toeroen wir versöhnlich sein, weil wir nicht ausschließen, sondern zusrmmenführen wollen, weil wir nur eine Republik gründen wollen, in welche alle gute Franzosen all» mählig eintreten können. Sie, meine Herren, werden unS bei dieser edlen Aufgabe unterstützen, Sie werden Gewicht darauf legen, das Werk der Gesetzgebung in dieser Weise zu vervollständigen, so daß — nachdem Sie ans Ziel gelangt sind, nachdem Sie einerseits die eben aufgezählten Fragen gelöst, andererseits Beruhigung in die Gemüther gebracht haben — Sie das Recht haben, von sich zu sagen und sagen zu lassen, daß die Zeit gut angewendet war und daß Sie sich wohlverdient um das Land gemacht haben."
Diese Erklärung kündigt in möglichst glatter Form eine vollständige innere Umwälzäng der Verhältnisie in Frankreich an: der öffentliche Unterricht, insbesondere der Volksschulunterricht, die Magistrate, die Verwaltung, vas Versammlungswesen, die Preßgesetzgebung, das Zollwesen, die Militärgesetzgebung sollen ganz oder theilweise geändert werden. Das Ministerium kündigt zwar an, daß es die Klugheit und Gemäßigtheit des vorigen Ministeriums beibehalten werde, gleichzeitig aber erklärt es, daß es „von jetzt ab mit Entschiedenheit vorwärts schreiten werde." In demselben Augenblick, wo dieses Ministerium alle nicht ganz in seinem Sinne correkt republikanisch gesinnten Beamten absetzt, sagt es in dieser Erklärung, „es wolle versöhnlich sein, weil es nicht ausschließen, sondern zusammenführen wolle." Während man meint, die französische Republik sei bereits gegründet, erklärt dieses Ministerium, eS „wolle eine Republik gründen, in welche alle guten Franzosen alluiählich (!) cintreteu können."
Meldungen der „Polit. Corresp." AuS Konstantinopel den 16. d. Montenegro zeigte den Mächten durch ein Memorandum an, daß es als Pfand für die beanspruchten 2 Millionen Gulden Entschädigung für die verzögerte Räumung von Gussinje und Plawa mohamedanisches Eigen- thum auf dem abgetretenen Gebiete unter Sequester stellt. — Aus Risch. Marie, der serbische Delegirte für die Verhandlungen über den österreichisch-serbischen Eisenbahnanschluß, ist nach Wien abgereist.
Devtsches Reich.
Berlin, 17. Januar. Heute Mittag fand im Königl. Schlosse die feierliche Investitur von 7 Rittern dcö Ordens vom Schwarzen Adler statt. Es sind: der Prinz Heinrich von Hessen und bei Rhein, (Commandeur der großherzogl. hessischen 25. Division) der Erbprinz von Hohenzoüern, der Herzog Paul von Mecklenburg-Schwerin, der Oberburghauptmann von Hohenzollern Graf Stillfried Alcantara, der commandirende General des 1. und 2. Armeecorps Frhr. v. Barnekow und Hann v. Weyhern und der Kriegsminister General v. Kamele. Rach dem Gelöbniß aus das Statutenbuch des Ordens wurden die Aufzunehmenden mit dem Ordensmantel bekleidet. Sodann legte ihnen der Kaiser eigenhändig die goldene Ordenskette an und vollzog den Ritterschlag. Rach Beendigung dieser Ceremonien im Rittersaale hielt der Kaiser in der zum Capitelsaale eingerichteten alten Kapelle des Schlosses ein OrdenScapitel ab. — Auch der Kaiserliche Botschafter in Paris, Fürst von Hohenlohe, war zu der Feierlichkeit hier üngetroffen. — Wie die „Volks-Ztg." erfährt, ist der Termin für die Einberufung des Reichstags auf den 12. Februar festgesetzt worden. Ein Zusammentagen des Reichs- und Landtags für eine Woche oder länger wird sich kaum vermeiden lassen, da das Durchberathen der allernothwendigsten Sachen, wie des Etats und der Eisenbahnvorlagen, die Zeit mindestens bis zum 20. Februar in Anspruch nehmen wird.
das Brachfeld hinweg auf Julius herzu geschritten. Run sah ihm auch dieser entgegen; er strengte sich an, ihn zu erkennen, aber lange vergeblich; vas Mondlicht täuschte mehr als eS beleuchtete. Erst als jener schon sehr nahe gekommen, und ganz plötzlich erkannte er ihn. JuliuL erschrack, aber eS war ein Erschrecken vor sich selbst . . Wie kam Albert, den er daheim gemeint, hierher und plötzlich mitten herein in sein stürzendes Gedankenm<:er, das ihn jeden Augenblick in rasender Fluthung dahinreißen konnte? Sollte er sich wenden und fliehen, um sich erst wieder zu sammeln, kalt zu werden, bevor er ihm begegnete? — Es war zu spät, schon hatte ihn Albert auch erkannt:
Bist Du es Julius? — ich meinte, ich hätte einen Freischütz vor mir; deßhalb kam ich herab. Aber ist das ein Ort für den Anstand?
