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Marburg, Sonntag, 7. Dezember 1879
xiv. Jahrgang
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äraeigen nimmt cmgegen: rte Expedition d.vlatte», Wie d.Annoncen-Bureaux ,on Th, Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; haafenftein & Bögler in ticntfurt a- M., Berlin, Skirrig, 2öln rc.; Rudolf Lzsie in Berlin, Frani- furt a. M. rc.
OttWschk jfitinig.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte# sowie d. Anuoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Juvalidendank in Berlin; W- Thiene# in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jlluftrtrte# SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr). — JnfertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 35 Pfg. berechnet.
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Der König und die Königin von Dänemark, die am 28. November in Berlin eintrafen, sind bereits wieder in ihrer Heimath angelangt, da sie in Berlin nur einen vollen Tag verweilten. Daß besondere politische Abmachungen bei dieser Gelegenheit zwischen Dänemark und dem Deutschen Reiche Statt gesunden hätten, ist in keiner Weise anzunehmen. Am verflossenen Sonnabend begingen Prinz Friedrich Karl mit Gemahlin das Fest ihrer silbernen Hochzeit unter lebhaftester Theilnahme der Bevölkerung. Der russische Reichskanzler Fürst Gortschakosf, der in der ergangenen Woche mehrere Tage in Berlin weilte, ist vom Kaiser empfangen und vom Kronprinzen mit einem Besuche beehrt worden. Aenßerlich ist fonach unser Ver- hältniß zu Rußland ein günstiges. Die Angelegenheit der deutschen Schifffahrt auf dem Gränzfluß Riemen ist dagegen noch nicht geordnet. Der am 28. v. M. abgelaufene, auf Grund des Socialiftengesetzes über Berlin verhängte kleine Belagerungszustand ist auf ein weiteres Jahr verlängert worden. Die Hauptarbeit des preußischen Landtages ruhte auch in der abgelaufenen Berichtswoche in den
Drei Tage am Meere.
Erzählung von I. Hochkirch.
«Fortsetzung)
„Gott lohn's Ihnen", sagte meine Alte und freute sich, daß solch' Edelmuth auf Erden ist. Sie hat's mir schon erzählt, daß dieselbe gütige Dame jetzt hier in Wohlde ist, aber ich sah sie heut' zum ersten Male wieder, und mir hat es wohl, daß ich sie in meinem Boote fahren durfte! Den Herrn Generalkonsul kenne ich schon vom vorigen Sommer."
Allein Robert hatte genug vernommen. Er verabschiedete sich schnell von dem Men und trug sein Herz, das
DieUnterhandlungen wegen eines Handelsvertrags Oesterreich-Ungarns mit Deutschland nehmen einen schleppenden, nicht sehr hoffnungsvollen Verlauf.
Die schweizerische Bundesversammlung ist zu chrer ordentlichen Herbstsession zusammengetreten und mit Feststellung des eidgenössischen Haushalts für das nächste Jahr beschäftigt.
Die französischen Kammern wurden am 27. Rovemher zur außerordentlichen Session von 1879 mit einer energischen Ansprache des Präsidenten eröffnet, worin er den Deputirten zurief: „An die Arbeit!" Im Senate wurde, da Märtel krank ist, von Calmon ein kurzer Nachruf den ivährenv der Ferien gestorbenen Senatoren gewidmet und seitdem eine Sitzung nach der anderen ohne Arbeit vertagt. Sofort nach der Kammersttzung traten die Ausschüsfe der vier Gruppen der Linken zusammen, zunächst um ein gemeinsame« Vorgehen in derselben Richtung zu vereinbaren; <mt 28., 29. und 30. November folgten weitere Versammlungen der Coalistrten und am 1. December war man zur Ausarbeitung eines Programms gediehen, das dem Cabinet Waddington octroyirt werden sollte. In demselben stehen die Säuberung des Verwaltungspersonals und die neue Bestallung des Richterstandes, also zwei Stellenfragen, obenan. Vier Delegirte der Coalitivn hielten einen Rnnd-
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A ihm brannte, in die Einsamkeit.
