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Marburg, Sonntag, 14. Dezember 1879
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Dynamit in die Luft gesprengt werden. Die eifrigstei Nachforschungen in St. Petersburg ergaben zunächst nichts am Sonnabend aber, — und die Nacht auf den folgende: Tag soll zur Ausführung des gräßlichen Planes bestimm gewesen sein, — verhaftete man im Maschkow Pereulk nicht weit vom Winterpalais einen Mann, der bis jetz hartnäckig jede Aussage verweigert; bei ihm fand mar eine Anzahl elektrischer Batterien ausgezeichnetster Kon, struktion und, eine Karte des Winterpalais, auf welche: jedes Eckchen, jedes Möbel aus's Genaueste angegeben war sowie eine Anzahl von Dynamitpatronen; ob Leitungen übrigens schon in's Palais hinein gelegt waren, wird man bezweifeln müssen. Genug, daß die Wachsamkeit der Polizei das Unglück verhütet hat; aber es wird der angestrengt testen Thätigkeit derselben bedürfen, um dieser verzweifelten Pläne Herr zu werden, die mit beispielloser Verwegenheit von einer kleinen Zahl gut orgauistrter Verschwörer andauernd festgehalten werden.
Berlin; W. Thienes b «lberfeld: C. Schlotte i Bremen.
en Minuten des Schweigens fortfuhr: „Die Kunst , die Liebe ist eine zwingende Macht, allein eine wahre ^bringende Vereinigung ist nur möglich auf Grund der
en Herzensstellung zu Gott. Luttrud, so arm, so Aach ich hin, auch mein innerstes Gemüth erstrebt als Astes Ziel, zu leben, wie es Gott gefällt. Ihr Bekennt - spricht die gleiche Regel und Richtschnur aus. Ist es Gottes Wille, daß wir Beide vereint unsere Lcbens- e zu erfüllen suchen?"
Anzeigen nimmt emgegen: Mt Expedition d.vlatte», sowie d-Annoncen-Bureauk von Th, Dietrich & Co. in staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Zrankfurt a- SR., Berlin, Leipzig, CülnRudolf Stoffe in Berlin, Frankfurt c. M- re.
lch es gesehen habe, würde — davon bin ich überzeugt — Vieles thun, dem Elend abzuhelfen. Wenn aber irgend einmal Klagen zu den Ohren der Besitzer kommen, hält man die Schilderungen für übertrieben; das sind sie nicht Die Bevölkerung hat sich hier an die schlechteste Lebensweise, an das Kämpfen mit Noth und Entbehrung gewöhnt, und wenn hier ein Beamter sagt: es steht schlecht bei uns, dann kann man getrost annehmen, daß der Hunger vor der Thür steht.
Ueber die Schulbildung der Rekruten der deutschen Armee und Marine bringt das Oktoberheft der Monatshefte zur Statistik des deutschen Reichs ausführliche Mit- theilungen, aus denen hervorgeht, daß von den 143,119 im Ersatzjahr 1878 79 eingestellten, bezw. geprüften Rekruten 2574, 1,80 pCt., weder lesen noch ihren Namen schreiben konnten. Von diesen letzteren kamen 1936 aus den östl chen Theilen des Reichs, nämlich den Provinzen Ost- und Westpreußen und Posen und aus dem Regierungsbezirk Oppeln, was mehr als 8 pCt. der Schulbildung gänzlich ermangelnde Recruten in den dortigen Landes- theilen ergibt. Aus allen anderen Bezirken des preußischen Staates kommen nur 332 Rekruten ohne Schulbildung, '-'s M.; aus Baiern 101, >/2 PCt.; Sachsen 19, v4 pCt.; Württemberg 3, 0,05 pCt.; Baden 3, 0,06 pCt.; Elsaß- Lothringen 149, 3 pCt.; Hessen 6,02 pCt.; Mecklenburg- Schwerin 8, 0,4 PCt.; Braunschweig 6, 0,6 pCt. Der kleine Rest der gänzlich bildungslosen vertheilt sich auf Anhalt mit 4, Coburg - Gotha mit 2, Sachsen-- Weimar, Oldenburg, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, Waldeck mit je 1. Die hier nicht genannten deutschen Staaten stellten Rekruten, welche die freilich sehr bescheidenen Anforderungen der nach §. 12 der Recrutirungsordnung angestellten Prüfung sämmtlich erfüllten.
