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fllatßurg, Sonnabend, 3. Januar 1880.

XV. )ahrgaa-

Anzeigen nimmt rmgegen: die Expedition d.vlatte», sowie d-Annoncen-Bureaux von LH, Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Bleustem & Bögler in ikfurt a. M., Berlin, zig, Cöln Rudolf

Masse in Berlin, Frank­furt a. M. re.

Wrrhkssische Mmg.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» sowie d-Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a.M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhand', daselbst; Jnvalidendanl ü' Berlin; W. Thiene» in Elberfeld; C. Schlotte in

Bremen.

gto tn der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet. ö "'8*

ür das 1. Quartal 1880 werden von allen Postanstalten (auf dem Lande von den Land­postboten) Beftevuage« auf die

Bderhessische Zeitung mit deren Gratisbeilage JllustrirteS Sonntagsblatt angenommen, und bitten wir dieselben baldigst machen zu wollen.

Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.

Das neue Jahr 1880

hat bereits seinen Einzug gehalten und das Jahr 1879 seine Pforte geschlossen. Der Abschied vom alten Jahr ist wie ein Abschied von einem lieben Freunde auf Nimmerwiedersehen, wie der Auszug aus einem Hause, in welchem wir Freud und Leid erlebt. Aber ist mehr: das alte Jahr ist ein Stück unseres Lebens, welches nicht bloS dereinst »or Gottes Gericht wieder vor uns treten wird, sondern welches auch so viele Keime unserer irdischen Zukunft in sich trägt. WaS wir im alten Jahre gesäet, werden wir im neuen ernten Gutes wie Böses. Das gilt auch von den Völkern! Deshalb erfüllt der Jahreswechsel jeden ernsthaften Menschen mit ernsten Gedanken. Wenn es auch an Kriegesgeschrei nicht gefehlt hat und am politischen Horizont sich öfter dunkle WolkenbUdungen zeigten, so hat Gottes Gnade doch in Europa den Völkern oen Frieden erhalten. Nur Eng­land hat seine Ländergier und Weltherrschaftsgelüste mit dem Blute seiner Söhne in Aftika und Asien büßen müssen. Auf dem Continente sind die kriegerischen Gelüste au der Einigkeit Deutschlands und Oesterreichs zu schänden ge­worden und wir wollen hoffen, daß das zwischen beiden Reichen aufgerichtete Bündniß sich auch im nächsten und noch recht viele Jahre als ein Hort des Friedens erweisen möchte. Ja, unsere Wünsche gehen noch weiter! Die Militärlast der Staaten hat eine Höhe erreicht, die kaum noch von den Völkern getragen werben kann und sie steigert sich von Jahr zu Jahr. Möchte die europäische Staatskunst es nunmehr als das Ziel ihrer Thätigkeit betrachten, den Frieden nicht mehr nach der alten Methode des para bellum, der Kriegsbereitschaft, sondern durch positive Be­freundung der Staaten, durch Stärkung und Consolidirung der gemeinsamen Friedensinteressen der Völker zu sichern! Ist es nicht eine schreien e Disharmonie in dem Cultur- leben der Völker, wenn sie fortwährend bis an die Zähne kriegsgerüstet einander gegenüberstehen und die Einen auf die Gelegenheit harren, wo sie die Andern kriegerisch über­fallen können und die Andern Tag und Nacht wie auf

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Kriegeswache stehen müssen? Kann man sich einen größeren Hohn auf die Cultur denken, als die Thatsache, oaß bei Beginn des nun zu Ende gegangenen Jahrzehnts Frankreich mitten im Frieden uns mit seinen Armeen über­siel und noch dazu diese Armee als die Heeressäule der Civilisation proklamirte! ? Mit furchtbarer Gewalt hat damals Gottes Hand dieses Attentat auf die Cultur nieder­geschmettert.

