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XIV. Jahrgang

Marburg, Donnerstag, 27. November 1879

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stei zu Rybnik zur geeigneten Vertheilung in Empfang zu nchmen.

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Flüchtlinge ergreifen. Die nächste Conferenz in der griechischen Grenzregulirungs-Angelegenheit findet angeblich am 27. d. M. statt.

DaöReuter'sche Bureau" meldet aus Konstantinopel vom 24. d. M.: Die Abreise Baker Paschas nach den asiatischen Provinzen ist bis zum Samstag verschoben. die auf vorgestern anberaumt gewesene Sitzung der grie­chisch-türkischen Kommission wurde wieder abgesagt. Es heißt, die Pforte werde überhaupt keine weitere Sitzung anberaumen, sondern die Entscheidung in der griechischen Frage Europa überlassen. Das finanzielle Arrangement zwischen dem Finanzminister und mehreren Bankhäusern in Galata ist gestern untei^eichnet worden.

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Ein Telegramm aus Rom in derMorning-Post" meldet: im Privatgespräch äußerte der Papst den ernstlichen Wunsch nach Berufung eines ökumenischen Concils behufs Förderung wichtiger Reformen; die ultramontane Partei widerstrebe kräftig diesem Wunsche.

DiePolit. Corresp." meldet aus Konstantinopel: Aleko Pascha wurde bei seiner Abschiedsaudienz bei dem Sultan den Osmanie-Orden erster Klasse verliehen. Der« selbe kehrt am 27. d. Mts. nach Philippopel zurück und wird nach dem Wiederantritt seines Amtes energische Maß­regeln bezüglich der Reinstallirung der mohamedanischm

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Frankreich war in diesen Tagen von einer Minister- krists bedroht, welche nur auf die Initiative des Präst- venten verhütet wurde. Die Ursache der Krisis war fol­gende: Vor Kurzem wurde der Deputirte Gent zum Gouverneur von Martinique ernannt. Kaum hatte der­selbe seinen Posten angetreten, als sich eine Masie von Angriffen und Anschuldigungen gegen das Privatleben des­selben richteten. Gent soll im Jahre 1836, also vor 43 Jahren, ein sittliches Verbrechen begangen haben, ohne daß ihm solches bei der damaligen gerichtlichen Verhandlung nachgewiesen worden ist und er in Folge dessen freige­sprochen werden mußte. Die polittschen Gegner des ehe­maligen radikalen Abgeordneten benutzten indeß diesen Vor­fall, um den Gouverneur zu stürzen, und der Marine­minister, von dem nach monatelangen Verhandlungen die Ernennung ausgegangen war, setzte nun im Staatsmini­sterium die Absetzung Gent's durch. Dieser Akt, welcher ein um so größerer Fehler war, als man sich doch vor der Unterzeichnung der Ernennung GentS über das Vor­leben desselben klar sein mußte, erregte natürlich den Un­willen vieler Republikaner und veranlaßte den Minister des Innern zur Einreichung seines Entlassungsgesuches, welches er nur auf Bitten Grövy'S wieder zurückzog. So weit der thatsächliche Vorgang, der jedenfalls ein Fehler des Ministeriums war. Die Angelegenheit wird noch ein interesiantes Nachspiel durch die Frage erhalten, ob Herr Gent, der bei seiner Ernennung zum Gouverneur seine Entlassung als Deputirter nehmen mußte, welche aber von der damals nicht versammelten Kammer noch nicht an­genommen werden konnte, nun wieder Deputirter ist oder nicht. Die Frage ist gewiß streitig.

Du weißt nichts von ihr?" fragte der Advokat;nun so will ich Dir berichten, was ich aus dem Munde des Conzertmeisters erfahren habe. Dieser ist ein Biedermann und jedenfalls gut unterrichtet, obgleich die schöne Luttrud i es liebt, sich in geheimnißvolles Dunkel einzuhüllen."

