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JliarÖUCg, Freitag, 30. Januar 1880

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Aber war auch Julius noch nicht alt, so war es seine und des Tobten Mutter geworden; sie begann die er­lahmende Gewalt des Alters zu fühlen und an das Sterben zu denken. Oft war sie krank und blieb wochenlang zurück­gezogen in ihrem Stübchen oder im Haus und sehnte sich nur nach ihrem Enkel, daß er käme und bei ihr sitze, wenn er auch nichts sage, sondern sie nur anblicke; sie meinte dann, sie hätte die beste und lebendigste Unterhaltung. Und oieser kam auch immer, wenn er konnte. Wie er als kleiner Knabe sich der Großmutter vor Allen im Hause ange- schlossen, so blieb es; stundenlang konnte er neben ihr sitzen; eS war ihm, als wäre daS der Ort seiner wirklichen Heimath. Er war nun emporgewachsen und näherte sich den Jahren, in welchen die Zwillinge dereinst der alten Frau das Herz so schwer hatten erzittern lassen. Und je mehr sie ihn so heranwachsen sah, je mehr wurden die Dinge von ehedem in ihr wieder lebendig. Je mehr sie selbst niederging, je mehr grübelte sie über den Aufgang jener, und an dem Tage, wo die Ihrigen ihr Lager um­ringten, um den letzten ihrer Athemzüge zu erlauschen, da war es ihr unter den Thränen der Umstehenden, als er­wache vor dem letzten Erlöschen noch einmal die Vergangen­heit, damit ihr Alles klar werde. Aber es war kein heiterer Glanz, in dem jene erschien, und das, was zuletzt aus ihr nicht mehr als schrecklicher Zweifel, sondern als schrecklichere Gewißheit hervorging, war der letzte Riß der sie vom Leben trennte.

Ihr Enkel stand in diesem letzten Augenblick am Ende des Bettes; er ahnte nicht, was vorging. Aber Schwieger­tochter und L-ohn standen ihr zur Seite und hörten das letzte Wort, in dem sie, den brechenden Blick auf Julius gerichtet, ihr Leben auörang: Du erschlugest ihnl

Der Selbstrichter.

Charaklerskizze von Emil Richter.

(Fortsetzung.)

Mit Eifersucht wollte nun Julius erkennen, wie der Knabe ihm fast fremd zur Seite stand, trotzdem kein Nach­bar davon Etwas merken konnte. Mit peinlicher Genauig­keit verfolgte er dessen Schritte und er hörte nichts als kie Stimme der anklagenden Natur, wenn er bemerkte, die das Kind sich in rückhaltlosester Neigung der Groß- matter zuwandte. Er meinte, er fühle in ihm den Erb- mnd, und in Augenblicken, wo ihm dies so recht gegen­wärtig wurde, war es ihm, als ob seine Mutter selbst ihm vltrissen werde, ja es kam ihm vor, als habe er nie eine Mutter gehabt oder als wäre in einem gewissen Augenblick ihr zugleich der ganze Zusammenhang zur Welt von shm gewichen und als schwebe er ganz allein und bodenlos $ der Unendlichkeit ohne Halt und ohrte zu wisien, wo Mnaus; und wie immer war es nur die stille Einsamkeit kt Nacht, die ihn den Boden zum Leben wieder finden pt? Aber oft war er auch dann noch tagelang, als sei Ziefer Boden selbst schwankend geworden. Traf ihn dann Ar der Mutter Blick wie hie und da, so eigenthümlich, so Eindringlich, so tief nach Gewißhett suchend, da stand er M an der Grenze des Wahnsinns.

