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Marburg, Dienstag, 23. Dezember 1879

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meinden in Bezug auf die Organisation des Schulwesens gegen ihn selbst ins Feld führen, also Herrn Gneist mit seinen eigenen Wortm widerlegen konnte. Die Rede des Cultusministers war eine vorzügliche; sie zeichnete sich aus

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Ein neues Buch von Frau Louise Cuno.

Angeregt und ermuntert durch Leopold v. Ranke hat unsere frühere Mitbürgerin Frau Louise Cuno sich von dem Studium der Geschichte des XIII. Jahr-

Einern Berliner Briefe derMagdeb. Ztg." zufolge sind im Kultusministerium noch zwei, wenn auch nur kurze Gesetze in Angriff genommen, welche möglicherweise noch in dieser Session ihre Erledigung finden möchten. Es ist dies zunächst der Entwurf seiner EmeritirungSord- nung für die evangelischen Geistlichen in dem Sinne, wie ihn die Generalsynode beantragt hat, und ein Entwurf über die Pensionirung der emeritirten Volksschullehrer. Wenn die Session ohnehin eine längere Ausdehnung ge­winnen sollte, würden auch diese Entwürfe noch vorgelegt werden.

liche Hochzeit; die letzten Seiten behandeln Bugenhagens Wirken in Pommern.

Dies der kurze Inhalt drö trefflichen Buches. Dir großen historischen Schilderungen zeugen von einer gesund den Auffassung der Reformationsgeschichte; sowohl der' Haupt- als den Nebenfiguren fehlt es nicht an Plastik 1 > von den letzteren find namentlich die Frauencharaktere aw 1 besten gelungen. Unser Hessischer Adel, unser Marburger Bürgerthum find mit großer Liebe und vielem Fleiße ge=: ' schildert; deshalb können wir in unserer engeren Heimat! ' das Werk auch als ein vortreffliches Weihnachts- gesehen! bestens empfehlen.

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Die Mehrzahl der in den letzten Jahren, auch in diesem Winter, bei starkem Frost vorgekommenen Eisen­bahnunglücksfälle ist auf das Springen der Bandagen zurückzuführen gewesen. DerVerein deutscher Eisen­bahnverwaltungen" wird in Folge dessen, wie wir aus kompetenter Quelle erfahren, in den nächsten Tagen einen Preis von 10,000 M. auf das beste Verfahren, Bandagen so zu befestigen, daß ein Springen derselben absolut ver­hindert wird, ausschreibeu. Möchte im Interesse der Sicherheit unseres Eisenbahnverkehrs die Lösung dieser Frage möglichst bald gelingen!

Von befreundeter Seite geht uns aus Berlin über die Mittwoch- und Donnerstag-Sitzung des Abgeordnetenhauses zu der Elbinger Simultanschule noch Folgendes zu: Der Abg. Gneist beantragte, die Pelition des Elbinger Magistrats der Regierung zur Berücksichtigung zu überweisen, d. h. die eingerichtete Simultanschule zu bestätigen. Dieser An­trag wurde aber vom Abgeordnetenhause mit der großen Mehrheit von 245 gegen 147 Stimmen abgelehnt. Für den Liberalismus bedeutet diese Abstimmung eine empfind­liche Niederlage. Für den Referenten Dr. Gneist war es recht empfindlich, daß ihm der Staatssekretär von Gcßler so auffallendeDruckfehler" nachweisen und der Herr Kultusminister von Puttkamer eine frühere Schrift des Herrn Gneist über die Grenzen der Berechtigung der Ge-