Sie lenkten ihre Schritte dem, westwärts von Seebad Wohlde sich ausbreitenden Lustwäldchen zu, freundlichen Park- und Gartenanlagen, die, in Berücksichtigung des leichten sandigen Bodens und der hefttgen Seewinde, überraschend angenehme und mannichfaltige Spaziergänge boten. Dei^ Advokat zündete die Morgencigarre an und wenig ahnend, wie begierig sein äußerlich so ruhiger und abgemessener Zuhörer seinen Worten lausche, begann er seinen Bericht.

"Fortsetzung folgt.)

Deutsches Reich.

** Berlin, 25. November. Der Bundesrath hatte vom 13. Juli d. I. dem Entwurf eines Gesetzes für El- saß-Lothringen, betreffend die Zwangsvollstreckung in das unbewegliche Vermögen einschließlich der Vollziehung des Arrestes und einstweiliger Verfügungen, über das Hypo- theken-Reinigungsverfahren und über das Vertheilungsver- fahren die Zustimmung ertheilt. Der §. 68 des Entwurfs nimmt in Aussicht, daß das Gesetz gleichzeitig mit dem Gcrichtsverfassungsgesetze am 1. Oktober d. I. in Kraft trete. Die Einhaltung dieses Zeitpunktes für den Ein­tritt der Wirksamkeit des Gesetzes ist jedoch dadurch ver­eitelt worden, daß mit Rücksicht auf die inzwischen einge- trctenen Veränderungen in der Verfaffung Elsaß-Lothringens es nicht thunlich erschien, eine Berufung des Landesaus­schusses vor dem 1. Oktober eintreten zn lassen. Im Hin­blick auf diese Sachlage scheint eine Aenderung des §. 68 und der damit zusammenhängenden Paragraphen des Ent­wurfs angezeigt und der Statthalter in Elsaß-Lothringen beantragt daher Beschlußfaffung des Bundesraths. Der Antrag ist unterzeichnet, ebenso wie die nachstehenden An­träge:Der Kaiserliche Statthalter in Elsaß-Lothringen. In Vertretung Herzog." Ferner sind dem Buudcsrath zwei Gesetzentwürfe für Elsaß-Lothringen zur Beschluß­fassung vorgelegt worden, der erste verhandelt die Verwen-

Eine sehr beherzigenswertheLebensweise", bemerkte der Advokat,allein abgesehen von der angeborenen Schwierig­st, Fräulein Luttruds Beispiel nachzuahmen, ist uns jede Nacheiferung strenge untersagt, indem Fräulein Luttrud, einige aus unserem Kreise den Entschluß faßten, eben­falls um 5 Uhr auf der Mole zu sein, unumwunden er= Sötte, sie werde alsdann einen anderen Punkt zur Morgen- Andacht wählen."

Sie wiffen, es war im Scherz gesprochen., Herr Ad­vokat", sprach die Künsllerin und verabschiedete sich.

Sie bewohnte mit dem Concertmeister und seiner Fa­milie eine Privatwohnung, speiste jedoch gleich allen übrigen Gliedern des kleinen Kreises im Hotelzur Möve " Auch Herr von Pflug hatte es vorgezogen, statt in dem vor­nehmen Hotel eine Wohnung zu nehmen, in einem der kleinen lindenbeschatteten Fischerhäuser ein Unterkommen zu suchen. Dort fühlte et sich freier und ungebundener, von dort schaute er, über den Hafenplatz hinweg, auf das freie Meer, und das unablässige Getöse des Hotellebens ver­folgte ihn nicht dorthin.

Bald sah Robert von Pflug sich allein. In seinem Innern wogte unablässig d(e eine Frage hin und her: Bleibe ich ober reise ich?" Spät suchte er Ruhe, noch später fand er sie. Im Traume sah er Ali-Gamm, den stolzen Herrensitz mit den uralten Eichen, mit der herrlichen Ulmern Allee, die zum Schlöffe hinaufführte; einsam ging er durch das Haus, durch alle Zimmer, durch den Garten, suchte die Mutter und fand sie nicht, und stand am Ufer des Sees unter den tiefherabhängenden Zweigen der Eschen, schmerzlich klagend, daß er so allein sei.

