Einzelbild herunterladen
 

Ur. xsa.

Marburg, Donnerstag, 4. Dezember 1879.

XIV. ^airgang

OWsW ZritiiW

ng

en

nifl,

tr,

[CI

mntf

i

Kit'

87».

S

'8

n ®ud

ersicd erlitt

chel, tncl als itlar Aus

M, or- 215

to

1;

Drei Tage am Meere.

Erzählung von I. Hochkirch.

(Fortsetzung.)

[ Die Eisenbahn-Commission des Abgeordnetenhauses ver­tagte die Berathung der Vorlage über den Bau von Se­kunbarbahnen bis nach Neujahr. Die Unterrichts-Com­mission beschloß mit 11 gegen 10 Stimmen über die El- bmgcr Petition zur Tagesordnung überzugehen. Die Schanksteuer-Commission lehnte die Anträge, welche die Erhebung der Steuer fakultativ für die Gemeinden machen wollten, mit 11 gegen 6 Stimmen ab.

Anzeigen nimmt «mgegen: He Expedition d.vlattes, sowie d.Annoncen-Bureaur von Th, Dietrich & Co. in gaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.Dt.; Haasensteiu & Vogler in Frankfurt a M., Berlin, «'pstg, Cöln re.; Rudolf Moffe in Berlin, Frank­furt <l M. re.

tt 85,<

lnesi:

sowie

en

g bit

uttb

Die acht Laote des Bachschm Liebesliedes, welches der Älimeister einst seiner verlobten Braut weihte, riefen in Robert von Pflug, dem feinen Kunstkenner, dem dieses Lied seither fremd geblieben war, eine stürmische Gluth der Begeisterung wach, eine Gluth, die in das milde Feuer brr Andacht hinüberschmolz, je länger er dem seelenvollen vertrage Luttruds lauschte. So vermochte nur zu singen, ®er von Herzen rein, fromm und ein Künstler von Gottes Gnade war. Hatte sie ihm eine Lehre ertheüm wollen, wahrlich, sie konnte ihre Waffe nicht schneidiger wählen. Tie klaren Worte, die ihm seine Versäumniß als ein für Eemal unsühnbar hinstellte, der-Kern des Liedes:Willst Tu Dein Herz mir schenken, So fang es heimlich an," Kürzte chn wohl in die schmerzlichste Reue, aber wiederum (stählte aus der sanften Stimme der Sängerin eine Ruhe, Ew Frieden, eine Weihe der Kunst, an welche kein irdisches Unlauteres Streben hinanreichte. Plötzlich als fiele Ewe Decke von seinen Augen erkannte er, daß er wett Unter der Weiblichkeit Luttruds stehe, daß er, statt Goethes ^°rt:Das Ewig-Wciblichc zieht uns hinan," zu be« berzigen, in schmählicher Engherzigkeit und Eitelkeit versucht halte, dasEwig-Weibliche" hinabzuziehen in den Staub

Weges. Seine Vorurthcile sanken, und mit tiefer Beschämung gestand er sich, daß Luttruds Weg durch Tornen und Temuth sie weit näher zur Gottseligkeit führe,

ihn die geebnete Bahn seines bisherigen Lebens.