Wir wissen wohl, daß, so lange es Sünde auf Erden gibt, es auch Zank und Streit unter den einzelnen Menschen wie unter den Völkern geben wird. Aber nichts desto weniger muß es doch das Streben aller wahren Cultur sein, der Sünde und ihren Ausbrüchen entgegen zu wirken mit der positiven Macht der sittlichen Wahrheit, welche uns Gott in dem Evangelium gegeben hat. Die große Idee des Reiches Gottes als der wahren Internationale des Friedens ist bisher von der Diplomatie zu wenig be- rücksicktigt worden; man hat sie zu sehr als eine bloß religiöse betrachtet während sie recht eigentlich die Gesammt- heit alles Lebens und Strebens der Menschen und Völker einschließt und als die Aufgabe und das Fiel aller Ge­schichte erscheint. Hat man die Diplomatie alsdie Kunst, im Dienste des Vaterlandes zu lügen" bezeichnet, so wäre es an der Zeit, den bösen Bann dieser schwarzen Kunst zu brechen und die Ehre dieser edlen, hohen Thätigkeil darin zu setzen, im Dienste des Vaterlandes der Wahrheit Bahn zu machen und der großen Idee des Reiches Gottes zu dienen!

Wohl hätten wir Ursache, im Hinblick auf die Erfül­lung so mancher Wünsche und Voraussagungen jetzt ein Triumphlied anzustimmen. Allein wir suchen nicht eitle Ehre, sondern lediglich das Wohl des Vaterlandes und das Alles kann uns nur antreiben, mit desto größerem Ernste darüber nachzudenken, was dem Vaterlande zum Heile gereicht. Je größer der Einfluß der konservativen Partei im Parlamente, desto größer ist auch ihre Verant­wortung, und die Aufgabe der conservativen Presse ist es, furchtlos und treu oarüber zu wachen, daß von keiner Seite unwahre und unlautere, selbstsüchtige Strebungen sich geltend machen. ES darf sich bei unS in Deutschland nicht der republikanische Unfug einnisten, daß jede Partei die kurze Zeit ihrer Herrschaft zu ihren Gunsten so viel alS möglich ausnutzt. Die Wahrheit, Gerechtigkeit und das Wohl des Vaterlandes müssen die Leitsterne bleiben. Je treuer wir ihnen folgen, dcsto mehr werden die Noth- stände schwinden und desto größerer Segen wird sich über das Vaterland ausbreiten. Die wärmste aufopferungs- vollstt Liebe, die selbstloseste, treueste Arbeit für's Vater­land, das sei der Ehrgeiz der conservativen Partei!

Die Zeit ist ernst: Nothstände und große Unglücks- fälle zu Wasser und zu Lande, Mordversuche auf gekrönte Häupter haben in der letzten Zeit die Welt aufgeregt

noch am letzten Tage des alten Jahres kommt das Attentat aus den jungen König von Spanien und mehr noch wird die Aufmerksamkeit wachgerufen durch politische Ver­änderungen in Paris, wo die Männer von Tours, die Männerdes Krieges bis auf's Messer" und der Revanche gegen Deutschland sich der Herrschaft bemächtigt haben. ES war ein ereignißvolles Jahrzehnt, welches mit dem Jahre 1879 zu Ende geht. Was das neue bringen wird? Gott weiß es. Wir aber wissen eins und das soll uns genügen: der Weg der Wahrheit, Gerechtigkeit und Treue führt zum Heil. Auf ihm wollen wir wandeln

Tagesbericht.

DerReichs-Anzeiger" meldet: Der spanische Gesandte am Berliner Hofe übermittelte dem Auswärtigen Amte 10,000 Mark, welche der König von Spanien für die Nothlcidenden in Oberschlesien aus seiner Chatoulle spen­dete. Der kaiserliche Gesandte in Madrid erhielt den telegraphischen Auftrag, dem König Alfons für diese hoch­herzige Gabe den lebhaften Dank Sr. Maj. des Kaisers und Königs auszusprechen.