Mittagsruhe.

AIS Robert von Pflug am folgenden Morgen, dem zweiten Tage seines Aufenthaltes in Wohlde, sinnend am Fenster stand und die bezaubernd schöne Aussicht auf das tiefblaue Meer genoß, überfiel ihn wie eine Centnerlast die Erinnerung an die schöne Sängerin. Wer war sie? Von wannen kam sie? Wie lebte sie? Nur einmal bisher hatte sein ruhiges, abgeschlossenes Leben eine wahre Leiden­schaft durchkreuzt, und wunderbarer Weise lenkte ihn dieselbe einem beschämendem Jrrthum, einer unüberwindlichen Kluft zu. Kaum mündig geworden, war ihm die Braut eines nahen Verwandten in den Weg getreten und vielfach mit ihm in Berührung gekommen. Für diese faßte er bald eine heiße Neigung, träumte sich in ein bittersüßes Herze-

Drei Tage am Meere.

Erzählung von I. Hochkirch.

(Fortsetzung.)

Ein matter rother Schein hing noch immer im Westen über dem grauen Abendgewölk. Die Uhr der Wohlder Kirche kündete mit einzelnem Glockenschlage, daß die zehnte Stunde zur Hälfte verflossen sei. Generalkonsul Kretsch- mar mahnte zur Hemkehr, der Badregel getreu, die eine frühe Nachtruhe erheischt. Auf der erhöhten Promenade am Seeufer, der sogenanntenAbendstraße", wellten noch Zahlreiche Spaziergänger, durch den schönen Abend gefeffelt, Und einige Mitglieder der Gesellschaft widersetzten sich dem frühen Aufbruch.

Lassen sie uns nicht vyn unseren Grundsätzen ab- weichen, meine Herren und Damen", mahnte der General- c»nsul;unser liebes Fräulein Luttrud ist gewohnt, früh üiit der Sonne auf zu sein, wir Alle leben morgen recht- Mg unserer Kur; darum zur Ruhe jetzt."

Früh mit der Sonne auf?" fragte Herr von Pflug,

leid hinein, glaubte zu gewahren, daß die Braut in dem k schon geschloffenen Bunde sich nicht glücklich fühle, und siehe da, eines Tages überraschte ihn die Nachricht, jenes t Band sei gelöst und die heiß Begehrte einer neuen Be- ' Werbung zugänglich. Das Feuer seiner Zuneigung erlosch * fast im nämlichen Augenblick, da ihm die Kunde ward. 1 < Der Schmerz unüberwindlicher Liebe wandelte sich in Wehmuth über die Träglichkell menschlicher Gelübde; er fühlte sich enttäuscht durch die Handlungsweise der so hoch l Bewunderten und mied sie, da sie ihm erreichbar geworden > war. Der Schatten jener Jugendtage war noch heute nicht ; völlig gelichtet. Es war Andern das Nämliche im Leben geschehen, und sie fanden Trost und Ruhe. Ihn verfolgte seither ein mißtrauisches Beachten des weiblichen Wankel- 1 ' muths, er rief sich immerbar das Gebächtniß jener schmerz- ] lichen Täuschung zurück, um in keinen neuen Jrrthum zu willigen. Sollte es dennoch fein Loos fein, wiederum einer .! X Thorheit zum Opfer zu fallen? > >

Er suchte das Freie, doch wo war Befreiung vor den. * ihn durchstürmenden Gefühlen?

Kuno Feddersee, der heitere Advokat, trat ihm entgegen, 1 * begrüßte ihn freudig und schloß sich ihm an. Unschwer ! wandte sich die Unterhaltung der Sängerin zu.

Fräulein Luttrud gewandt.

