Är. 8.
Marburg, Sonnabend, 10. Januar 1880
XV. Mrgoip
Anreigen nimmt rmgegen: die Expedition d.Blatte», sowie d.Annoncrn-Bureaux von LH, Dietrich & Co. in Ikaffel und Hannover; LH. Dietrich in Frankfutt a.M.; tzaasenstein & Vogler in
Frankfutt «. M., Berlin. Leipzig, Köln re.; Rudolf Rosse in Berlin, Frank» fvrt a. M- it
WecheWk Jdtinig.
Anzeigen nimmt entgegen die Expeditton d. Blatte» sowie d-Annoncen-Bureanx von ®. L- Daube & Co. in Frankfutt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendauk in Berlin; W. Lhiene» in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
außer an den Werktag«, nach Sonn- und Feiettagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlnftrirteS SonatagSblatt" durch die Expedition («och'sche Buchdruckerei) bezogen 2fc Wart, burd; die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — Jnsettionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adresien werden 25 Pfg. berechnet.
ür das 1. Quartal 1880 werden von allen Postanstalten (auf dem Lande von den Landpostboten) Beftellsrrgea auf die
Bberhessische Zeitung
mit deren Gratisbeilage
Jllu striktes Sonntagsblatt angenommen, und bitten wir dieselben baldigst machen zu wollen.
Die Sxped. d. Oberh. Zeitung.
Tagesbericht.
lieber Die NothstandS-Conferenz in Oppeln, welche unter dem Präsidium des Minister des Innern im Beisein deS Finanzministers und der übrigen schon genannten Herren adgehalten wurde, theUte man dem „Oberschi. Anzeiger" von dort von durchaus verläßlicher Seite Folgendes mit: Die wichtige Conferenz, welche am Sonnabend von 10 Vi Uhr Morgens bis 4’ 2 Uhr Nachmittags währte, trug hauptsächlich einen informatorischen Charakter. Die Minister wollten sich behufs einer Vorlage an das Abgeordnetenhaus von dem Nothstande der oberschlestscheu Kreise ein Bild nach drei Richtungen hin verschaffen, und zwar, welche Summen erforderlich seien: 1) sür die Existenzerhaltung der Menschen; 2) für die Durchwinterung de« Viehes in den vom Nothstande betroffenen Ortschaften; 3) für die Beschaffung von Saatgut und zwar von Kartoffeln. Zur Feststellung dieser Punkte ging der Minister de» Innern mit jedem der anwesenden Landräthe oie Bedürfnisse des Kreises durch. Die Schlußsumme der Bedürfnisse für die Nothleidenden der oberschlesstschen Kreise beziffert sich auf 6 Millionen Mark. In dieser Höhe dürfte dem Landtage die qu. Vorlage gemacht werden. Von besonderem Werthe ist Die Sicherung des Saatgutes; die Forderungen der Landräthe darin wurden ohne jeden Abstrich gutgeheißen. ES kam sodann die Frage der Beschäftigung der arbeitsfähigen Leute bei Anlagen von Vicinalwegen zur Erörterung; ferner fragte der Minister, ob Nebenbeschäftigungen wie die Korbflechtereien, Strohflechtereien einzuführen seien. Dagegen wurde mit Recht geltend gemacht, daß zu einer derartigen Massenproduktion jeder Absatz fehle. Demnächst beschäftigte man sich mit der Erörterung der Frage: „Worin hauptsächlich die Mittel zu finden wären, um in Zukunft derartigen Zuständen, unter denen Oberschlesien zur Zeit leidet, vorzubeugen? Dabei wurde hervorgehoben, daß eine wesentliche Aeuderung in dem ganzen Separationsverfahren eintreten müsse, sowohl waö Die bisherige lange Dauer deffelben,
Indira.
Sein Klima und feine Produkte.
