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Str 379.

Marburg, Freitag, 28. November 1879

xiv. Jahrgang

injeigen nimmt entgegen: dieErpkdttivn d.Blattet, fOlDie d-Annoncen-Bureaur Mr, Th. Dietrich & Co. in gefiel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.;

gfenftein & Vogler in ikfutt a. M., Berlin, stg, Löln re.; Rudolf Kofie in Berlin, Frank­furt a. M- re.

ObttzkWk ZeitW.

Anzeigen nimmt entgegen dir Expedition d. Blattet sowie d.Annoncen-Bureaux von G-L-Daube L Co. in Frankfutt a-M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst;

Herrnann'sche Buchhaudl. daselbst; Jnvalidendarü in Berlin; W. Thienet in Mberfeld: 6. Schlotte in Bremen-

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Drei Tage am Meere.

Erzählung von I. Hochkirch.

(Fottsetzung.)

zu haben, habe dem dänischen Königspaare nicht angemessen Mienen in einer Zeit, wo das Verkehrsmittel der Eisen- ? bahnen den Reisen der Monarchen und deren persönlichen $> Begegnungen so förderlich sei. Unter diesen Umständen , sei von dänischer Seite auf diplomatischem Wege eine be- z treffende Anfrage in Berlin erfolgt, welche selbstverständ- i Lch die freundlichste Aufnahme bei dem Kaiser gefunden «habe, wie auch bei der Kaiserin, die zur Begrüßung der -»Aste am Freitage früh von Cvblenz in Berlin einzu- s treffen gedenke.

i Arück. Nun nahten sich ihm die Verwandten und erboten sich, die Erziehung und Versorgung der Kinder zu über- Wnen, freilich unter allerlei Bedingungen, die dem hohen Ehrgefühl des alten Herrn von Hemmerich widerstrebten. Er stellte den Kindern die Wahl frei. Der ältere der ^iden Söhne entschied sich für Annahme der von den Ver- UAndten gemachten Anerbietung; der jüngere, sowie die Wge Tochter Luttrud zogen es vor, wie bisher dem Ater durch Leid und Noth zu folgen. Der jüngere Sohn, begabter Jüngling, studirte, strengte sich zu sehr an, ?>nrde von einem typhösen Fieber befallen und starb. Der 1O.-j Sohn, von den Verwandten zur militärischen Lauf- ..jit bHn bestimmt, fiel 1870 im Kriege gegen Frankreich, alte Hemmerich war nicht nur tiefgebeugt, sondern :^i krankhafte Weise gegen die Verwandten verstimmt, ^Uen er den Tod des ältesten, seines Lieblingssohnes, zur legte. Die Kluft in der Familie erweiterte sich, und

I Vorerst mußt Du wissen, daß der Name „Luttrud" ein sdlgirter ist, das heißt, es ist ihr Vorname, ein schöner deutscher, leider jetzt sehr seltener Name. Sie ist eigent- ein Fräulein von Hemmerich. Der Vater war ein L p . Iüstizbeamter in einem kleinen deutschen Staate und wegen L Ji Miller politischen Ansichten und seiner Ehe mit einer Bürger-

■ ■*£ Rot in Zwiespalt mit seiner sehr wohlhabenden und an- Mhenen Familie gewesen. Er muß etwas wunderlich und schroff gewesen sein und jedenfalls ein schlechter Recken- 9 Stifter. Als 1866 die großen Umwälzungen im deutschen ^taatengebiet eintraten, verließ er grollend seine Stellung 1 — । unv kaufte ein Landgut Spoittenburg, nicht sehr weit von I, hier entlegen. Es war zu cheuer gekauft, er verstand nicht zu wirthschaftcn, gerieth in Schulden über Schulden, ver- hwste den Besitz und zog sich, fast vollständig aller Mittel in« Lebensunterhalte beraubt, in ein kleines Gebirgsdorf

