r. S96
Marburg, Donnerstag, 18. Dezember 1879
XIV. Lahrgüllg
. . «««igen nimmt entgegen: FC. L'Srpedttiond.vlatte-, ' tzxjid Annoncrn-Bureauk
Lh, Dietrich & Co. in taflel und Hannover; Th. Mich in Frankfurt a.M.; ftMfenftein & Vogler in sens «ntffurt a. M., Berlin. ii$M. Eöln ic.; Rudolf We m Berlrn, Krank' ' furt <l WL re.
GchMe jritmig
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte- sowie d-Annoncen-Bureaur von ©. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Duchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W- Thienes in Slberfeld; C. Schlotte in
Bremen-
Zeih:
3r<Seint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JLustrirtrS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Auchdruckerei) bezogen 2i Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf». (ejc(. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf».
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf», berechnet.
Tagesbericht.
er.
Der BundeSrath nahm gestern mit beträchtlicher Ma- britit die Vorlage wegen der Abänderung der Artikel 13, 4, 69 und 72 der Verfassung an.
" ’| Einer Mittheilung der „Wiener Montagsrevue" ent- pechend hat sich das Wiener Kabinet, aus Anlaß der kriegerischen Ereignisse in Peru und Chili, an die kaiserlich dd4’) diülsche Regierung mit dem Wunsche gewendet, es mögen 1 ie diplomatischen Vertreter Deutschlands in Peru und : Pi und die Befehlshaber der nach den dortigen Ge- - Hern entsendeten kaiserlich deutschen Kriegsschiffe beauf- , kragt werden, im Falle die österreichisch-ungarischen Konsulrr- »gane in die Lage kommen sollten, deren Schutz für 1 sterreichisch-üngarische Staatsangehörige anzurusen, den- rlben nach Maßgabe der Umstände zu gewähren. Die reihr kaiserlich deutsche Regierung hat diesem Wunsche mit Be- t um nitwilligkeit entsprochen und sofort die erforderlichen fern« Weisungen nach Lima und Santiago telegraphisch gerichtet.
llk
i w ohi
ireite eurs,
Deutsches Reich.
fferirt •* Berlin, 16. December. Im neuen Zolltarif ist Dam «geordnet, daß der Verzollung von Bau- und Nutzholz iou« «tweder das Gewicht oder das Maß zu Grunde zu legen 1336 tz. Es ist selbstverständlich, daß bei leichten Holzarten die --Verzollung nach dem Gewicht, bei schwereren die Verzollung wch dem Maß niedriger trifft. Unter diesen Umständen r II Geint eine Bestimmung darüber, welcher Verzolluugsmaß- v ** fhb für Bau- und Nutzholz im einzelnen Falle in An- itinb-i Sendung zu bringen ist, dringend geboten. Zur Regelung :reiser to Angelegenheit wird jetzt dem Bundesrath vom Reichs- dnzler vorgeschlagen, 1) daß Bau- und Nutzholz in der ä Reget beim Eingänge in Flößen, Schiffen, oder auf gewöhnlichen Landwagen nach Rauminhalt, bei dem Eingänge ' wf der Eisenbahn nach der Wahl des Zollpflichtigen entweder nach Rauminhalt oder nach Gewicht zu deklariren «tb zu verzollen ist, Mangels einer solchen Angabe im Ktzteren Falle aber die Zollbehörde oen anzunehmen-
1 tot gesetzlichen Maßstab zu bestimmen hat. 2) Daß die «bersten Landesfinanzbehörden befugt find, von der unter «ausgestellten Regel im Falle besonderen Bedürfnisses weichungen anzuordnen, welche alödanu ebenso wie dieser schiuß selbst im Centralblatt für das Deutsche Reich begannt zu machen sind. — Die Arbeiten des kaiserlichen Ktaiiftischen Amts werden vom nächsten Jahre ab durch Ausführung des die Statistik des Waarenverkehrs mit dem , Auslände betreffenden Gesetzes einen so erheblichen Zuwachs anflt erfahren, daß das Personal dieser Behörde sehr beträchtlich ioitb vermehrt werden müffen. Ferner sind die Zoll- und . Meuerstellen schon derzeit mit statistischen Arbeiten so statt | (7| Mästet, daß für sie jede thunliche Erleichterung wünschens-
