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Marburg, Sonntag, 21. Dezember 1879

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lk Nachweisen, wie im vorliegenden Falle genau nach den stehenden Bestimmungen verfahren worden. Der Minister in seiner einstünbigen vortrefflichen Rede mit echt

,ür das 1. Quartal 1880 werden von allen Postanstalten (auf dem Lande von den Land-

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staatsmännischer Ruhe und Festigkeit bewiesen, in welch guten Händen jetzt da« Cultusministerium liegt.

Die Scharmützel zwischen Herrn v. Sybel und, dem CentrumSredner Röckerath, in welchen die alten Rheinischen Streitigkeiten wieder aufgewärmt wnrden konnten die Auf­merksamkeit des Hauses nicht fesseln. Der Abgeordnete Petri versuchte für die Simultanschulen eine Lanze zu brechen, indem er die Schulen von Nassau, Großherzog- thum Hessen und Baden ins Gefecht führte, er fand seine thatsächliche Widerlegung in den sehr klaren Darlegungen des UnterstaatssekretärS v. Gvßler der ihm nachwies, daß in Nassau überhaupt nur 43 Simultanschulen beständen. Das unbedingt größte Interesse nimmt bei dieser Verhand­lung der Theil der Debatte für sich in Anspruch, in wel­chem die große Frage der konfessionellen Schule ihren Sieg feierte. Dem Abgeordneten Virchow war es Vorbehalten, in seiner Weise den Forderungen seines materialistischen Standpunktes Ausdruck zu geben, den irreligiösen An­schauungen bei dem Unterricht das Wort zu reden.

Dagegen hat die kon servative Partei einen Redner in« Feld gestellt, wie er selten bis "jetzt in den Räumen des Abgeordnetenhauses vernommen worden ist. Dem Abg. Stöcker gebührt die Ehre des Tages. Von ihm sagt ein Berichterstatter:

Der Abg. Stöcker, welcher erst nach einer vierstün­digen Debatte zum Worte kam, fesselte trotzdem baS HauS und die gespannte Aufmerksamkeit desselben noch eine weitere volle Stunde. Die Fülle der Thalsachen, die er neu vor­brachte, die Kürze und Kraft seines Ausdrucks, die Wärme und Ueberzeugung, welche jedes seiner Worte athmete, alles dieses zusammen wirkte durchschlagend. Die ver­nichtende Kritik des Standpunktes des Abg. Virchow, welche gleichzeitig den materialistischen Bildungstaumel in scharfem Gegensätze zu der christlichen Weltanschaung geißelte, die Beleuchtung der eben so anspruchs- als widerspruchs­vollen Haltung des Elbinger Magistrats, die Verurtheilung der Simultanschule nach ihrer Natur vom kirchlichen, pädagogischen und erziehlichen Standpunkte, sind nicht an- ders als meisterhaft zu nennen. Es war ein freudiges, evangelisches Bekenntniß, das von seinen Lippen strömte, und das, voll des schönsten Gleichgewichts in sich selbst, daneben durch die feine, eben so bestimmte als gemeffene Form doppelt wirkte."

Und wenn etwas im Stande ist, die großartige Wir­kung dieser Rede zu beweisen, so ist es das ohnmächtige Wuthgeschrei der Berliner Pöbelpresse, die sich mit ihrem . irreligiösen Cynismus in's Herz getroffen fühlt.

Mit einer großartigen Majorität hat daS Abgeord­netenhaus da« Vorgehen deS Ministers von Puttkamer genehmigt und ihm den Beweis geliefert, daß er auf die Mitwirkung des Hauses voll zählen kann, wenn er fest und gerecht seine Bahnen verfolgt. Diese Verhandlung

Nicht sie allein stnd'S, die beklagen Den unersetzlichen Verlust, Darob noch Viele, Viele tragen Gar schweren Kummer in der Brust.

Entriffen hat Dich auch den Sinnen Der unerbittlich harte Tod, Auch ihnen, die durch Dein Erbarmen Gelindert sah'n manch' bittre Roth. Gehellt hast Du oft tiefe Wunden, Erleichtert manchen herben Schmerz, Und wo Du Elend nur gefunden, Da gab mit Freuden stets Dein Herz!

Wer Dich im Leben je nur kannte,

Die höchste Achtuug zvLL er Dir,

Und wer als Freund gar Freund Dich nannte, Könnt' er wohl einen finden hier, Der ehrlicher es meinte, treuer Mit ihm getheilt hat Leid und Freud', Der ihm im Leben war so theuer, Ihm durch den Tod bringt größreS Leid?

Schon hast Du uns verlaffrn müßen, Zu ruhn von Deines Lebens Müh, Jäh hat der Tod Dich uns entrißen, Uns allen, allen ach! zu früh!

So schlummre sanft denn und in Frieden, Geh' ein zur ew'gen, sel'gen Ruh!

Doch wir, von betten Du geschieden, Voll Hoffnung rufen wir Dir zu: Auf Wiedersehn!

Sachen zu wollen.

$ggr Mit der Nr. 1 wird ein Kalender sirr 1880 ausgegeben.