Von Franz Schlagintwnt.*)
Die englischen Besitzungen in Indien, auf Grund der Parlaments-Akte vom 27. April 1876 zum Kaiserreich erhoben, umfassen ganz Vorder-Jndien und die Westküste Hinter-JndienS: Das Kaiserreich hat ein Areal von 38/io Millionen Quadratkilometern und ist sieben Mal so groß als das Deutsche Reich; hiervon sind l>/r Millionen Quadratkilometer indischen Fürsten zur Selbstregierung unter englischer Aussicht belassen, der große Rest ist unmittelbares englisches Gebiet. Die Gesammtbevölkerung beträgt 240 Millionen Menschen, darunter 50 Millionen als Unlerthanen indischer Fürsten.
Indien gilt mit Recht als die kostbarste Perle in der englischen Krone. Von 250 Millionen außereuropäischen Unlerthanen Englands in den fünf Erdtheilen entfallen 240 Millionen auf Indien; Maaren im Werthe von mehr als einer Milliarde Mark werden jährlich durch englische Handelshäuser aus Indien bezogen oder dahin geworfen, vierzig Procent des gesammten Umsatzes Englands mit seinen auswärtigen Besitzungen verwerthet der Handel mit Indien.
Im indischen Kaiserreiche ist nahezu jede Naturbildung vertreten, jedes Landschaftsbild zu finben; • c« gicbt kaum ein andere» Land so großartig in den Verhältnissen, so reich an Gegensätzen. Aus den Ganges- und Jndns-
*) Abdruck mit Gestattung des Herrn Verlegers aus dem interessanten Werke: Indien in Wort und Bild von Emil td; agintweit. Mit 400 schöne: Bindern. In 35 Heften t 1 Vi Mark.
wie seine große Kostbarkeit anbelange. Es wurde besonders betont, daß die dadurch entstehenden Kosten für die Gemeinden unerschwinglich seien und dieserhalb denselben eine Beihilfe seitens des Staates gewährt werden müsse. Um die ungeheuer ungünstige und unwirthschaftliche Lage der Kreise zu verbeffern, wird die Wirthschastlichmachung der Fluren, namentlich in den Kreisen Pleß und Rybnik, durch Drainage auf Kosten des Staates empfohlen. Ober- Präsident v. Sydewitz hob dabei hervor, daß beispielsweise das Dominium Rybnik, dessen Fluren drainirt seien, gerade daö Doppelte des Ertrages liefere, als die unbrainirten Nachbarfelber. Zur Sprache kam auch die ungünstige finanzielle Lage der Gemeinden durch die Ausführung von Schulbauten, zu denen sie gedrängt worden seien und die nun theilwcffe leer ständen, weil die erforderlichen Lehrer fehlen. Zuschüsse zu diesen Bauten wurden den Gemeinden erst gewährt, wenn diese bis zum letzten Tropfen ausgeschöpft waren. Diese Auseinandersetzungen in der Conferenz, denen der Minister des Innern ein sehr williges Ohr lieh, berechtigen zu der Aussicht, daß in Zukunft den Gemeinden auch Zuschüsse zur Lehrerbesoldung und zu Schulbauten gewährt werden dürften.
Die „Nat.-Ztg." schließt einen Artikel unter der Ueber- schrift „Der Staat und das Versicherungswesen", mit folgenden Worten: „Der Gedanke an eine Verstaatlichung des Lebensversicherungsgeschäfts scheint uns so abenteuerlich, daß wir nicht wissen, wie demselben von irgend einer Seite näher getreten werben kann. Das treibenbe Motiv, welches diesem Gedanken zu Grunde liegt, ist freilich vollkommen klar und verdient alle Billigung. Dieses Motiv besteht darin, daß man wünscht, eine größere Zahl als bisher dazu anzuhalten, für ihre Zukunft und für diejenige ihrer Familie ausreichendere Vorsorge zu treffen. Diese Absicht wirb man aber nur erreichen, wenn man dafür sorgt, baß die LebensverstcherungSgesellschafteu -grdechen arnd unter dem Schutze der Gesetze ihrer verdienstlichen Ausgabe genügen können. Die Richtung, in welcher der Staat auf verwandte Zweige des Versicherungswesens fördernd einwirken kann, ist durch unsere Gesetzgebung über KnappschaftS- cassen und andere auf Caffenzwang beruhende HllfScasfen klar vorgezeichnet."
