Skr. 1.
Urtjeigen nimmt tmgegen: die Expedition d.vlatte», sowie d-Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Eo. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Logier in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cöla tu; Rudolf Moffe in Berlin, Frank» futt cu M re.
Marburg, Donnerstag, 1. Januar 1880 fji
OhklMche jfitimj.
xv. Mw
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatter sowie d-Annoncen-Bureaur von L- Daube & Co. in Frankfutt a- M; Jägcr'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; JnvalidendaÄ in Berlin: SB. Thiene?
Elberfeld; 6. Schloß
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für daS Quattal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrtrteS SountagSblatt" durch die Expedition <K o ch'sche Buchdruckerei) bezogen % Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — JnsettionSgebühr für di« gespaltene Zeile 10 Pf,. Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 35 Pfg. berechnet.
ür das 1. Quartal 1880 werden von allen Postanftalten (auf dem Lande von den Landpostboten) Beftellunge« auf die
Dberhessifche Zeitung
mit deren Gratisbeilage
JllustrirteS Sonntagsblatt angenommen, und bitten wir dieselben baldigst machen zu wollen.
Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.
TageShertcht.
Wie die „Post" vernimmt, hat Se. Majestät der Kaiser bei den. Diner im Palais am 20. d. M. gegen mehrere Minister, insbesondere den Minister der öffentlichen Arbeiten, die besondere Allerhöchste Befriedigung über den günstigen Verlauf der Kammer-Verhandlungen in der Eisenbahnfrage ausgesp ochen.
D „Reichs-Anzeiger" publicirt eine von dem Fürsten Bisn * cvntrasignirte kaiserliche Verordnung, wonach das Reich izleramt fortan den Namen „Reichsamt des Innern" ier Vorstand dieser Behörde den Titel „StautS- sekretc ies Innern" führt.
Ar Montag Abend fand im Englischen Hause die öffentli Sitzung des Central - Comitös der Victoria- Nation - Jnvalidenstiftung Statt, welcher der Kronprinz als Pr ctor präsidirte. Der Kronprinz saß zwischen den beiden i rsitzende'n des geschäflsführenden Ausschusses, dem Chef d Admiralität v. Stosch xunb dem Geh. Commer- cienrath Itagnus, den der Kronprinz ausdrücklich an seiner Seite u atz zu nehmen aufforderte und durch eine sehr lebhafte nterhaltung auszeichnete. Es wurde der Jahresbericht d ch den General v. Stosch erstattet und der ge- fchäftsfü ende Ausschuß durch Acclamation wiedergewählt. Der Krr. !'vrinz, der blühend und kräftig aussah, unterhielt sich u ch der Sitzung mit vielen Anwesenden, namentlich mit n Abgeordneten v. Bunsen, Prof. Virchow, Gch.-Rath Vulfshein und Anderen.
Eine Sl ; rnntmachung des kaiserlichen Patentamtes bringt in Erinnc i;. g, daß das Erlöschen des Patentes erfolgt, wenn nicht ie Jahresgebühren spätestens 3 Monate nach der Fälligkeit gezahlt werden. Eine Mahnung zur Leistung der Zahlung vor Ablauf der Frist erfolgt nicht und das Erlöfchen bei Versäumniß der Frist tritt unbedingt ein. Ferner sagt sie Beka" itmachung, daß das Patentgesetz
L-ki:r, Jahresschlüsse.
DaS v.qt geht still zu Ende, nun set auch still mein Herz.
4 Gottes treue Hände, ich nun Freud und Schmerz.
Unb was dies Jahr umschlossen, t >- Gott der Herr nur weiß, t Thränen, die geflossen, \ t ' Lunden brennend heiß.
$ -m es so viel Leiden, so t\ .zeS Glück nur giebt? D 4- m denn immer scheiden, wc sehr geliebt?
St > -nch..Ä Aug gebrochen uv: Y 'unb nun stumm,
bei • iü noch HUb gesprochen, — ,
du n m-:s warum?
Daß nicht vergessen werde, '
war- ”.i4i: io gern vergißt:
Das; vteie arme Erde
nicht nnsei e Heimath ist.
Es da. bei Herr uns allen, die n .■ auf iyn getauft, in Zis. a goibiien Hallen ein Heim uhruch erkauft.
