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Marburg, Mittwoch, 24. Dezember 1879
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»nieigen nimmt dagegen: Sie Expedition b.Blatte#, -gtBte ö.ilnnoncen-Sbuteauf ,Dn Ld, Dietrich & Co. in gaffel und Hannover; Tb Dietrich in grontfurt a.M.; naolentiein & Bögler in Hantfurt a M., Berlin, sechzig, Lvln tu; Rudolf Atolle in Berlin. Fraill« h<F 0. *'* IC.
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Berlin: W. LhieneS in « Elberfeld: C. Schlotte in n Bremen.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blatte# en sowie d. Annoncen-Bureaur von @. L- Daube fc Co. in m; Frankfurt a. M; Jüger'sche u Buchhandlung daselbst; w Hermann'sche Buchhandl. st daselbst; Jnvalidendaist in dl
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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn« und Feiertagen. Preis für da# Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirleS SonntagSblatt" durch die Expedition (Roch'fche Buckdruclerei) bezogen 2i Warf, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«.
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Er war ein gemüthlicher, alter Herr, der Onkel Karl,
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er meinte eS nicht schlimm und zeigte 10 Minuten später wieder die alte, ewig lächelnde, leutselige Miene. Bei guter Laune glich übrigens Onkel Karl's glänzendes Antlitz derartig dem lachenden BollmondSgesicht in milden Frühlingsnächten, daß der hartgesottenste Misanthrop sein Wohlgefallen daran haben mußte. Morgens beim Kaffee laS et seine Zeitung, eine Beschäftigung, bei welcher ihn Niemand stören durfte, da Onkel Karl alles das, waS ihm wichtig däuchte, memorirte. Hatte er diese Arbeit beendet, so erhob er sich mit wichtiger Miene und schritt nach seinem Stammlokal. Dort that er sich dann dick mit seiner brühwarmen Weisheit, ließ sich als ein politisches Genie bewundern, lächelte verständnißinnig, wenn Jemand meinte, da gehöre doch ein guter Kopf zu, die Dinge gleich alle so klar und überzeugend erörtern zu können, und war es Zeit zum Mittagessen, so begab er sich, hochbefriedigt, wieder nach Hause. Bei Tisch pflegte er stets noch einmal auf seine politischen Frühschoppengespräche zurückzn- tommen und seinen beiden Damen, der alten Wirthschasterin und seinem Mündel und Schwesterkind, der hübschen Emilie, einem Mädchen von 18 Jahren, Vorlesungen über die Orientpolitik Englands und Oesterreichs, über die ewigen Minister krifen auf der Apenninenhalbinsel, oder über die innere Politik des deutschen Reichskanzlers zu halten. Nach Tisch hielt er seinen gewohnten Mittagsschlaf, der bis gegen 3 Uhr währte. Um diese Zeit trank der Onkel seinen
für 1880 ausgegeben.
Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.
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da# war die Ecke, aus welcher der Wind blies! Was half es, daß er noch so talentvoll, noch so brav und streb-; sam war, wenn er nicht im Stande, eine Frau zu ernähren, ja, sich kaum selbst ernähren konnte? Das wai das Wasser, welches die Klatschmühle der Wirthschafterir trieb. Von dem existenzlosen Farbenklexer summte sie dem . Alten am Morgen und am Abend die Obren voll. Dabe kam ihr der Umstand nicht übel zu Statten, daß auch der - Onkel keine Neigung für den jungen Künstler hegte unt ; sogar wiederholt den Versuch gemacht hatte, seine Nicht- zu der Lösung ihres Verhältnisses zu demselben zu veranlassen. Damit war er nun freilich schlecht angekommen denn wenn Emilie die Autorität ihres Onkels auch ir jeder Hinsicht hoch hielt und den guten Mann wie ihrer Vater liebte und verehrte, in Herzensangelegenheiten lies sie sich dennoch keine Vorschriften machen. Nachdem bei Onkel sich davon überzeugt hatte, ließ er Emilie in Ruhe „Du willst der Sache nicht vorgreifen", dachte er, „st mag ihren Gang gehen. Emilie ist ein vernünftiges Mäd chen, sie muß selbst wiffen, was sie zu thun hat." Jndesset war er entschlossen, vorläufig nicht zu dulden, daß sich di, beiden jungen Leute verheiratheten; Hain sollte sich erf eine entsprechende Stellung verschafft haben. Emilie halt sich gern damit zufrieden gegeben, da sie bestimmt hoffte i daß die Erfüllung dieser Bedingung nicht lange auf ftd warten lasten würde. Hain wollte ja die nächste Kunst auSstellung mit einem Gemälde beschicken, welches voi Kennern als ein Meisterwerk bezeichnet wurde. Dies Ge mälde konnte also den Wendepunkt In seiner Künstler laufbahn bedeuten, er konnte mit einem Mal ein berühmte Mann werden, und dann kamen die Aufträge von selbst. Da- MeS hatte ihr Hain begreiflich gemacht. (Forts, folgt.)