Die „Rat.-Ztg." erhält die folgende Mittheilung, die, so außerordentlich sie klingt, ihr, wie sie schreibt, von einer Seite zukömmt, welche bet Mittheilung die volle Zuverlässigkeit sichert. Der Plan war vorbereitet und der Ausführung nahe, den Zaren in seinem eigenen Palast in die Luft zu sprengen. Die betreffende MittheUung lautet: Noch ist nicht das Entsetzen über das verwegene Attentat von Moskau beruhigt und noch nicht einmal dessen Urheber aufgefunden, und schon ist wiederum ein neues Attentat, furchtbarer als alle anderen, am Tage, wo es in Scene gesetzt werden sollte, entdeckt und vereitelt. Unmittelbar nach dem Moskauer Attentat bekam nämlich Kaiser Alexander eine gedruckte Proklamation zugesandt des ungefähren Inhalt«, dem Tode sei er zwar entronnen, aber derselbe werde ihm nicht geschenkt, wenn er nicht alle feine Rechte in die Hände einer National-Versammlung lege; und zwar solle er und das ganze Winterpalais mit
Tagesbericht.
Der russische Botschafter Graf Schuwaloff besuchte am 11. d. Mts. die russische und englische Botschaft sowie das Auswärtige Amt in Berlin. Nachmittags wurde derselbe vom Kaiser und der Kaiserin empfangen, dinirte um 5 Uhr mit dem Grasen Chreptowitsch.bei Fürst Radziwill und wurde Abends 6 Uhr vom Kronprinzen empfangen. Die von Schuwa- loff beabsichtigte Reise nach Varzin ist Unwohlseins halber verschoben worden. — Der Kaiser hat für die Nothlei- deuden in Oberschlesien 5000, für die Hinterbliebenen der verunglückten Bergleute in Zwickau 1000 Mark bewilligt.
Die Schanksteuer-Commission des Abgeordnetenhauses lehnte bei der zweiten Lesung alle Amendements zu §. 1 des Gesetzentwürfe« ab, so daß also allein der Branntweinschank der Steuer unterliegen soll.
„Man schiebt Gott vor, wenn ein ungestümer Wunsch die Brust bewegt", versetzte Luttrud leise.
»Ja, wir fehlen Alle mannigfaltig", rief Robert schmerz- ttch aus; „in unsere besten Absichten, unsere heiligsten Gefühle schleicht die Schlange der Versuchung. Ich bitte Sie in vollem Ernste vor Gottes Angesicht, mit mir durchs Leben zu gehen, durch Leid und Freud, durch Anfechtung und Trübsal, immerdar gekräftigt durch Gottvertrauen und strenge« Selbstgericht. Es ist'mir ein heiliger Ernst, und dennoch ist mir dieser Augenblick getrübt durch das Bewußtsein meiner Schuld uno meiner Heftigkeit. Ich würde sagen: Lassen Sie uns nach Verlauf eines Jahres hier auf dieser Stelle, zu dieser Stunde abermals zusammentreffen, wenn ich es ertragen könnte, Sie in Ihre alten Verhältnisse zurückkehren zu sehen. Nein, nein, folgen Sie mir! warum eine lange unnöthigc Qual?"
„Um meines Gewissens willen", antwortete Luttrud, — allein es war ihr unmöglich, ferner zu verbergen, was ihr Herz empfand; verräterisch sprachen ihre Augen es aus. Wie sehr er auch gegen sie gefehlt hatte, — sie sah zu rhm auf, und es dünkte sie ungerecht, ferner strenge über ihn gU- richten. Wahre Liebe und inniges Vertrauen, die eine höhere Hand uns ins Herz legt, ersetzen viele Jahre einer Bekanntschaft, die ohne Verständniß prüft.
»Ich begreife Ihre Gewissensunruhe", entgegnete Robert wilde, „und schätze und liebe Sie um derselben willen; aber flößt mein jetziges Benehmen Ihnen kein Vertrnnen ein ?"