Ein tn Berlin verbreitetes Flugblatt, betiteltDie Spinne", welches in heftigster Weise gegen die Juden agitirt und von der Antisemitenliga ausgeht, ist mit Be­schlag belegt.

DiePolit. Corresp." meldet vom 31. December: Zufolge authentischen Nachrichten wird heute in Berlin fettens der österreichisch - ungarischen und der deutschen Bevollmächtigten eine Erklärung unterzeichnet, durch die? der Meistbegünstigungsvertrag mit Deutschland unter Weglassung der Bestimmungen über das Appreturverfahren, dte Rohleinen - Ausfuhr, die Publikation der Refattien, das Verbot der Beschlagnahme von Eisenbahn-, Fahr- und Betriebs - Material, endlich unter gewissen Vorbe­halten hinsichtlich des Zollkartells bis zum 30. Juni 1880 verlängert wird. Das morgen erscheinende Reichs­gesetzblatt wird eine Verordnung des Gesammtminifteriums betreffend den Veredelungsverkehr publiciren. Für die Ver­edelung im Jnlande bleiben die bisherigen autonomen Be­stimmungen bestehen. Für Gewebe, welche in der Zeit vom Io. Februar bis 30. Juni zum Bedrucken und Färben nach Cent deutschen Zollgebiete ausgeführt werden, ist beim Wtedereintritt ein Zoll von 14 Goldgulden zu er­heben. In den übrigen Punkten wird zollfreie Behand­lung des Veredelungsverkehrs aufrecht erhalten. Nach den detaillirten Durchführungs-Bestimmungen soll der Be- trieb des Veredelungsverkehrs von Erlaubniß - Scheinen abhängig sein, welche indeß nur Fabrikanten für ihre eigenen Fabrikate ertheilt werden. Die Fristen für die

Shinji und Wahrheit.

Original-Novellette von Ferdinand Gilles.

(Fottfetzung)

Elise war ohne Zweifel die Schönheit, welche Hastig seinem Freunde geschildert hatte: aber was nutzte ihr ihre Schönheit, was ihr Reichthum und was alle ihre Vorzüge, wenn sie sich bedrückt, unfrei und von ihrenprosaischen" Ettern behindert fühlte, ihremBerufe zu genügen!

»Des Lebens ungemischte Freude Ward keinem Irdischen zu Theil"

Dieses Dichterwort bestätigte sich auch bei Elise. Bei ihr waren gewiß alle Bedingungen des Glücks erfüllt, und dennoch war )te nicht glücklich um einer Schwärmerei willen. Sie verspürte in sich ein bedeutendes Talent für die Bühne, sie schmachtete danach, eine Priesterin Melpo- menes und Thalias zu werden; aber ihr Vater, ein Muster von liebevoller Zärtlichkeit, ließ in 'diesem Punkte nicht mit sich spaßen und er war weit davon entfernt, dem roman­tischen Drange seiner Tochter nachzugeben, auch ihre Ver- zweiflungsthränen rührten ihn nicht, oder roenn sie ihn rührten, sie vermochten es nicht, ihn seine Grundsätze ver- läugnen zu machen. So erklärte er denn Elise ein für alle Mal, daß seine Tochter niemals mit seiner Erlaubniß Komödiantin werden würde, und daß sie mit dem Tage, wo sie es gegen seinen Willen werde, aushöre seine Tochter zu sein. Das war gewiß sehr deutlich gesprochm und Elise wußte, daß ihr Vater keine leeren Worte machte. Ihre letzte Hoffnung schwand dahin, als sic zu der Ueberzeugung kam, daß es ihr auch niemals gelingen werde, die Mutter su überreden ihre Partei beim Vater zu nehmen. Frau hsrinkmann stimmte ihrem Manne vollkommen bei, sie hatte

so viel Trauriges von dem Leben der Schauspielerinnen gehört und gelesen, daß sie sich gewiß nie mit dem Gedanken befreunden konnte, auch ihre Tochter solle eine Schau- spielenn werden. Sie redete ihrer Elise vielmehr recht ernstlich ins Gemülh und bat sie, der unglücklichen Idee zu entsagen.

