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skr. 4. Marburg, Dienstag, 6. Januar 1880

xv. Jahrgang

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b.Blatte«, sowie d-Annoncen-Bureanr von LH. Dietrich & So. in Kassel und Hannover; LH. Dietrich in Frankfurt a.üJL; haasenstein & Bögler in Frankfurt a. M., Berlin. Leipzig, Söln re.; Rudolf Moffe in Berlin, Frank­furt a. M. re.

OIikchkMe jcitmiß

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte« sowie d-Annoncen-Bureaux von L- Daube & So. in Frankfurt a- M; JLger'sche Buchhandlung daselbit; Hermann'sche Buchhanol daselbst; Jnvalibendmck ü Berlin; W. Lhiene« in Elberfeld: 6. Schlotte in Bremen.

Srscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJLuftrtrteS Souutagöblatt" durch die Expedition (fl o ch'fche Buchdruckerei) bezogen 3fc Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pf«, (erd. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 35 Pf«, berechnet.

ür das 1. Quartal 1880 werden von allen Postanstalten (auf dem Lande von den Land­postboten) Beftekuuge» auf die

Dderhessische Zeitung

mit deren Gratisbeilage

JllustrirteS Sonntagsblatt angenommen, und bitten wir dieselben baldigst machen zu wollen.

Die Exprd. Oberh. Zeitung.

Tagesbericht.

Gutem Vernehmen derNordd. Mg. Ztg." nach hat Se. Majestät der Kaiser in einem längeren Schreiben an den Chef der Admiralität diesen ermächtigt, einen umfas- fassenden Bericht über den ganzen Verlauf der Untersuchung in Sachen desGroßen Kurfürst" der Oeffentlichkeit zu übergeben. Gleichzeitig soll der Kaiser noch einmal in warmen Worten sein Bedauern über den Vorfall und zu­gleich die Bitte ausgesprochen haben, sich durch das un­glückliche Ereignitz nicht cntmuthigen zu lassen. Voraus­sichtlich dürfte der Bericht nach dessen Fertigstellung im Auditoritat imMarine-Verordnungsblatt" zum Abdruck gebracht werden. Durch die Erstattung dieses rückhaltlosen Bericht» wird zugleich dem Wunsche des Reichstags in der von dem Chef der Admiralität bereits in Aussicht gestellten Weise entsprochen werden.

Die Norddeutsche Allgemeine Zettung weist nach den staüstischen Angaben des preußischen Handels-Archivs die Bedeutung der deutschen Plantagen auf den Samoa-Inseln für Handel, Schifffahrt und Industrie Deutschland« nach und bemerkt dann weiter:Auch auf den anderen Inselgruppen, wo Deutschland sich das Recht der Meistbegünstigung ge­sichert hat, wird sich unter dem Schutz der Verträge für den deutschen Unternehmungsgeist eine wachsende Ge­legenheit zu nutzbringender Arbeit eröffnen. Die besondere Bedeutung aber/ welche vorerst gerade die deutschen Faktoreien und Plantagen auf den Samoa-Inseln als Mittelpunkt des ganzen deutschm Südseehandels gewonnen hatten, ist offenbar für die Reichsregierung bestimmend, wenn sie sich jetzt auch zu einer finanziellen Beihülfe ent­schließen will, um zu verhüten, daß der deutsche Handel in Folge eines durch das Südseegeschäft nicht veranlaßten Vorgangs diese wichtige Position einbüße. Daß das Ein­treten des Reichs zur Sicherung dieses Zweck« als eine nationale Pflicht auch im deutschm Volke erfannt wird, hierfür liegen in zahlreichen Aeußemngm der vaterländi-

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Kunst und Wahrheit.

Original-Novellette von Ferdinand Gilles.

(Fortsetzung.)

Al« Elise erwachte, stand die Sonne hoch am Himmel. ES war das Erwachen aus einem Traume, welcher sie sehr erregt haben mußte; dmn selbst, nachdem sie sich die Augen ausgeriebm, gewahrte sie immer noch nicht, daß schon Besuch da war. Sie bedeckte die Sttm mit der Hand und stierte sinnmd zur Decke.