Ihre Augen füllten sich plötzlich mit Thränen. Schmerzvoll rang sie die Hände, als die Worte zögernd über ihre Lippen traten: „Es ist so traurig, das wir dem Ideal in uns nie ganz entsprechen können! Ich fürchte, ich darf nicht zustimmen, ohne mein Ehrgefühl zu verletzen, und ich achte
Drei Tage am Meere.
Erzählung von I. Hochkirch.
«Fortsetzung.
„Aber Luttrud," rief Robert ergriffen, „bedenken Sie t, daß dieses Wort, eben dieses Wort, welches Ihre
chtschnur im Leben ist, uns zusammenfügt, daß es Sie ißt, mir zu, folgen, wenn nicht Ihr Herz zu sehr dawider richt? Vermögen Sie nicht Ihren Jesum mitzunehmen : die Ehe? Lassen Sie das ein untrügliches Zeichen
Der Gedanke ist mir noch nicht gekommen", gestand
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II s Die Justizkommission des Abgeordnetenhauses beschäf- II .tigte sich vorgestern mit der Petition von Gerichtsschreibern । u.: um Belassung der früheren Titulatur Sekretär rc.
Es wurden Gründe für und gegen die Petition geltend gemacht. Namentlich wurde von einer Seite auSgeführt, daß das dienstliche und persönliche Interesse an der anderweitigen in der Petition gewünschten Regelung bei den zur __Zeit noch Überall in Geltung befindlichen Anschauungen auf der Hand liege; so lauge die gleichklingende Bezeichnung in allen Verwaltungszweigen für solche gleichgestellte Beamtenkategorien beibehalten werde, erscheint es billig, .dieselbe auch im Justizdienste nicht aufzugebcu. Der Re- gierungskommissar, Geheimer Justizrath Schmidt, unter« — schied bezüglich des Rechts auf den früheren Titel, ob der-
Mbe ein persönlicher oder ein Amtstitel gewesen, was im — Einzelfalle zu untersuchen sei, und stellte die Erwägung L- ber allgemeinen Frage im Schooße des Ressortministers ___, w Aussicht. Eö wurde schließlich die Petition für unge« ■ eignet zum Vortrag im Hause erachtet, weil der Jnstanzen- ;u jug nicht erschöpft ist.
77 - Zum Nothstand in Oberschlesien wird der „Schles. ri 3V ans dem Kreise Lublinitz u. A. geschrieben: Sehr alle tiele Uebelstände, sehr viel Noch könnten hier beseitigt Werden, wenn die Großgrundbesitzer sich sechst mehr um teil ^rc Besitzungen kümmerten. Viele Güter sind den größten uss des Jahres der Verwaltung der Beamten anver- raut, der Herr läßt sich nur zur Jagdzeit sehen. Daß ne Verwaltungsbeamten mehr darauf angewiesen sind, nach Ben zu sehen und für einen möglichst hohen Ertrag der üter zu sorgen, ist selbstredend und wird Niemand Übel wslegen ober anders erwarten; der Besitzer selbst aber, nn er das Elend auf den Gütern so kennen lernte, wie
Deutsches Reich.