Die Expert, d. Oberh. Leitung.

mit deren Gratisbeilage

Mu striktes Sonntagsblatt

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte« sowie d. Annoncen-Bureaus von ®. L- Daube & Co. in Stanlfurt a. 8DI; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendanl in Berlin; W. Thiene- in Elberfeld; 6. Schlotte in Bremen.

M Mgenornmen, und bitten wir dieselben baldigst lste»

war wiederum ein großer Sieg der konservativen Sache und er wurde illustrirt, als der Exminister Falk gegen seine eigenen Aenderungen und die seines Nach­folgers stimmte.___________________________________

Tagesbericht.

Der deutsch-italienische Handels- und Schifffahrts-Ber- trag ist auf 1 Jahr, bis Ende 1880, der deutsch-schwei­zerische Handelsvertrag vorläufig auf 6 Monate, bis Ende Juni 1880 verlängert.

Die Nachricht, wonach Oesterreich die deutschen Pro- pofitionen abgelehnt und einen Meistbegünstigungsvertrag auf 6 Monate vorgeschlagen haben soll, wird von bestunter­richteter Seite als unbegründet bezeichnet.

Zu den Verhandlungen mit Rom bemerkt dieGer­mania": Seit einigen Tagen wird in verschiedenen For­men die Nachricht colportirt, daß die Verständigung zwischen dem apostolischen Stuhle und der preußischen Regierung als gescheitert zu betrachten sei. Dem gegenüber können ; wir nur wiederholen, daß die Verhandlungen fortgesetzt werden, von einem Scheitern derselben also nicht die Rede ; sein kann. Vielleicht bringt die nunmehr erfolgte Rückkehr deS Botschafter« Prinzen Reuß nach Wim die Verhand- ; lungen in ein etwas rascheres Tempo, als ste bisher zu . unserem Bedauern einhielten, lieber den Stand der Ver- ,i Handlungen herrscht selbstverständlich das tieffte Schweigen, ,i nur der römische Reporter derVoss. Ztg." ist in die j Geheimnisse tief eingeweiht; er berichtet nämlich, die Ver- Handlungen hätten dadurch einen Stillstand erfahren, daß :i der heilige Stuhl auf der Rückkehr der Jesuiten nach Deutschland bestand. DieVoss. Ztg." glaubt die Weis- r heit ihres römischen Correspondmtm noch durch Sperr- ,i druck ihrem gläubigen Publikum empfehlen zu sollen.

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Der Lage der britischen Streitkräfte in Afghanistan ii widmet dieTimes" eine eingehende Besprechung, in wel- ,i cher sie ihrem Erstaunen über den plötzlichen Wechsel der Dinge ungeheuchelten Ausdruck gibt.Es ist unmöglich",.; schließt das Cityblatt seine Betrachtungen,die Schluß- , Folgerung zu vermeiden, daß unsere Regierung sowohl in Indien wie zu Hause von Anfang bis zu Ende in hohem ii Grade im Dunkeln handelte. Die erfahrmdsten Grenz- f beamten, die fähigsten Generale mißverstehen völlig den Stand der Angelegenheiten und finden plötzlich alle ihre i Berechnungen umgestoßen durch Combinationen und Be­wegungen, von denen sie nicht eher etwas hören, bis bie- Gefahr sie ereilt hat. Sie erleiden eine grausame Strafe für ihre unabsichtlichen Jrrthümer und es ist peinlich, auf,i dieselben zurückkommen zu müßen. Wir thun dies zu i: einem ganz anderen Zwecke, nämlich um rechtzeitig zu,:

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faltigen nimmt entgegen:

Expedition d.Blatte«, nnre» 2med-Annoncen-Bureauk fprL, «alb. Dietrich & Co. in ai fefiel und Hannover; Th. Po», ^srich in Frankfurt a.M.;

lenstem & Bögler in ggtfurt a- M., Berlin, H-ig, 66ln ic.; Rudolf Ase in Berlin, Frank-

Buchdruckerei, bezogen E^Mtiou zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pf«, berechnet.____

der Weihnacht, soweit er sich auf daö Pflanzenreich be­zieht. Die hehre Himmelskönigin, die in der heiligen Nacht den Herrn der Welt geboren hatte, hieß in der Sprache mittelalterifchen Hymnmdie Rose hn Himmelsthau", die Rofe ohne Dornen,"vie Pfingstrose,"das blühende Rosenthal,"der ekle Rosmzweig." Deßhalb wurden die Rosen in einer besonderen Verbindung mit dem Weihnachts­feste gebracht. Allnächtlich in der Christnacht, fo hieß es, blühen die trocknen Rosen von Jericho wieder auf. Schon die Poesie der ältesten Kirche bebimte sich nach einer der letzten Reden deö Herrn bei St. Johanne« des Bildes vorn Weinstocke, um bald dm Messias, bald seine reine Mutter zu bezeichnen. Ferner hieß der Erlöserdie buftenbe Mandelblüthe", wohl mit Beziehung auf den blühenden Stab Arnos. Altdeutsche Lieder vergleichen ihn mit bat blüh mb en Hollunderblumen, die aus den widerlichen Blättern desselben erwachsen, kurz: Christus ist auf Erden die Blume, deren Duft uns heilt.(Schluß folgt.)