Thekla, die bereits vor einer halben Stunde eingetreten war, aber die schlafende Freundin in ihrem Schlummer nichk hatte störm wollen, saß an ihrem Bette und beobachtete sie mit inniger Theilnahme. Jetzt, nachdem Elise erwacht, hielt sie nicht mehr zurück, sondem nahm chre Hand und wünschte ihr freundlichguten Morgen!"

Elise erschrack, sie hatte sich allein geglaubt, es war ihr nicht angenehm, Thekla an ihrem Bette zu sehen; dmn sie wußte nicht, wie lange dieselbe schon anwesend sein konnte vielleicht hatte sie gar chre Träume belauscht.

Bist Du schon lange hier, Thekla? fragte sie hastig. Eine halbe Stunde, meine liebe Langschläferin!

Eine halbe Stunde, habe ich geträumt?"

Ich habe nichts gehört. Also du träumst am hellm Tage? Elise, wer kann dmn so lange schlafen? Es ist gleich 10 Uhr."

Du siehst daß ich so lange schlafen kann, richttger: so spät schlafen kann; dmn lange habe ich nicht geschlafen, es war schon früh Vi4 Uhr, als ich einschlief."

Halb vier? Elise! Na hast Du wieder die ganze Nacht gelesen? schäme Dich!"

schen Preffe und in Kundgebungen von Vereinen der ver- schiedmsten wirthschaftlichen Bestrebungen sprechende Be­weise vor. Hierauf darf gewiß auch die Hoffnung be­gründet werden, daß ein Antrag zur finanziellen Förderung eines Unternehmens, welches die Erhaltung der in der Südsee gewonnenen komerziellen Stellung bezweckt, seiner Zeit bei den Vertretern der Nation Anklang und Annahme finden werde."

Was indeffen eine Reichssubvention des falliten Hauses Godeffroh und die Gründung einer hierauf bezüglichen Aktiengesellschaft betrifft, schreiben dieDr. Nachr.": Es ist recht sehr zu wünschen, daß der Reichstag den Vertrag recht scharf besieht, mittelst welchem die verkrachten Südsee­gründungen des Hauses Godeffroh unter gütiger Mitwir­kung Vater Bleichröder'S erworben werden sollen. Gegen Alles, was das Erzgründerhaus in der Behrenstraße zu Berlin zum Heile Deutschlands unternimmt, ist reges Mißtrauen Bürgerpflicht. Man denke nur an seine Mani­pulationen in der rumänischen Eisenbahnfrage, an die von ihm inS rasendste Tempo beschleunigte Fünsmilliardenzah- lung Frankreichs, an die Verwendung dieser Summen zur Befeuerung des Gründerthums u. A. m. Ehe das deutsche Reich acht Millionen dazu hergibt, damit die Firma Bleich- röder bei unseren Gegenfüßlern Plantagen und Factoreien für da» Reich erwirbt, frage man sehr genau: wie viele MMonen verdient Bleichröder bei dieser Arbett?" Die Erwerbung und Anlage überseeischer Colonieen ist ein Untemehmen, welches bei der Mehrheit des deutschen Volkes auf eine sehr sympathische Aufnahme rechnen darf. Wir denken nicht bloß an Strafkolonien. Aber die Samoa­inseln eignen sich hierzu nur in sehr geringem Grade. Das Klima selbst ist ein für Weiße unzuträgliches, nach mehrjährigem Aufenthalte leiden Europäer an der schreck­lichen Krankheit der Elephantiasis (unförmlichste An­schwellung der Beine.) Die weiße Bevölkerung wechselt daher auch alle paar Jahre. Smchm suchen die Insel ost heim. Die Godeffroy'schen Plantagen würden mit acht Millionen Mark viel zu theuer bezahlt. Wenn die Firma Bleichröder so großen Drang verspürt, ihre Wohl- thaten den Südseeinsulanern angedechen zu lassn, so hindert sie nichts in der Welt, dorthin überzustedeln; sie verschone aber da« Reich mit ihren Ansprüchen.

