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Jllarßurg, Freitag, 5. Dezember 1879
XIV. MlMg
Lungen nimmt emgegen: bie Grpeditio« d.vlatte», sowie d-Annoncen-Bureaux non Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Kaasenstein & Boiler in Frankfurt a M., Berlin, Leipzig, Eölu tu; Rudolf Koste in Berlin, Frankfurt a. M- tu
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Die Ex-ed. d. Oöerh. Zeitung.
Tagesbericht.
Der Kaiser empfing gestern den Botschafter Prinz Reuß. Anläßlich des Geburtstags der Großherzogin von Baden fand im kaiserlichen Palais ein Diner statt, an welchem der Kronprinz, Prinz Wilhelm, Prinz und Prinzessin von Hohenzollern, die badische Gesandtschaft, Botschafter Prinz Reuß, die Grafen Moltke und Schleinitz sowie die obersten Hofchargen theilnahmen.
Der „Reichsanzeiger" publicirt die Ernennung des Ministerialdirektors Rindfleisch zum Unterstaatssäretär und des Geh. Oberjustizraths Rebe-Pflugstädt zum Mini- sterial-Direktor im Justizministerium.
Graf Hatzfeld, der deutsche Botschafter in Konstan- tinopcl, reiste gestern von Berlin nach Barzin.
In der vorgestrigen Sitzung der Eisenbahn-Commission des Abgeordnetenhauses wurden die Specialreferate der Abgeordneten v. Zedlitz über Berlin-Stetttn, Dr. Grimm über Köln-Minden, Leuschner über Magdeburg-Halberstadt, t>. Eynern über Hannover-Altenbeken verlesen und genehmigt. Das Generalreferat wird Abg. Dr. Hammacher am Mittwoch der Commission erstatten. Die Verhandlungen über die Eisenbahnvorlagen beginnen Dienstag den 9. December und werden wohl die ganze Woche in Anspruch nehmen.
Mit großer Anerkennung äußert sich das „Posener Tageblatt'' über die Haltung der konservativen Partei im Landtage. Der gefährlichste Feind, bemerkt sie, mit dem die Konservativen zu kämpfen haben, sei das Mißtrauen, welches ein großer Theil der Bevölkerung ihnen von vorn herein entgcgentragc. „Im Grunde verschließt sich die große Mehrzahl des Volkes keineswegs gegeq-He Schäden unserer Zeit, und in den einzelnen Tagesfragen urtheilt sie ebenso streng wie irgend ein aufrichtiger Konservativer; aber sie nimmt noch immer Anstoß an dem bloßen Namen »konservativ" und weist ost die beste Sache von der Hand,
Drei Tage am Meere.
Erzählung von I. Hochkirch.
-Fortsetzung.)
„Noch ein heiteres Lied", bat auch der Concertmeister; „scheu Sie, der Regen fällt nur noch in einzelnen Tropfen, die Sonne bricht scheidend durch das finstere Gewölk, unsere Heimfahrt wird von Glück und Lust gekrönt sein."
Widerstrebend gehorchte Fräulein Luttrud und kehrte an das Instrument zurück. Robert bangte, daß durch ein heiteres Lied die Feiertagsstimmung, die Sabbatsruhe in ihm beeinträchtigt werden möge; allein er bangte umsonst. Luttrud wählte zum Schluß das hehre Lied von Johannes Brahms, dem genialen Liebling der Gegenwart, „LiebeS- tteue", welchem die schönen Worte von Robert Reinick zu Grunde liegen:
„O versenk, o versenk Dein Leid, mein Kind
In die See, in die tiefe See!"
Rollend und ungestüm im zartesten Pianissimo brausen die Sextolen daher.
Träumerisch lautet die Antwort:
„Ein Stein wohl bleibt auf des Meeres Grund, Mein Leid kommt stets in die Höh'."
Und abermals erschallt die Warnung:
„Und die Lieb', die Du im Herzen trägst,
Brich sie ab, brich sie ab, mein Kind!"
Weich und hold giebt die Antwort zurück:
„Ob die Blum' auch stirbt, wenn man sie bricht, Treue Lieb' nicht fo gefchwiud."
