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Marburg, Dienstag, 9. Dezember 1879.
xiv. Iahtgaig
vi) eigen nie nt «mgegen: ri^Expedtti it d.vlatte», foane d-Anno: cm-Burcaux von Th, Dietrich & Cr. in staffel und Hannover; Th. Dietrich in I. antfurt o 'Ät.; L-asenstein & SogLt in Jiontfutt c M., B rlin, i ipzig, 66111 Rudolf J offe in Berlin, F int» fort a. L'i. ic.
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Tagesbericht.
Der Kaiser conferirte am Freitag Nachmittag mit dm Ministern Grafen Stolberg, Maybach und Bitter und erteilte dem russischen Geheimrath Köhne, sowie dem Gesandten in Stockhelm, v. Pfuel, Audienz.
Die konservative Partei theilt mit den übrigen Parteien raS Bestreben, den Staatshaushalt der noch immer unerfreulichen Finanzlage gemäß, so knapp wie möglich, besonders in den außerordentlichen Ausgaben zu gestalten; sie wird sich aber daneben nicht abhalten lasten, auch bei diesen, im Gegensatz zu einzelnen Anträgen der Budgetkommission dringende Bedürfuiste des Augenblicks, vor Allem, wo es sich um befruchtende Landesmeliorationen handelt, anzuer- kmnen und für dieselben einzutreten. Im Allgemeinen hat cs den Anschein, als ob die diesjährige Etatsberathung an der zeittgen Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses entsprechend, einen schnelleren Verlauf, wie bisher haben werde, ohne daß die Gründlichkett der Berathungen unter dieser berechtigten Neuerung zu leiden hätte.
Die Commission für das Communalabgaben-Gesetz hat am Frettag Abens die erste Lesung des Gesetzentwurfs beendet. Zu §. 1 hatte der Abg. Vopelius einen Anttag cingebracht, dahin gehend: „Bezüglich der von dem fiskalischen Bergbau im Saargebiet zu entrichtenden Com- munalabgaben erfolgt die Vertheilung des steuerpflichtigen Reineinkommens auf die mit ihrem Gebiet innerhalb des gesetzlichen Grubenfeldes belegenen Gemeinden in der Art, daß die eine Hälfte derjenigen Gemeinde, in welcher sich der Sitz des Unternehmens oder eine Betriebs- oder Verbrauchsstätte befindet, und zwar nach Verhältniß der in den» selben erwachsenen Ausgaben an Gehättern und Löhnen, die andere Hälfte denjenigen Gemeinden überwiesen wird, in welchen mindestens 50 bei dem fiskalischen Bergbau beschäftigten Beamte oder Arbeiter wohnen, oder in welchen die bergmännische Bevölkerung mindestens die Hälfte der Gesammtbevölttrung erreicht und zwar nach Verhältniß der Zahl der Beainten und Arbeiter. — Dieser Anttag wurde rbgelehnt. — Der §. 23, welcher eine Doppelbesteuerung der Aktieninhaber möglichst vorbeugen soll, wurde gänzlich gestrichen und die übrigen Paragraphen mit einzelnen Adän- demngen redakttt Her Natur angenommen. Die zweite Lesung beginnt in Lchster Woche.
Man schreibt r „Magdeb. Ztg." aus Berlin: Eine Nachricht, welche '.' n bekannter zuverlässiger Stelle aus Nom angelangt ist, wirft ein Helles Streiflicht auf das zu erwartende Resu'tit der Verhandlungen Deutschlands mit der Curie. Der Nuntius Jacobini zu Wien ist danach für Anfang nächsten Monats nach Rom berufen. Der rr ,■
Drei Tage am Meere.
Erzählung von I. Hochkirch.
(Fortsetzung.)