Und was sollte dies Flüstern der Welt, daS sich wer weiß von woher erhoben hatte, als alles Suchen nach Alberts Mörder vergeblich geblieben war, und das, nach- "em es immer weiter und weiterhin, wenn auch immer ^enso leise, vernommen wurde, auch endlich Julius Ohr führen mußte das Flüstern, im Hause des Ermor­den kenne man wohl den Mörder, aber man wolle ihn r8 Dunkel lassen 'i

welchem die Unternehmer in erster Linie sich bedenken, sondern um eine in ihrem Urspmng sowohl als in ihren Zielen patriotische und humane Anstalt, so wird es ge­stattet sein, an dieser Stelle noch einmal darauf hinzu­weisen und zu der allgemeinsten BethcUigung anzuregen. Die Kaiser-Wilhelm-Spende ist zwar zunächst für die ge­ring bemittelten Klassen des deuschen Volkes, namentlich auch für den Arbeiterstand bestimmt, aber nicht auf ihn beschränkt. In dem an die Landräthe u. s. w. erlassenen Anschreiben des Direktoriums wird ausdrücklich betont, daß für Jeden, der nicht für seine Person als vermögend an­zusehen ist, Einlagen angenommen werden.Gutsbesitzer können für sich, ihre Frauen und Kinder Altersrenten be­gründen. Bauern und Kossäthen können ihr Altertheil bei der Anstalt nach und nach sammeln. Pfarrer, Lehrer, Gemeinde- und Privatbeamlen werden für sich und ihre Angehörigen die Anstalt zweckmäßig benutzen können." Jede Einlage beträgt nur 5 Mark, doch können gleichzeitig oder zu verschiedenen Zeiten mehrere Einlagen von je 5 Mark gemacht werden; jedoch beträgt die höchste zu grei­fende Rente jährlich 1000 Mark. Aller Ueberschuß, der sich im Laufe der Zeit ergiebt, wird ausschließlich zu Gun- ften der Versicherten verwendet. Zu den Kosten der Ver­waltung wird von den Einlagen nichts abgezogen, viel­mehr sind die Zinsen des Grundkapitals, welches durch die bekannte allgemeine Sammlung auf 1,750.000 Mark ge­bracht ist, zunächst zur Deckung aller Verwaltungskosten bestimmt. Um diese nicht zu sehr anwachsen zu lassen, wird von der Anstellung besonderer Agenten abgesehen und dringend gewünscht, daß insonderheit die Vorstände und Behörden der deutschen Stadtgemeiuden sowohl, als auch der Landkreise und Landgemeinden hülfrciche Hand bieten und bei ihren Kasten zugleich Sammelstellen fit die Ein­lagen in die Kaiser-Wilhelm-Spende rxrichten, beziehungs­weise Bertrauenspersonen namhaft machen, die zur Ueber- nahme des patriotischen Geschäfts, das äußerst einfach und wenig zeitraubend ist, geeignet und bereit sind. Namentlich wird auch auf die Unterstützung Seitens der Sparkasten- Verwaltungen gerechnet. Bei den vor Jahresfrist abge­haltenen Berathungen der zur gutachtlichen Aeußerung über die Verwendung der Kaiser - Wilhelm - Spende berufenen Kommission wurde eS als höchst sachgemäß anerkannt, wenn die Sparkassen in Uebereinstimmung mit ihrer eigensten Aufgabe den verwandten Aufgaben der neuen Anstalt ihre Mitarbeit widmeten. Es wurde deßhalb der Antrag, mit der Kaiser-Wilhelm-Spende auch eine centrale Sparkaste zu verbinden, abgelehnt, um zu vermeiden, daß die neue Anstatt den bestehenden und so wohlthätig wirkenden Sparkassen irgendwie Konkurrenz mache. Die Einleger der Sparkassen behalten die Freihett, jederzeit das Kapital nebst Zinsen zurückzuziehen. Die Kaiser-Wilhelm-Spende dagegen will grundsätzlich durch die Einlage nur ein Recht

Deutsche- Reich.

Berlin, 28. Januar. Es ist schon kurz berichtet »orden, daß die Kaiser-Wilhelm-Spende seit December »origen JahreS ihre Thätigkeit begonnen hat. Da es sich hier nicht um ein Speknlationsunternehmen handelt, bei

1880.

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fttür die Monate Februar und März werden v von allen Postanstalten (auf dem Lande von den Landpostboten) Bestellungen auf die

BberhesNsche Zeitung

mit deren Gratisbeilage

Illustrirtes Sonntagsblatt

angenommen, und bitten wir dieselben baldigst

Mchen zu wollen.

Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.

15.

