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JTiarßucg, Dienstag, 2. Dezember 1879
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Drei Tage am Meere.
Erzählung von I. Hochkirch.
«Fortsetzung.)
dleselben als Dividende unter sich, und der Staat bekommt nichts davon; haben sie aber unter die Zinsgarantie herabgehende Ausfälle so muß der Staat ihnen zuschießen. Mögen diese Zustände immerhin früher dadurch gerechtfertigt erscheinen, daß der Staat es nicht wagte, auf Landeskosten so große Unternehmungen allein auszuführen
diese Bedenken jetzt auf; denn es hat sich herausgestellt, daß der Staat doch vor den Riß treten muß wenn die Privatgesellschaft die Bahn wegen schlechter Rentabilität nicht aufrecht halten kann, well er diese Bahnen doch nichk zu Ruinen werden lassen darf.
Es hat sich ferner herausgestellt, daß eine gute, den Interessen ber nationalen Arbeit förderliche Ordnung der Tarife bei dem Fortbestand der Privatbahnen gar nicht möglich ist und daß die Privatbahnen durch ihre Tarife auch die Zollpolitik des "Staates jederzeit durch- kreuzen können An den «Staat werden endlich bezüglich des Eisenbahnbaues immer größere Anforderungen gestellt, weil er auch den ärmeren Gegenden Eisenbahnen veMasten muß. um ihnen aufzuhelfen, da die Privatge- sellschasten solche, wenig Gewinn versprechende Bahnen nicht bauen mögen. Der Staat kann diesen Anforderungen aber nur genügen, wenn er mit Hülfe der reichen Erträge der guten Bahnen auch solche wenig Ertrag versprechende Bahnen bauen kann. Aus allen diesen Gründen hat sich die Regierung zum Erwerb der Privatbahnen entschlossen, und die Mehrheit des Landtags stimmt diesem Plane zu Allein , es ist unzweifelhaft, daß eine solche Vermeh- rung der Staatsbahnen eine sache ist, welche die größte Vorsicht erfordert Eure schlechte Verwaltung könnte den Staat in große finanzielle Calamitäten stürzen, während eine gute Verwaltung dem Lande von großem Segen sein k°.nn. Ebenso ist es unzweifelhaft, daß die Macht des Eisenbahnministers durch den Uebergang der Privatbahnen aus den Staat für das ganze wirthschastliche Leben deS Volkes m colloflaler Werse vermehrt wird. Deshalb hat namentlich die conservative Partei eS für unerläßlich gehalten, daß auch dem Landtage ein Einfluß und Einblick in diese Verwaltung der Eisenbahnen garanrirt werde. Man hat daher Garantien dafür verlangt, daß erstlich die Elnkunste aus den Eisenbahnen stets auf zweckmäßige Welse verwendet und ferner die ganze Eisenbahnverwaltung in einer den wirthschaftlichen Verhältnissen des Landes ange- esfenen und günstigen Weise gehandhabt werde. Die conservative Partei hat demgemäß mit Zustimmung des größten TheilS der natronallibrralen Partei zweierlei Garantien aufgestellt: 1 finanzielle und 2. volkswirthschastliche. In erster Beziehung
daselbst; Jnvalidendank ii Berlin; W. TtzieneS ii Elberfeld; 6. Schlotte ii Bremen.
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-Da erscholl die klare, neckende Stimme der kleinen Alse Truchseß: „Liebe Luttrud, trösten Sie sich über Härte und Rücksichtslosigkeit der Herren! Wissen Sie, Herr von Pflug, Sie sind in Fräulein Luttrud's Munde der — „Schachkönig.""
Ein allgemeines vorwurfsvolles „Aber" — wollte loö- drechen, als Frau Concertmeister Truchseß plötzlich Aller Aufmerksamkeit auf sich lenkte, indem sie mit aufrichtiger «ngst seufzte: „Ich glaube, wir gchen unter!"
Ein herzliches Lachen erscholl erlösend im Kreise.
Der Landwind war völlig erstorben; die Sonne war '°n Wolken verdeckt, über die See glitt es hohl und brau-
; das matt in den Tauen hängende Segel zuckte plötz- auf und warf das Boot unsicher umher.