dem ersten Jahrzehnt der Reformation vor Augen führt. Die ersten Kapitel (der Reichstag in Worms und im Schloßhofe von Eisenach) führen uns die Eindrücke des Wormser Reichs­tags von 1521 und Luthers Wirken auf der Wartburg vor Augen; sie führen auch in liebenswürdigster Weise diejenigen Figuren ein, welche die Helden des das Ganze zu einem einheitlichen Ganzen verknüpfenden Romans bilden. Das dritte Bildam Grabe- der heiligen Elisabeth" ist so recht für uns Marburger geschrieben; es ist eine vortreff­liche Schilderung des Marburger Lebens und Treibens aus damaliger Zeit. Das vierte Kapitel behandelt Sickingens Ende auf der Veste Landstuhl; das fünfte und sechste schildert den Aufruhr der Bauern, das siebente die Vor­gänge im Deutschordenslande Preußen, da« achte führt uns nach Böhmen und ins Ungarland; das neunteim Schatten der Marburger Hochschule" interessirt uns wieder ganz be­sonders, und wir verzeihen es der Verfafferin gern, wenn sie, namentlich was damalige Studentenbräuche betrifft, sich aus Mangel an gleichzeitigen Schilderungen, hier mit etwas späteren Details beholfen hat. Das zehnte Blld behandelt namentlich taö Ende des Patrik Hamilton, der ja auch zu unserer Hochschule in Beziehung steht. Das elfte Kapitel, die Schilderung der Lage der Juden behandelnd, ist das am wenigsten gelungene des ganzen Werkes; das zwölfte hingegen bringt eine treffliche Schilde­rung des Marburger Religionsgesprächs. Mit der Dar­stellung des Augsburger Reichstages im dreizehnten Kapitel erhalten die eigentlich historischen Bilder ihren Abschluß; das letzte, vierzehnte, ist namentlich der Lösung des sich wie ein rother Faden durch das Ganze hinziehenoen Romans gewidmet: nach mchr als zehnjähriger Trennung treffen sich die Liebenden in Marburg und machen hier eine fröh­

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Weihnachten in alter Zeit. i

Ein Stück deutscher Kulturgeschichte. i

Von Oskar Schwebet. 1 '

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Die Legende erzählte überdies, daß in der Nacht bei1

Geburt Christi die ganze Schöpfung um Bethlehen herum in lenzeSfrifchem Glanze sich entfaltet habe Das Alles wiederholte sich nach deutschem Volksglauben^ in der heiligen Nacht. Während der Christmeffe sollte der Hopfen fingerlange Schöffen unter dem tieffter' Schnee hervortreiben; der Hollunder sollte um die Stunde- ' der Geburt ausschlagen; Apfelbäume auf wunderbare Weiss ' mitten im Schnee erblühen und bis zur Morgenstunde . Früchte zeitigen, so groß wie eine Nuß. Solche rounber1 bar in der Christnacht sruchltragcnde Bäume weiß die, Volkssage bei Nürnberg, Bamberg, Würzburg und Lahi am Main anzugeben; man soll ihre Früchte ehedem ge > sammelt und sich als glückbringend übersandt haben. Kurz' die Kirche bemächtigte sich entweder durch die Legende ode

Tagesbericht.

Aus Berlin vom Sonnabend wird gemeldet: Bei den Majestäten findet heute Nachmittag ein größeres Diner statt, wozu das Präsidium und mehrere Mitglieder des Abgeordnetenhauses, die Minister Graf zu Stolberg, v. Puttkamer, Hofmann, Maybach und Bitter, der frühere Minister Dr. Friedenthal und mehrere Generale ge­laden sind. ______________

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Eine allgemeine Verfügung des Justizministers vom 12. Dezember d. I. betreffend den Amtstitel der Gerichts­schreiber und GerichtSschreibergehülfen bestimmt: Auf Grund des §. 15 des Gesetzes vom 3. März 1879, be­treffend die Dienstverhältnisse der Gerichtsschreiber, daß die Gerichtsschreiber den AmtstitelSecretäre" und die gegen festes Gehalt auf Lebenszeit angestellten GerichtS­schreibergehülfen den AmtstitelAssistenten" führen. Die­jenigen Bestimmungen, nach welchen die GerichtSschrciber gewisse Schriftstücke ausdrücklich unter Beifügung ihrer Amtseigenschaft alsGerichtsschreiber" zu vollziehen haben, werden durch die hier getroffene Anordnung nicht berührt. ____________

flküt das 1. Quartal 1880 werden von allen v Postanstalten (auf dem Lande von den Land- j Postboten) Bestellungen auf die

Dderhessische Zeitung

mit deren Gratisbeilage

JllustvirteS Sonntagsblatt angenommen, und bitten wir dieselben baldigst machen zu wollen.

