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Marburg, Dienstag, 27. Januar 1880
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Snieigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blattet, sowie d.Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in gefiel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Aeafenftein & Vogler in ttonifurt a. M., Berlin, Zetpziz, Löln rc.; Rudolf Riefte in Berlin, Fraui- fu« a. M. re.
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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattet sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube fc Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Juvalidendant in Berlin; W. ThieneS in Merfeld; C. Schlotte in Bremen.
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«rschnnt täglich außer an den Werktagen nach sonn- und geiertagen. PrerS für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JüuftrtrteS SonutagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdrucker« r) bezogen Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. lexct. Bestellgebühr). — Jnsettionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf,.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
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Die Aeuderuug des Reichsmilitärgesetzes»
Dem Bundesrath ist, wie wir bereits mittheilten, eine Aeuderungsvorlage des Militärgesetzes vom 2. Mai 1874 zuzegangen. In diesem Gesetze wurde festgesetzt, daß die Friedenspräsenzstärke der deutschen Armee 1 Procent der Bevölkerung betragen sollte. Danach wurde die Präsenzstärke für die 7jährige Dauer des Militäretats nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1871 berechnet. Damals betrug die Bevölkerung des deutschen Reiches 41,610,150 Anwohner und die Höhe der Friedenspräsenzstärke betrug also 401,659 Mann. Inzwischen ist aber die Bevölkerungs- zrhl gewachsen, und nach der Zählung von 1875 betrug sie 42,717,160 Einwohner. Hiernach soll nun die Friedens- präsenzstärke nach jenem Procentsatze regulirt und also um etwa 27,000 Mann für den Frieden und 80,000 Mann
Der Selbstrichter.
Charakterskizze von Emil Richter.
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sür den Krieg vermehrt werden.
Eine der wichtigsten und tief einschneidenden Aende- rungen ist die, wonach die Mannschaften der Ersatzreserve erster Klasse fortan vier Jahre hindurch regelmäßig zu militärischen Hebungen einberufen werden können, von denen jedoch die beiden ersten die Dauer von je 8 Wochen und die beiden letzten die Dauer von je 2 Wochen nicht überschreiten dürfen. Die Motive der Vorlage fassen un- derhüllt die Möglichkeit eines Coalitionskeieges von Rußland und Frankreich gegen Deutschland inS Auge und be- zründen deshalb auch die Rothwendigkeit einer Vermehrung der deutschen Armee mit der Vermehrung, welche die russische und französische erfahren haben. Es wurden die heeresstärke unserer Nachbarstaaten bereits von uns mit-
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flkür die Monate Februar und März werden U von allen Postanstalten (auf dem Lande von den Landpostboten) Bestellungen auf die
Merhessische Zeitung
mit deren Gratisbeilage
IllustrirteS Sonntagsblatt angenommen, und bitten wir dieselben baldigst machen zu wollen.
Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.
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zetheilt und steht Deutschland allerdings gegen diese mit ßiner Kriegsmacht zurück. Noch vor Kurzem wurde es bt Abrede gestellt, daß eine derartige Vorlage in der
0 nächsten Session des Reichstages zu erwarten sei und es soll das jetzige Erscheinen der Vorlage selbst bis in hohe militärische Kreise hinauf überraschend gewirkt haben, da errtt van davon keine Ahnung hatte. Man nahm fast allge-
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Bertha trieb ihre Eitelkeit Julius harren zu lassen, damit sie selbst sich an den vielgestalligen Schmeicheleien der fortwährend neu auftauchenden, um ihren Reichthum buhlenden Freier ergötzen könne, während sie von ihm felbst- lvse Treue erwartete. DaS benutzte sein schlauer Bruder, ße zu überlisten. Er wußte ihre Eitelkeit und ihre Leiden- fchaftlichkeit zu stacheln und zu blindem Zorn gegen den dermeintiich untreuen Bruder zu treiben; ihre Eitelkeit ließ fie alle Besinnung verlieren und sie vergab ihre Hand in totem Augenblick, wo sie am heftigsten mit sich selbst im Widerspruche stand. Nachdem es aber einmal geschehen, derbot ihr Hochmuth einen Schritt zurück, sie verbarg sich der Julius — wie sie sich einredete, aus Verachtung über den Untreuen — und verließ sogar eine Weile die Heimath. Mls sie dann aber am Hochzeitstage zum ersten Mal wieder Julius sehen mußte und oft sah, da eprpfand sie, daß sie Wh getäuscht, daß ihre Leidenschaft nur zurückgedrängt geschlummert hatte; gewaltig trat dieselbe jetzt hervor und Itieb sie zu jenem stürmischen Ausbruch, der sich in den Porten, die sie int Flur des Hauses Julius entgegen» schleuderte, entladen mußte.