De« Entschlafene«.

Äußern man saßen nicht die Knnbe

So niederfchmetternb, ach! so schwer, Die leise geht von Mund zu Munde Und doch ist's wahr Du bist nicht mehr! Du, der Du Mühen nie, nie Sorgen Für'« Wohl der Deinen hast gescheut, Stet«, spät am Abend, früh am Morgm, Gesucht, gethan, was sie erfreut!

Wenn trauernd sie an Deiner Bahre Heut stehn, vor Gram ihr Herz erbebt, Still danken Dir die fchönsten Jahre, Die sie in Deiner Hut verübt:

|M| hat eine Verhandlung im Abgeordnetenhaufe hervorgerufen, -X-1 teren Bedeutung weit über die Grenzen deö Gegenstandes hmausgehl, welchen sie unmittelbar betreffen. Der Elbinger Magistrat, vorn Culturkampfeifer entflammt, hatte feiner Preis- gfft Qn die katholische Schule fünf altkatholische Lehrer

i -»gestellt, er hatte die consessionell getrennten Mädchen­schulen bereits vereinigt, er schritt nunmehr dazu auch die

______ lchvlische St. Nikolaischule auszuheben. Das wurde den

Fingern denn doch zu bunt. Vierhundert Hausväter, njtpb« selche Kinder in die Schulen schickten und die gesummte

Geistlichkeit erhob hiergegen Beschwerde. Die Regi rung l11 in Danzig hatte diese Angelegenheit etwa« nachgiebig be­handelt und auf eine neue Beschwerde der Elbinger Ein­wohner schritt der Minister v. Puttkamer zum Schutze der Alterdrückten Minderheit ein und hemmte den Vollzug der ^Ordonanzen des Magistrates noch in letzter Stunde. Die n diesem an das Abgeordnetenhaus gerichtete Petition tete sich gegen die Verfügung des Ministers. Die H» m m i f f i o n des Hauses hatte in ihrer Mehrheit die schwerde des Magistrates für unbegründet erklärt, der geordnete Dr. Gneist wollte dieselbe als Vertreter der inderheit der Staatsregierung zur Berücksichttgung über- ifen und damit dem Minister v. Puttkamer ein Miß- auensvotum ertheilm. Niemals hat der berühmte chtsgelehrte eine unglücklichere Position eingenommen als er, wo er ausführte, der Minister habe gegen seine Zu- inbigfeit gehandelt und gegen die Vorschriften in Betreff Simultanschulen. Der Minister konnte den Abgeord- en Gneist unter schallendem Gelächter des Hauses aus Schriften des anerkannten Rechtslehrers Gneist wider- luen und konnte au« den Verfügungen seines Vorgängers

Weihnächte« i« alter Zeit.

. hob« Ein Stück oeutscher Kulturgeschichte. Kat? f Von Oskar Schwebet.

[34^ i (Fortsetzung.

'v Himmlischer Thau fiel ferner in der Nacht, ba Maria, -Aas Christkind geboren, auf die Erbe. Das glaubten »nfere Vorfahren zuversichtlich fest. Darum stellte man Gesäße mit Hafer auf« Feld, auf daß die Körner vom -öimmelsthau befeuchtet, die Eigenschaft hätten, Tod und __. Krankheit zu vertreiben. Man buf in der Weihnacht Brod ein* 1 unter freiem Himmel und schrieb ihm die Kraft zu, das Sieber zu heilen. Geschähe nicht, so tröstete sich der in feinen Hoffnungen Getäuschte wohl damit, daß sein Glaube uvch nicht der rechte gewesen war. Da« that am Ende auch die Familie, die am Weihnachtstage Fische gegeßen und trotz der Menge verzehrter Fischeierlein doch noch keine irdischen Schätze errungen hatte', dennoch ihnen nicht die Fruchtbarkeit des Landes Gosm gegeben, so gab es ja ge- heimnißvolle Mächte genug, Kobolde und Hexen, die mit einem Zauberspruch dazwischen getreten sein konnten I

Die ganze Welt ist voller Wunder am heiligen Weih- Kaß°^nachtsfeste. Bekannt ist ferner der Glaube unferer Väter, baß auch die Thiere in der heiligm Nacht Rede und Sprache erhielten. Viele deutsche Sagen erzählen, daß ein neugieriger j Knecht das Wunder beobachtet habe. Er habe die Rinder die Worte sprechen hören:Puer natus in Bethlehem!" und habe gesehen, daß sie mit den Vorderfüßen andächtig e-s Zeichen des Krmzes geschlagen. Aber wer das ge- lB schaut, cem ist nach deutscher Volksanschauung, wie jedem, in die Tiefe der Natur geblickt hat, ein früher Tod beschicken

___ Besonders schön und poettsch ist ber Volksglaube von

S^tboten) BefteUunge« auf die

Dderhesstsche Zeitung"