Ät. LS«.
Marburg, Donnerstag, 11. Dezember 1879
xiv. Jahrgang
nm
cMnei zewähn gratis.
W01- ■ alle« utter, el M hlt in
Anzeigen nimmt tmgegen: zie Expedition d.vlattes, kovie d-Annoncen-Bureaur Mn Th, Dietrich & Co. in jüffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Slcin & Bögler in rt a. M., Berlin, Löln ic.; Rudolf Aoffe in Berlin, Frankfurt a. M. re.
WcheM jfitniiii
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Butte» sowie d. Annoncen-Bureaux von S. L. Daube & Go. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thiene» in Merfeld; 6. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllnstrirteS LountagSblatt" durch die Expedition (Ko ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2, Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr). — Insertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
>az«.
ck
reu, agelb, !«. acher.
Tagesbericht.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: der bleibende Ausschuß des deutschen Handelstags habe das Projekt einer Berliner Weltausstellung sämmtlichen deutschen Handelskammern zur Begutachtung vorgelegt, obwohl ihm bekannt, daß auf die Unterstützung des Vorhabens durch die Regierung nicht zu rechnen sei. Ohne eine solche Unterstützung sei der Plan unausführbar. Die Handelskammern würden wohlthun, diese Sachlage bei ihrer Rück» äußeruug in Betracht zu ziehen. Auch der von dem Ausschüsse angeregte Gedanke, Berlin die Priorität für die nächste Weltausstellung zu sichern, vertrage sich nicht mit der ablehnenden Haltung, welche die Regierung zu dem ganzen Projekt einnehme.
o fcs i°
Die „Germania" schreibt: Der Geheimrath Hübler ist von Wien nach Berlin zurückgekehrt. Ein abschließendes Resultat, sei es ein positives oder ein negatives, konnten seine Verhandlungen mit Cardinal Jacobini schon deßhalb nicht haben, weil sie nur einen informatorischen Charakter hatten. Der weitere Fortgang der Verhandlungen wird von den Entschließungen abhängen, die man auf Grund" der Wiener Besprechungen in Varzin und Rom treffen wird.
Wie die „Polit. Corresp." aus Konstantinopel meldet, sollte gestern eine Conferenz in der griechisch-türkischen Grenzfrage stattfinden. Die Türken beabsichtigten ein neues Memarandum vorzulegen und die griechischen Dele- girten auszufordern, die südlichen Höhen und die Thäler von Kalames und PencuS als einzige, wahre, von dem Berliner Kongreß angedeutete Grenzlinie in Betracht zu ziehen. — Montenegro soll gegen die Albanesen nicht offensiv vorzugehen beschlossen haben.
ictL
„Ope-
! ZU
leinen i Ein- :tvolle testen deten trauss
Deutsches Reich.
#* Berlin, 9. December. Auf Gmnd des in der Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salinenwesen enthaltenen Berichts über die Bergwerkindustrie und Bergverwaltung in Preußen im Jahre 1878 kann konstatirt werden, daß die Gesammtproduktion in diesem Jahre sich erheblich höher gestellt hat, daß aber der Gesammtwerth der höheren Produktion unter den Werth der minderen Produktion im Borjahre sank. Das soeben erschienene Oktoberheft der „Monatshefte zur Statistik deö deutschen Reichs" bringt gleichfalls einen Aufsatz über die Produktion der Bergwerke, Salinen und Hütten im deutschen Reich und in Luxemberg für das Jahr 1878. ES wird in Bezug auf die Lage der Montanindustrie während des gedachten Jahres bemerkt: „Verglichen mit dem Jahre 1877 lassen, wie die statistischen Nachrichten darthun, die 1878ger Ziffern in den
__ --------- — ""—SS
1879.
itt.-l3, Aö fcO,i
uKaß . 187» VeneS
owie
SfesJ It [271
Drei Tage am Meere.
Erzählung von I. Hochkirch.
< Fortsetzung.)