Seitdem zwang sie sich vergeblich zur Beruhigung, und der zweiten Begegnung mit Julius hielt sie sich nicht ?>ehr zurück; sie suchte nur, wie dieser, heimlich zu ver- dttgen, was sie fühlte und that; die Scheu vor der Welt totb vor den Verhältnissen, zu denen die Dinge geformt totoen, ist die mächtigste Schranke; aber tief in den Win- Ä spottet man dessen, dem man öffentlich in, Demuth Btiügt. Für Bertha war nun Albert e enso wie für Julius rot falscher Feind, dessen Herrschaft sie sich unterworfen ^te, den sie aber nur mit tiefstem inneren Groll ein
mein an, daß der Reichstag erst im Frühjahr 1881 mit der Sache beschäftigt werden würde, weil ja der 7jährige Militäretat eigentlich mit dem 31. Dezember 1881 zu Ende geht. Durch diese Vorlage aber wird derselbe um 9 Monate abgekürzt, denn diese neue Vorlage soll bereits am 1. April 1881 in Kraft treten. Diese Thatsachen werden natürlich nicht gerade als besondere Friedenszeichen angesehen. Während die fortschrittlichen Blätter schon in sehr gereizter, oppositioneller Weise über die neue Vorlage sprachen, schrieb die „Nat.-Ztg.", man dürfe nicht wie diese Blätter in einer Weise über diese Vorlage sprechen, als sei die Heercseinrichtung etwa ein Prozeß, den die Bevölkerung gegen die Regierung führe und als handle es sich um ein Privatinteresse des Fürsten Bismarck. — Das ist auch unsere Ansicht. So lange die Dinge in Europa liegen, wie sie liegen, wird Deutschland seine Wehrkraft auf einer den anderen Mächten wenigstens ebenbürtigen Höhe erhalten müssen, und zwar um so mehr, als wir die Feinde nicht blos auf der einen Seite sondern ringsum haben. Andererseits aber steht es auch fest, daß dieser Lage der Dinge auf die eine ober andere Weise ein Ende gemacht werden muß Denn die Militärlasten haben eine Höhe erreicht, welche die Kräfte der Völker doch bald übersteigt, und die Diplomatie sollte ihre Kunst darauf verwenden, eine gemeinsame Abrüstung der Großmächte zu bewirken, etwa in der Weise, daß durch völkerrechtliche Verträge ein bestimmter Prozentsatz der Bevölkerung festgesetzt würde, nach welcher die Höhe der Friedensstärke be- bemessen werden müsse, wie wir in Deutschland bereits einen solchen Procentsatz (1 Prozent) festgesetzt haben, der aber für alle Mächte auf die Hälfte rebucirt werben könnte.
Deutsches Reich.