Dennoch vergingen lange Jahre. Es ist gleichglltig, wie die Zeit überwunden wurde, wenn sie dahinter liegt; glücklich war sie, wenn sie schmerzende Wunden vernarben ließ, glücklicher, wenn sie völlig heilte. Aber sie ist nicht werth, gelebt worden zu sein, wenn sie nur das Aufge­rissene klaffender machte, wenn sie nur verhüllten Himmel zeigte und nichts bot, vermögend die Dinge fester zu machen, sondern sie nur noch loser werden ließ, um sie endlich dem letzten Sturm preiszugeben.

Wer Julius sah, dachte ftellich nicht daran, daß für ihn dir Tage endlich nichts mehr waren, als Tage lang dahingezogener Qual; Tage des unablässigen Streites um Recht und Unrecht, in welchem er sich um so mehr ver­wirrte, je länger er ihn führte. Er sah nicht aus nach solchem inneren Kampfe. Er erschien Jedem so stark und sturmsicher, so fest auf dem Boden seines Reichthums und Ansehens, daß er längst den Neid erweckt hatte.

ES fehlte ihm keine dcr Darbringungen, welche sich dem äußerlichen Glück und dem Erfolg auf Drängen; und nur, daß er nicht, wie sonst die Glücklichen, alles das was ihm kriechend entgegenkam, auch nahm wie schuldigen Tribut, daß er sich zurückhielt und sich fast zu verschließen suchte, befremdete hie und da. Aber seine Genossen kannten ja seinen Charakter von Jugend auf; sie wußten, wie er immer auf sich zurückgezog.n und verschlossen gelebt hatte, und das mußte zunehmen mit dem Aller, obgleich wie man sogleich hinzusetzte, wenn davon gesprochen wurde von Alter bei ihm noch nicht die Reoe sein könne. Ein Mann, der sich dem vierzigsten Jahre nähert, ist noch nicht alt; da mag er erst noch sein Bestes leisten!

jungen nimmt entgegen: He Expedition b.Blatte#, sowie d.Annoncen-Bureaux gen Th. Dietrich & So. in fleffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; ßaafenftein & Bögler in faentfurt a M., Berlin, Leipzig, Söln rc.; Rudolf Söffe in Berlin, Frank­furt a. M tc.

auf Rente oder Kapital versichern lasten, welche nach vol­lendetem 55. Lebensjahre der Versicherten oder nach Be­lieben später fällig werden. Die Ausnahmen, daß bei früher eintretender Arbeitsunfähigkeit auch früher Rente ober Kapital gezahlt wird und daß Einlagen, welche wenig­stens 5 Jahre bestehen, mit 6monatlicher Frist gekündigt werden und dann mit 2 Prccent Zins auf Zins zurück­gezahlt werden, sind nur den nothwendigen Rücksichten auf die veränderte Lage der Versicherten entsprungen und nicht ge­eignet, eine Konkurrenz für die Sparkassen zu begründen. Die Direktion, an welche Mittheilungen zu richten sind, hat ihren Sitz in Berlin W., Mauerstraße 85, I Tr. Noch heben wir einige Beispiele von den Vortheilen her­vor, welche die Kaiser-Wilhelm-Spende bietet. Für eine Einlage von 5 Mark, welche z. B. im 30. Lebensjahre gemacht ist, wird vom 56. Lebensjahr an eine Rente von 1 Mark 31 Pf. jährlich oder ein Kapital von 17 Mark 46 Pf. gezahlt. Wer für sein fünfjähriges Kind eine Ein­lage von 5 Mark macht, sichert demselben vom 56. Jahre ab eine Rente von 4 Mark 5 Pf. für jedes Jahr ober em Kapital von 53 Mark 94 Pf. In diesen Fällen er­lischt allerdings der Anspruch bei früherem Tode des Be- theiliglen. Jedoch kann man auch die Rückzahlung der Einlagen sichern, wofür natürlich die Rente bezw. das auszuzahlende Kapital entsprechend verringert wird.