Sie wandte ihr strahlendes Auge ihm zu und sah ihm tief in die Augen.
Mit weicher, ruhiger Stimme sprach sie die ernsten Worte: „Gottes Auge steht uns."
Robert.war erschüttert. Wie gab sie sofort der Stimmung die rechte Richtung, dem Verkehr die rechte Weihe!
„Bin ich würdig, mit Ihnen zu reden", stammelte er, „so gestatten Sie es mir im Glanze der Morgensonne, in «nbelauschter Einsamkeit."
„Ja, reden Sie," antwortete Luttrud fest; „es ist S daß wir klar sehen. Sagen Sie mir, was Sie zu . n haben."
Wie ein Schulknabe fühlte sich der stolze Herrscher von Alt-Garnm. Er mußte beichten und hatte doch von ihr eine Aussprache ertrotzen wollen!
„Zunächst bitte ich, meine Unart zu verzeihen, die gestern zur Sprache kam," fuhr er gepreßt fort, „die Andeutung einer Gesinnung, die ich bitter bereue."
„Das traf mich nicht so tief, wie Sie glauben", ent» Segnete Luttrud, „ich bin es gewohnt, das harte Beur- tbeilen zu dulden, ohne mich dessen erwehren zu können! — Und doch, es traf mich tiefer als gewöhnlich, well ich durch nichts gerade ihre Mißachtung hervorgelockt zu haben glaubte. Ich bin mir wohl bewußt, daß meine frei gewählte Bahn eine versuchsvolle ist, und nehme darum jede Lehre, wenn auch mit Schmerz, doch dankbar hin. Es gilt, immer mehr auf meiner Hut zu sein, um vollkommen deiner inneren Richtschnur getreu zu bleiben."
wichtigsten Betriebsgruppm eine beträchtliche Zunahme der Produktion bei Abnahme des DurchschnittSwertheS der Mengeneinheit erkennen." — Hinsichtlich der Handhabung der Vorschriften des durch das Reichsgesetz vom 17. Juli v. I. abgeänderten Titels 7 der Gewerbeordnung bestimmt ein Erlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten vom 26. November d. I., daß 1) die Beamten, welche als Vorstände des unter Verwaltung der kgl. Eisenbahnen stehenden Anlagenj, Werkstätten u. s. w. fungiren, ausdrücklich zu verpflichten sind, die materiellen Vorschriften des Tit. 7 der Gewerbeordnung, zu welchen namentlich auch die Bestimmungen über die Arbeitsbücher und Arbeitskarten gehören, zu beachten, alljährlich im Laufe des Monats December eine nach dem in der Anweisung für die Ortspolizeibehörden bestimmten Formulare aufgestellte Nachweisung dem für den betreffenden Bezirk zuständigen Gewerberath zugehen zu lassen; 2) daß die zur Beaufsichtigung der fraglichen Anlagen berufenen Beamten der Direktionen ihre Aussicht auch auf die Beachtung der betreffenden Vorschriften zu erstrecken haben. Durch Erlaß des Ministers für Handel und Gewerbe vom 30. September und 10. November d. I. sind die Kgl. Regierungen veranlaßt, die Ortspolizeibehörden ihres Bezirks dahin zu verständigen, daß die Bestimmungen unter 0 der Anweisung für Ortspolizeibehörden auf die betreffenden Anlagen der Staatsund unter Staatsverwaltung stehenden Eisenbahnen keine Anwendung finden. Zugleich sind die G.werberäthe angewiesen, die fraglichen Anlagen einer förmlichen Revision nicht zu unterziehen, vielmehr nur von Zeit zu Zeit nach vorgängiger Vereinbarung mit den Vorständen derselben sich über Einrichtung und Betrieb jener Anlagen zu infor- miren und die dabei gemachten Beobachtungen den Vorständen mitzutheilen.;
Darmstadt, 9. Decbr. Die erste Kammer hat den Verkauf der Äiain-Weser-Bahn an den preußischen Staat mit 20 gegen 4 Stimmen genehmigt.