Entsagen aber wollte Elise nicht. So saß sie denn oft stundenlang allein auf ihrem Zimmer und plante und grübelte auf Mittel und Wege, w sie dennoch das vorgestreckte Ziel erreichen könnte. Sie blieb rathlos, gab es doch nur einen Weg: das Vaterhaus heimlich zu verlassen. Aber schon vor dem Gedanken allein schauderte sie zurück; denn sie liebte ihre Eltern, mit der ganzen Innigkeit, deren ein unverdorbenes Kinderherz fähig ist, und sie wußte sich von ihren Eltern eben so herzlich wiedergeliebt nein, ihre Eltern verlassen, heimlich ohne Abschied, das konnte sie nimmer! Sie blieb also rathlos, und wenn sie sich dessen so recht bewußt ward, dann trübten sich ihre schönen, schwarzen, so lieblich funkelnden Augen, und über die weißen, wie vom Morgenroth behauchten Wangen flössen heiße bittere Thränen. Geröthet die Augen und naß die Wangen, schluchzte sie heftig und gestand sich, daß sie namenlos un­glücklich sei.

Eines Tages, als sie wieder von ihrer Melancholie befallen wurde und sich ihrer Gewohnheit gemäß nach ihrem Zimmer zurückziehen wollte es war wenige Tage nach jenem Spaziergange kam Thekla mit einer für Elise äußerst willkommenen Botschaft; es sollte in Kürze eine größere Dilettanten-Vorstellung statlstnden, zu welcher man Elise die Hauptrolle zugedacht hatte. Elise sagte na­türlich freudig zu und begann, da auch ihre Eltern gegen dieses unschuldige Vergnügen nichts einzuwenden hatten,

noch am selbigen Tage mit dem Einstudiren ihrer umfang­reichen Rolle. Von jenem Tage an war Elise wie umge- wandclt, sie durfte ja die weltbedeutenden Bretter betreten. Der Gedanke war für sie berauschend, und mit fieberhafter Spannung sah sie der ereignißvollen Stunde entgegen, wo cS ihr vergönnt sein sollte, den Beweis ihrer künstlerischen Begabung zu liefern.

Die Proben liefen gut ab, und gar bald war der Tag der Vorstellung herangekommen. Elise befand sich in der freudigsten Stimmung. Als der Vorhang sich gehoben erschien sie auf der Scene und schritt so sicher einher, al« wäre sic auf diesen Brettern längst heimisch geworden. Sie spielte seelenvoll; tiefempfunden war jedes Wort, das sie sprach; sie übertraf an Feuer und künstlerischer Gestaltuna alle ihre Mitspielenden. Man applauiirte ihr bei offener Szene und jedesmal, wenn der Vorhang fiel, erhob sich für Elffe^"°" Beifallssturm. Es war ein Wonneabend

Nur ein Gesicht war ernst und zog sich in düstere Falten; dte andern strahlten alle vor Entzücken. Dieses eine Gesicht aber gehörte Herrn Brinkmanu, ihm mißfiel die Leidenschaft, mit welcher seine Tochter spielte. Seine Frau, die hingegen geruhtt und begelstett war, strich ihm die Stirn, die ernsten galten hmwegglättend. Eine Zähre stahl sich dabei heimlich aus ihrem Auge.

sn "Hi f° ernft und schau nicht so düster darein Vater, sagte sie,Du wirst noch dem Kinde seine ganze ftreude verderben. Sieh' doch, wie Alle Gefallen an ihr finden, ich bin ordentlich stolz auf meine Tochter."

Er schüttelte den Kopf.

Die Leidenschaft, mit der Elise spielt," brummte er, «flöß mir Sorge ein!"