner Fortschrittler be­reits den Beschluß gefaßt haben, demnächst in verschiedenen Stadttheilen Volksversammlungen abzuhalten, um die Agi­tation gegen die Militärvorlage unter das Volk zu tragen und mit diesen Berliner Versammlungen auch den Provinzen das Signal zur Abhaltung ähnlicher Volksversammlungen geben wollen. Die Fortschrittler scheinen in Erinnerung an die Confliktszeit die Opposition gegen dieses Gesetz als ein Mittel, ihre verlorene Popularität wieder etwas auf­zufrischen, verwetthen zu wollen. Da dürften sich die Herren aber doch verrechnen.

Tagesbericht.

Bekanntlich rief die Ablehnung des Gesetzentwurfs über die Schanksteuer in der Sitzung des Abgeordnetenhauses sofort eine eingehende principielle Debatte über die Frage hervor, ob durch Abbrechung des § 1 des Gesetzes nun auch eine Verwerfung des ganzen Gesetzes ausgesprochen sei. Die heutige Provinzial-Correspondenz" kommt auf diese Streitfrage nun nochmals zurück und präcisirt ben Standpunkt der Regierung in folgender Weise:Einmal ist es unzweifelhaft, woran auch der Präsident festgehalten hat, daß die Ablehnung eines Theiles einer Regierungs­vorlage, und wenn dieser Thcil auch den Hauptgedanken enthielte, die Erledigung der geschäftlichen Behandlung nicht herbeiführen kann. Allein ist auch ein Jrrthum, daß die Berathung und Abstimmung über Theile, welche ohne den abgelehnten Thcil an sich keinen Zweck haben, eine leere Formalität sei. Es beruht diese Annahme auf der irrigen Voraussetzung, daß mit der Ablehnung Einer oder selbst mehr als Einer Fassung des Hauptgedankens das Gesetz verworfen sei. Allerdings hat die Staatsregierung in Fällen dieser Att öfters ihre Vorlage zurückgezogen. Dies ist aber nur dann geschehen, wenn die Regierung voraussetzte, sie würde sich auch über eine andere Fassung, als die abgelehnten, mit dem Hause nicht einigen. Dies war aber bei der jetzigen Gelegenheit nicht der Fall, und die Regierung war in ihrem Recht, wenn sie die Fort­setzung der Berathung nach Vorschrift der Geschäftsordnung verlangte, um Gelegenheit zu erhalten, noch eine andere Fassung deS Hauptgedankens vorzuschlagen. Allerdings hätte dies die Verweisung in die Kommission gefordert, aber die Herbeiführung dieses Beschlusses mußte die Re­gierung dem Hause überlassen, aus deffen Mitte ein dahin

17.

Wo ist die Kraft, die neben der Macht der Dinge und neben dem unbegreiflich waltenden Schicksal, zurückge­zogen auf sich selbst, nicht endlich erliegen müßte, und wäre sie gebaut auf das tieferfaßte Recht deS Herzens, auf das Recht der Natur gegenüber dem gleisnerischen Rücksichtsleben der Well und deren Schein von Recht, die das Leben in Formen zerstücken läßt und für jene ursprüng­lichsten Regungen, die sich doch selbst ihre« Seins und Rechts am vollsten bewußt sind, nichts hat als befremdete Zurückweisung und vielleicht verspottende Frivolität? Das Gebäude oes Eigenrechts, das sich Julius in der 93et» schlossenheit seines Charakters selbst aufgebaut hatte, war gesunken. Er sah sich plötzlich dem Richterstuhl der Welt gegenübergesetzt und in dem Augenblick, wo nach nur kurzem aber entsetzlichen Leiden auch Bertha die Augen für immer schloß, fühlte er fast mehr als den zerreißenden Schmerz über seinen letzten Verlust das Wanken des Felsens, auf den er sich einsam gestellt hatte; ohne daß er sich noch klar ward in Gedanken kam es ihm vor, als müsse er sich selbst von demselben hinabstürzen, um sich in freiem Ent­schluß^ zu zerschmettern, bevor Stein um Stein zerbröckelnd hinabsinke' und ihn in langsamem Fallen mit sich nehme.

Julius fühlte, ohne daß et hinauStrat auS dem Haufe und ohne daß Einer von denen, die zu ihm kamen, während Bettha mit dem Tode kämpfte, ein Wort davon sagte, daß unheimliche Erregung sich der ganzen Umgebung bemächtigt hatte. Welche Vorgänge hefteten sich an feine Fersen; Niemand noch hatte einen schrecklicheren Anblick gehabt als den Bettha'S, als sie die Treppe hetabkam; was verbarg sich da in tiefes Geheimniß! O, man ahnte eS, und das Gerücht hob feine unheimlichen Schwingen.