Berlin, 24. Januar. Der Kaiser überreichte dem Prinzen August von Württemberg anläßlich seines 50- jährigen Dienstjubiläums in Gegenwart der Prinzen einen Ehrendegen. Vormittags empfing der Prinz verschiedene Deputationen, darunter auch eine Dcpulation des russischen Bug'schen Ulanenregiments zur Entgegennahme ihrer Glückwünsche. — Die Eisenbahnkommission des Abgeordnetenhauses trat heute Vormittag 10 Uhr zu einer Sitzung zusammen. General-Referent Abg. Dr. Grimm, der zugleich Specialreferent für den Vertrag mit der Berlin-Potsdam- Magdeburger Bahn ist, gab einige Aufschlüsse über das Unternehmen selbst und dessen Zusammenhang mit den Brauns-weigischen Bahnen und empfiehlt den Ankauf des Unternehmens, da in Gewährung eines Kaufpreises von insgesammt 129,337,000 M. eine Gefahr für den Staat nicht vorhanden und die Rente sicher gestellt fei. Zudem jedes Recht über sich nehmen ließ; und sie ertrug dies nur in dem einen Gedanken, in dem ärgsten Gedanken, den eine Frau denken mag. Immer war es ihr wie aussteigender Spott, wenn sie ihren Mann erblickte, wie Hohn, der selbst ihren verachtungsvollen Groll und Haß ins Innere drängte. AuS diesem Zustand, der sie oft zum Fiebern trieb und der ihr Sinnen mehr als einmal schon auf das Schlimmste geführt hatte, fühlte sie nun plötzlich Lösung. Und so schreckhaft diese Lösung ihr im ersten Augenblick entgegengetreten war, sie brachte ihr Befreiung von einer harten Last. Jetzt war sie wieder ledig und hinaus über Das, was, wenn es der JlßeÜ in den Mund gekommen wäre, wie unauslöschliche Schande auf sie zurückgeschlagen wäre.
12.
Auch in kleinen Verhältniffen zieht das Leben rasche Kreise; auch hier bringt jeder Tag Neues, vor dem das Geschehene erblaßt. Und wenn ein Ereigniß von besonderer Gewaltigkeit, bas weithin besonbers tief gewirkt hat, ber Stimmung auf längere Zeit hinaus bie Färbung gibt — endlich bestätigt sich doch auch hier das Wort, daß nur der Lebende recht hat! Jede Stunde der kommenden Zeit rückt den Tobten weiter hinaus aus dem rastlosen Getreide und jeder Tag löst mehr die Verknüpfung zwischen ihm und ben Dingen, die er im Leben besessen hat. Mag dann auch ein Tag, an dem etwas besonders Großes ans jenem Besitz in aller Form den Namen wechselt, noch einmal den Verstorbenen in voller Lebendigkeit und als wäre er persönlich da, eintreten lassen in die allgemeine Erinnerung — es geschieht nur, um desto vollständiger mit ihm abzuschließen. Doch wenn auch der Besitz mit dem Tod auf« gehört hat, das Recht des Tobten lebt noch fort in den Gedanken der Ueberlebenden und diese Gedanken sind bei dieser Bevölkerung, deren Beziehungen und Verhältnisse so
handle cs sich um ein altes solides Unternehmen, dessen Oberbau durchweg zweigleisig in ordnungsmäßigem Zustande befindlich und dessen Betriebsmaterial vollständig ausreichend sei. Ebenso seien die Baulichkeiten in der besten Verfassung Nach einer längeren Gencraldiskusston, in der übrigens Niemand gegen den Erwerb des Unternehmens selber sprach — selbst der Abg. Röckerath erklärte sich für Genehmigung, wurde der §. 1 mit allen gegen 2 Stimmen angenommen. Desgleichen die übrigen Paragraphen des Vertrages. Zur Sprache kam dabei noch, daß die Dirctions- mitglieber ber Bahn bis Ablauf ihrer Verträge ihren Gehalt fortbeziehen unb bann in ein Pensionsverhältniß treten. Die Abstimmung über ben ganzen Vertrag würbe ausgesetzt. Dagegen nahm bie Commission bie auf ben Ankauf ber Potsdam-Magbeburger-Bahn bezüglichen Stellen in dem Gesetz selbst an. lieber den Vertrag mit der Rheinischen Eisenbahn referirte empfehlend der Abg. v. Oechtritz- Sternkirch. Aus der Mitte der Commission wurden