Stuttgart, 9. Decbr. Bei dem Cirkusbrande sind ein Pferdcwärter und dessen Bruder verbrannt. Zu Grunde gegangen ist die gesammte Ausstattung; auch 7 Pferde sind umgekommen.
München, 9. Decbr. Die Kammer der Reichsräche hat die Linie Pocking-Passau nach dem Ausschußantrage einstimmig fallen lassen, die Linien Gmündeir-Hammelburg und Neumarkt-Landshut angenommen, dagegen die Linien Neustadt-Bischofsheim und Cham-Gotteszell abgelehnt. In dieser Gestalt wird das ganze Gesetz angenommen. Die Linie Lauterecken-Kaiserslautern wurde nach dem Antrag des Ausschusses mit einer 4procent. Garantie und sodann das ganze Gesetz über die pfälzischen Bahnen gleichfalls angenommen.
„Ich stehe wie vor einem Räthsel", rief Robert aus, „Ihrem Frieden, Ihrer Ruhe und Klarheit gegenüber! Ich, der starke Mann, der geträumte Philosoph, der vermeintliche Christ, bin haltlos und arm im Vergleich mit Ihnen. Ihre Demuth macht Sie groß, und mein Dünkel stürzt mich in Elend und Schmach. Ich habe keine Bewunderung für meine Hingebung! Ach, daß Sie ein Wort des Trostes für mich hätten!"
Sie lächelte traurig. „Sie sind berauscht, Herr von Pflug; reisen Sie zurück aus Ihr schönes Gut, und wenige Wochen werden genügen, Sie zu heilen."
Er sah sie flehend an." Habe ich keine Hoffnung."
„Don welcher Hoffnung reden Sie?" fragte sie, sich abwendend.
„Von der Hoffnung, durch lebenslängliche Sühne die Verschuldung weniger Stunden vergesien zu machen."
„Diese Hoffnung hegen Sie nicht", entgegnete fie, während ein Schimmer von Rührung über ihr Antlitz flog. Wie war es doch so bleich, so ernst!
„Ich will eö Ihnen erklären", fuhr sie mühsam fort; „Sie träumen jetzt, Sie sind Ihrer selbst nicht Herr, Sie wollen den Kamps mit Ihren gesammten bisherigen Anschauungen und Gewohnheiten aufnehmen, mit Allem, was Ihnen theuer ist. Auf welche Kraft trotzen Sie? Auf Ihre eigene? Sie werden bald erwachen und Gott danken daß er Sie vor großem liebet bewahrt hat?
Sie winkte mit der Hand.
„Ich bitte Sie, mich zu verlasien."
„Luttrud!" flehte Robert außer sich, „heißen Sie mich nicht gehen! Oder gewähren Sie mir die Gunst, Ihnen nach Jahresfrist wieder nahen zu dürfen, Ihnen immer
Ausland.
Wien, 9. Dez. Die Commission des Herrenhauses für Vorberathung des WehrgesetzeS stellte einstimmig den von dem Abgeordnetenhause abgelehnten Paragraphen 2 des Wehrgesetzes in Betreff der zehnjährigen Dauer des Gesches wieder her.
Rom, 9. Dez. Deputirtenkammer. Maurigi intet» pellirte die Regierung in Betreff der Anerkennung 'Rumäniens. Cairoli erwiderte: Gemäß deS Artikels 14 des Berliner Vertrags mußten Italien, Frankreich, Deutschland und England die Revision der Verfassung Rumäniens ab- warten und da nicht anzunehmen war, daß man eine weitere Revision erlange, mußte man nach der Anschauung dieser vier Cabinete Bürgschaften suchen, daß die Anwendung der revidirten Verfassung eine ausführliche und aufrichtige sei. Die Pourparlers mit dem Vertreter Rumäniens hatten eine Erklärung Rumäniens zur Folge, die befriedigend erschien. Italien hielt damit bett Augenblick für gekommen, Rumänien anzuerkennen. Die Erklärung Cairoli's fand im ganzen Hause lebhaften Beifall.