Julius antwortete nicht sogleich. Er fühlte sich überstürzt. Jetzt stehst Du dem Verräther allein gegenüber, jetzt rechne mit ihm, jetzt unter freiem Himmel und unter dem Hochgericht der Sterne! Und so klang es denn auch aus seinem Munde wie erstarrter Hohn, als er endlich zurückfragte:
Meinst Du nicht, ich sei wirklich ein Freischütz?
Zu was ein Freischütz, wenn Dir das ganze Feld geöffnet ist?
Wie hätte ihn Albert auch verstehen können? — und er verstand ihn auch noch nicht, als Julius endlich mit unverhaltenem Hohn erwiderte:
Du hast Recht, es ist mir offen, Tag und Nacht — eS konnte mir'S die Falschheit nicht verschließen.
DaS ist ein sonderbares Reden, ich weih nicht, was Du meinst.
(Fortsetzung folgt.)
In Bezug auf die Vorlagen fü > chstag wird Folgendes gemeldet: Von den <s '■ -r: rgen die für den Reichstag bestimmt sind, ist .q tern° dem Bundesrath zugegangen. WaS das Pension ,.tz für ie Hinterbliebenen der Reichsbeamten betrifft, so ff hierüber noch andauernd commissarische Berathungen st»... Dag gen scheint cs feststehend zu sein, daß dem Reichstage eine Vorlage betreffend die Verlängerung des mit dem 31. März 1881 ablaufenden Sozialistengesetzes zugehen wird. Seitens der Reichsregierung wird hierüber eine ausführliche Motivirung, welche die Nothwendigkeit dieser Maßregel rechtfertigt, ausgearbeitet. Der Gesetzentwurf betreffend das Pfandrecht der Eisenbahn- Obligattonäre an den Bahnen, welcher in der vorigen Session dem Reichstage zugegangen, aber daselbst nicht zur Berathung gelaugt ist, ist in der erneuten Bearbeitung im Reichsjustizamt, wie man hört, unverändert gelassen worden, mit Ausnahme der Bestimmung des § 26, wonach eine Zwangsvollstreckung in das auf inländische Bahnen übergehende rollende Betriebsmaterial ausländischer Bahnen, so weit die Gegenseitigkeit verbürgt ist, nicht stattfindet. Diese Bestimmung ist in den revidirten Entwurf, der dem Bundesrath nunmehr zugegangen ist, nicht mit ausgenommen worden, west auch die entsprechende Bestimmung des früheren deutsch-österreichischen Handelsvertrages in dem neuen Handelsverträge zwischen Deutschland und Oesterreich nicht übergegangen ist und somit thatsächlich keine Abmachungen zwischen dem Deutschen Reiche und anderen Staaten wegen gegenseitiger Ausschließung der Beschlagnahme bestehen.
Karlsruhe, 17. Januar. Der Minister des Innern legte der zweiten Kammer einen Entwurf betr. die Abänderung des Examengesetzes mit der Erklärung vor, daß beide Kirchenregirrungen mit demselben einverstanden seien. Der Entwurf entspreche den im Haute gegebenen Erklärungen und hoffe die Regierung auf dessen Annahme.
München, 17. Januar. Die Abgeordnetenkammer hat nach längerer Debatte das Eisenbahngesetz mit 88 gegen 38 stimmen, sowie bas Gesetz betreffend die pfälzischen Bahnen (beide Gesetze in der vom Reichsrath vorgeschlagenen Fassung) mit 82 gegen 31 Stimmen angenommen — Der König hat dem Comite für Errichtung eines Grabdenkmals zu Ehren des Oberconststorialpräsidenten Dr. Adolph von Harleß die erbetene Bewilligung zur Vornahme einer Sammlung im ganzen Königreiche durch Erlassung eines Aufrufes in öffentlichen Blättern ertheilt. — Nachdem von dem Abg. Freytag, als SchuldentilgungS- commissär, der Kammer der Abgeordneten erstatteten Bericht über dessen Geschäftsführung war der Stand der allgemeinen Staatsschuld am Schluffe des Monats Decbr. 1879: 210,509,246 M., gegen den rechnungsmäßigen Stand am Schluffe des Ja res 1878 eine Mehrung von 26,318,449 M. Der Stand der Eisenbahnschuld am Schluffe des Monats December 1879: 940,316,706 M., gegen den Schluß des Jahres 1878 eine Mehrung von 36,312,935 M. und der Stand der Grundrentenschuld am Schluffe des Jahres 1879: 169,644,335 M, eine Minderung gegen das vorhergehende Jahr um 1,807,291 M. — Die Staatsregierung hat zum Sttaßen-, Brücken- und Wasserbauetat für die 15. Finanzperiode ein Nachtragspostulat von 70,000 M. im Landtage eingebracht für Herstellung der durch die jüngsten Elementar-Ereignisse zerstörten Brücken. — Die Zahl der um Aufhebung des siebenten Schuljahres eingelaufenen Petitionen beträgt 124.
