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JTlflüBurg, Sonnabend, 6. Dezember 1879

XIV. Jahrgaus

Anzeigen nimmt emgegen: die Expedition d.vlatte», sowie d-Annoncen-Bureaur von Th, Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; LH. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Löln rc.; Rudolf Kosse in Berlin, Frank­furt «. M- re.

WnIfWik Zcitmg.

Anzeigen nimmt entgeger die Expedition d. Blatte sowie d-Annoncen-Bureau von G. L-Daube L Co. i Frankfutt a. M; Jäger'sch Buchhandlung daselbst Hermann'sche Buchhand daselbst; Jnvalidendank i Berlin; W. ThieneS i Elberfeld; C. Schlotte i Bremen.

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Pür den Monat Dezember werden von allen O Postanstalten (auf dem Lande von den Land­postboten) Bestellungen auf die

Bberhessische Zeitung

mit deren Gratisbeilage

JllustrirteS Sonntagsblatt

angenommen.

Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.

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Tagesbericht.

Kaiser Wilhelm hat, wie dieNat.-Ztg." mittheilt, sofort, nachdem ihm die Nachricht von dem Attentate zuge­gangen war, ein persönlich abgefaßtes Telegramm an den Kaiser von Rußland abgesandt.

Vom Kaiser von Japan ist an Kaiser Wilhelm ein Dankschreiben als Erwiderung auf Vie Verleihung des .Schwarzen Adlerordens" an denselben eingetroffen. Das Schreiben, in japanesischer und englischer Sprache gehalten, befindet sich in einem originellen Beutel von kostbarem mit Goldfäden durchwirkten Stoffe, und ist auch in diesem überreicht worden. Bei dieser Gelegenheit verdient noch erwähnt zu werden, daß der japanesische General Takasstma, welcher sich vor Kurzem längere Zeit in Berlin aufhielt, dem Königsmanöver in Elsaß-Lothringen beiwohnte und gegenwärtig bei Gelegenheit der Vermählungsfeierlichkeiten am Hofe zu Madrid weilt, auf specielle Weisung seines Kaisers sich ausführlich über die deutschen Ordensverhält­nisse unterrichtet hat. Japan besitzt freilich auch schon einen Orden, möchte doch aber auch alle Acte der Cvurtoisie, wie sie der Verkehr mit europäischen Höfen bedingt, in entsprechendem Maße durch Auszeichnungen in verschie­denen Graden begleiten und erwidern können.

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Drei Tage em Meere.

Erzählung von I. Hochkirch.

| _ (Fortsetzung.)

Fröhlich sagte man der malerischen Küste von Herzogsruh Lebewohl, hüllte sich in die warmen Mäntel Aid überließ sich dem Behagen der abendlichen Fahrt. Nicht so angeregt wie während der Fahrt am Nachmittage, begnügte die.Mehrzahl der Gesellschaft sich damit, der von «m Concertmeister und dem Generalkonsul geführten Unter- Mtung zu lauschen. Kuno Fedderseu lenkte wiederum das Steuer; RobertZaß in seiner Nähe und beobachtete sorg- «ch Cours und Tegelstellung. Große graublaue Wolken­ballen verdüsterten den Himmel; eilig trieb der Wind sie darüber. Als die Sonne in das Meer hinabsank, kündete .er Bootsmann aus allerlei Zeichen für den kommenden

klares, kühles Wetter und Sturm an.

Erst mit Anbruch der Nacht wurde der Hafen von Wohlde erreicht. Der fast klar gewordene Himmel sandte millionenfaches Sternenlicht herab. Im Hafen auf dem ^uchtthurme brannte das intensive Licht des nächtlichen ^rrnungs- und Richtzeichens, die Einfahrt an den Mo- ^köpfen war durch eine grüne Flamme zur Rechten und Unken bezeichnet; weiterhin strahlte durch das rothe Glas ^uer Laternen ein röthlich sanftes Licht, und darunter Achten sich, die Linden-Alleen durchblitzend, die zahlreichen Nammen, welche die einzelnen Wohnungen erleuchteten.

fäönfa Bild gewährten die den Wollen sich spiegeln-

Sterne; namentlich im Hafen auf dem sogenannten Strome", bildete die klare Spiegelung ein magisches, Uzendes Schauspiel.