Wie aus Dresden gemeldet wird, hat die sächsische zweite Kammer das Ersuchen an die Regierung gerichtet, bei dem Bundesrath auf eine Abänderung des Gerichtskosten-Gesetzes im Sinne einer Herabsetzung der Kostenbeträge hinzuwirken.
_ Wie die „Germania" mittheilt, ist daS rnitgetheilte Schreiben des Papstes Leo an den Erzbischof von Köln nicht vom letzten Weihnachtsfeste, sondern batirt schon vom
Ebenen, von mächtigen Flüssen befruchtet unb vom blendendsten Sonnenscheine beschienen, steigt vom ewigen Schnee bedeckt, daö Himalaya-Gebirge empor, das Die höchsten Gipfel der Erde einschließt; auf regenlose Wüsten und gewellte Steppen im Westen folgen im Innern der Halb- Insel fruchtbare Tafelländer, die Kämme Der Rundgebirge mit undurchdringlichen Waldungen bedeckt; am Meeresrande bilden die Flüsse Deltas mit überaus üppigem Pflanzenwuchse. Veranschaulichen die Anden am deutlichsten die Thätigkeit vulkanischer Mächte, Australien und Polynesien die formenbildende Arbeit animalischer Kräfte, so lehrt Indien in seinen Gegensätzen zwischen Hitze und Kälte, zwischen Trockenheit unb hochgrabiger Sättigung der Luft mit Feuchtigkeit die Einwirkung von Waffer und Klima aus die Erdoberfläche.
Bis zum 23° nördlicher Breite hinauf liegt Indien innerhalb der Tropen, das Klima ist deßhalb durchweg sehr warm. Während dreier Monate (Mäiz bis Juni) ist weitaus der größte Theil des LanbeS von einer glühenden Sonne beschienen; bie Winde sind heiß, der Boden gesengt und geborsten, die Flüsse ausgetrocknel. Der Indier theilt das Jahr in drei Jahreszeiten: in eine Regenzeit (Juli bis Oktober), eine kalte (November bis Februar) und eine heiße Jahreszeit (Marz bis Juni); lokal ist die Dauer dieser drei Zeiten verschieben. Die heiligen Schriften kennen eine Sechstheilung, Europäer behalten meist unsere Viertheilung bei: kühle Jahreszeit: December bis Februar; heiße: März dis Mai; Regmzeit: Juni bis August; Herbst: September bis November.
Januar, Februar und die erste Hälfte deS März haben ein herrliches Klima. Die Tage sind nicht drückend heiß, an der Küste bringt Nachmittags jederzeit Seewind Kühlung,
24. December 1878; die „Germ." habe dasselbe schon am 2. Januar 1879 abgedruckt. Bezüglich der Verhandlungen mit Rom spricht die „Germ." die Hoffnung au8, Fürst Bismarck „möchte sich von dem Einfluß der Bureaukratie emancipiren, um die Verhandlungen unbefangen und vor- urtheilslos zu Ende zu führen." Der Geh. Rath Hübeler warte die Ankunft des Reichskanzlers ab, um nach Em- pfang der Instructionen deffelben nach Wien zurückzukehren und man dürfe hoffen, daß bie Verhandlungen ein rascheres Tempo annehmen würden."
Die „Polit. Corr." meldet unter Reserve auS Cettinje: bie Albanesen aus Gusinje sind heute früh gegen die montenegrinischen Truppen ausgerückt; letztere, die strenge Ordre hatten, den Kamps zu vermeiden, hätten sich zurückgezogen, seien aber bei der Rückwärtsbewegung von den Albanesen angegriffen worden; der Kampf habe 9 Uhr früh b'gönnen.
Deutsches Reich.