Ausland.
Wie», 17. Januar. Nach Meldungen verschiedener Blätter hat die Regierung dem Verwaltungsrathe der Mährischen Grenzbahn notifizirt, sie sei nicht in der Lage, für den StaalsauSschuß zur Verzinsung der Prioritäten bei dem Reichsrathe einzutreten. — Budgetausschuß der un-- garischen Delegation. Regierungsvertreter Kalley erklärt: Es wäre nicht zweckmäßig, die durchgängige Aufhebung der in Bosnien und Herzegowina bestehenden Konsulate, deren Jurisdiktion dann auf die Behörden überginge, kategorisch zu beschließen, da deren Aufhebung auch von anderen im Zuge befindlichen Verhandlungen abhäiige. Der Minister des Auswärtigen sei übrigens entschloffen, diese Konsulate baldmöglichst auszuheben. — Sitzung der ungarischen Delegation. Referent Falk leitet die Debatte über das Budget des Ministeriums des Auswärtigen mit einer Rede ein, worin er namentlich auf die beruhigenden Erklärungen des Ministers des Auswärtigen hinweist, die Festigung deS werthvollen Bundes mit Deutschland betont und die Erwartung ausspricht, daß ein gerechter Ausgleich der volks- wirthschaftlichen Interessen mit Deutschland stattfinden werde. — Szilagyi führt darauf aus, daß das Bündniß mit Deutschland seinen Werth durch Erfolge und Thaten zu beweisen habe. Die allgemeine Beruhigung, wie sie vom Berliner Vertrag erhofft wurde, sei bis jetzt noch nicht eingetreten. Wettere Opfer seien zu vermeiden. Die Machtstellung Oesterreich-Ungams im Orient habe sich nicht gestärkt. Seine (Redners) Partei werde eine abwartende Haltung beobachten. — Andrassy betont dem Vorredner gegenüber, daß die Opposition seiner Zett unermeßliche Ver- wicklungm prophezeite. Er (Andrassy) und Haymerle hätten sich in ihren Erwartungen nicht getäuscht. Die Monarchie wurde im Orient auf die ihren gerechten Ansprüchen entsprechende Stufe gehoben. Aufgabe der Zukunft ist, die errungenen Vortheile zu verwerthen Andrassy rechtfertigt sodann sein Verhalten gegenüber Serbien und erklärt, unter den damaligen Verhältnissen alles Mögliche gethau zu haben. — Seklionsches Kallay betont daß die
aus dem Bündniß mit Deutschland resnlttrende Erhaliunz des Friedens für beide Tbeile viel wichtiger sei, als manche andere positive Thatsache. Das Frcundschaftsverhättmß könnte nicht von gewissen Resultaten abhängig gemacht werden, sondern diese würden als Folge des intimen Verhältnisses erreicht werden; hierauf beruhe auch die Hoffnung auf Beseui gung der volkSwirthschaftlichen Schwierigkeiten. — Die Dele- gntioa genehmigt schließlich die Budgets der Ministerien des Auswärtigen und der Finanzen.
Pest, 17. Januar. Gestern Abend fanden in den Straßen keine Ansammlungen mehr statt. Die Hauptstadt trug ihre gewohnte Pbysiognomie.
Paris, 17. Januar. Dem Vernehmen nach ist der Staatsrath und Direktor der politischen Angelegenheiten im Ministerium des Aeußeren, DeSprez, zum Botschafter beim Vatikan ernannt worden. Wie es heißt, würde Herbctte Generalsekretär im Ministerium des Auswärtigen werden und zugleich einen Theil der Funktionen Desprez erhalten. — Die Journale der Linken und der Union Republikaine äußern sich mit rückhaltsloser Befriedigung über die ministeriellen Erklärungen. Die Organe des linken Centrums und der äußersten Linken sind ungehalten, daß die Erklärung nichts über die Amnestiesrage enthalte und zu sehr den Erklärungen des vorigen Kabinets gleiche. — In der Kammer der De- puürten beantwortete der Finanzminister Magnin auf eine Interpellation des Deputirten Lengle (Banap.) über die Konversion der 5pCt. Anleihe: Er wiederhole die Erklärung, welche die Regierung im Jahre 1879 über diesen Gegenstand abgegeben habe; die Regierung könne am besten Nützlichkeit und Gelegenheit der Konversion beurtheilen. Ich betrachte es als meine Pflicht, die Interpellation nicht zu beantworten. Diese Interpellation habe keine anderen Resultate, als den Markt und das Publikum zu erregen; ich beantrage für diese Interpellation dieselbe Erledigung, wie die frühere Interpellation über denselben Gegenstand in der Kammer gesunden hat". Abg. Häntjens (Bonap.) erwidert, er werde diese Interpellation alle sechs Monate wiederholen, bis er eine befriedigende Antwort erhalte. Die Kammer nahm mit 310 gegen 128 Stimmen einfache Tagesordnung an.