Landestheilen, gemäß Gewohnheit und Herkommen die Vererbung des mittleren Besitzes zu ordnen und so den nachhaltigen Fortbestand de« geschlossenen bäuerlichen EigenthumS, dieses Grundpfeilers des Staats und der Ge­sellschaft zu sichern. In der gestern Abend stattgehabten Sitzung der Kommmisston für das. Schankstättengesetz wurden nach längerer Debatte die beiden Amendements der Abgg. Zölle und Bernards zu § 16 abgelehnt. Nach1 ersterem soll den Stadt- bezw. Kreisvertretungen die Be- fugniß beigelegt werden, alljährlich zu bestimmen, daß die durch das qu. Gesetz eingeführte Steuer für ein Steuer-f jahr unerhoben bleiben kann. Das Amendement Bernards ' geht dahin, daß der vorerwähnte Steuererlaß in den Ge-1 meinden mit mehr als 15,000 Einwohnern durch Ge­meindebeschluß in den übrigen Gemeinden durch Beschluß der Kreisvertretung angeordnet werden kann. Die Ab-' lehnung erfolgte (mit 11 gegen 6 Stimmen), weil in1: diesen Anträgen eine Beeinträchtigung des staatlichen1 1 Steuerhoheitsrechts gesehen wurde. Dagegen fand ein vom Abg. Petri vorgeschlagener Zusatz die Unterstützung der' Majorität, Inhalts dessen mit Zustimmung der Herren ;i Minister des Innern und der Finanzen in denjenigen Ge-" i meinden, welche, wie einige Städte in Hannover und ' Nassau, zur Zeit der Konsumtionsabgaben von Brannt-51 wein und Spiritus erheben, den Steuerpflichtigen auf An-"' trag ,ber Kommunalvertretungen ermäßigte Mittelsätze : gegenüber dem § 5 der Vorlage zugestanden werden, resp.11 *' die neue Steuer ganz außer Ansatz bleiben kann. Die' \ Schluß-Paragraphen 17, 18 und 19 wurden ohne erheb-l liche Diskussion angenommen. Der Gesetzentwurf erhielt 1 schließlich die Ueberschrift: Gesetz, betreffend die Steuer y vom Vertriebe des Branntweins und Spiritus. Die Kom- - Mission beschloß, vor Beginn der zweiten Lesung eine! ) Pause von 8 Tagen eintreten zu lassen. 4

Köln, 2. Dez. Die Regierungsproposttton in der1 * heutigen außerordentlichen Generalversammlung der Rhei- 1 Nischen Eisenbahn ist folgende: für die Stamm-Actien 61/2 - M., für die Actien Lit. a. 4 pCt. in Consols, Umtausch1 c 16. April 1884. Die Generalversammlung der ! Rheinischen Bahn aeceptirte die Regierungsproposttion von 1 I

Chemnitz, 2. Dezember. DasChemnitzer Tagebl." 1 meldet: Gestern Abend ist im zweiten Zwickauer-Brücken-1 £ berg-Schachte die Belegstaft durch schlagende Wetter ver­unglückt. Man befürchtet, daß 70 bis 80 Mannschaften' 1 tobt geblieben sind. Die Rettungsarbeiten sind in vollem Gange. t

lf

r eie ;u bi [3241

er

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJlluftrtrteS eonntagSilatt" durch die Expedition lK o L'fLe Buchdruckerei) bezogen 2, Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr). Jnsettionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Mr in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf,, berechnet.

Durch die Untersuchung der in letzter Zeit vorgekommenen Eisenbahnunfälle hat sich, wie ein Erlaß deS Ministers für öffentliche Arbeiten vom 26. November an die Kgl. Eisen­bahndirektionen besagt, herausgestellt, daß ein großer Theil | dieser Unfälle durch die Nachlässigkeit einzelner Beamten verschuldet worden ist. Der Minister veranlaßt daher die Direktionen, bezüglich der Befolgung derjenigen Jnstruk- livnen, durch bereit ungenügende Beachtung die Sicherheit ict d, bes Betriebes vorzugsweise beinirächtigl werden kann, eine . nachdrücklich verschärfte Kontrole eintreten zu lassen. Da

Faßt noch schöner als vorhin erschien Robert der Vor- ( trag wie die Stimme der Sängerin. Abermals verhüllten 6 sich alsobald Umgebung, Gegenwart und Vergangenheit 1 wie in Schleier der Nacht; die Pforten jener unsichtbaren 11 Welt, deren eigentliche Bürger wir find, thaten sich auf, und ein Wunder der Gnade hob den kundigen Lauscher1 hinauf in die Schaaren der Engel, die vor Gottes Thron fingen. Nein, keine falschberühmte Kunst trägt ein so fleckenlos Gewand; Gottes Gnade und Gabe ist der armen 1 t Erdei

Auch dieses Lied war Robert unbekannt, obgleich er ? den Dichter in Tönen, Robert Franz, den Komponisten so f vieler erhabenen Gesänge, sonderlich liebte. Tiefschmerzlich ist die Klage derVerlassenen" und doch in ihrem un-1 vergleichlichen Wohllaut alles Trostes voll.