^Nun rudern Sie, um unser Leben zu retten", sprach f Advokat neckend.
suhlte sich beschämt und gedemüchigt, er glühte vor Widerwillen gegen den unzarten Lieutenant und fühlte sich doch nicht würdig, den ersten Stein auf ihn zu werfen, denn wenn auch ungerechtfertigt, war das Benehmen desselben doch rechtschaffener und treuer, als das seine. Verstohlen blickte er immer wieder nach Luttrud hinüber. Sie sprach nichl. Der Ausdruck einer süßen Güte ruhte auf ihrem Antlitz, und diese rührte fein Herz am tiefsten!
Mühsam hingegen verhehlten Frau Generalconsul Kretschmar und ihre Tochter den geheimen Triumph, den sie empfanden. Richt nur kränkte es seit langer Zeit ihr Selbstgefühl, daß der Generalkonsul ohne Scheu seine maßlose Bewunderung für Fräulein Luttrud zu offenbaren pflegte, es hatte vor Wem die Wahnehmung sie bitter verletzt, daß Robert von Pflug neben Luttrud kaum mehr em Wort, kaum einen Blick für Marianne fand, ja, daß fern vornehmes Wesen sich in unverkennbare Leibenschast- »chkett verwandle, sobald die Zauberin ihm nahte. Und doch maß seine Bekanntschaft mit ihr nur nach wenigen Stunden! Es konnte nicht anders sein: schnell wie das unwahre Feuer entstanden, mußte es enden, und reuig wurde der Freund in die atten Bande zurückkehren
Es erforberte Zeit und Mühe, das Boot an den Steg zu bringen und dvtt in seichter Lage gehörig zu befeftiaen R-b-r- richtigst- und uLstch,iO°L WT den unsicheren Brettern. ’
Er unterstützte die das Boot Verlassenben und er- haschte die Gelegenheit, Fräulein Luttrud, der er zulebt die Hand bot, zuzuflüstern: „Meine Reue tobtet mich" . W lhm ruhig, fast ttaurig in das Auge. „Was
* mil «»-, - „hffen Si- |IU, V HlU)l tCUcIu
Das waren bedeutungsvolle Worte.
Während die Gesellschaft mühsam durch dm Dünen- sand auswärts stieg, durchdachte er dieselben unablässig -Lasten Sie sich's nicht reuen." Darin lag ihre Vergebung für fein leichtfertiges Spiel mit ihr, darin lag eine
wird verlangt, daß die Eisenbahnen aus dem Etat aus- scheiden und als besonderer Fonds verwaltet werden, dami derselbe keine Schwankungen im allgemeinen Budget ver- ,OtVU6 b“ Ueberschüssen ein Reservefonds' ?'bIbe<bet zur allmählichen Abtragung de« Eisenbahnschulden verwendet werden soll. 9 9
In Bezug ans den zweiten Punkt soll ein Eisenbadn-^ rath ans Mitgliedern des Abgeordneten- und Herrenhauses j aJitt8(Jebent der Provinziallandtage, Vertretern des Ackerbaues, der Industrie und des Handels gebildet' werhen, welcher mit berathender, aber nicht mit beschließen-^ ^r Stimme dem Eisenbahnministerium in Bezug auf die Verwaltung und Tarifbestimmung zur Seite steht. Der ElsenbahliMimster Maybach und der Finanzminister Bitter haben ihn persönliche Zustimmung zu diesen Garantien ausgesprochen und versprochen, daß sie auch im Staats-' Ministerium diese Garantien empfehlen wollen. So darf' JJJ daß di-ses wichtige Gesetz zu Stande kommen wird, von welchem man sich eine segensreiche Wirksamkeit' auf die wirthschaftlichen Verhältuiste des Landes verspricht '
m _ Deutsches Reich.