' dänischer König mehr in Berlin gewesen. Ob die Ver- Mhung, der Besuch hänge mit dem geplanten Ausgleiche ! zwischen Preußen und dem Herzoge von Cumberland zu- ' sammen, richtig ist, sei dahingestellt. Die „Kreuz-Ztg." legt den Besuch lediglich als einen Akt der Courtoiste dar; btr Besuch sei in Aussicht genommen worden, als die dänischen Majestäten anläßlich der Reise nach Gmnnden M Herzoge von Cumberland, ihrem Schwiegersöhne, eine Einladung zu einem Besuche am österreichischen Hofe in Men erhalten hätten. Dieser Einladung nachzukommen Md nach Dänemark durch Deutschland zurückzukehren, «hne einen Besuch gleicher Courtoisie in Berlin gemacht

^4 am Berliner Hofe kann nicht verfehlen, die allgemeine Aufmerksamkeit zu erregen. Seit Jahrzehnten ist kein

(*ür den Monat Dezember werden von allen O Postanstalten (auf dem Lande von den Land- postboren) Bestellungen auf die

Merhessische Zeitung

mit deren Gratisbeilage

JlluftrirteS SonntagSblatt

angenommen.

Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.

Tagesbericht.

Der Großfürst und die Großfürstin Wladimir folgten am Dienstag Abend nach Schluß der Opernvorstellung rötet Einladung des Viceprästdenten des Ministeriums Grafen Stolberg zum Thee. Gestern Vormittag 11 Uhr fand in der griechischen Kapelle der russische Botschast- . Gottesdienst statt. Die Kinder des großfürstlichen Paares j trafen vorgestern aus Ludwigslust in Berlin ein.

< Der bevorstehende Besuch des dänischen Königspaares

Die auf heute anberaumte Präsidentenwahl des Ab­geordnetenhauses — die bei Eröffnung der Session vor­genommene Wahl erfolgte der Geschäftsordnung gemäß nur auf die Dauer der ersten vier Wochen — wird das Haus nicht lange aufhalten. Der Abg. Miquel wird, wie wir hören, den Antrag stellen, das bisherige Präsidium durch Acclamation wiederzuwählen und das Haus demgemäß beschließen.

In der gegnerischen Presse ist wiederholt der Versuch gemacht worden, die konservative Partei bezüglich der Eisen­bahngarantiefrage in einem eigenthürnlichen Lichte erscheinen zu lassen. Die conservaüve Partei hält nach wie vor fest, daß bei der bevorstehenden großen Erweiterung des Staats­bahnnetzes Festsetzungen finanzieller und wirthschaftlicher Art der Natur der Sache gemäß nothwendig werden. Sie ist nach wie vor der Ueberzeugung, daß es die Pflicht der Landesvertretung ist und gleichzeitig nicht minder für die Kgl. Staatsregierung, um der Stetigkeit der allgemeinen finanziellen Verhältniffe willen dringend wünschenswerth erscheint, eine solche Neuregelung in Form der sogenannten Garantien zu vereinbaren. Dieser Sachlage gegenüber zerfallen die Behauptungen der gegnerischen Presse in sich selbst. — Der Abg. Hagen, welcher bisher nur als Hospitant der Partei angehörte, hat jetzt seinen definitiven Eintritt in die konservative Fraktion vollzogen.

Auf Anregung der conservativen Fraktion sind vorgestern Abend zwischen Conservativen, Frei - Conservativen und Nationalliberalen die Prinzipen für die Garantien in der StaatSeisenbahnfrage festgestellt worden, welche in der gest­rigen Sitzung der Eisenbahnkommission zur Berathung ge­stellt werden sollen. Dieselben gehen dahin: „Die Staats­regierung hat in Zukunft dem Entwürfe des Staatshaus­haltsetats eine Ucbersicht der auf die für Rechnung des Staates verwalteten Eisenbahnen zur Erhebung zu brin­genden Normal - Transportgebühren für die Beförderung von Personen und Gütern beizufügen. — Dem Landtage soll bei Beginn der nächsten Session ein Gesetzentwurf vorgelegt werden über die Einsetzung von Eisenbahnbe- zirksräthen, welche den Staatseisenbahndirektionen und eines LandeseisenbahnratheS, welcher der Centralverwaltung der Staatseisenbahnen zu beiräthlicher Mitwirkung beigegeben werden. Die Eisenbahnbezirksräthe werden zusammenge­setzt aus einer entsprechenden Anzahl von Vertretern des HandelSstanbes, der Industrie, der Land- und Forstwirth- schaft. Dieselben werden von dem Minister der öffentlichen