Und unheimlich drohend ruft die Warnungsstimme: „Und die Treu', und die Treu', 'S war nur ein Wort, In den Wind damit hinaus!"
lediglich weil sie von den Konservativen befürwortet wird. Daß die Konservativen von heute nicht mehr die Konservativen der fünfziger Jahre sind, daß auch sie sehr viel gelernt und noch mehr vergessen haben, will man nicht zugeben, und so stellt sich ein durchaus ungerechtfertigtes Mißtrauen oft als unübersteiglichcs Hinderniß der besten Absichten der Konservativen entgegen, erschwert oder vereitelt die heilsamsten Maßnahmen zur Besserung allseitig als unhaltbar erkannter Zustände. Wir haben daher unseren Parteifreunden stets weises Maßhalten empfohlen und vor Allem im innersten Herzen gewünscht, daß die Vertreter der Partei im Landtage durch ihr Verhalten auch die unverbesserlichsten Zweifler entwaffne. DaS Volk muß zu der Einsicht gelangen, daß die konservative Partei kein fremdartiger Bestandtheil der Nation ist, sondern Fleisch von ihrem Fleisch, Bein von ihrem Bein, und nichts weiter anstrcbt, als waS alle Wohlgesinnten wünschen, eine durchgreifende Heilung der entstandenen Schäden in unserem Volksorganismus. Mit seltenem Takt haben die konservativen Fraktionen des Landtags bisher zu operiren verstanden. „Das praktische Bedürfniß des Volkes" im weitesten Sinne des Wortes ist stets die Parole ihres Handelns gewesen und hat sie nicht allein bei allen Fragen, wo es sich um Hebung der öffentlichen Moral handelte, freimüthig für dieselbe eintreten lassen, sondern auch da, wo berechtigte Interessen des Volkes wahrzunehmen waren, zu einer Hüterin der Volksrechte gemacht.--Das Ver
halten der konservativen Partei läßt nicht einmal die Unterstellung zu, daß sie eine rein gouvernementale Partei sei; sie hat den Regierungsvorlagen keineswegs bedingungslos zugestimmt, sondern sie sehr sorgfältig geprüft. Mit einem Wort, der konservative Zug, welcher durch die Nation geht, findet durch die konservativen Fraktionen des Landtags die nachhaltigste Förderung, und dies muß der konservativen Sache neue Anhänger gewinnen."
Der Oberpräsident der Provinz Schlesien, v. Seydewitz, hatte bekanntlich in Folge seiner Ernennung zu dieser Stellung sein Reichstagsmandat für den Kreis Rothen- burg-Hoyerswerda nicdergelegt. Derselbe ist nunmehr, wie der „Kreuzzeitung" durch Telegramm mitgetheilt wird, in dem genannten Wahlkreise beinahe einstimmig wieder- gewählt worden.
Der Kaiser von Rußland ist augenscheinlich einer großen Gefahr entgangen, welche unzweifelhaft heraufbeschworen wurde durch die Ruchlosigkeit der Nihilisten. Ein aus Berlin von vorgestern dalirtes Telegramm besagt, daß die dort circulirenoen Gerüchte über ein Alle, tat auf den Kaiser Alexander auf dem Wege nach Moskau, wo derselbe bereits am Montag Abend wohlbehalten anlangte, auf die Meldung zurückgeführt würden, daß einem dem
Aber jubelnd, ohne Zagen und Trauer ertönt die Entgegnung:
„O Mutter, und splittert der Fels auch im Wind, Meine Treue, die hält ihn aus!"
In dem allgemeinen Jubel, der folgte, war Robert vergeffen.
Luttrud trat an'S Fenster und sah in die matten Strahlen der mühsam die Dunstschleier durchbrechenden Sonne. Von dem Laubdach der Bäume tropfte es unablässig, und jeder Tropfen erglühte feurig in dem ungewissen Lichtmeer. Durch das Weinlaub am Fenster drangen schwankende Strahlen hinein in das niedere Gemach des Försters und mit Freuden grüßte man die verheißungsvollen Boten.
Nunmehr wurde die Tochter des Concertmeisters zu einem Vortrage aufgesordert, um dem vortrefflichen Piano ferner Ehre zu erweisen und der musikalisch angeregten Stimmung Rechnung zu tragen.