Es ist die Westmole, der am jenseittgen Ufer die Ost- Aole entspricht. Auf dem gewölbten, breiten, an den Setten zum Meer hinab gesenkten Steindamm, den zur Nechten und Linken die Wellen umspielen, fühlt man sich dem Meere wundersam nahe und, je weiter man zum Ende schreitet, um so weltabgeschiedener, um so tiefer von einer eigenartigen Einsamkeit umsponnen. Von großartigster Schön- söt ist allhier das Wogen der See, die an dem Stein- dall stets brandet und schäumt. Trotz des Rauschens ringsum fühlt man sich au den mächtigen Steinquadern, die durch eifern Klammern verbunden sind, sicher und geborgen und genießt am Ende der Mole, wo sich freundliche Sitzplätze erheben, sogar in bequemster Lage den Anblick des Meeres.
Während in den letzten Tagen in Folge des Landwindes A See nur sanft athmete, zeigte sie sich am heutigen Morgen durch den frischen Nordwest lebhaft erregt. Die dNolenkopfe lagen zeitweise wie in eine blendendweise Rauchwolke gehüllt, durch den hochauffprühenden Schaum, der ^it graciöser Leichtigkeit und doch mit donnernder Wucht "n Mauerwerk zerschellte. Das hohe Brettergerüst, welches nächtliche Lichtzeichen trägt, bot Schutz vor dem Winde nd gestattete zugleich einen umfastenden Ausblick auf das j>rposante Bild. Eine Bank lud zur Ruhe; Robert je- och lehnte sich an die Brüstung gen Osten und beobachtete, wie dort am Himmelsrande — über dem Walde von Herzvgsruh — ein mattrosiger Schimmer hervorbrach, bieder befiel die Liebe mü unwiderstehlicher Macht sein
Zweck seiner Reise wird dahin angegeben, daß der Nuntius an Stelle des zurückttetenden Cardinals Nina den Posten des päpstlichen Staatssekretärs erhalten soll. Dieser posi- ttven Mitcheilung wird die weitere Meldung hiuzugefügt, daß die Curie ernstlich gewillt ist, mit allen Mächten in friedliche Beziehungen zu treten. Es würde nur ein gespanntes Verhältniß mit dem Königreiche Italien als letzter Rest der ehemaligen Kampfespolitik übrig bleiben. Die geplante Uebernahme des päpstlichen Staatssecretariats durch Monsignore Jakobini erkärt zunächst den Umstand, daß die in Kissingen begonnenen Verhandlungen in Wien weitergeführt wurden. Die Wahl der Person des päpstlichen Bevollmächtigten beweist außerdem, daß es der Curie auftichtiger Ernst ist, mit dem deutschen Reiche wieder zu einem Einvernehmen zu gelangen. Der Leiter der curialen Politik bietet die beste Gewähr für die Ausführung der unter seiner Aegide getroffenen Vereinbarungen.
Die „Weimarische Zeitung" schreibt zu dem Moskauer Attentat: „Was Rußland anbetrifft, so werden die maßgebenden Kreise aus dem Moskauer Vorfall erkennen, daß auf den bisher beschrittenen Wegen eine Heilung der in» nem Zustände des Landes nicht zu erwarten ist. Die russische Volksseele ist in unruhiger Gährung begriffen, die dadurch nicht zu einem Läuterungsprozeß wird, daß nach außen hin alle Ausbrüche eines fanattschen Chauvinismus geduldet werden, während nach innen jede Möglichkeit einer fruchtbringenden Beschäftigung mit politischen Angelegenheiten versagt ist. In einer in Moskau gehaltenen Ansprache des Kaisers hat er zur Ausrottung des aufrührerischen Geistes gemahnt, die Kinder auf den Weg der Wahrheit und des Guten zu führen, damit sie nützliche Menschen und gute Bürger werden. Eine wohl zu beherzigende Mahnung; aber nicht allein von den Kindern, von der Zukunft, hängt die Entwickelung Rußlands ab, sondern davon, daß den Männern, dem jetzt lebenden Geschlecht, Raum gegeben werde zur gesetzlichen Mitarbeit an der Gestaltung der politischen Verhältnisse des Landes. Gerade in den letzten Tagen kamen Nachrichten, daß der Kaiser Alexander aus Anlaß seines im März nächsten Jahres bevorstehenden 25jährigen Regierungs - Jubiläums beabsichtigt, einen weiteren Schritt auf der Bahn der frei- heittichen Entwicklung Rußlands zu thun. War dies in der Thal seine Absicht, so ist von der hochherzigen Ge- sinnung des Monarchen zu erwarten, daß das Moskauer Vorkommniß ihn in seinen Entschließungen nicht wankend gemacht haben wird."