Die TexteSworte deö böhmischen Volksliedes lauten wie folgt: 3

Ach ihr Wälder, dunkle Wälder, Mileüner Wälder! b Warum grünt ihr wie im Sommer lustig fort im Winter ? 1 Gerne wollt' ich ja nicht »einen, nicht mein Herz be­trüben, 1 *

Aber sagt, ihr guten Leute, wer mich Arme tröstet? 1 (Frau Konzertmeister Truchseß zog das Taschentuch hervor). > 11!

Ach, wo ist mein lieber Vater? Längst im Grabe 1 liegt er!

Wo ist meine gute Mutter? Heber ihr wächst Gras schon! 1 Bruder hab' ich nicht, noch Schwester, fort ist mein Herz- *

liebster 1 Mein Herzliebster!

Luttrud erhob sich, als sie geendet hatte. Man um- 3 ringte sie danksagend und überschwengliches Lob spendend. 1

Nur zu traurig, zu wehmüthig für eine Sommerlust-1 ( fahrt!" meinte der Generalkonsul, seine große starke Ge- I statt vor Fräulein Luttrud neigend, um die Hand zu ( küssen, welche, wie er sagte,so schön zu begleiten wiffe." c

(Fortsetzung folgt.)

Als die Schlußworte erklangen:

Du mußt den Spruch bedenken, Den ich vorher gethan:

Willst Du Dein Herz mir schenken, So fang es heimlich an,"

waren seine Augen von Thränen gefüllt. Stand er an einem Wendepunkte seines inneren Leben, oder bezauberte ihn die falsche berühmte Kunst?

Rauschender Beifall lohnte Luttrud. Der Konzertmeffter erklärte eifrig, wer Componist und Dichter des holden Liedes sei, und wies auf Brachvogel hin, der in seinem Friedemann Bach" eingehend, jedoch fast abstoßend des Aedes erwähne. Roberts Auge ruhte auf Luttrud, die, in den Sessel zurückgelehnt, auf ihrem Platze verharrte und, aufwärts blickend, in ferneren besseren Welten zu weilen schien. Ja, welch ein Reichthum mußte ihr Inneres beleben und erfüllen.

Nun, Robert," sprach der Advokat, sich nach dem Träumer umwendend,Du sagst kein Wort? Das ist nicht artig von Dir, da Tu doch Herz und Ohr für die Musik besitzest, vielleicht mehr als einer unter uns übrigen Laien. Nun was empfindest Du?"

Es ist unaussprechlich," antwortete Herr von Pflug einfach.

Luttrud richtete sich plötzlich auf, ohne die nahende Auf­forderung zur Fortsetzung ihres Gesanges zu erwarten, und ließ ein Vorspiel erschallen die Anfangstakte der Be­gleitung eines Liedes, welches sie nunmehr zu singen sich anfchickte: Andanttno, F=moll. Eine Fülle von Wehmuth, Adel und Kraft sprach bereits aus diesen vorlautenden und mitlautenbcn Klängen; ihre Stimme, als sie alsdann wie­derum zu fingen anhob, zeigte sich in der Klangfarbe ver- ändert, durch die tiefere Lage des Liedes, sowie durch den Charakter desselben bedingt.