Meldungen derPolit. Correfp." aus Konstantinopel. KondiriottS ersuchte in einem Schreiben Sawas Pascha dringend, den nächsten Conferenztag anzusetzen, widrigenfalls die griechischen Delegirten die Ermächtigung, die Verhand­lungen zu sistiren, bei ihrer Regierung einholen würden. Aus Philippopel. Die Provinzialvertretung bewilligte 65,000 türkische Pfund zur Unterstützung vom Nolhflanve hartbedrängter Gemeinden sowie 30,000 Psd. znr Verthei- lung an die Flüchtlinge.

Ei, Ei! Also Moralpauken wolltest Du mir halten, das hat Dich hergesührt!"

Nein, ich komme, um mich nach Deinem Befinden zu erkundigen, da Tu auf der gestrigen Probe so auffallend erregt warst. Du bist sehr nervös geworden in letzter Zeit. Die große Künstlerin wird täglich unnahbarer!"

Fi donc! Wie kannst Du so etwas sagen, Thekla?"

Nun beruhige Dich nur! Du haft Dich gcwattig ver­ändert. So bist oft so ungemüthlich, daß man kaum ein vernünfttges Wort mit Dir reden kann. Natürlich ist das nur eine Erfindung von mir, aber ich kann es Dir dennoch beweisen. Du warst z. B. gestern Abend nach der Probe derartig gereizt"

Laß das, Thekla, Du verstehst mich nicht!"

Wenn ich Dich nicht verstehe, so ist das nicht meine Schuld. Warrm bist Du eine solche Geheimnißkrämerin geworden? Wein Du etwas auf dem Herzen hast, weßhalb theilst Du Dich mir nicht mit, wie es sich als Freundin geziemt?"

Was sollte ich Dir mittheilen? Du könntest mich dann höchstens bemitleiden wenn anders ich Dir nicht gar lächerlich erschiene ich will aber weder Mitleid noch Spott!"

Du bist garstig, Elise. Ich habe das nicht um Dich verdient! Warum entdeckst Du Dich mir nicht, wenn Dn was hast, das Dich drückt? Hast Du nicht mehr das alte Vertrauen zu mir, so sage es, und ich werde mir bann nicht mehr schmeicheln, daß Du meine Freundin seist."

Du gehst zu weit liebe Thekla! Ich habe Dir in der That nichts zu entdecken. Alles, was ich Dir entdecken könnte wirst Du heute Abend erfahren. Du wirst mich dann auch verstehen, dringe drum jetzt nicht weiter in mich!"

Bezüglich des Ausgleichs der Differenz zwischen dem englischen Botschafter und der Pforte wird versichert, daß in der Audienz, welche der Botschafter beim Sultan hatte, ein Einverftändniß dahin erzielt worden sei, daß die bei den Missionären mit Beschlag belegten Papiere zurückge­stellt werben baß Achmed Tewfik zeitweilig aus Konstanti­nopel entfernt wird und baß ber Polizeiminister ein auf- klärendes Schreiben an ben Botschafter Layarv richtet. Der beutsche unb österreichische Geschäftsträger haben im ver­mittelnden Sinne eingewirkt. Uebrigens sollen die Recla- mationen Layard's sich auch auf die am 16. Dezember er­folgte Niedermetzelung von fünf englischen Seeleuten durch den mohamedanischen Pöbel von Galata erstrecken. Die Köln Ztg." berichtet darüber noch: Am 16. Dezember landeten fünf englische Marinesoldaten nebst ihrem Borge» setzten in einem Boote in Galata, um ihre gewöhnlichen Einkäufe zu machen. Ein Türke, welcher sich in der Nähe eines Gemüsehändlers niedergelassen hatte, fing an, auf die Engländer zu schimpfen; die Engländer bezahlen ihn mit gleicher Münze. Der Türke erhob hierauf ein solches Ge­schrei, daß seine Landsleute von allen Seiten herbeiliefen und mit Stöcken auf die Engländer einhieben. Diese, welche sich von Türken umgeben sahen und deren Streiche fühlten, schnallten ihre Beile los und hieben nun ihrerseits auf die Türken ein. Es wurden in diesem Kampf unge­fähr 25 Türken verwundet, allein die fünf Engländer blieben tobt auf bem Platze. 400 Türken sind festgenom­men. Der englische Botschafter verlangt nunmehr von ben 400 Verhafteten Wehrgelb für fünf getöbtete Engländer. Der Sultan hat den Conseils-Präsioenten Seid Pascha den Großcordon des Osrnanie-Ordens in Brillanten unb bem bekannten Narnyk Pascha dieDecoration privilegiee", welche erst kürzlich von Abbul Hamid gestiftet wurde, ver­liehen. Ist eS Zufall ober Absicht, baß ber Sultan gerade jetzt zwei Staatswürdenträger, welche beide im Gerüche des MoskowitisrnuS stehen, in so hervorragender Weise auS- zeichnet?