Berlin, 29. November. Der Prinz und die Prinzessin ' heute den Tag ihrer silbernen Hoch-! M im königlichen schlosse tnt allermgsten Familienkreise p?J?°Ve,t.er.n ^°tte b,e F^u Prinzessin die Glückwünsche 1 einer Deputation von Damen des Vaterländischen Frauen-' M VU»9fraUT®Crein6' dessen hohe Protekt-rin die er-' lou4te Frau ist, entgegengenommen. Ebenso waren aus dieser Feier Deputationen derjenigen Regimenter nach Berlm gekommen, deren Ehef der Prinz oder die' Frau Pnnzessln Fnedrich Karl ist. Heute erschien zunächst ! SairnSt" ?Wfe die Kapelle des Leib - Grenadier-
.Um d^ prinzlichen Jubelpaare eine 1 ^brmgen. Gratulationstelegramme, Briefe, prachtvolle Geschenke liefen schon am frühen Morgen ' von nah und fern in großer Zahl ein. Um 12 Uhr 1 empNngm der Prinz und die Prinzessin Friedrich Karl zur Entgegennahme ihrer Glückwünsche die Herren und Damen 1 d^ H°ssta»tes. Kurz vor 3 Uhr erschienen bann die ' Meriden Majestäten und bie Mitglieder ber königlichen »amilie, welche hierauf noch längere Zeit zum Dejeuner 11 bct. dem erlauchten Jubelpaare blieben. Die königlichen und die prmzlichen Palais, so wie viele Privatqebäude 11 zur Feier de- Tages geflaggt. — Das dänische 1 ?nh İVf- ^ute fruh 974 Uhr abgereist. Der Kaiser 1 uns die Kaiserin, sowie der Kronprinz machten den dänischen
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Zwiste Freude über seine Entlarvung, darin lag - und bA* traf alsAlles — darin lag eine kalte Ver-
^lner selbst. Es war ihr gleichgültig, ob er litt; ftE suh nur Falschhett m feinem Benehmen, sie hielt es ni^t einmal der Mühe werth, ihm zu zürnen! Groß uud /uh-g Mg sie ihres Weges, seiner nicht achtend, feiner - der sich vermeintlich in den Staub gebückt hatte ' Sollte ct eute weitere Verständigung suchen?
Auch dlest schnitt chr kattes Wort ab: „Lasten Sie sich's
Mit Gewinnung des festen Waldbodens erreichte man bald das ForsthauS und nahm alldort einen Fmbiß ein SDer Donner rollte bereits in der Ferne, fast ohne Unter- o l; 5‘njrubeb Schwelgen herrschte in der Natur; das L'chf de- Tages wandelte sich in Abenddämmerung. Vor Ausbruch des Gewitters wurde die nächste, malerisch sch,ne Umgebung von HerzogSruh flüchtig gemustert. Wild zer- klustet zeigten sich die Dünen und der Uferrand, auf dem majestätisch urkräftige Buchen emporragten. Gar viele J“*“ bl‘ Sturme entwurzelt, geneigt, in Laub undAesten verletzt, doch endlos dehnten sich die Schaaren dem Lande zu, bald wild verworrm, bald zu lichten Gruppen ge- )oiwcrt °
„Höre, Du Armer", sprach der Advokat verstohlen zu Hbrni von Pflug, als sie zusammen über die Moosdccke einer Waldlichtung schritten, „das war ein fataler Streich bon dem Burschen, dem Tempelhoffl Aber Du in Deiner biederen Ehrlichkeit warst nur auch unbegreiflich. Warum gestandest Du so schnell zu? Warum schlugst Du nicht darein rote der Blitz? Fräulein Luttrud wird auch ferner artig mit Dir verkehren, aber ohne Gmnd ist sie in ihrer Eh« verletzt, und das thut mir leid um sie. Ja, in ihrer Ehre, ich darf es sagen, denn indirekt lag in Ternpelboffs Worten angedeutet: Du habest sie verdächtigt, mit Jcd r- rnann zu coquettiren. 9
«Fori fetzte folgt.)
