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kommen sein, aber bei uns nicht. Meine Herren, in ! welche Lage bringt man wissenschaftliche Männer dadurch, daß man sie veranlaßt, eine solche Schulaufsicht auszuüben, die nach jeder Richtung unhaltbar ist? (Sehr wahr! rechts und im Centrum.)
Und das find noch die verhältnißmäßig unschuldigen Schattenseiten. Es gießt einen Kreis-
Echulinspector, der es in einer Broschüre offen ausgesprochen hat, daß das neue Schulwesen den Zweck habe, der protestantischen und katholischen Orthodoxie die Giftzähne auszubrechen. Das steht gedruckt zu lesen. (Ganz richtig! links.) Sie sagen: ganz richtig; aber dazu ernennt man keinen Kreis- Echulinspeetor, um solche Dinge zu lehren. (Bravo! rechts und im Centrum.) Ich möchte hierbei noch etwas erwähnen, was mit der Kreis-Schulinspeetton in Zusammenhang steht, nämlich daß in überwiegendem Maße akademisch gebildete Lehrer zu Kreis- Echulinspeetoren ernannt werden, daß diese Männer mit ihrer Gymnafialbildung, mit ihren elasstschen Tendenzen an das Volksschulwesen herantreten und in der That zu viel von der Volksschule fordern (Sehr richtig!), weil fie mit den eigentlichen Elementarfächern doch nicht so vertraut sind. (Sehr richtig! rechts uni) im Centrum.) Ich möchte in der That darin einen Schaden der Jnspeetion sehen. Und, meine Herren, wenn sich in der Simultanschule — ich spreche auS eigener Ueberzeugung, ich will hier nur streifen — nach mancher Richtung hin in die unteren Klaffen, in den Volksschulen ein Bildungsschwindel entwickelt hat, wie er schlimmer nicht gedacht werden kann (Sehr wahr!), so ist das zum Theil mit darauf zurückzuführen. (Zuruf links.) Ich könnte Ihnen Beispiele anfübren, die gewiß Ihre Neugierde befriedigen würden; aber ich will darauf nicht eingehen. Die brüte Art deS Simultanistrens ist die durch das Lesebuch. Sie haben gehört, meine Herren, daß in Marienwerder eine ganze Synode von Geistlichen die Schulaufsicht niedergelegt und daß das Consistorium dazu Ja gejagt hat. Das geschah durch viele Uebelstände, nicht zum mindesten dadurch, daß die geistlichen Schulinspectoren ein simultanes Lesebuch einführen sollten, in welchem die ganze Zeit der Reformationsgeschichte vertreten war durch eine Anekdote, die in Tunis spielt. Man hat in Rheinland in zwei Regierungsbezirken, in dem einen bereits fertig, in dem andern allmählich, auch in den evangelischen Schulen ein Buch eingeführt, in welchem von der heiligen Elisabeth, dem heiligen Benno, dem heiligen BonifaciuS wohl zu lesen ist, aber von der Reformation nichts, von dem 30jährigen Kriege nur ein Sieg der Kaiserlichen mit einem Appell an die Kinder: So haben brave Leute für Kaiser und Reich gestritten, macht Ihr es ebenso, wenn Euch die Pflicht ruft! (Heiterkeit.) Ja, m. H., daß ist natürlich für uns Evangelische ein wenig stark, ein Lesebuch zu gebrauchen, das in dieser
Weise unsere Geschichte behandelt. Ich erwähne dabei noch, daß in den Lesebüchern eine
wahrhafte Fabrikation stattgefunden hat, daß con- fesfionelle Lesebücher zu Simultanlesebüchern umgearbeitet find in einer Weise, wobei man fich manchmal fragen muß: warum haben die Verfaffer das gethan und in dieser Weise ihr eigenes Werk entkräftet? Außerdem ist auch manchmal ein Recht damit geschädigt, die Lesebücher waren zuweilen tradi