könnten. Diesen Eindruck hat aber wohl auch Graf Schuwaloff mit nach Petersburg genommen; die übrigen n Gerüchte der letzten Zeit sind aber übertrieben , feste Be-e" schlüsse über die Innere Politik sind dort noch nicht gefaßt. al Schuwaloff selbst gehört einer mittleren Richtung an, er” ist nicht kraß reaktionär, nicht constitutionell-fortschrittlich, . er sucht zu erhalten, aber mit einigen Concessionen auf diesem Gebiete. Es ist nicht unmöglich also, daß er auch über diese Fragen mit Fürst Bi-marck gesprochen hat, be-"' stimmte oder bestimmende Abmachungen sind aber da nicht * getroffen worden, am wenigsten die, Oesterreich herauszu- H drängen und das Dreikaiser-Bündniß wieder herzustellen."e Graf Schuwaloff hat auch noch nicht einmal den Versuch s dazu gemacht.
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§§. Berlin, 22. December. Der Reichskanzler wird!e heute Abend aus Varzin zurückerwartet und wird derselbe 3' bann, wie wir hören, vorläufig bis nach Neujahr hier ßer=-r bleiben, um bas Fest im Kreise seiner gesammleu Familie ss — auch Graf Wilhelm wirb morgen aus Straßburg hierd eintreffen — zu verleben unb auch ber Taufe seines ersten s Enkels beiwohnen. Der GesundheitSzustanb bes Reichs--' kanzlers ist übrigens nicht so günstig, wie man eS erwarteten unb hat bas Nervenleiden bes Fürsten in ben letzten Wochen " sich wieder verschlimmert. Wie lange ber Fürst hier seinen 0 Aufenthalt nehmen wirb, ist noch nicht bestimmt, jedoch 9 glaubt man nicht, baß derselbe nun dauernd hierbleiben'' werde; man verrnuthet vielmehr, daß der Reichskanzler st noch in der Zwischenzeit von Neujahr bis zur Eröffnung" des Reichstags noch einen Ausflug nach Friedrichsruhe * machen und dort noch einige Jagden abhalten werde. —" Der BundeSrath wird morgen noch eine Sitzung abhalten um das amtliche Waarenverzeichniß festzustellen und dann" in die Weihnachtsferien gehen, welche bis zur Woche nach" Neujahr andauern werden. Am 8. Januar — also an" demselben Tage, an welchem das Abgeordnetenhaus seine' Berathung wieder aufnimmt — wird ber BundeSrath die' erste Plenarsitzung des neuen Jahres abhalten. — Jm^ ReichSeisenbahnamt sind jetzt diejenigen Tabellen festgestellt, $ welche für die mit dem 1. Januar 1880 ins Leben treten-' den allgemeinen deutschen Eisenbahnstatistik verwendet werdenz sollen. Diese Tabellen werden jetzt durch den Druck ver-^ vielsältigt und dann sofort den einzelnen Eisenbahn-Ver- - Wallungen zugestellt werden. Durch diese neue Einrichtung • dürfte eine erhebliche Förderung deS Eisenbahnwesens her-' beigeführt werden. 1
Ralibor, 19. Dez. Der Landrath Pohl hat an du' OrtSvorstände des Kreises Ratibor nachstehende Verfügung' ertasten: Die zu Tage getretene große ungerechtfertigte Begehrlichkeit seitens Nichtsbedürftiger wegen versagtet' Gewährung von Unterstützungen resp. von Entschädigunger:
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rck ttä [ Der „Reichsanzeiger" publieirt daS Gesetz über den $ oh« Erwerb mehrerer Privat-Eisenbahnen für den preußischen ? Staat, und zwar 1) der Berlin-Stettiner, 2) der Magde-
;. i I burg-Halberstädter, 3) ber Hannover-Altenbekener unb 4) ber Köln-Mindener Eisenbahn - Unternehmungen. DaS be- treffenbe Gesetz tritt mit bem 22. Dezember in Kraft.