Stockholm, 17. Januar. Der Reichstag wurde heute durch den König eröffnet. Die Thronrede kündigt eine Vorlage an, wonach in Uebereinstimmung mit den früher vom Reichstag ausgesprochenen Ansichten in Folge der im Vorjahre stattgefundenen Ernennung eines Steuerkomites alle Projekte einer durchgreifenden Reform des Steuerwesens bis auf Weiteres aufgeschoben werden sollen. In ihrem übrigen Inhalt hebt die Thronrede hervor, daß das Budget mit 74710000 Kronen in den Einnahmen und Ausgaben balancire, worin das Deficit des Jahres 1879 von 1550000 Kronen mit eingeschlossen sei.
Rrwyork, 16. Januar. Der fusionistische Senat von Maine wählte Joseph Smith zum Gouverneur gemäß dem Gesetze, wonach der Senat den Gouverneur wählt, wenn die Volksabstimmung resultatlos ist. Smith war bei der letzten Wahl Candidat der Greenbacks Partei. — Die fusionistische Legislatur des Staates Dcaine hatte am 16. d. die Organisation der Staatsverwaltung beendigt, als bekannt wurde, der Obergerichtshof werde über die demselben am 13. d. von der republikanischen Legislatur unterbreiteten Fragen am 17. d. ein den Fusionisten ungünstiges Urtheil abgeben. Der Gouverneur Smich als Oberbefehlshaber der Staatstruppen erließ darauf einen Befehl welcher die von Garcelon vorgenommene Ernennung Chamberlains als Befehlshaber der Truppen annullirt und einen Unterbefehlshaber anweist, ihm direkt Bericht zu erstatten. Chamberlain, welchem der Befehl übermittelt wurde, versprach dm 17. d. zu antworten. Beiderseits ist keine Neigung zur Nachgiebigkeit vorhanden. Voraussichtlich halten beide Legislaturen heute Sitzungen und wird alsdann eine endgültige Lösung erwartet.
Heffe»-Aaß«l.
Marburg, 19. Jan. Die Feier des KrönungS- und Ordensfestes wurde gestern in Berlin begangen. In dem Regierungsbezirk Kassel sind nachfolgende Verleihungen gekommen. Es haben erhalten: Den Rothen Adler-Orden dritter Klasse mit der Schleife und Schwertern am Ringe: von Erckert, Oberst und Commandeur des 2. Hessischen Infanterie-Regiments Nr. 82. Den Rothen Adler-Orden 3r Klasse mit der Schleife: Lang, Landgerichts-Präsikertt in Hanau. Dr. Rumpel, Provinzial-Schulrath zu Kassel. Den Rothen Adler-Orden vierter Klasse: Dr. Bährwindt, Ober-Stabsarzt L Klasse und Garnisonarzt in Frankfurt a. M., beauftragt mit Wahrnehmung der divisionsärztlichen Funktionen bei der 21. Division. Lechthold, Oberförster zu Neuhof. Carl, Konsistorial-Ralh a. D. und Pfarrer zu Preungesheim. Dahlmann, Landgerichts-Dieceklor in Marburg. Fondy, AmtsgerichtS-Rach in Fulda. Freiherr von der Goltz, Rittmeister im Rheinischen Dragoner-Regiment Nr. 5, kommandirt als Adjutant beim General-Kom- mando des XI. Armee-Corps. Gunkel, Sekretär bei der Ober-Staatsanwaltschaft in Caffel. von Kahlden, Major z. D- und Bezirks-Commandeur des 2. Bataillons (Fritzlar) 1. Hessischen Landwehr-Regiments Nr. 81. Kersting, O:er- Postkommissarius in Kassel. Kochendörffer, Regierungs- Rath in Kassel. Löwer, Rechnungs-Rath und Steuer- Empfänger in Kassel. Rohde, Landrath zu Kirchhain. Schröder, Steuer-Einnehmer in Rotenburgs Dr. Stcg- ntann, ordentlicher Professor an der Universität zu Marburg. Wagner, Postkassirer und Postinspektor zu Kassel. Wulsten, Regierungs-Rath bei der General-Kommission zu Kassel.