tionell in dem Besitz von Wittwenkaffen, die nun durch Einführung von Simultanlesebüchern Verluste erlitten । haben. Meine Herren, welche Gründe — das i frage ich nun zuletzt — haben denn solche exorbi
tanten Zustände, wie sie im einzelnen von mir ton« statirt find, hervorgerufen? Man sagt zuerst: finanzielle Gründe. Ich habe aus den Gemeinden, wo Simultanschulen eingerichtet waren, und auch heute hier bei Besprechung dieser Frage immer nur gehört, daß zu diesem Behufe große Aufwendungen gemacht find. Es ist das auch natürlich; dazu gehören neue i Häuser, der größere Gehalt eines Hauptlehrers. I Aber wenn es wirklich wahr wäre, daß man finan
ziell sparen und deshalb Simultanschulen einrichten wollte, so möchte ich doch dringend davor warnen, daß man an diesem heiligen Punkt unserer Volksentwickelung das Wort „billig und schlecht" zur Wahrheit werden läßt. (Sehr gut!) Gründe der Toleranz sind weiter genannt, der Friede unter den Confkssionen, der dann auch auf das nationale Leben zurückwirken soll. Meine Herren, stellen Sie fich vor, daß bei jeder Religionsstunde die Kinder in den Klaffen auseinanderlaufen, daß zuweilen da, wo der Religionsunterricht eingeschräntt ist, so z. B. in Gleiwitz, aus zehn und acht Klaffen, aus vier verschiedenen Häusern die Kinder, die einen in den evangelischen, die anderen in den katholischen Re- ligions - Unterricht laufen — und dann fragen Sie sich: kann man sich irgend eine Einrichtung denken, die den Kindern mehr zum Bewußtsein bringt, daß fie verschiedenen Confesstonen angehören? Cs wird oft geradezu das Gegentheil von dem errreicht, was erreicht werden soll Wir alle wollen die nationale Einigung und Einttacht und es ist wohl gesagt, in Simultanschulen haben schroffe Zeloten keine Stelle. Gewiß soll man sich vor Zelotismus hüten, es ist aber auch daran zu erinnern, daß es nicht bloß Zeloten der Religion giebt, sondern ebenso Zeloten des Fortschritts, und diese find auch gefährlich. (Bravo! Große Heiterkeit.) Meine Herren, Gewiffenssreiheit sagt man dann und ost ist nichts anderes hinter diesem Schleier, als GewiffenSdruck. (Sehr gut!) Das ist unser Hauptbestreben, daß wir nicht wünschen, daß an diesem Heiligthnm unseres nationalen Lebens, welches Schule heißt, die eonsesfionel- len Gegensätze ausgetragen werden. Man hat uni von dort (auf die Plätze der Fortschrittspartei deutend) provocirt, daß wir Hand in Hand und Herz an Herz mit dem Centrum gehen und Fühlung mit ihm gewinnen. Gewiß, das thun wir, wo es für das Christenthum geht. Dir wiffen, daß uns manche Differenzen scheiden, wir fürchten uns vor dem geistigen Streit mit Rom nicht, aber wir wiffen auch, die Schule ist der Ort nicht, wo dieser geistige Kamps ausgefochten wird, sondern das ist die Kirche selbst. (Sehr richtig!) Man beruft fich zuletzt sehr ernsthaft auf den pädagogischen Zweck; man sagt und der Abg. Dr. Gneist hat das wie in seiner Broschüre vor zehn Jahren und auch jetzt wieder an- gebeutet, baß ber confessionelle Gesichtspunkt bie übrigen Unterrichtsfächer nicht beherrschen barf; bie Lehre, wie er sagt, also bie Naturkunde, die Geschichts- tunbe, barf dem Dogma nicht untergeordnet werden. Meine Herren, wer so spricht, ber kennt boch bie moderne Pädagogik nicht. Daran denkt wirklich niemand, wenigstens bei uns nicht, daß das Unter-
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