&ST Mit der Nr. 1 wird ei« Kalender für 1880 ausgegeben.

Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.

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durch offene rückhaltlose Darlegung deS prinzipiellen Stand­punktes deS Ministers, der sich entschieden für die Auf­rechthaltung der Konfessionsschulen erklärte, aber in ein­zelnen Nothfällen die Einführung der Simultanschulen, [t( wie das bisher die preußische Praxis gewesen ist, für zu- lässig erklärte. Den Höhepunkt erreichte die Debatte in den Reden des Abg. Hofprediger Stöcker und des ihm -e vorausgegangenen Redners Prof. Virchow. Der letztere hatte die Sache unter seinen Culturkampfgesichtspunkt ge- ,n stellt und die Behauptung ausgestellt, daß der religiöse Glaube überhaupt keine erziehliche Kraft besäße, woraus natürlich die Nothwendigkeit der gänzlichen Beseittgung des Religionsunterrichts aus der Schule folgen würde. Es^. war deßhalb dem Abgeordneten Stöcker nicht schwer, den Herren, die das immer nicht wahr haben wollten, ans den £ Worten Virchows den Beweis zu führen, wie die konfessions- g lose Schule zur religionslosen führe. In glänzender, einen ß mächtigen Eindruck ausübenden Rede packte Stöcker den

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blatte» sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in v* Frankfurt a. M; Jäger'sche 1 Buchhandlung daselbst; L Hermann'sche Buchhandl. L daselbst; Jnvalidendan! in j Berlin; 88. Thiene» in_ Elberfeld; 6. Schlotte in V

Bremen. "

rika's, DerR.- und St.-A." veröffentlicht folgende an den u 180 Justizminister gerichtete Allerhöchste Ordre: Auf Ihren Bericht vom 30. November d. I. will Ich genehmigen, daß

gyeigen nimmt entgegen: He Expedition b.Blatte», sowie b.Annoncen-Bureaux gon ifc. Dietrich & Co. in staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; öaasenftein & Vogler in zrantfurt a- M., Berlin, sechzig, Cöln re.; Rudolf Kaffe in Berlin, Frauk- f»-r a. *>i. ic

Stier bei den Hörnern, riß alle Masken herunter und zeigte in schlagender Weise, daß es sich um eine Weltan- schaumig handle, nämlich ob in der Schule die christliche J oder materialistische Weltanschauung herrschen solle. Dieses Klarstellung der Frage hat alle Masken heruntergenommen,, und zeigt dem Volke, um was es sich in dieser Frage- handelt. Die liberale Presse äußert sich deßhalb mit großem Ingrimm, kann aber selbst nicht umhin, die große Be- deutung dieser Rede anzuerkennen. Der Abg. Miquel sagte t beim Verlassen des Saales am Schluffe der Sitzung, in welcher Stöcker seine Rede hielt, zu einem andern Abge- ordneten:Also dieser Mann, von dem wir soeben diese bedeutende Rede gehört haben, ist derselbe, welchen die Berliner Schandpresse bisher so mit Schmutz beworfen hat!-. Am zweiten Tage konnte die Diskussion nicht mehr bene Höhepunkt des ersten Tages erreichen. Es sprachen noch, je zwei Redner für und zwei gegen den Antrag. Alle . Parteien des Hauses stimmten geschloffen in dieser Frage,-, nur allein die freikonservative Fraktion theilte sich; der diu' Theil stimmte für, der andere gegen den Antrag. Tic'.