** Berlin, 12. Dezember. Die Vorlage in Betreff nner Abänderung der Artikel 13, 24, 69 und 72 der Reichsverfassung war den Ausschüssen des Bundesraths für die Verfassung und für Rechnungswesen zur Vorbe- rathung übergeben worden. Dieselbe haben nun der Vor- “*3? zugestimmt und die bezüglichen Verfassungsänderungen befürwortet. Nach dem Anträge der Ausschüsse sollen die genannten Artikel folgenden Wortlaut erhalten: „Artikel 13 Die Berufung des Bundesraths und des Reichstags findet mindestens alle zwei Jahre statt und kann der Bundesrath zur Vorbereitung der Arbeiten ohne den Reichstag, letzterer aber nicht ohne den Bundesrath berufen werden. Artikel 24 Die Legislaturperiode des Reichstags dauert 4 Jahre, fyir Auslosung des Reichstags während derselben ist ein Be- schluß des Bundesraths unter Zustimmung des Kaisers erforderlich. Arttkel 69. Alle Einnahmen und Ausgaben des Reichs musten für jedes Jahr veranschlagt uno auf den ReichshaushaltS-Etat gebracht werden. Das letztere wird für einen Zeitraum von zwei Jahren, jedoch für lebeS Jahr besonders, vor Beginn der Etatsperiode nach solgenten Grundsätzen durch ein Gesetz festgestellt. ArtikA 12. Ueber die Verwendung aller Einnahmen des Reichs ist durch den Reichskanzler dem Bundesrath und dem Reichs-
Entlastung für jedes Jahr Rechnung zu legen." — In Betreff der Vorlage über die Taravergütungen haben die Ausschüsse für Zoll- und Steuerwesen und für Handel und Verkehr beantragt: der Bundesrath wolle beschließen 1) daß die Prozentsätze des Bruttogewichts, nach welchen das Nettogewicht der zufolge § 2 des Tarifgesetzes vom 15. Juli d. ,j. netto zu verzollenden Waarengattungen berechnet werden kann, in dem Maße, wie sie in dem der ^lage beigedruckten Zolltarif ersichttich gemacht sind, je- Sie zu sehr, um Ihre Worte gleichgültig verhallen zu lassen. Was soll ich thun?
„Laß Dein Herz entscheiden," bat er kühn.
Die Liebe, die von Herz zu Herzen spricht, besiegte alle Bedenken, die in Wahrheit des festen Grundes entbehrten.
„Ach, mein böses Herz sagt — ja!" rief Luttrud aus, mit beiden Händen das Antlitz bedeckend.
Robert wagte zagend, den Arm um sie zu schlagen.
sehe es klar und das Räthsel löst sich", sprach or mit tiefer Bewegung. „Deine Kunst ist Licht von oben, Dem Wandel Kraft von oben. Laß uns in Gottes Namen den gemeinsamen Weg vereinigt gchen."
„Und die Mutter?" fragte sie angstvoll.
„Meine Mutter?" tief er fast jubelnd, „Du sollst sie kennen lernen, ihr Segen ist uns gewiß. Ja Du sollst fortan empfinden, was es heißt, eine Mutter besitzen — eine Heimath auf Erden."
Luttrud sah dankend zu ihm auf und reichte ihm die Hand.
«Ach ich war so fest entschlossen, nicht schwach zu fein. Die lange, lange Nacht habe ich durchkämpst und durchwacht — und nun?"
„Auch ich habe sie durchwacht und durchkämpst", er- wiederte Robert, „ich hab kein Haus betreten, sondern irrte umher, Dich erwartend, das Licht meiner Tage."
„Wird mein schnelles Nachgeben sich nicht rächen?" fragte sie noch immer ängstlich.
Er erkannte mit Rührung, daß sie seinen grübelnden Sinn erforscht habe, daß sie nicht mit Unrecht fürchte, er möge dennoch dereinst idr Handeln, ihr Zögern und Nachgeben auf Kosten der Gefallsucht setzen.
(Schluß folgt)
rud offen, fast bestürzt.
Sie war durch den Generalkonsul genau über Roberts sichten, Familienbeziehungen und bisherige Lebensweise ^errichtet. Eben die Mittheilung, daß ihm nimmer ein ^eib genüge, hatte sie zurückgeschreckt, während sein frommer Ann sie anheimelte. Plötzlich vön ihm selbst auf diesen ^reintgungspunkt hingewiesen, fühlte sie die Kraft ihrer t Äderung zerschmelzen, wie kaltes Eis in ihrer warmen v»nb. Sie stand völlig verwirrt, geschlagen und wußte woher neuen Muth zum Kampfe nehmen. Robert
mit Entzücken ihr Schwanken--
. Dennoch sprach ein tiefer Ernst aus ihm, al« er nach
Anzeigen nimmt entgegn die Expedition d. Blatte sowie d.Annoncen-Bureau von G. L- Daube & So. i । Frankfurt a- M; Jägerisch Buchhandlung daselbst Hermann'sche Buchhanddaselbst; Jnvalidendank i i