Thor», 23. Januar. Ein Gutsbesitzer hiesigen Kreise», welcher vor kurzer Zeit auf dem hiesigen König!. LandrachS- anile einen Paß zur Reise nach Rußland löste, sandte den­selben Zwecks Visimng an das russische Generalkonsulat zu Danzig. Wie dieDanz. Ztg." mittheilt, erhiett nun dieser Tage der Gutsbesitzer den Paß jedoch unvisirt zurück, mit dem Eröffnen, daß ihm der Eintritt in daS russische Reich seit dem Jahre 1872 wegenpanslawistischer Umtriebe" verboten sei.

Äid, 26. Januar. Vor wenigen Tagen ist hier in dem hohen Alter von 86 Jahren der Senior unserer Universität, der Konferenzrath Ratjen, gestorben. Der Ge­nannte, bet nicht weniger wie 58 Jahre lang ber hiesigen Universität ununterbrochen angehört, war ein Mann von reichem Misten unb hat sich durch seine zahlreichen Schrif­ten, von denen sich eine Anzahl vorwiegend auf Einzel­heiten aus der Geschichte der Herzogthümer beziehen, einen Namen erworben. Im Jahre 1830 ward Ratjen zum außerordentlichen Professor, 1833 zum ordentlichen Pro­fessor der Philosophie an unserer Hochschule und gleich­zeitig zum Bibliothekar an der Universitätsbibliothek er­nannt, in welcher (Stellung er sich eine große Kenntniß ber Landesgeschichte unb des Lanbesrechts aneignete, weß- halb auch bie 1834 gegrünbete vaterländische Gesellschaft^ für schleswig - Holstein - lanenburgische Geschichte Ratjen zu ihrem Präsidenten erwählte. Ebenso hat ber Verstorbene sich um bie Sammlung und Erhaltung schleswig - holstei-

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blatte» sowie d. Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & So. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermaunffche Buchhanoi, daselbst; Jnvakibendank in Berlin; 88. Thiene» in Merfeld; 6. Schlotte in Bremen.

Tagesbericht.

Der Kaiser empfing gestern Nachmittag 1 Uhr den russischen Botschafter v. Saburoff in feierlicher Antritts- Audienz zur Entgegennahme seiner Kreditive; sodann wurde der Botschafter von der Kaiserin und um Uhr vom Kronprinzen empfangen. Um 4 Uhr empfing ber Kaiser den Fürsten Bismarck. Der Kronprinz konferirte vorgestern zwei Stunben lang mit Fürst Bismarck und trat gestern die Reise nach Italien an.

DerReichs-Anzeiger" publieirt eine kaiserliche Ver­ordnung, durch welche ber Reichstag zum 12. Februar ein- ierufen wird.

Bezüglich des Militärgesetzes ist, wie berAugSb. Allg. Ztg." von Berlin gemetbet wird, die nationalliberale Partei geneigt zuzustimmen, Centrum und Conservative sind noch unenlschlosten, die Fortschrittspartei ist für Ablehnung. Die Frage ber zweijährigen Dienstzeit wirb von liberaler Sei» angeregt unb wahrscheinlich als Bedingung für die Annahme des Gesetzes gestellt werben.

Der Fürstbischof Dr. Förster von Breslau, welcher im Kulturkämpfe durch ben Staat in Preußen seine» Amtes wtsctzt ist, wohnt im österreichischen Theile seiner Diöcese <mf Schloß Johannisberg unb hat in Folge der Ver­fügung des Herrn Cultusministers in Bezug auf bie Er­hellung bes Religionsunterrichts burch Geisttiche einver­trauliches Rundschreiben an bie Geistlichen des preußischen Theils seiner Diöcese erlassen, in welchem er dieselben auf­fordert, auf die Verfügung des Ministers einzugehen.

Erscheint täglich außer an den Wetttagen nach Sonn- und Feiertagen. Pret» für da» Quattal mit der wöchentlichen BeilageJlustrirte» SouutagSblatt" durch die Expedition («och'sche Buchdruckeret) bezogen 3% Wart, durch die Postämter de» Deutschen Reiches 3 Wart SS Pf«, (excl. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zelle 1» Pf,. Für in der Expedition zu erthellende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 35 Pfg. berechnet.