Selbst von den Lippen des einfachen Fischers mußte ihr Lob hören? Und er hatte die Perle von sich geworfen! Durfte r ihr jemals wieder nahen? Ja, einmal nur uoch, um, wenn möglich ihre'Verzeihung zu erflehen. s3hm sagte eine innere Stimme, daß ihm Lnttrud von .Hemmerich, die Einzigeine, die ihm begehrenswerth dünkte, btrsagt sei; ihm, dem durch das Uebermaß von Entgegen- s kommen bisher die Wahl einer Gattin erschwert war, ihm entzog sich diejenige, die allein sein Herz erwählte, die chm bvr wenigen Stunden als leichte Beute erschienen war. wimmer durfte er hoffen, sie zu erringen, die ihn verachtete!
chuht verschiedenen Commissionen, so namentlich in der Budget- Siif, uni) Eisenbahn-Commission, letztere hat nunmehr ihre At- ’ beiten so gut wie vollendet. Die Plenarsitzungen des Ab- Deitetl zevrdnetenhanses waren hauptsächlich der Weiterberathung ät zi des Budgets für 1880—81 gewidmet Das Schanksteuer- Gesetz wird schwerlich zu Stande kommen.
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. Und wieder gedachte er ihres ängstlichen Aufspringens Boot, als ihm ein Unfall drohte. Sollte sie ihm den- .fcod) freundlich gesonnen sein? O nein, es war ihre Güte, sie den Platz der alten Fischerfrau einräumen ließ, die __?e auch trieb um ihn Sorge zu fühlen. Sie verschmähte chn so lange sie in Berührung mit einander getreten
gang bei den Ministern und nahmen die besten Versicherungen entgegen, ohne jedoch darum von der Arbeit an dem projektirten Programme abzurathen. Am 2. Decbr. sollte der Vendeer Baudry d'Asson, welcher den Minister des Innern wegen der Absetzung der legittmistischen Maires interpelliren wollte, der Katze die Schelle anhängen, und man erwartete, daß sich dieser Streit zu einer allgemeinen Verhandlung über die neu zu besetzenden Stellen erweitern werde. Wider Erwarten erklärte der Interpellant, er wolle keine Jagd auf Minister machen, die schon von der Meute gestellt seien. Da erhob sich Waddington und rief die Meute auf, das Gebell in den Parteiversammlungen und Zeitungen aufzugeben und offen auf der Rednerbühne zu erscheinen, wenn sie etwas gegen die Regierung im Schilde führe ; es sei parlamentarische Regel, daß ein Cabinet, das nicht das Vertrauen der Kammer habe, gehe; ein außerparlamentarisches Programm lasse die Regierung sich nicht auferlegen. Die Rechte bis hinüber zum linken Zentrum rief Beifall, der Rest der Linken beobachtete tiefes Schweigen. Die nächsten Tage werden lehren, ob Waddington die Gambettisten eingeschüchtert oder noch mehr erbittert hat und ob sie es wagen werden, noch vor Neujahr zum Sturze des Cabinets vorzugehen, um Gambetta „zu zwingen", wie die Parole lautet, „das Reformprogramm der Linken unter eigener Verantwortlichkeit auszuführen." Angesichts der beständigen Zettelungen, Verhandlungen und Umgänge in den parlamentarischen und ministeriellen Kreisen stockten alle übrigen Geschäfte der Volksvertretung. Doch beschloß die Kammer am 2. December mit 342 gegen 163 Stimmen, die von Boysset beantragte neue Bestallung des Richterstandes und mit 413 gegen 92 den Gesetzentwurf wegen Abschaffung der MUitärgeistlichen, so wie die Abschaffung der durch Gesetz von 1814 gebotenen Sonntagsfeier, in Betracht zu ziehen.
TigeSdericht.