werth erscheint. Der Stellvertreter des Reichskanzlers Graf Stolberg hat daher dem Bundesrath gegenüber seine Ansicht dahin ausgesprochen, daß im Interesse aller vorgenannten Behörden von regelmäßiger Aufstellung solcher Ueberstchten, von welchen selten Gebrauch gemacht wird, und welche im Bedürfnißfalle aus dem vorhandenen Aktenmatenal nachträglich hergestellt werden können, überhaupt abzusehen sein wird. Zu solchen entbehrlichen Ueberstchten werden u. A. die Jahresnachweisungen über die Abfertigungen in Bezug auf die Waaren-Einfuhr, -Ausfuhr und Durchfuhr — die sogenannte Geschäftsstatistik — gerechnet, deren Aufstellung eine erhebliche Mühewaltung sowohl der Zollbehörden als des Statistischen Amts in Anspruch nimmt. Es ist daher beim Bundesrath beantragt woreen, daß diese jährlichen Nachweisungen vom laufenden Jahre ab nicht mehr aufgestellt werden. — Beide vorstehende Anträge stehen bereits auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung des Bundesraths. Heute Vormittag waren die Ausschüsse für Zoll- und Steuerwesen und für Handel und Verkehr zu einer vereinigten Sitzung zusammengetreten. — Der Minister für öffentliche Arbeiten hat durch Erlaß vom 10. Dezember den Chefs der Oder-, der Elb- und der Rheinstrom-Verwaltung zur Kenntniß gebracht, daß auf Grund königlicher Genehmigung für die Bauinspektoren fortan allgemein der Rang der 5. Claffe der höheren Beamten der Provinzialbehörden anerkannt werde.
Breslau, 16. Decbr. Heute Nacht entgleiste auf der Rechten Oderufer - Bahn zwischen Zembowitz und Sausenberg ein gemischter Zug in Folge eines Radreifbruches. Der Lokomotivführer und der Heizer sind tobt, 3 Beamte verletzt, die Lokomotive und 8 Wagen stark beschädigt. 5Da8' Geleise ist gesperrt.
Köln, 15. Decbr. Die Einnahmen der Rheinischen Eisenbahn auf der Hauptbahn excl. der Eisenbahn und der Strecken Duisburg - Quakenbrück und Düsseldorf- Hörde ergaben im November 1879 eine Mehreinnahme von 180,799 Matt und bis Ende November 1879 eine Mehreinnahme von 416,539 Mark gegen das Vorjahr. Die Einnahmen der Strecken Duisburg-Quakenbrück und Düsseldorf-Hörde betrugen im November 102,970 Mark und bis Ende November 468,520 Mark. Die Einnahmen der Strecken Call-Trier ergaben im November eine Mehreinnahme von 31,479 Mark und bis Ende November eine Mindereinnahme von 50,057 Mark gegen das Vorjahr. — .Die Einnahmen der Köln-Mindener Eisenbahn betrugen im Monat November 1879 4,406,662 Mark, gegen das Vorjahr plus 90,998 Mark und bis ultimo November 1879 plus 203,119 Matt.
Düsseldorf, 15. Dez. Der gestern hier versawmclle technische Verein für Eifenhüttenwesen sandte beim Diner ein Telegramm an den Fürsten Bismarck, in welchem diesem die Zustimmung des Vereins zu der Inauguration der
neuen Handelspolitik ausgedrückt wird, deren heilsamer Einfluß schon jetzt zu verspüren sei. — Für das Diner war eine Speisenkarte entworfen, welche in Bezug auf die vorher verhandelte Entphosphorungsfrage einen köstlichen Humor entwickelt und daher ihre Leser interessiren wird. Es gab: Phosphorsreie Pateatsuppe, Roastbeef ülg, Thomas und Golshrist, Kartoffeln nach deutscher Methode; saure Einspruch-Pickles. Kohl mit basischer Füllung. Wildschwein mit teuflischer, dreibasischphosphvrsaurer Sauce. Gans mit den üblichen aus dem Feuer geholten Kastanien. Basische Zuschläge, vulgo Kompots. Saurer Salat ohne Nach- blasen. Weinsäure Flußeisen-Creme. Nachtisch: Präzisions- gebäck, Expansionsobst und kritisch gewürzter Käse.