Arbeiten, welcher auch den Vorsitzenden bestimmt, auf Vor­schlag deS Provinzialausschusses auf die Dauer von drei Jahren ernannt. In den Provinzen, in welchen die Pro- vinzialordnung noch nicht eingeführt ist, erfolgt inzwischen der Vorschlag durch den Oberpräsidenten der Provinz nach Anhörung der Handelskammern, der industriellen- und der landwirthschaftlichen Vereine. — Der Landeseisenbahn- rath besteht aus einem Vorsitzenden bez. dessen Stellver­treter, welche vorn Könige,ernannt werden, ferner einem Cornrnissarius der Minister der öffentlichen Arbeiten, deS Handels, der Finanzen und der Landwirthschast, aus je drei Mitgliedern beider Häuser des Landtags für die Dauer der Legislaturperiode gewählt. AuS je 2 Mit­gliedern der Provinzen Ost- und Westpreußen, Pommern, Posen, Schleswig-Holstein, Sachsen, Hannover, Westfalen und Hcssen-Nassau und je drei Mitgliedern der Provinzen Brandenburg, Schlesien und Rhein-Provinz, und ebensoviel Stellvertretern die von den Eisenbahnbezirksräthen aus den Kreisen der Landwirthschast, der Industrie und des Han­delsstandes auf die Dauer von 3 Jahren gewählt werden. Dem Minister der öffentlichen Arbeiten bleibt es Vorbe­halten, in geeigneten Fällen Spezial-Sachverständige bei den Berathungcn zur Auskunftsertheilung zuzuziehen. Der Entwurf stellt sodann gleichzeitig noch fest, wie die Be- rathungen dieser neuen Eisenbahnräthe zu pflegen und in welchen Fällen ihre Einberufung zu erfolgen hat.

Der Ausschuß deS Verbandes deutscher Baugewerk­meister ist bei dem preußischen Handelsminister dahin vor­stellig geworden, vorläufig fakultative Meisterprüfungen einzusühren. Diesem Ersuchen ist der Minister so weit entgegengefommen, daß dem Ausschüsse aufgegeben wurde, Vorschläge über die Einrichtung von Prüfungskommissionen und Feststellung eines Reglements zu machen. In Folge dessen ist den einzelnen Baugewerkvereinen ein Entwurf zu einem Meisterprüfungs-Reglement für den preußischen Staat zur gutachtlichen Aeußernng unterbreitet und eine auf Grund der letzteren ausgearbeitete Vorlage dem preu­ßischen Handelsministerium überreicht worden.

Meldungen der „Polit. Corresp." Die von einem Blatte gebrachten Daten über das Heeres-Budget für 1880 beruhen auf Erfindung und weichen wesentlich von dem vorzulegenden Budget ab. — Aus Konstantinopel: Mukh- tar Pascha erhielt Befehl, mit 20 Bataillonen nach Gnsinje zu marschiren und die Uebergabe dieses Platzes an Montene­gro gegenüber den widerspenstigen Amanten zu bewerkstelligen.

als der jalte Hemmerich nach einigen Jahren des Lewes und Elends verstarb, wollte die Tochter lieber auf irgend welche Weise durch eigene Kraft ihr Brot erringen, als, dem Willen des verstorbenen Vaters entgegen, der Ver­wandten Gunst in Anspruch zu nehmen. Eine Tante, eine alte verwittwete Gräfin, soll sie zwar aufrichtig lieben und ihr die glänzendsten Versprechungen gemacht haben, allein etwas von dem Starrsinn des alten Justizbeamten lebt auch in ihr, und so ist es geschehen, da sie eine in Wahr­heit wunderholde Stimme besitzt, daß sie sich der Famllie des ConcertmeisterS Truchseß anschloß, um durch ihr mitwirken in den von ihm veranstalteten Concerten ihren Lebensunterhalt zu findm. Dem alten Kranken und mit aller Welt zerfallenen Vater ist ihr Gesang einzig Labsal und Trost gewesen."