Der Reichskanzler hat die Landes-Medicinalcollegien der einzelnen Bundesstaaten um Gutachten ersucht über eine Revision der Gewerbeordnung mit Rücksicht auf die Bestimmung über die Zurücknahme der Approbation als Arzt. Der Reichskanzler erachtet in seinem Rundschreiben die häufigere Anwendung dieses Mittels als nothwendig, um den ärztlichen Stand von unlauteren Elementen zu befreien. Das Medicinalkollegium des Königreichs Sachsen hat sich für die Aufnahme eines Zusatzes in den §. 35 der Gewerbeordnung erklärt, nach welchem Aerzten und Apothekern, denen die Ausübung der bürgerlichen Ehrenrechte abertannt ist, dauernd die Approbation entzogen werden soll. ____________
Im Ministerium des Innern ist, wie man der „N.-Z." schreibt, Ende voriger Woche die umfangreiche Vorlage
waren. Selbst die hochfahrende Marianne Kretschmar war ihm nicht so zurückhaltend und ruhig begegnet, wie die schöne Sängerin. Nun durchschaute er Alles klar und fühlte sich nur als den Zurückgewiesenen, Verstoßenen, Hoffnungslosen.
Von dem Jammer über seine eigene Sünde schwankte er hinüber zu einer maßlosen Sehnsucht nach der Verlorenen. Ihr BUd stand greifbar klar vor feinem Ange, dann plötzlich schwand es und er zermarterte sein Hirn, es klar, Zug um Zug zurück zu rufen. Ihr Lied — und zumeist jetzt das Bach'sche: „Willst Du Dein Herz mir schenken" folgte ihm auf jedem Schritte, und wieder verschwamm es, ohne daß er Wort ober Melodie hätte festhalten können.
„Ich bin ein Narr, ein Träumer, von Leidenschaft zer- riffen, ein Unwürdiger", stöhnte er. „Ich, der ich den Rausch der Liebe verachtete, verlachte, falle ihm so kläglich zur Beute!"
Er war, also sinnend, fast unbewußt in das Lustwäld- chen gegangen und suchte die Bank am Fichtenhain, wo er am Morgen Lnttrud gefunden hatte. Unter dem ruhigen hehren Sternenhimmel verträumte er die Nacht. Das Brausen der See tönte majestätisch herüber, die Wipfel der Bäume rauschten, vom Nordwest gebeugt, und Robert empfand die erhabene Größe des nächtlichen Wallens in der Natur trotz der Aufregung in seinem Innern.
„Wie Mancher »erbringt die Nacht bei Spiel und Tanz", dachte er, „und sorgt nicht für Schlaf und Gesundheit. Mich wird'# nicht reuen, hier einsam gewesen zu sein mit Gott und meinem Herzen."
Endlich raffte er sich auf um heimzukehren. Da schlug die Uhr vom Kitchthurm die dritte Stunde Morgens. Be-
über die innere Landesverwaltung vollendet worden. Sie dürste bereits dem StaatSministerium zugegangen fein und wird demnächst den Ministerrath beschäfttgen. Ob dies bereits in dieser Woche geschehen wird, ist jedoch keineswegs sicher. Die einzelnen Minister müssen sich zuvor mit ben Einzelheiten des Gesetzentwurfs bekannt machen.