»So haben wir Gotüob! unser Ziel ohne Unfall oder Abenteuer erreicht!" seufzte Frau Concertmeister Truchseß.

DieNordd. Allgem. Ztg." ist ermächtigt, die Zei­tungsnachricht, daß während der Anwesenheit des dänischen KvnigspaareS die Welfenfrage der Gegenstand der Ver- handlungen gewesen und hier von maßgebender Seite be­züglich des beschlagnahmten Vermögens des ehemaligen hannoverschen Königshauses bestimmte Erklärungen abge­geben worden seien, ihrem vollem Umfange nach für that- fächlich unbegründet zu erklären.

DieNorddeutsche" widerspricht ferner der Meldung von einem lebhaften Depeschenwechsel zwischen Berlin und Varzin während Gortschakoffs Anwesenheit; das auswärttge Amt richtete während dieser Zeit an den Reichskanzler nur nn einziges Telegramm, welches das Attentat auf den Kaiser von Rußland meldete.

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Die Communalsteuercommission des Abgeordnetenhauses nahmben § 14 (Exemption der Beamten von der Steuer) unverändert nach der Regierungsvorlage an und lehnte alle Amendements ab.

In der Eisenbahn-Commission des Abgeordnetenhauses wurde gestern Vormittag der Generalbericht des Abg. Dr. Hammacher verlesen und festgestellt. Die Verlesung des Berichts währte an dritthalb Stunden. Wie bereits früher mitgetheilt, begannen die Anträge der Commission mit folgenden Worten: Das Haus der Ab­geordneten wolle feine Zustimmung zu dem Gesetzentwurf betreffs die Erwerbung mehrerer Privat-Eisenbahnen für den Staat von der Zusage der Königlichen Staats- regrerung abhängig machen, daß dieselbe dem Landtage noch in gegenwärtiger Session, jedenfalls bei dessen nächst­jährigem Zusammentritt die Gesetzentwürfe vorlegt, welche folgende Grundsätze sestftellen (folgen die bekannten Grund­sätze). Von dem Abg. Miguel wurde darauf aufmerksam gemacht, daß der Präsident des Abgeordnetenhauses eine solche eventuelle Abstimmung als mit den Vorschriften der Geschäftsordnung unvereinbar bezeichnet habe. Es empfehle sich deshalb entweder den Paffus zn ändern, oder aber abzuwarten, ob der Minister die verlangte Zusage ertheilen werde, für diesen Fall aber den General-Referenten zu er­mächtigen, Namens der Commission sich befriedigt zu er­klären und unter Bezugnahme auf die ministerielle Zusage den Eisenbahn-Gesetzentwurf bedingungslos zur Annahme vorzuschlagen. Der Antrag wird angenommen. Dann wurde noch der Bericht über die Magdeburg-Halberstädter Bahn verlesen. Das Gesetz über die Erweiterung der Staatsbahnen u. s. w. wird erst im Januar zur Bera- chung gelangen. Referent ist der Abg. v. Hammerstein Correferent der Abg. Kallo.