Bezüglich des am 7. und 8. September in Bucara- manga in Kolumbien stattgehabten Pöbelausstandes erfährt die „Norddeutschen Allgemeine Zeitung" daß die deutsche Regierung die nachdrückliche Wahrung der ver- Gemüth. Hier weilte Lutttud allmorgendlich. Ihm war, als müsse er die Steine küssen, die ihr Fuß berühtt habe, — aber er überwand die Schwäche.
„Man nennt das liebeskrank," flüsterte er, auf die Lippen beißend, „es ist eine Thorheit, die vorübergeht. Ein paar Wochen Geduld, und ich genese ohne sonderliche
Die Uhr schlug fünf. Der goldene Schein im Osten verstärkte sich. Robert sah die Mole hinab — dem Ufer zu. Ein Manu kam gegangen, schlicht und eilig. Er kam, das Licht auf dem Molenkopfe zu löschen. Er grüßte Robett kurz, verrichrete sein Werk und ging wieder seines Weges.
Angstvoll, wie ein Verbrecher, behielt Robert fortan den steinigen Pfad — zum Meere hinaus — im Auge. Nahte Lutttud, so war ein Verbergen schlechterdings un- möglich. Ihm bangte vor dem Erkennen, ihm bangte vor der Möglichkeit, daß sie heute nicht komme; daß sie vielleicht in Begleitung komme. Trotz des frischen Morgens strich er mit dem Tuch über die Sttrn und lächette dann über sich selbst.
„O Mutter, Ihr lieben Schwestern!" seufzte er, „könntet Ihr mich also sehen!"
Als er wiederum zum Ufer zurücksah, erblickte er Fräulein Lutttud, langsam zum Molenkopfe schreitend.
Sie trug ein wärmeres Morgengewand als am gestrigen Tage, von dunkler Farbe, den Kopf bedeckte du leichtes weißes Tuch, um die Schultern war ein Plaid geschlagen — auch nun wieder war sie in Roberts Augen hinreißend anmuthig, mit unvergleichlichem Adel und Liebreiz.
Ahnungslos nahte sie dem Ende der Mole. Robert lehnte sich an das bergende Gebälk. Er sah, daß der
letzten Interessen bereits übernommen habe. Die kolum- bische Regierung habe inzwischen zu erkennen gegeben, daß sie die vorgefallenen Verbrechen bedauere, die Schuldigen ’ der verdienten Strafe übergeben habe und volle Entschädigung gewähren werde. Der kürzlich in Berlin beglaubigte, Gesandte Kolumbiens, General Camargo, sei beauftragt gewesen, in diesem Sinne mit dem Auswärttgen Amte in Verbindung zu treten. Hiernach dürfte eine befriedigende Erledigung der Angelegenheit erwartet werden.
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Deutsches Reich.