In der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses wurde in Gegenwart des Justizministers und mehrerer Commiffare des Justiz- und Finanzministeriums über das zu den Jnstizbauten in den beiden letzten Jahren bewilligte Pauschquantum verhandelt. Der Referent Abg. Hänel gab zunächst eine Ueberficht über die früheren Verhandlungen und Beschlüffe, durch welche im Ganzen bis jetzt 19 Millionen zur Verfügung gestellt sind. Hiervon ist über etwa 151 * Millionen bereits disponirt und es werden bis Ende dieses Jahres nach den Berechnungen des Referenten voraussichtlich 10 Millionen davon verausgabt fein. Für eine Anzahl von Bauten sind die Anschläge noch nicht fertig. Der Referent hob die Nothwendigkeit einer baldigen Schließung des Pauschquantums hervor, welches nut mit Rücksicht auf die frühere Zwangslage bewilligt sei. Man müsse vom Pauschquantum zu etatsmäßigen Verhältniffen übergehen. Die Forderung der Regierung von 4,700,000 Mark für die Gebäude des früheren Cadettenhanses zur Einrichtung eines Geschäftshauses für das Landgericht rc. in Berlin fei einer Vermehrung des Pauschquantums um diesen Betrag gleichzuerachten. Es müsse in Erwägung gezogen werden, ob diese Summe nicht auf das Pauschquantum zu verweisen sei. Nach einer längeren Diskussion, welche sich wesentlich um die Frage drehte, ob von dem Pauschquantum nicht schon jetzt zur etatsmäßigen Bewilligung überzugehen sei, wurde, nachdem man sich davon überzeugt hatte, daß dies zur Zeit noch nicht durchzuführen sei, folgender Antrag des Abgeordneten Rickert angenommen: Die Summe von 4,700,000 Mark für das Gerichtsgebäude in Berlin abzusetzen und zur Verstärkung des Pauschquantums 2 Mill. Mark zuzusetzen. Aus dem Pauschquantum wird dann der Bettag für das Gerichtsgebäude zu bezahlen sein. Im nächsten Jahre wird die weitere Etattficirung der Bauten erwartet.
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Auf der an der Berliner Börse ausgelegten Sammel- lliste für den Nothstand in Oberschlesien sind bis jetzt 32,000 Mk. gezeichnet.
ES ist kein Zweifel mehr, daß das Attentat in Moskau nicht das Werk eines Einzelnen, sondern ein von mehreren Personen von langer Hand angelegtes Bubenstück war. Um das Leben des Kaiser# zu treffen, sollten auch die zahlreichen Personen seiner Umgebung in die Lufts gestürzt wollte er eilen, feine Wohnung zu erreichen, aber Niemand erwartete oder vermißte ihn dort, und ein Gedanke beschlich ihn plötzlich, der abermals seine Schritte hemmte. Pflegte nicht Lutttnd den Sonnenaufgang auf der Mole zu erwarten? Dort wollte er — freilich ihrem Wunsche entgegen — sie noch einmal zu sprechen suchen und dann — fort, fort von hier! Nichts sollte ihn mehr halten!"
Der Zweifel macht schwach — und nur der Zweifel — und in der That kannte Robert von Pflug sich kaum selber mehr. Bi# zur vierten Stunde Morgens schwankte et hin und her, bald zu einem Aufsuchen auf bet Mole geneigt, bald zu vollkommenem Schweigen entschlossen. Der Philosoph in ihm war nicht überwunden. Es kamen Augenblicke in denen er sich fragte, ob er sie feiner Mutter zu- führen wolle, ob er dem Spott der verwittweten Fran Nachbarin und so mancher StandeSgenoffen gewachsen sei, ob er in Wahrheit Lnttrud vertrauen könne, ob ihr Leben und ihr Stand ohne Makel sei, ob nicht Gefallsucht im Hintergründe schlummere und durch spröde Kälte nur um so mehr zu reizen suche? Ein christliches, ernstes, nach innen gewandtes häusliches Leben wollte er führen. Entsprach Luttrud dieser Aufgabe?
Ach ja, mehr als Alle 1 und sie würde verweigern, ihm zu folgen, ja, sie mußte sich weigern, wenn er ihr die hohe Achtung bewahren sollte, die er seit dem gestrigen Abend für sie empfand.
Wo war eine Lösung?
So kam die vierte Stunde herbei, und Robert lenkte seine Schritte dem Meeresgestade zu. Dort, wo der Strom sich ins Meer ergießt, erstreckt sich ein Steinwall weit hinaus in die Wellen.
(Fortsetzung folgt.)