Deutsches «eich.

Berlin, 3. Januar. Die Grafen Herbert und Wilhelm von Bismarck sind gestern Abend von Varzin hier eingetroffen und werden vorläufig hier verbleiben; Graf Wilhelm ist an der Rückkehr nach Straßburg vor­läufig durch eine Erkältung behindert. Die Ankunft des Reichskanzlers aus Varzin wird voraussichtlich am Montag oder Dienstag erfolgen. Wie wir von gut unterrichteter Seite erfahren, ist nunmehr Herr v. Radowitz zum Nach­folger des verstorbenen Staatssecretärs v. Bülow in der Leitung des Auswärtigen Amtes definitiv in Aussicht ge­nommen. Unter den Vorlagen, welche dem Reichstage in der bevorstehenden Session zugehen werden, dürfte sich auch eine solche befinden, welche sich auf die Beschränkung

Du bist sehr ungerecht gegen mich; wenn ich fürchte, eine Seele leide, unb ich forsche alsdann nach ihrem Lei- ben, so geschieht das nicht aus Neugierde. Du sollst das totff en, Elise!"

Ich weiß eS. Ich weiß aber auch, daß Du mir nicht helfen kannst, und daß ich Dich nur unnöthigerweise in Mü­leidenschaft ziehen würde."

Du ziehst mich dadurch, daß Du vor mir schweigst, viel mehr in Mitleidenschaft; unb wer sagt Dir, baß ich Dir nicht Helsen kann?! Elise, Dein Zustanb erfüllt mich mit emfter Besorgniß, Du bist krank. Du kamst mir schon gestern wie eine Schwerleidende, vor. Es wäre eine große Versündigung gegen Dich und die Deinigen, wenn Du Deiner Spiellust Deine Gesundheit zum Opfer bringen wolltest. Ich bin einzig heute hierher gekommen, um Dich zu bitten heute Abend lieber nicht zu spielen, zumal Du Dich beim Spülen so aufzuregen. pflegst, daß Du neulich von der Szene kommend, ohnmächtig hinter einer Koulisse zusammen- brachst. Elise, ich bitte Dich, spiele heute nicht!"

Wmn ich auch Deine freundschaftlichen Gefühle für mich durchaus anerkenne und Dir für Deine edle Fürsorge ausrichtig dankbar bin, werde ich dennoch heute Abend spielen. Ich bin nicht krank, Du irrft Dich!"

Glaube dem Auge und dem Herzen einer Freundin, die für Dein Wohl aufrichtig besorgt ist: Du bist emstlich krank. Verschmähe meinen Rath nicht, die Vorstellung mag ausfallen, fie mag vertagt werden."

Nein, um meinetwillen nimmermehr! Ich spiele, und darntt Punktum!"

Thekla ergriff Elisens Hand, schaute der Freundin voll in die dunklen Augen und zog sie an ihr Herz.

Bist Du mir böse, Elise?" flüsterte sie.