Der Advokat schlug die Asche von der Cigarre.

„Du mußt in Anrechnung bringen,"} fuhr er fort, „daß sie hübsch und jung ist und gern ihre eigenen Wege geht. Bewundert zu roerben, angenehm zu leben, auf leichte Weise Geld zu verdienen, da§ reizt — und ich begreife wohl, daß sie lieber den Namen „Hemmerich" darangiebt und in Konzerten singt, als bei der alten mürrischen Gräfin in irgend einer klösterlichen Zelle sitzt und fromme Reden hört. Ja, unser liebes Fräulein Luttrud wird niemals arm an Gönnern sein!"

Robert zuckte zusammen, wie an wunder Stelle berührt Der Nachsatz in den Mittheilungen des Advokaten verwischte störend den guten Eindruck, den diese auf ihn ausgeübt hatten, und er fühlte sich mir bekümmerter, und in sich schwankender.

„Du bist übrigens, wie ich weiß, ein leidenschaftlicher Musikfreund," bemerkte der zungenfertige Erzähler", „bist Du nicht begierig, unfern ausgehenden Stern mit zu be­wundern?"

„Durchaus nicht," antwortete Robert frostig, „ich liebe die Musik nicht allemal und von jedem Munde".

Verwundert sah ihn der Freund an und wußte nicht,

ob ihn das unbegreiflich kalte und gleichgülttge Benehmen seines Begleiters, des „engherzigen Landjunkers," zum Aerger oder zur Verspottung reizm solle. Robert aber war sich dessen wohl bewußt, daß er am gestrigen Abend ab­sichtlich vermieden shatie,! in seiner Unterhaltung mit der Künstlerin musikalische Fragen, die doch Beiden so nahe lag, zu berühren, eben weil es seinem Gefühl zuwider war, in seiner liebenswürdigen Begleiterin die Künstlerin zu sehen.

„Sagtest Du nicht — Spoittenburg?" fragte er endlich als der Advokat auf den Wiederbeginn des Gesprächs zu verzichten schien.

„Allerdings, Spoittenburg."

ES ist eigen," bemerkte Robert, „meine Mutter kaufte vor einigen Monaten ein kleines Gut Spoittenburg als künftigen Wittwensitz. Vielleicht ist es das nämliche."

„Frage doch Fräulein Luttrud."

„Ich mische mich nicht in fremde Angelegenheiten."

„Du bist ein wunderlicher Mensch, Robert! Verzeih einem Schulkameraden diese offenherzige Bemerkung. Siehe — da erscheint unser Freund Tempelhoff am SaumeIdes Fichtenhains. Dann ist auch Fräulein Luttrud nicht mehr weit."

Der Lieutenant gesellte sich zu den Freunden, und auf die Frage des Advokaten bestätigte er, daß Fräulein Luttrud und die Tochter des Konzertmeisters dort im Schatten des Fichtenhains anSruhtm und mit Handarbeiten beschäftigt seien.

„Wir sehnten uns eben ndch Ihnen und Fräulein Kretschmar," erzählte er, „um mit Ihnen wegen der heutigen Seefahrt Wcksprache zu nehmen. Es ist ja vortreffliches Wetter, und wir sind der Ansicht, daß nicht länger mit der Ausführung des Projektes gezögert werden darf."

„Es ist zu schwül heute," entgegnete der Advokat Feddersee.

(Fortsetzung folgt.)