Hier gehen m.r mb (treuen bie Thränenfaat ins gelb, Dort werben wir uns freuen im felgen Himmelszelt;
keinerlei Entschulbigungsgründe zugelassen hat, burch welche bie Folgen bet Versäumniß abgewenbet werben könnten. Die Gebühr ist für bas erste Jahr bei bet Ertheilung, weiterhin mit Beginn beS zweiten unb jeben folgenben Jahres ber Dauer bes Patents zu entrichten. Das Patentjahr läuft von bem Anfangslage bes Patents; bieser Tag ist in ber Patenturkunbe angegeben. War jeboch bie Er- finbung bereits burch LanbeSpatent geschützt, so läuft bas Patentjahc von bem Tage, mit welchem bie Erfinbung zuerst einen Patentschutz erlangt hat. Der letzte Tag, an welchem bie Zahlung erfolgt sein muß, ist für bas zweite unb bie folgenben Jahre derjenige Tag des dritten Monats, welcher seinem Datum nach dem Tage des Beginnes ber Patentdauer entspricht.
Allem Anscheine nach ist eine Umgehung des Wein- zolleS damit versucht worben, baß viele beutsche Wein- hänbler bie zollfreie Einfuhr frischer Weintrauben bazu benutzen, um solche massenhaft kommen zu laffen unb in Deutschland wirklichen fremden Wein daraus zu machen, welcher keinen Eingangszoll bezahlt. Gegen diese Umgehung ber Zollgesetzgebung erhebt sich unter Andern der deutsche Weinbauverein, der an den BundeSrath, den Reichstag und den Reichskanzler eine Petttion richtete, damit in dem Zolltarif sub frischem Obst die Worte eingeschaltet werden, „frisches Obst, Beeren u. s. w., Trauben in Körben ober Kisten zollfrei", daß Trauben in größeren Mengen jedoch mit einer dem aus denselben darstellbaren Weine entsprechenden Abgabe belegt werden. Die Petttion macht den Umstand geltend, daß solche für die Weinbereitung bestimmte Trauben in Fässern und sogar in ganzen Wagenladungen eingeführt werden. Das früher gegen die Wein- zölle überhaupt aufgetretene „Els. Journal" ist der Ansicht, daß die Beschwerdeführer sich im Rechte befinden. Das Gesetz sei eben daS Gesetz und soll für Jedermann in gleicher Weise zur Anwendung kommen. Es wird aber nicht geachtet, wenn man es umgeht.
Der französische Ministerwechsel wird überall als ein sehr bedeutsames und vielleicht folgenschweres Ereigniß auf- gefaßt. Das neue Ministerium trägt den deutlichen Stempel Gambetta'S und seine näheren Anhänger müssen nunmehr zeigen, was sie zu leisten wissen Man würde vielleicht eS als eine Beruhigung empfinden, wenn Gambetta selbst an die Spitze ber Geschäfte treten unb sein Programm, so weit es reicht, offen knnbgeben wollte. Dazu hält Gambetta, wie e« scheint, bie Zeit noch nicht gekommen. Die Lage wirb baher vorerst bunte! ünb unbestimmt bleiben. Nach außen hin wirb Frankreich sich ohne Zweifel fneblich äußern, aber es liegt in ber Natur ber Dinge, baß man seine Schritte nach allen Seiten sorgsamer beobachten wirb, als es dem Ministerium Waddington gegenüber geschah,
Wir sehnen uns hienieden dorthin ins Vaterhaus, und wiffen's, d e geschieden, bie ruhen bort schon aus.
O bas ist sichres Gehen durch diese Erdenzeit: Nur immer vorwärts sehen mit sel'ger Freudigkeit;
Wird uns durch GrabeShügel ber klare Blick verbaut, Herr, gieb ber Seele Flügel, baß sie hinüberschaut.
Hllf bu uns burch bie Zeiten nnb mache fest bas Herz, Geh selber uns zur Seiten unb führ uns heimathSwärtS.
• Unb ist eS uns hienieden so öbe, so allein, o laß in beinern Frieben uns hier schon selig sein.
jNachbruck Oerboten.]
Kunst und Wahrheit.
Original-Novellette von Ferdinand Gilles.
„Du warst vorhin im Begriffe, mir von einer interessanten Bekanntschaft, bie Du gemacht hast, zu erzählen, willst Du jetzt fortfahren?"
„Gern, lieber Arthur! Hast Du Phantasie?" „Nun es geht an."
„Gut, stelle Dir also ein junges Mäbchen von sechs
bas auf bem Kongresse unb bei anberen Gelegenheiten schon Bürgschaften ber Zurückhaltung unb einer normalen Haltung gegeben hatte. — Ein weiteres bebeutsarneS Zeichen für bie Stellungnahme bes neuen Cabinets ist bie, daß gutem Vernehmen nach ber französische Botschafter in Konstanttnopel, Fournier, seine Entlassung eingereicht hat; ein Gleiches wirb von bem Botschafter in Petersburg, General Chanzy, erwartet.