Auch die konservativeDeutsche Landesztg." bringt einen Arttkel gegen die allzuscharfen Bestimmungen des Feld- und Forstpolizeigesetzes unter der Ueberschrift:Mahn­ruf an die konservative Pattei ves Abgeordnetenhauses." Derselbe lautet: ES liegt gegenwärtig dem Abgeordneten- hausc ein Gesetzentwurf vor, welcher leicht zur verhängniß- vollen Klippe werden kann, an welcher die glücklich zu Stande gebrachte konservative Strömung in die entgegen­gesetzte Richtung umspringen könnte. Es ist dies der Entwurf eines Feld- und Forstpolizeigesetzes. Solche Ge­setze, so unbedeutend sie den großen und reichen Herren zu sein scheinen, greifen am mefften in das Volksleben ein. Unb wäre es in ber That zu bebauern, wenn das Zu­standekommen allzu^ rigoroser Verbote der konservativen Majorität in bie Schuhe geschoben werben könnte; beim eb würden diese den noch sehr starken Gegnern für bie nächsten Wahlen eine gewalttge Waffe in die Hand geben.

Der fragliche Gesetzentwurf will nämlich unter Anderer mit Strafen belegen: Das Gehen über unbestellte un. ungesperrte Grundstücke (Wiese, Acker und Waldboden) ferner das Abpflücken von Laub und Zweigen und endlic' das Sammeln von Beeren und Pilzen; lauter Dinge, voi; denen hier zu Lande bis jetzt Niemand eine Ahnung gehab hat, daß sie jemals verboten werden könnten und berei Verbot geradezu gegen den Rechtssinn des Volkes verstößt; In Feld- und Forstpolizeisachen hat sich im Laufe der Zei beim deutschen Volke das Rechtsbewußtsein ausgebildet, das nur solche Handlungen unter Strafe gestellt werden können : welche wirklichen Schaden veranlassen. Was soll aber da« Gehen über einen unbestellten, nicht gesperrten Acker rc für Schaden hervorbringen? Ist es doch den Jägern ge stattet, selbst auf bestellten Aeckern die Jagd auszuüben Unb welchen Schaden bringt das Abpflücken von Laub- uni Tannenzweigen hervor, womit unsere Soldaten gewissermaßer; unter Aufsicht ihrer Offiziere bie Helme unb die Schüler be t Exkursionen geradezu unter Mitwirkung ihrer Lehrer di« Mützen schmücken? Und nun gar das Beerensammeln! Wil i man etwa die Beeren im Walde verderben lassen? oder dene man der reiche Waldbesitzer soll sich aus dem Sammeln bei Beeren von ber ärmsten Volksklasse, bie sich doch allein damit - beschäftigt, eine Einnahmequelle verschaffen? Möchte man doch - bedenken, daß der Heidelbeermonat der dürftigste des Jahres t ist, in welchem die Brodfrucht und Kartoffeln in manchen, Haushaltungen schon aufgezehrt und in welchem die Ver- z dienste der armen Tagelöhner gar schwach sind. Ob > man nach der Regierungsvorlage das Sammeln der Beeren t kraft des Gesetzes verbietet oder das Verbot von dem Willen > des Wald - Eigenthümers abhängig macht, läuft auf eins - hinaus. Es giebt wohl kein Forstmann und Waldbesitzer, j welcher nicht zugleich mehr oder weniger eifriger Jäger wäre. Wenn auch die Beerenleser dem jagdbaren Wild e nicht gefährlich sein können (und sollte der Fall wirklich i Vorkommen, so ist das ja unter scharfe Strafe gestellt) so wünscht doch der Waidmann Ruhe für seine jagdbaren e Waldbewohner und will selbst nicht gestört sein bei Aus- i Übung der Jagd. Deßhalb wird das Verbot überall gar f bald Platz greifen. Man möge sich aber doch besinnen, > im Volk den Glauben wachzurufen, daß die Gesetzgeber t der Neuzeit mehr Humanität gegen die jagbbaren Wald- e bewohner, als gegen die darbende Armuth empfinden, und dabei hat man für die großen Diebe an der Börse und i bei den Gründungen gar kein Strafgesetz. Wären der- i artige Strafbestimmungen unter der liberalen Aera zu i Stande gekommen, wie sie bereits damals seitens der Re­gierung, vielleicht unter dem Einfluß mächtiger Wald- e besitzer, ausgearbeitet .vorven, so würde es Aufgabe der r jetzigen Majorität sein, sie wieder abzuschaffeu. Sollten t aber die Conservativen das Odium auf sich laden, solche n rigorose Strafbestimmungen geschaffen zu haben, so werden

Noch sind wir nicht auf sicherem Boden", versetzte der Advokat;die starke Strömung macht das Anlegen schwierig."