Stuttgart, 16. Decbr. Ein Telegramm des Bergraths-Direktors Bilfinger in Wilhelmsglück bezeichnet als wahrscheinliche Ursache der Explosion das verbotswidrige Mitbringen von Sprengmaterial und die Aufbewahrung desselben in der Nähe des Ofens oder unvorsichtige Annäherung der Sprengmasse an'S Licht.
Straßburg, 16. Decbr. Der Landesausschuß wurde um 3 Uhr im RathhauSsaale von dem Statthalter, Feld- marschrll v. Manteuffel, mit folgender Rede eröffnet: Auf Allerhöchsten Befehl Sr. Majestät deö Kaisers begrüße ich den Landesausschuß von Elsaß-Lothringen, der mit erweiterten Befugnissen betraut heute zum ersten Male zusammentritt. Außer dem Landeshaushalts-Etat werden Ihnen, geehrte Herren, verschiedene Gesetzentwürfe zugehen, welche theils für die Durchführung der Justizorganisation erforderlich, theils bestimmt sind, die materiellen Interessen dcS Landes zu fördern. Die patriotische Haltung, welche der Landesausschuß in früheren Sessionen bewährt hat, gibt die Bürgschaft für die pflichttreueste Prüfung der Vorlagen. Die weiteren geschäftlichen Mittheilungen werden Sie, geehrte Herren, von dem kaiserlichen Staaatssekretär deö Ministeriums erhalten, der auch die Eidesleistung derjenigen Mitglieder entgegen nehmen wird, welche noch nicht vereidigt sind. Möge Gottes Segen auf Ihren Beralhungen ruhen. Im Namen Seiner Majestät des Kaisers erkläre ich die Session des Landesausschusses für eröffnet. — Hierauf folgte die Vereidigung der anwesenden neuen Mitglieder des Landesausjchusses. Der Eid lautet: Ich schwöre Gehorsam der Verfassung und Treue dem Kaiser. Nach Konstituirung der Versammlung wurde Jean Schlumberger mit 37 Stimmen zum Präsidenten gewählt. — Der Statthalter trug die große Generals-Uniform. Dem Acte wohnten bei der Minister Herzog, die Unterstaatssekretäre, Oberst von Strantz, Ministerialrath Jordan und Assessor Graf Bismarck. Von 56 Mitgliedern des Landesausschusses waren 53 anwesend.
Metz, 13. Dezember. In der hiesigen deutschen Bevölkerung herrscht gegenwärtig eine emsige Rührigkeit be-
ig d r ut f
Weihnachten i« alter Zeit.
Ein Stück deutscher Kulturgeschichte.
Von OSkar Schwebet.
(Fortsetzung.
ivie
llva, LSI»
£.85,«
M Hauses, auch für die Vögel des Himmels, ja selbst , !ür ben „Kleinen unter dem Heerde", den Kobold, lst 105 Morgt, und die Mahlzeit beginnt. Willst du die Kraft der Jünglinge deutschen Stammes, die Anmuth der Mädchen bewundern, so bleibe bis zum Schwerttanze und schaue M ^8 edle Paar — jenen Ebeling, der Wodan'S Rolle, ®eM -jene Jungfrau, welche die der Göttin Frigg übernommen llwtt "V. Ergötzt sich dein Ohr an Scherzreden, höre die Alten, d>ik sie uralte Räthselausgaben sich vorlegen beim schäumenden Biere; höre die jungen Bursche, die jetzt als Sommer ftob Winter verkleidet, aus dem Kreise der jungen Leute Vertreten und sich in lustigen Reimen bekämpfen! Siehe, die über den Tisch hin die Julkeule geschwungen wird, um Mn Trünke aufzufordern; sieh, wie wacker der Grütze und ptot Heringen, diesen segenbringenden Gerichten, zugelprochen j dird; sieh, wie die Becher kreisen und die Berge der kreis- l förmig ober in Gestalt beS Sonnenebers gebackenen Bretzeln
Wir schauen in das Haus unserer Vorfahren; sie find deschäftigt an allen Ecken und Enden, das Fest gehörig iu$urü|teii; — wir sehen's, wie eifrig am Backtröge und «i der Schlachtbank gearbeitet wird. Fußboden und Bänke 'Berben sauber gescheuert und mit dem Julstroh belegt, das später auf den Acker geführt wird, um reichlich die Früchte des Feldes zu zeitigen. Denn „heilig und segensdringend" ist Alles, was mit der Julfeier, dem Hefte des Agenden Lichtes in Verbindung fleht! Endlich ist Alles L*‘ bereit; die Julkuchen sind gebacken, auch für die Thiere
verschwinden! Daß auch ein Lied nicht fehlt in deutscher Tafelrunde, das, lieber Leser, kannst Du Dir wohl denken; leider aber sind wir nicht im Stande, Dir ein authentisches Spezimen jener alten Gesänge zu bieten.