»* Berlin, 8. Jan. Gegenüber der bedrängten Arbeitstage des Landtags, welche von allen Seiten anerkannt wird, findet man es in Regierungskreisen auffallend, daß der Gedanke, Reichstag und Landtag ein Jahr um das andere tagen zu lasten, einer so vorgefaßten Abneigung begegnet. Wenn man sagt, durch die nur zweijährige Einberufung des Landtags würden bie Rechte der Volksvertretung zur Jnittative und da« .Petitionsrecht des Volkes verkümmert, so könne doch davon nicht die Rede sein, wenn in Preußen beispielsweise eine so wichtige unb einflußreiche Vertretung wie der Landtag, in den Jahren, wo der Reichstag nicht berufen wirb, zusammentritt. Die Gegenstände, welche diesmal den Landtag beschäftigen und über deren Erledigung in der laufenden Session Verlegenheft herrscht, seien so mächtiger Art, daß fie der öffentlichen Aufmerksamkeit vollen Ersatz böte» für eine selbst inhalt- reichere Reichstagssession. Man dürfe nicht vergessm, daß die parlamentarische Arbeit im deutschen Reich getheitt ist zwischen Centralparlament und Landesparlamenten und baß es auf bie Dauer immer weniger angehe, biefe Parlamente jedes Jahr unmittelbar nach einander zu berufen und in ihrer Arbeitszeit durch einander auf das äußerste zu beengen. — Nach der amtlich publizirten „Erklärung" vom 31. Dezember v. I. wegen provisorischer Verlängerung des Handelsverträge- mit Oesterreich-Ungarn sollen bie Vereinbarungen in Absatz 1 unb 2 des Artikels X. des VerttageS, in bem als Anlage diesem Vertrage beige« fügten Zollartikel und in den hierauf bezüglichen Erklärungen des Schlußprotokolls bis zum 30. Juni) 1880 in soweit zur Ausführung kommen, als die bestehenden Gesetze nicht entgegenstehen. Demnach bleiben bie Bestimmungen des Zollartikels bis zu bem bezeichneten Zeitpunkte in da bie Sonne bas Seewasser nicht so hoch als ben Erdbeben erhitzt. Der Himmel ist klar, Wolken sind selten, Regenschauer, wie sie im mittleren unb nördlichen Europa das ganze Jahr hindurch fallen, kennt man in ben wenigsten asiatischen Ländern. Die Nächte sind kühl, im Innern Des Landes fällt bie Temperatur sogar unter ben Gefrierpunkt, unb Teiche, wie flache, mit Wasser gefüllte Schüsseln, bie zur Eisfabrikation dienen, überziehen sich mit einer dünnen Eiskruste. Im April nehmen die Tage langsam, die Nächte aber rasch an Hitze zu, bie Temperaturschwankungen erreichen kaum mehr 4" R. Der Mai bringt gespannte, druckende Hitze, die an der Küste in einer von Feuchtigkeit gesättigten Luft noch fühlbarer wirb als im Innern des LanbeS. Das Thermometer geht Nachts kaum um 2° R. herunter. Gesunder Schlaf ist unmöglich, die Erde hat kein Grün, die Thiere zeigen kein Leben, da bricht die Regenzeit an; der Himmel bedeckt sich mit Wolken, denen der gläubige Hindu göttlichen Ursprung zuerkennt, der Süd- westmonsun ergießt sich in das Land herein, verändert alle Lebensverhältnisse unb bringt für Jnbier unb Europäer eine Zeit ber Freude und Erfrischung.
Die Monsune (vom arabischen Monfim für Jahreszeit) entstehen durch das Einspringen ber Halbinsel Vorder- Indien in das Gebiet der Passatwinde. Dadurch werden zwei Windrichtungen erzeugt, eine südwestliche und eine nordöstliche; abwechselnd wehen die Winde je ein halbes Jahr in entgegengesetzter Richtung. Im südlichen Indien tritt der Südwestmonfun Anfang» Juni, höher hinauf später ein; in dieser Zeit verfolgt Jedermann mit Spannung die Witterung, jeder ZeitungSkorresponbent aus südlichen Gegenden gibt nach Norden ausführlich Auskunft von jeder Temperaturschwankung. Endlich steigen im Süd-