Man mußte nochmals zum Ruder greifen. An der Phahlreihe oes Bollwerks lief das Boot an, und Robert erhob sich, um vermöge der Kraft seines Armes das Zu­rücktreiben des Bootes zu verhindern; allein, seine Kraft reichte nicht aus; während er mit beiden Händen den Pfahl hielt, zog die heftige. Strömung das schwankende Boot unter seinen Füßen fort. Warnungsstimmen, Angst­rufe und Gelächter erschollen im Boot. Robert mußte sich, um nicht ein unfreiwilliges Bad zu nehmen, mit äußerster Anstrengung zum Bollwett hinüberschwingen und dort, an dem Gebälk hinaufklimmend, einen festen Halt suchen. Als er zurückblickte, sah er Luttrud aufgerichtet am Rande des Bootes stehen, die Arme nach ihm breitend, <llS wolle sie ihm helfm. Sie sank sofort zurück, da sie ihn geborgen sah. Ein unauslöschliches Gelächter folgte seitens der übttgen Glieder der Gesellschaft seinem kühnen Sprunge. Man warf ihm ein Tau zu und bald war die Landung mit seiner Hülfe beschafft ohne wettere Fähr- ltchkett.

Die Gesellschaft trennte sich sogleich an der Landungs- treppe.

Luttrud ging schnell und nach flüchtigem Gruße und allein blieb Robert von Pflug unter den flimmerden Sternen des Himmels.

3.

Sonnenaufgang.

Die Nacht war milde. Es ist nicht schwer, eine Nacht ju durchwachen, wenn der Geist unruhig arbtttet. Die

Stunden flegen schnell dahin von einem Glockenschlage zum andern.

Robert wußte, daß kein Schlaf seinen Augenliedern I nahen werde; darum suchte er seine Wohnung nicht auf, nachdem die Gesellschaft sich getrennt hatte, sondern lehnte sich an das Bollwerk, dem Bootsmann, der fein Fahrzeug r in Ordnung brachte, zuschauend. Der Mann wurde zu­traulich und erzählte allerlei.

Die Dame, die so hübsch singt, kenne ich schon", sprach er plötzlich,sie ist gut, und ich fahre sie gern, obgleich ' ste noch nie ein Wort zu mir geredet hat. Vor ein paar 3 Wochen feierten wir in unserer Hafenstadt ein großes t Missionsfest Meine Frau und ich sind allewege gern t bereit dem Herrn zu dienen, und haben uns immerdar zur Kirche gehalten. Als unser Pastor uns auffordette, das '> Fest zu besuchen, dünkte eS uns etwas schwierig, denn 1 meine Alte ist schwächlich und verträgt nicht viel. Doch genug wir fuhren hinauf im Segelboot. Da war es n ein Treiben und Rennen, die große Kirche Kopf an 1 Kopf gefüllt. Wir stellten uns in einen Gang, weil kein Platz zum Ausruhen zu haben war. Sie sprachen dort 1 sehr schön: der fremde Prediger und der Missionar und ! wer da war, und ich horchte so aufmerksam, daß ich gar nicht um mich sah. Aber meine Alte die ertrug das - Stehen nicht und seufzte schmerzlich in ihrem Herzen, ohne t .nn Wort zu sagen. Da erhebt sich plötzlich eine vornehme t junge Dame neben uns im Kirchstuhl, fast leise meine Frau am Arm und heißt ste sich auf ihren Platz setzen; sie selbst '< tritt in den Kirchgang hinaus und steht die Stunden zu e Ende statt meiner Frau.

(Fortsetzung folgt.)