Die „Polit. Corresp." rnelbet aus Konstantinopel: Layard sollte vorgestern vorn Sultan empfangen werben behufs Erlebigung seiner Reclarnationen. Eine rasche unb be- friebigenbe Beilegung bes Zwischenfalls wirb als gewiß betrachtet. — Die für vorgestern bestimmte Grenzconferenz hat nicht stattgefunden. Der Sultan soll bie neue Grenzlinie, welche bie türkischen Commissäre ben griechischen vorznschlagen beabsichtigen, noch nicht genehmigt haben.
Deutsche- Reich.
** Berlin, 30. December. Nach bet Gründung des Norddeutschen Bundes wurde im August 1867 unter dem Namen Bundeskanzleramt eine Behörde für die Bearbeitung ber unter ber Leitung des Bundeskanzlers stehenden Bundesangelegenheiten errichtet. Der Geschäftsbereich dieser Behörde erstreckt sich auf ben Gesammttheil bet dem Bun- beskanzler obliegenben Funktionen mit alleiniger Ausnahme ber Leitung bet auswärtigen Angelegenheiten. Durch bie Grünbung des Reichs wuchs bet Umfang ber Geschäfte ber Behörbe, welche jetzt ben Namen Reichskanzleramt erhielt. Insbesondere fiel die Bearbeitung ber elsaß- lothringischen Angelegenheiten, soweit bereit oberste Leitung dem Reichskanzler zustand, bem Reichskanzleramt anheim. Mit ber fortschreitenden Entwickelung des Reichs auf ben Gebieten ber Gesetzgebung unb Verwaltung nahmen die Geschäfte bes Amts stetig zu, unb es zeigte sich bald das Bedürfniß, für einzelne VerwaltungSzweige besonbere, unmittelbar bem Reichskanzler untergeorbnete Reichsämter einzusetzen. Abgesehen von bem Auswärttgen Amt, welchem schon früher bie auswärttgen Angelegenheiten übertragen waren, würbe im Iahte 1873 bas Reichseisenbahnamt errichtet unb mit ber Beaufsichtigung des Eisenbahnwesens betraut. Mit dem 1. Januar 1876 wurde bie Verwaltung des Post- und Telegraphenwesens vom Reichskanzleramt getrennt unb bie Leitung desselben unter ber Verantwortlichkeit bes Reichskanzlers bem Generalpostmeister übertragen. Im Jahre 1877 erfolgte in gleicher Weise die Errichtung beS Reichsjustizamts unb des Reichskanzleramts für Elsaß- Lothringen. In neuester Zeit ist bie Leitung ber Verwaltung ber ReichSeisenbahnen an ein besonderes Reichsamt Übergegangen, unb ebenso bie Finanzverwaltung des Reichs dem neuerrichteten Reichsschatzamt überwiesen. Daneben ist in ber Reichskanzlei eine Behörde geschaffen, welche als zehn Jahren vor, bildschön — eine frischentfaltetc Rose. Diese Rose habe ein empfindungsreiches Herz, ein stimmungsvolles Gemüth unb dazu auch einen guten Kopf. Sie sei ein Ausbund aon Liebenswürdigkeit — kurz, eine poetische Blume, wie sie prächtiger nicht in ben duftige Gärten von Schiras blüht. Sie verfüge über unermeßliche Reichthümer unb habe alles, was sie nur wünsche» kann —"
„Genug Karl, ba kann bie beste Phantasie nicht mit beim wen soll man sich aus ben Gallerim des Gedächtnisses als Modell herbeischleppen; und an etwas wirklich Existi- tendes muß man sich doch halten können. Du aber häufst ba Vorzüge über Vorzüge, die man im gewöhnlichen Leben feiten ober gar nicht bereinigt findet, höchstens noch in Romanen; aber dort hängt es noch immer sehr von bem Schilderungstalente des Dichters ab, ob wir uns seine Schönheit auch vorstellen können."
Weil ich diese durchaus richttgen Bemerkungen voraussah, appellitte ich vornherein an Deine Phantasie, und doch handelt es sich um ein in Wahrheit existtrenbes Wesen."
„Nun ja, Du willst mir eben Deine neue Bekanntschaft beschreiben. Erzähle also weiter, beim Du hast mich in ber That neugierig gemacht."
„Wohlan! Glaubst Du. daß bei ber Geschilderten alle Glücksbedingungen erfüllt sind?"
„Erst eine Gegenfrage: ist Deine Schöne verliebt und liebt sie glücklich?"
„Nein, ihr Herz ist noch keusch wie das einer vestalischen Jungfrau!"
„Bei sechszehn Jahren, in der heutigen Zeit? das ist alles Mögliche! Aber immerhin denkbar; denn wenn man so viele Vorzüge hat, ist das Herz sehr wählerisch. Nun,