Robert Franz die Verlaffene böhmisches Volks­lied," erklärte der Konzertmeister halblaut.

anscheinend in einzelnen Fällen Uebertretungen gewisser Betriebsvorschriften gewohnheitsmäßig vor den Augen der zur Kontrole berufenen Beamten ftaitgefunben haben, so wird barauf hingewiesen, daß sich bie Aufsichtsbeamten durch ein solches Verhalten selbst strafbar machen. Wenn jedoch Bestimmungen bestehen sollten, bie in der Praxis sich nicht bewährt Haden, so ist beren Abänderung sofort zu veran­lassen. Die weitere Einführung von Apparaten zur Siche­rung richtiger Weichen- und richtiger Signalstellung ist mit Aufmerksamkeit zu bewirken. Es ist beobachtet worden, daß an den gewöhnlichen optischen Telegraphen in einzelnen Fällen sich Mängel herausgestellt haben. Daher ist die äußerste Sorgfalt bei der Kontrole und Regulirung der Signaleinrichtungen geboten. Ueberall bedarf es der streng­sten Befolgung der Vorschriften und der unnachsichtigen Bestrafung von Nachlässigkeiten. Bei dem Interesse, welches bie von den deutschen forstlichen Versuchsanstalten vorgenommenen, durch den Professor Dr. Bauer in Mün­chen in der Schrift:Untersuchungen über den Festgehalt und das Gewicht des Schichtholzes und der Rinde" zu­sammengestellten und erläuterten Erhebungen für die Or­gane der Forstverwaltung haben, ist Seitens des landwirth- schaftlichen Ministers eine Anzahl jener Schrift beschafft und den königlichen Regierungen mit dem Auftrage über- wiesm worden, jedem Oberförster ein Exemplar zum Dienst­gebrauch zu verabfolgen.

Die gestern in Berlin coursirenden Gerüchte über ein Attentat auf den Kaiser Alexander auf dem Wege nach Moskau, wo derselbe bereits gestern Abend wohlbehalten angelangt ist, werden auf die hierher erfolgte Meldung gurückgeführt, daß einem dem kaiserlichen Zuge folgenden Güterzuge, auf welchem die Dienerschaft sich befand, ein Unfall widerfahren sein soll. Authentische Mittheilungen fehlen noch. (s. unten TelegrammMoskau".)

Daö hat die Musik mit der Religion gemeinsam, daß sie die edelste Einfalt mit der unergründlichsten Tiefe zu zu d bereinigen weiß. Zu unserer Erbauung genügt häufig ein schlichtes Wort voll Weisheit und Liebe; in der Kunst reichen nur wenige Züge hin, ein unsterbliches Werk zu schaffen.

Deutsches Reich.

Berti«, 2. Dezbr. Nachdem durch den Antrag des Frhrn. v. Schorlemer-Alst der Anfang bezüglich der Rege­lung der Vererbung deS westphälifchen bäuerlichen Grund­besitzes gemacht worden ist, hat es die konservative Partei für angezeigt gehalten, bei ter Wichtigkeit des Gegenstandes für Familie und Staat, auch in Bezug auf die anderen Provinzen, in Form einer Resolution, an die Königliche Staatsregierung die Aufforderung zu richten, allgemein der Frage näher zu treten, ob und in welcher Form es ge­boten erscheint, durch gesetzliche Regelung in den einzelnen

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatter sowie d.Annoncen-Bureaur von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidenbani in Berlin; W. Thiene» in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

Äür den Monat Dezember werden von allen v Postanstalten (auf dem Lande von den Land- pvstboten) Bestellungen auf die

Dberhessische Zeitung

mit deren Gratisbeilage

JlluftrirteS Sonntagsblutt

angenommen.

Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.

Tagesbericht.

DerReichsanzeiger" meldet: Die Kaiserin hat dem Ausschuß der am 28. November in Breslau stattgehabten Delegirten-Conferenz zur Berathung der durch die vater­ländischen Frauenvereine gegen den Nothstand in Ober­schlesien zu gewährenden Hülfsleistungen 1000 Mk. über­weisen lassen.

DieNordd. Allg. Ztg." kann nach zuverlässigen In­formationen alle Zeitungsmittheilungen über eine angebliche Absicht der Regierung, nach dem Erwerb der Privat­bahnen auch die bedeutenden Walzwerke in ihren Besitz zu bringen, als aus der Luft gegriffene Erfindungen erklären.