mit Ausnahme von Berlin unb ben Kreisen Bromberg, Wiesbaben unb Köln, wo keine derartigen Hülfsbedürs- tige vorhanden sind, auf die Regierungsbezirke Königsberg 137, Gumbinnen 54, Danzig, 26, Marienwerder 40, Potsdam 197, Frankfurt a. O. 105, Stettin 33, Köslin 62, Stralsund 15, Posen 32, Breslau 43, Liegnitz 19, Oppeln 13, Magdeburg 20, Stolbergsche Grafschaft 2, Merseburg 141, Erfurt 36, Schleswig-Holstein 63, Münster 5, Minden 11, Arnsberg 4, Kassel 80, Coblenz 4, Düsseldorf 15, Trier 11. b. Wittwen und Waisen von höheren Lehrern sind nach Anzeige der Regierung 194 vorhanden, von denen 110 durch das Ministerium anerkannt sind. Außer der Stolberg'schen Grafschaft und den Regierungsbezirken Koblenz und Köln, wo keine Unterstützungsbedürftige vorhanden sind, vertheilen sich die 197 folgendermaßen : Regierungsbezirk Königsberg 6, Gumbinnen 6, Danzig 6, Marienwerder 2, Berlin 10, Potsdam 14, Frankfurt a. O. 13, Stettin 5, Köslin 5, Stralsund 7, Posen 8, Bromberg 11, Breslau 1, Liegnitz 12, Oppeln 15, Magdeburg 3, Merseburg 11, Erfurt 11, Schleswig- Holstein 15, Münster 9, Minden 5, Arnsberg 3, Kassel 9, Wiesbaden 2, Düstestorf 3, Trier 2. c. Wittwen und Waisen von Elementarlehrern sind nach Anzeige der Regierung 4200 vorhanden, von denen 3159 Seitens des Ministeriums anerkannt sind. Die ersteren vertheilen sich folgendermaßen: Regierungsbezirk Königsberg 335, Gumbinnen 201, Danzig 145, Marienwerder 174, Berlin 58, Potsdam 361, Frankfurt a. O. 231, Stettin 125, Köslin 81, Stralsund 75, Posen 249, Bromberg 147, Breslau 223, Liegnitz 151, Oppeln 232, Magdeburg 54, Stol- berg'sche Grafschaft 6, Merseburg 237, Erfurt 96, Schleswig-Holstein 275, Münster 50, Minden 59, Arnsberg 97, Kastel 190, Wiesbaden 113, Koblenz 55, Köln 31, Düsseldorf 63, Trier 83.
Der Besuch des Lord Dufferin und des Grafen Schuwaloff in Varzin haben jedenfalls eine politische Bedeutung gehabt; England ist sehr besorgt über seine Stellung in Centralasien, zumal jetzt nach der neuen Niederlage in Afghanistan, und ist daher sehr schlecht auf Rußland zu sprechen, von dem es glaubt, daß eS wieder die Hand int Spiele habe. England will sich daher mehr Deutschland zuwenden, um so eine Vermittelung zu provociren. Daß sich nun Deutschland in irgend einer activen Weise einmischen sollte, ist ganz undenkbar; Fürst Bismarck hat die strengste Neutralität in allen asiatischen Fragen als für Deutschland maßgebend hingeftellt. Es dürfte daher auch wohl Lord Dufferin in Varzin nichts Besonderes erreicht haben; jedenfalls hat der Reichskanzler diese englischen Wünsche einfach abgewiesen und dahin beschieden, daß eS ihre Sache sei, was sie dort thun und lassen wollten und daß ihre Entschlüsse Deutschland in keiner Weise tangiren
Mokka, wobei er über die zweckmäßigste Verwendung des Tagesrestes nachsann. Er machte nun entweder mit feiner Nichte einen Spaziergang oder beschäftigte sich auf irgend eine Weife bis 7 Uhr im Hause. Um 7 Uhr begab er sich aber wieder regelmäßig auf feinen Platz am Stammtische. Bis 10 Uhr blieb er dort, pünktlich mit dem Glockenschlage erhob er sich, und sein Tagewerk war vollendet. So ging es Tag für Tag, es war das einfache Lebensprogramm des guten Onkel Karl, der früher einmal ein Geschäft betrieben hatte, jetzt aber schon seit mehr denn 10 Jahren al« Rentier lebte.