Bevor sie begann, erschien der Bootsmann und meldete: die großen Wassermassen, welche während des Gewitters herabgefallen seien, haben das Boot mit Wasser gefüllt; es vernothwendige sich ein Ausschöpfen deffelben, ehe die Rückfahrt angetreten werden könne. Im Uebrigen rathe er baldmöglichst zur Heimkehr, da der Wind wohl ziemlich stark, doch nicht günsttg fei und die Gewitter nicht selten aufs Neue zum Ausbruch kätnem
Das war keine angenehme Nachricht, aber man beruhigte sich bald und lauschte unbekümmert um die Dinge, die da kommen sollten, dem Spiel der kleinen Elise Truchseß. Ferüg und aumuthig spielte dieselbe, doch in Stöbert von Pflug wurde der Magnet nicht berührt, der zum
kaiserlichen Zuge folgenden Güterzuge, auf welchem die Dienerschaft sich befand, ein Unfall widerfahren sein soll. Authentische Mittheilungen fehlten jedoch noch. Eine solche lag in dem Telegramme aus Moskau vor, welche leider geeignet ist, der Sache eine größere Bedeutung zu verleihen, wenn auch das frevelhafte Beginnen auf das Leben des!; ZarS glücklicherweise abermals vereitelt ist. Nach dem Moskauer Telegramme verunglückte am Montag Abend, als der Kaiser sich bereits in Moskau befand, ein zweiter,! noch ullterwegs befindlicher kaiserlicher Zug durch eine Explosion. Der Bagagewagen wurde in die Luft gesprengt, sieben Waggons entgleisten. Eine Verletzung von Personen ist dabei nicht vorgekommen. Die Meldungen aus Ruß- land, daß die Nihilisten sich jetzt im Gefühle ihrer Ohtt- macht aus anderen Gebieten ihrer nichtswürdigen Thätig- keit auf die Zerstörung von Eisenbahnen geworfen hätten,: scheint daher nicht unbegründet zu sein. Vor einigen Tagen wurde ja auch ein solcher Frevler auf dem Bahnhofe zu; Elisabethgrad verhaftet, bei dem man Explosionsstoffe vor- - fand. Der Kampf der russischen Regierung gegen die' Nihilisten wird nun wohl wieder verschärfte Formen an-! ■ nehmen, die zum Theil schon in der Verhängung des Ausnahmezustandes über eine weitere Reihe von Gouvernements angekündigt sind. ।'
Deutsches Reich. |
«* Berlin, 3. Novbr. In baugewerklichen Kreisen ( macht sich eine lebhafte Agitation zu Gunsten einer Re-; Vision der sie betreffenden Bestimmungen der Gewerbeord-,, nung geltend, die auch in weiteren Kreisen von Interesse t sein dürfte. Neuerdings hat eine kürzlich in Verden statt- > gehabte Gerichtsverhandlung zu eingehenden Besprechunger: in Bauzeitungen Anlaß gegeben. In dem Orte Geeftendori j hatten nämlich zwei Leute den Bau einer, neuen Kirch, t übernommen, Die eingestandenermaßen von Bauzeichnungen, oder Anschlägen keine Ahnung hatten. Der Bau wurd, t dann so ausgeführt, daß Die größte Gefahr für das Leber f der zum Gottesdienste versammelten Gemeinde eingetreten x wäre, wenn nicht der Zustand des Baues noch rechtzeitig \ erkannt worden. Bei der Gerichtsverhandlung führte bei f Vertheidiger mit Recht auS, daß die beiden Leute zm > Uebernahme des Baues nach der Gewerbeordnung berech- t tigt waren. Die „Baugewerk-Zeitung" knüpft nach ehiei £ ausführlichen Darstellung des Vorgangs Betrachtungen an welche in der Forderung des Befähigungsnachweises znw, Betriebe int Bauwesen gipfeln. „Gesetzmäßig", heißt es ii ( dem betreffenden Artikel „Durften sich Die Angeklagten, un t Die Uebernahme des Banes zu erlangen, Meister nennet und als solche sich antragen; nachher aber, als die Meister- ( Verantwortlichkeit an sie herantrat, durften sie sich ebenfi R gesetzmäßig als Gesellen ohne Schule und ohne Kenntnis t für Bauaufführungen geben. Wohin, so muß man fragen -
Eisen hinüberschnellt, und bald vernahm er gar nicht mehi V den Schwall der Töne, sondern lauschte nur, die Äuget schließend, den Stimmen, die in seinem Innern eine ni ■ geahnte Sprache führten, von einer allmächtigen Lieb- l redeten sie, die Gott giebt und leitet, von einer frommet Entsagung, die an der eigenen Würdigkeit verzagt; vot Selbst« kenntniß und Reue wußten sie tiefernste Worte zt , sprechen und Gebet und Gelübte mischten sich hinein.
„ Herr, wenn Du mich demüthigst, so machst Du mid groß."
Zum ersten Male in seinem Leben verstand Rober ' von Pflug das hochwichttge Gewicht dieser Worte uni t beugte sich ihrer Kraft. f
„Wie, Herr von Pflug, Sie schlummern?" fragte ein t weiche Stimme.
Es war diejenige Marianne Kretschmars. Es freut, । sie im Geheim herzlich, daß Robert einen so geringen An t theil an der Musik nehme. Der gefährlichste Zauber ihre Gegnerin war alfo offenbar an diesem stolzen Herzet j machtlos geblieben! ,
Herr von Pflug mußte sich der Gesellschaft wieder zu wenden. Fräulein Luttrud mied er. Seine hohe Achtung t wußte er ihr nur durch Schweigen zu bezeugen. Sie wa < ernst und zerstreut, doch von sanfter Güte gegen Jeder mann. 3
Die Nässe des schweren Waldbodens machte erneut t Gänge in Den Wald unmöglich. Bald rief der Bootsmam t zur Abfahrt. Der Wind frischte fast zum Sturme aui wehte jedoch aus Nordwest und vernothwendigste ein lästige, < Kreuzen. t
iFottsetzung folgt.)