Simultanschulfrage ist damit hoffentlich für längere Zeil i erledigt.

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Oesterreich-Ungarn hat, wie dieWiener Presse" hört,, die Propositionen Deutschlands bezüglich des Provisoriums, abgelehnt und seinerseits Gegenvorschläge erstattet. Die ' abgelehnten Propositionen sind diejenigen, welche bi«: österreichisch-ungarischen Delegirten aus Berlin milgebracht/ hatten. Darnach verlangte Deutschland im Wesentlichen' die sechsmonatliche Verlängerung des bestehenden Meist-'

hunderis, aus welcher ihr Conrad von Marburg hervor- ' ging, dem iVI. Jahrhundert zugewendet und ein ähnliches Üßerf wie dieses geschaffen. Es ist soeben bei Elwert da­hier erschienen und führt den Titel: Bewegte Tage. .Bilder aus dem 16. Jahrhundert von Louise ! Enno. Marburg, N. G. Elwert'sche Buchhandlung 1880. L (22 Bogen, Preis M. 3,60). Wie im Konrad von ; Marburg das XIII. Jahrhundert, so ist im gegenwärttgen ! ißerfe auch in einzelnen Bildern die bewegte Zeit des - Werdens der Reformation geschildert. Die Verfasserin sagt über diese Art des kulturhistorischen Romans:Wenn ein , Lessing feinen Huß, ein Kaulbach seinen Peter Arbuez »alt, so malen sie geschichtliche Wahrheit, und zwar ist die Aeschichtliche Thatsache der Mittelpuntt und nicht Hinter- : gründ oder Draperie des Gemäldes. Wohl aber geben ! sie als Beiwerk zur Belebung oder zur Kurzweil eine schöne Landschaft, zufällige Umgebung und Personen." Betrachtet , »lan daö Buch von diesem Gesichtspunkte aus, so kann ®ian nur sagen, daß die Verfasserin das vollständig erreicht hat was sie erreichen wollte. Ein umfassendes Studium ; her jo reichen Literatur über das Zeitalter der Reformation [sowie theilweise der Originalquellen selbst hat der Ver- , _0 [ -asserin eine gründliche, anschauliche Kenntniß des von ihr , 92 3b t behandelten Stoffes gegeben. Man merkt dem Buche an, ' ] t baß sie sich mit Liebe und Verständniß in jene Zeit ver- __. | lieft hat.

Es find gewaltige Bilder, welche die Versafferin uns aus

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllnstrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 3£ Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 35 Pfg. berechnet.

eS zu Versetzungen richterlicher Mitglieder der Landgerichte and Amtsgerichte an ein anderes Gericht erster Instanz fein® nicht der Einholung einer königlichen Versetzungsorore be- große- dürfe, solche Versetzungen vielmehr von dem Justizminister ausgehcn sollen. Handelt es sich um die Versetzung eines mit dem Charakter alsLandgerichts-Rath" oderArnlS- zenchts-Rath" beliehenen Richters, so ist demselben die Ver­pflichtung zur Führung desjenigen AmtScharakterS aufzu- erlegen, welcher dem Gerichte seiner neuen Anstellung ent­spricht. Ich will ferner genehmigen, daß beim Uebertritt kmes richterlichen Beamten oder eines Staatsanwalts in die Rechtsanwaltschaft von der Einholung einer königlichen l Entlassmigsurkunde Abstand genommen werde. Tritt ein . Richter, welchem der Charatter alsLandgerichts-Rath" oderAmtsgerichts Rath" verliehen worden ist, ober ein | Justizbeamter, mit dessen Amt der Rang der vierten oder einer höheren Rangklasse verbunden war, in die Rechtsan- i vattschast über, so kann ihm durch den Justizminister die Ermächtigung ertheilt werden, als Rechtsanwalt den Titel -Justizralh" zu führen.

id aill- Berlin, den 8. December 1879.

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