Seine Haupffreude war indessen seine Nichte. Er liebte Emilie über Alles, sie war ja das einzige Kind seiner ftüh verstorbenen, einzig geliebten Schwester — und er selbst war niemals verheirathet gewesen. Emilie wollte er glücklich machen. Er gab daher auch nicht viel darauf, wenn die Wirthschasterin, eine Person, die ihm übrigens dreißig Jahre treu gedient hatte, ihm seine Emilie als ein leichtsinniges, flatterhaftes Ding verdächtigen wollte. Er kannte ja feine Pappenheimer, Emilie und die Wirth- fchafterin sehr genau. Er wußte, daß diese, wenn auch eine ehrliche Haut, ein recht verschmitztes Weib war, die ihm seine Nichte nur deßhalb so schwarz zeichnete, weil sie hoffte, dadurch später um so mehr von ihm zu erben. Der Onkel lächelte zu ihren Machinationen, sie waren in diesem Falle ja nicht gefährlich, denn sein kluger Kopf durchschaute Herzen und Nieren.
Ein Thema erschien der unermüdlichen Wirthschasterin neuerdings trotz Allem ergiebig: EmilienS Verhättniß zu dem Maler Oskar Hain, einem talentvollen, aber noch nicht anerkannten, strebsamen jungen Mann, der Emilie herzlich lieb hatte. Hain hatte noch keine feste Existenz —
Der Abg. Dr. Virchow hatte an den Kultusminister die Bitte um Auskunft gerichtet, wie viele Lehrer-Wittwen Md Waisen vorhanden seien. Hierauf hat der Kultusminister mitgetheilt, daß die Anzahl der Elementarlehrer- Vittwen und Waisen am Schluffe des Etatsjahre« 1878/79 sich folgendermaßen gestellt hatte: Wittwen mit Pension 8569, Wittwenfamilien mit Pension 563, Summa: 9132, dazu Wittwen ohne Pension ca. 1000, Summa Summarum 10,132. Werden die Wittwen der Stadt Berlin, für welche die Letztere selbst sorgt, hinzugerechnet und wird berücksichtigt, daß die Vermehrung der Schulstellen während der letzverfiossenen Decennien den gegenwärtigen Bestand an Wittwen noch erhöhen kann, so wird die Zahl 11,000 ungefähr die Anzahl der künftig vorhandenen Lehrer- Wittwen- und Waisenfamilien angeben, d. h. auf ca. 55,000 Lehrerstellen 11,000 Wittwen- und Waisenfamilien oder auf je 5 Stellen eine Pension. Die Anzahl Der Lehrer-Wittwen aus dem höheren Stande der Lehrer kann nicht angegeben werden, wohl aber ist eine Nachweisung aller bedürftigen, d. h. unterstützungsbedürftigen Wittwen aus dem Stande der Prediger, der höheren Lehrer, der ' Elementarlehrer vom Kultusministerium angefertigt und geprüft worden, welche folgende Resultate ergibt: a. Wittwen und Waisen, von alleinstehenden Geistlichen und Kirchenbeamten nach Anzeige der Regierung 1168, von denen Seitens deS Ministeriums allerdings nur 729 anerkannt sind. Von den durch die Regierung gemeldeten entfallen,
^Nachdruck »erboten.]
Das Testament des Onkels.
Novellette von Ferdinand Gilles.
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Seih» MustrirteS Sonntagsblatt : angenommen, und bitten wir dieselben baldigst
nl e. eine gute, ehrliche Seele; wenn er auch manchmal unge- ♦ J hallen war und in den preußischen Schnurrbarl brummte, Mk.« er meinte es nicht schlimm unb zeigte 10 Minuten später