Anzeigen nimmt «mgegen: die Expedition d.vlatte», sowie d.Annoneen-Bureaur von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in ßranksurt a. M., Berlin, Zewzig, Eöln:c.; Rudolf Moffe in Berlin, Frank.
furt a. M. il
■Buchb'tudete0 b^ogS'^XrOu^bie“^ämteTeS durch die Expedition (Koch'sche
Für m der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahmevon AdMwAn 2^ Kg berechnet gespaltene Zeile 10 Pfg.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte sowie d-Annoncen-Bureau von ®. L. Daube & Co. i Frankfurt a. M; Jäger'sch Buchhandlung daselbst Herrnann'sche Buchhandl
Der Bootsmann nahm die Segel ein, unter dem Be- «wen: „Die Gewitter kommen schnell herauf an der , und bald fielen vier Ruder kräftig in das Meer, j d-m Bootsmann, Herrn von Pflug, dem Lieutenant 016 dem Concertmeister geführt.
, Als muffe er den Zorn, der ihn durchtobte, dadurch ^«n, griff Robert mächtig aus, und sein und des Boots- ncn. * ’L8 Werk war es zumeist, daß das Boot wiederum Mell durch die Fluch dahin schoß, dem Lande zu. Der Meeresgrund tauchte aus den Wellen hervor, klar gezeich- —- h Sand und Geröll, Seetang und wunderliche Pflan» Stbilbe. In kurzer Frist war bas Ufer erreicht. Wie , Ers betrat Robert von Pflug baffelbe, als er erwartet ih tf i*. ’ . bkicht einmal ben äußeren Abel hatte er bewahrt, einmal feine Bildung bewährt, und so hoch, über Gefahr, alle Vorsicht hatte ihn die Eigenliebe erhoben I ___ «Hm war es. rntt ihm gekommen? Er haßte sich, er
Dem Angst seufzte: xxpc f6™ *•—*-
JJür den Monat Dezember werden von allen O Postanstalten (auf dem Lande von den Landpostboten) Bestellungen auf die
Bberhessische Zeitung
mit deren Gratisbeilage
Zllustrirtes Tonntagsblatt
angenommen.
_______________Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.
Aus dem Abgeordnetenhause.
Das Abgeordnetenhaus ober vielmehr seine Commissionen beschäftigen jetzt besonbers 3 wichtige Gesetzentwürfe: 1) über ben Erwerb von 4 großen Privatbahnen für ben Staat 2) ein Schanksteuergesetz unb 3) ein Felb- unb Forstpolizeigesetz. Heute wollen wir unfern Blick zunächst auf das Eisenbahngesetz richten. Die Annahme desselben erscheint so gut wie gewiß. Gegen den Ankauf der Bahnen weil überhaupt gegen die Staatsbahuen, sind nur die Fortschrittspartei und ein Theil des Centrums. Die Mehrheit des Abgeordnetenhauses ist überzeugt, daß die Zeit der Privatbahnen vorüber ist. Die Eisenbahnen sind für den Ackerbau, die Industrie wie für Handel und Verkehr so unendlich wichtige Anstalten und die Eisenbahntarife, die ganze Verwaltung der Bahnen schneidet so tief in das wirthschastliche Leben des Volkes ein und auch für die Vertheidigung des Vaterlandes im Kriege sind die Eisenbahnen so ungemein wichtig geworden, daß es angezeigt ist, Lips stlch- Institute nicht in den Händen von Privatgesellschaften c. ri belassen, welche die Eisenbahnen lediglich vorn Gestchts- icnal punkte möglichst größten Gewinnes ans verwalten, sondern siane JtE. in die Händen deS Staates zu legen, der dieselben lediglich vom Gesichtspunkte des allgemeinen Laudesinter- efses aus verwalten kann und muß. Der Staat besitzt bereits ein sehr großes Eisenbahnnetz; aber gerade sehr Uuchtige unb rentable Bahnlinien fitib noch in ben Händen ton Privatgesellschaften. Es geht aber auf bie Dauer Ulcht, daß ber Staat blos bie unrentablen Bahnen im Puteresfe des Landes baut unb bie guten in ben Händen tot Privatgesellschaften bleiben. Bei ben minber guten Privatbahnen hat überdies ber Staat bie Zinsgarantie übernommen, so baß biefe Gesellschaften nur ben Nutzen toben und der Staat nur ben Schaben mittragen muß. Denn wenn diese Bahnen Ueberschüsse haben, so theilen bie Aktionäre