Eine besondere Wichtigkeit wurde bei unseren Altvordern der Divination zugeschrieben, d. h. der Erforschung der Zukunft. Wie sich die Reste der erwähnten Weihnachtsgebräuche noch heut im Volksleben erkennen lassen, so auch die Ueberbleibsel jener geheimnißvollen Befragungen der Schicksal-Mächte. Das Ausschauen von Kreuzwegen, da- Decken des Tische- in der einsamen Kammer eines der bräutlichen Umarmung sehnsuchtsvoll entgegenharrenden Mädchens, das Schauen inö Ofenloch, b.Jj. die Befragung des heiligen Heerdes, das Werfen des Schuhs oder der Apfelschale, das Führen der Nußschalen mit Lichtern auf einem Becken voll Wasser, das Loosen um Geld, Wiege, Brot, Ring und Todtenkopf, — baS Alles und Unzähliges viel mehr sind Reste solcher, die Schicksalsmächte um ihren Willen befragenden Julspiele. Daß dieselben theilweise auch heute noch in Gebrauch sind, wirst Du lieber Leser wohl wiffen, wenn Du einmal die hellige Zeit auf dem Lande oder in den engen, altväterlichen Sitten treueren Kreisen kleiner Städte verlebt hast.
Die älteren Streitigkeiten um das Weihnachtsfest berühren uns hier nicht; — als die christliche Lehre in Deutschland den Sieg errang, waren dieselben bereits geschlichtet. Ebenso wenig vermögen wir hier auf den schönen, kindlich gläubigen und wundersam erbauenden Gedankengang einzugehen, in welchem die Kirche ihre Adventslektionen, ihre Psalmen und sonstige Schrislstellen für den Weihnachtszyklus auswählte. Auch dies Wett geschah mit der wundersam und ergreifenden Liebe und Begeisterung, welche
das Thun der ehrwürdigen Verkündiger des Evangeliums in deutschen Landen auszeichnet, und wer sich recht in den Geist dieser alten Advents- und WeihnachtSlithurgien versenkt, dem ist es, als ob von den alten Bischöfen, auch aus Schriftworten ein künstlicher hehrer Tempelbau aufgeführt worden sei, ähnlich den steinernen Münstern der besten romanischen und gothischen Zeit.
Wir wollen nur auf die kirchliche Volkssitte der Vorzeit näher eingehen.
„Mit inniger und lebendiger Theilnahme", sagt Mann- hardt, „ergriff das Volk die beseeligenden Verkündigungen der Kirche. Ein Felsenherz hätte der ja auch haben müssen, der sich des Zaubers jener über Alles lieblichen und erhabenen evangelischen Berichte über die Geburt des Heilands hätte erwehren wollen, lieber Alles tröstend und erhebend mußte in der Tyrannei — und eine solche ist ja trotz Allem, was dagegen gesagt worden ist, unser deutsches Mittelalter doch — die Vorstellung mitten, daß Gott, der Herr der Welt, aller Hoheit sich entäußernd, als hilfloses Kind zwischen den Thieren in der Krippe lag, daß armen Hirten sich der Himmel geöffnet habe und Engel die ftohe Mähr verkündigten: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!" Und die Kirche, sie konnte bei jener Kindlichkeit des Volks- geistes nichts nachhaltiger Wittendes, nichts Erhebenderes dem Volke darbieten, als die zugleich der heiligen Schrift und dem VolkSgeiste gemäße sinnliche Darstellung der großen Heilsbegebenheit. So entstanden die Weihnachtsmysterien der deutschen Kirche, und im vollsten Sinne gilt von der Aufführung dieser alten Spiele daS schöne Wort: „Wer es glaubt, dem ist das Hellige nah".
(Fvvjetzung folgt.)