Allerdings" erwiderte diese; wenn der Morgen schön ist, pflege ich gern zur Zeit des. Sonnenaufgangs aus der Divle zu sein. Es ist nicht so schwierig jetzt, da die Sonne ttst nach 5 Uhr aufgeht."

Das scheint mir immerhin erstaunlich früh", meinte Herr v. Pflug verwundert.

Es ist eine sommerliche Pafsion meinerseits, früh auf­zustehen", versetzte Fräulein Luttrud lächelnd; ich bade früh,

.. JO.ft 91,01'

Tagesbericht.

Der Kronprinz trifft am Donnerstag den 27. d. M. früh aus Italien in Berlin ein. Der Kaiser besuchte gestern Mittag den Großfürsten und die Großfürstin Wla­dimir von Rußland und empfing deren Gegenbesuch. Nachmittags sand zu Ehren des großfürstlichen Paares Hostasel statt, an welcher die Mitglieder der königlichen Familie, der rnsstsche Botschafter v. Oubril, der mecklen­burgische Gesandte v. Prollius, die Grafen Moltke und Stolberg, Prinz Reuß und Minister v. Schleinitz thell- nchmen. ____________

Das amtliche Ergebniß der Reichstagsersatzwahl im zweiten Gumbinner Wahlkreise (Ragnit) ist: v. Sperber- Gerskallen (conserv.) gewählt. Eine anderweitige Wahl im zweiten schleswig - holstein'schen Wahlkreise (Flensburg) machte eine engere Wahl zwischen dem Oberpräsidenten Bötticher (Reichspartei) und Professor HinschiuS (nat.-lib.) uothwendig. ____________

lieber den Nothstand in Oberschlesim erhält dieN.- Z." von Herrn Probst Stolik in Rybnik eine Zuschrift, welche die in dem dortigen Kreise herrschenden Verhält- nisie in einem sehr düsteren Bilde erscheinen läßt. An« knüpfend an die Thatsache, daß am 21. d. M. im Kranken­haufe zu Rybnik ein vagabondirender Arbeiter am Typhus verstorben, die Gefahr des AusbrechenS einer Epidemie in die unmittelbare Nähe gerückt scheint, wird es als That­sache hingestellt, daß Leben und Gesundheit sehr zahlreicher Personen durch Mangel an Nahrung und Kleidung schwer bedroht sind, wenn nicht bald Hülfe kommt. ES schließt sich daran ein Appell an den Wohlthätigkeitssinn Berlins und der größeren Städte mit dem Erbieten, Beiträge an Geld, Nahrungsmitteln und Kleidungsstücken in derProb-

t^ür den Monat Dezember werden von allen v Postanstalten (auf dem Lande von den Land­postboten) Bestellungen auf die

Dberhessische Zeitung

mit deren Gratisbeilage

ZllustrirteS Sonntagsblatt

angenommen.

Die Exped. d. Oberh. Zeitung.

düng von Zuchthengsten. In der beigegebenen Begründung wird ausgeführt, daß eines der größten Hindernisse der Verbesserung des Pferdestandes in Elsaß-Lothringen in der herrschenden Gewohnheit liegt, schlechte Privathengste zur Zucht zu verwenden. Nach der letzten Zählung der Zucht­hengste im Jahre 1877 fanden sich 1195 Privathengste > l vor, von welchen in demselben Jahre 14,504 Stuten ge- ( deckt worden waren, während die 82 Gestüthengste 4032 1t

Erscheint täglich außer an beit Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJlluftrtrteS SountagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2$ Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blatte* sowie b. Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermannffche Vuchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Mberfeld; C. Schlotte in Bremen-

raffel 70.

Anzeigen nimmt entgegen: bit Expedition d.vlattes, [ginte d.Annoncen-Bureaux ncn Th. Dietrich & Co. in staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; gsenstein & Bögler in iilfnrt a. M., Berlin, zig, Eöln rc.; Rudolf Liojse in Berlin, Frank­furt a. M. re.

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