Bedenken gegen die Höhe des Kaufpreises geltend gemacht. Selbst der Regierungs-Commissar konnte nur sagen, daß es dem Staate wohl gelingen werde, die den Aclaniren bewilligte Rente heraus zu wirthschaften. Der Erwerb der Rheinischen Eisenbahn sei jedoch bei dem einmal angenommenen Staatsbahnsystem unvermeidlich gewesen. Noth- wendig war es auch gerade jetzt die Bahn zu erwerben, weil, im Falle man die von der Gesellschaft concedirten Bedingungen nicht angenommen hätte, zwischen der Köln- Mindener-Bergisch-Märkischen Bahn einerseits, welche im Staatsbesitze resp. in Staatsverwaltung sind und der Rheinischen Eisenbahn andererseits ein starker .Conkurrenzkampf sich entsponiien hätte, dessen Ausgang der Rheinischen Bahn voraussichtlich günstig gewesen wäre, da diese über sehr erhebliche Capitalmittel verfügt und deshalb in der Lage ist, auch dann noch Dividenden zu Vertheilen, wenn sie mit Zuschuß arbeitet. Auf bie Bemerkung eines Commissionsmitgliedes, baß die Emission jener Aktien, welche in vergangenen Jahre verausgabt würben, erfolgt sei, johne baß ein entsprechendes Capitalbebürfniß vorhanben war, erwiderte der Regierungscommissar, daß hiergegen nichts zu machen gewesen wäre. Der §. 1 des Vertrags der Rheinischen Bahn wurde mit allen gegen 4 Stimmen angenommen; doch erkannten auch diejenigen welche gegen den Ankauf stimmten an, daß der Erwerb der Rheinischen Eisenbahn nothwendig fei, nachdem das Staatsbahnsystem einmal von der Landesvertretung acceplirt worden. Heute Abend wird die Commission ihre Beralhnng vollständig zu Ende führen. — Die zweite Strafkammer des Landgerichts erkannte in dem Prozesse gegen Dohm, Redakteur, und Scholz, Zeichner des „Kladderadatsch", wegen Beleidigung des Fürsten Bismarck durch zwei veröffentliche Bilder in
stetig und im Wechsel so langsam sind, nicht beweglich gr nug, um ohne strengen Prozeß sich in den Wechsel der Dinge schicken zu können. Und so sicher der Ausgang des Gedankenkampfes auch ist, er muß gekämpft werden, wenn ein neues Recht im Bewußtsein an die Stelle des alten treten und ebenso fest sich gestalten soll.
Als nach Jahr und Tag kein Zweifel blieb, daß Julius der Erbe aller Rechte des tobten Bruders fein werbe, und an dem Tage, wo Julius diesmal nicht in das Haus ter Braut hinüberzog, wo er sie in fein Haus herüberführte, erwachte nochmals zu einer raschen Lebendigkeit ber Tobte, um zu forbern, daß man das Recht dessen, ber sich nun völlig an seine Stelle gesetzt, unb das feinige nebeneinander bringe unb gegeneinander abwäge. Aber so heftig unb allgemein auch die Debatte war, die Frage schien bald ent- schieden. Was war auch natürlicher, als daß ein so großes Eigeuthum, zu dessen Bereinigung der erste Schritt geschehen war, nun vollständig und für die Dauer zusammengebracht werde? Vor diesem einen Gedanken zogen sich alle anderen scheu zurück; das Recht, welches er zum Ausdruck brachte, war das Recht aller Rechte; es bildete sich ein größeres Eigeuthum, ein mächtiger Reichthum aus dem erlöschenden Rechte und aus dem noch lebendigen. Wer mag dagegen aufkommen? Wer wollte sich vermessen, zu behaupten, daß der Mensch und sein menschliches Recht über dem der Dinge stünde? wer sich erkecken, zu beanspruchen, daß das Eigenthum dem menschlichen Sein nachstchen müsse und nicht umgekehrt? Da, wo das Bewußtsein in diesen Tagen sich mit einem alten unb einem neuen Recht abzufinben hatte, gewiß Keiner — Keiner bachte auch nur daran! Unb wenn sich eine schrille Stimme dazwischen erhob, eine Stimme, daß der Tobte hier doch noch ein Recht habe—: daS Recht gerächt zu werden, da erschrak man wohl, aber an wem sollte man ihn rächen? (Forts, folgt)