Madrid, 9. Dez. Die „Correspondencia" meldet, Canovas de Castillo habe die Bildung eines neuen Cabi- nets unter Berufung aus seinen Gesundheitszustand abgelehnt. Der König habe sich hieraus an den Präsidenten der Deputirtenkammer, Ayala, gewandt. Man glaubt, daß Römers Robledo das Innere, Manuel Silvela das Auswärtige, Elayen die Finanzen, Bugallal die Justiz und Jovellar das Kriegsportefeuille übernehmen und dieselben heute Abend den Eid leisten werden. Canovas de Castillo werde wahrscheinlich zum Präsidenten der Deputirtenkammer gewählt. Eine definitive Entscheidung sei übrigens noch nicht getroffen. — Posada Herrera hat auf die Mission zur Neubildung des Cabinets verzichtet. — Canovas de Castillo rieth dem König, ein Ministerium unter dem Präsidium Ayala'S, des jetzigen Präsidenten der Kammer, zu bilden. — Bezüglich der Ministerkrise schreibt die „Correspondencia": Der Fianzminister erklärte im Ministerkonseil, der Gesetzentwurf über Reformen auf Cuba würde das Deficit vermehren; er ersuchte deshalb den Präsidenten des Ministeriums um Enthebung von seinem Posten. Drei andere Minister gaben die gleiche Erklärung ab.
Dublin, 9. Dez. Der als Haupttheilnehmer an dei von Parnell inS Werk gesetzten fenischen Agitation verhaftete Thomas Brennan wurde vor die Assisen verwiesen, aber gegen eine Kaution freigelassen.
Petersburg, 9. Dez. Im Winterpalais fand gestern die St. Georgs-Parade statt. Die Aufstellung der Truppen beganr um 11 Uhr Vormittags. Der Kaiser erschien um 12 >/2 Uhr unt sprach den Truppen seinen Dank für ihre Leistungen aus. Utr
und immer wieder meine Reue und meine wahre und aus richtige Hingebung zu beweisen."
„Genug!" unterbrach Luttrud ihn, „Sie sprechen der geblich! Ihr eigenes Glück heißt mich handeln, wie ick handle.
Erstarrt stand Robert. Der leuchtende Morgen et schien ihm düster und nächtlich. Da durchblickte ein Hoff nungsschimmer sein Inneres.
„Mein Glück heißt Sie so handeln? Mein Glück sprach er mit halberstickter Stimme; „und Ihr Glück' Verzeihen Sie die Kühnheit! Wie steht es um Ihr Glück?'
Sie wurde bleich in furchtbarster innerer Erregung „Von meinem Glücke ist nicht die Rede," antwortet sie verwirrt, „wer unter den Menschen sorgte je um men Glück? Genug, daß wir das Ihre wahren."
Ein Jubel durchbrach die Nacht der Trübsal in Robert- Brust. Sie entsagte ihm ungern, sie litt unter der Tren nung, die sie für nothwendig hielt.
„Nein"', sprach et gefaßt „ich lasse nicht von Ihnen Wir kennen uns kaum, wir wollen uns klaren Einblick ii unsere Herzen geben."
„Quälen Sie mich nicht", bat Luttrud, bald erröthen vor Bewegung, bald schmerzvoll erbleichend; „mein Entschlu' ist gefaßt und unwiderruflich."
Das Nahen eines Bootes rief sie in die sie umgebend Welt zurück. Fünf Männer befanden sich in demfelbet mit kräftigen Schlägen die Ruder führend, alle wettergi bräunte, markige Gestalten.
„Die Lootsen gehen hinaus", bemerkte Robert Mechanist und sah in die See, „ein schwedischer Dreimaster naht, de Wind ist ihm günstig."
lFvrtsetziwg folgt)