** Berltu, 5. Decbr. Zu der morgen im Grünewald stattfindenden Jagd, welcher Se. Majestät der Kaiser beizuwohnen in Aussicht genommen hat, sind u. A. auch an die Staatsminister Graf Stolberg und Graf Eulenburg Einladungen ergangen. — In künftiger Woche wird der Viceprästdent des Staatsministeriums Graf Stolberg die erste parlamentarische Soiree geben, zu welcher bereits die Einladungen ergangen sind. — Daß die Presse sich vielfach mit den neuen Justizeinrichtungcn beschäftigt, ist erklärlich; weniger erklärlich ist es aber, daß die bezüglichen Notizen oft mit großer Flüchtigkeit verbreitet werden. So erörtert ein hiesiges Blatt die Frage, daß die Handelsrichter in Berlin in bürgerlicher Tracht bei den Sitzungen .erschienen. Nur tin Blick in die Sitzungsäle der Kammern für Handelssachen des Landgerichts I hätte dargetha«, daß die Handelsrichter überall in Amtsttacht ihren Dienst vollziehen. Die Frage ist auch keine offene, wie das gedachte Organ meint, sondern dadurch entschieden, daß nach ausdrücklichen gesetzlichen Bestimmungen die Handelsrichter Richter sind und alle Rechte und Pflichten derselben haben,. während andererseits die Amtstracht für alle Richter in ■ öffentlichen Sitzungen angeordnet. — Der Minister der öffentlichen Arbeiten beabsichtigt die Herstellung kartographischer Ueberstchten über Prvduktiou, Zirkulation und Konsumtion des Roheisens und des schmiedbaren Eisens in Deutschland, zunächst für das Jahr 1878, demnächst für das Jahr 1880. Bei dem großen Interesse, welches die auf solche Weife zu gewinnenden übersichtlichen Darstellungen der betreffenden Verhältnisse, namentlich auch auf die Wirkungen des im laufenden Jahre wieder eingeführten EisenzollS darbieten werden, ist es erwünscht, alle Hülss- mittel anzuwenden, welche dazu bdtragen können, der Arbeit die größte Zuverlässigkeit zu sichern. Der Minister für Handel und Gewerbe hat daher in einem Cirkularerlaß vom 28. November die Handelsvorstände ersucht, nicht allein selbst in jeder Weise die bezüglichen Arbeiten der Bergbehörden zu unterstützen, sondern auch bei den bethei- ligten Industriellen dahin zuwirken, daß man den mit Sammlung der Materialien beauftragten Beamten durch Er- thettung erschöpfender Auskunft chunlichst entgegenkomme. — In Erwägung der Vorschriften über die Befähigung
Sturm ihren Gang erschwerte, daß sie nur mit Mühe den Molenkopf, welchen Wind und Wellen heftig umfpietten,. erreichen würde, und sobald er dies wahrnahm, waren alle $ Bedenken verschwunden.
Er trat hervor und ging ihr entgegen. Dm Hut lüftend., bot er ihr, ohne dn Wort zu sagen, den Arm- zur Stütze. Er war zu erregt, um in ihren Zügen irgend eine Veränderung zu erkennen. Jedenfalls stutzte sie und - zog sich zurück.
Berweigerte sie, seinen Arm zu nehmm, so war jedes. weitere Band zerrissen, und ihm blieb nur schweigendes Entfernen. Allein — er mochte wohl sehr flehmd auf r sie blicken, der Wind brauste, — sie nahm dm Arm, und. Robert führte sie zu dem geschützten Plätzchen, welches er bisher inne hatte. Er blieb an ihrer Sette. Erschöpft , löste sie ein wenig das leichte, frine Gewebe, welches ihr, Haupt umgab, und sah nach Oftm hinüber.
In unbeschreiblicher Schöne ging die Sonne auf.„ Nahe über dem kleinm Horizonte lagerten ldchte Schicht- ', Wölkchen; sie warm alle in röthliches Gold getaucht und' leuchtetm und funkeltm im Schdn der nahmdm Morgen-, sonne, btren königliches Diadem sie bildeten. Plötzlich stieg . sie selbst empor, lieber das Meer brach ein strahlender Schimmer, der Schaum der wechselndm Wellen war in Gold gefaßt, die Himmel rühmm des Ewigm Ehre, Meer j und Erde beugten sich anbdend. Es war ein Augenblick ( von erhebender Pracht. Robert war durch die hohe Majestät des Schauspiels hingenommm, und als er nach einer Weile auf Lutttud blickte, sah er, daß ihre Hände gefaltet auf c der Brüstung ruhten, daß ihre Züge einen verklärten Ausdruck trugm, als fd ihre Seele in Gebet versunkm.
(Fortsetzung folgt)