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Marburg, Mittwoch, 26. November 1879.
Nr. 277.
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Die Differenzen, welche hinsichtlich der zu erlassenden Jagd-Ordnung sich ergeben haben, bestehen darin, daß das LandschastSministerium den Wildschadenersatz allgemein einführen wollte, während das Finanzministerium einer solchen Bestimmung widersprach. An diesem Widerspruche ist das Einbringen des Jagdgesetzes schon seit mehreren Jahren gescheitert. Der frühere Landwirthschaftsminister hatte der bestimmten Ablehnung des Finanzminisiers gegenüber die geltend gemachte Forderung dahin beschränkt, daß der Wildschadenersatz in jenen Landestheilen erhalten bleiben sollte, in welche er gegenwärtig noch gesetzlich besteht. Aber auch zu diesem Zugeständniß konnten sich die früheren
Weitere Bemerkungen wurden durch das Hinzutretm teT Gefährten abgcschnitten und Roberts feurige Aufwallung tauschte vorüber, wie eine Welle am Ufer. In der That " er zeigte sich in der weiteren Unterhaltung, die nun Aemein wurde und ihn durch ihre Oberflächlichkeit zurück« kieselhart und unzugänglich wie das Gestein drunten J01 Strande; vergeblich gleiten die spielenden Wellen daran, senden die Kiesel sie zurück und folgen ihrem Locken
Besitz und Würde, er sehnte sich bereits seit längerer Zeit nach der Gründung eines eigenen Herdes; selbstlos drängten die Mutter und die Schwester ihn dazu; sie sahen ausreichend für sich selbst gesorgt und wünfchten lebhaft, Roberts einseitige Zurückhaltung in lebensvolles Wirken umgewandelt zu sehen. Ihm fehlte es nicht an Entgegenkommen und Gelegenheit; eben die ost so schlecht verhehlte Begier nach feiner Hand schreckte ihn auf eine Weise zurück, daß er niemals seinen Widerwillen zu überwinden fürchtete. Sich sagen müssen, daß jegliches weibliche Wesen — das stolze Gefühl feines Werthes ließ ihn keine Ausnahme vorraussetzen sich durch seine Annähemng geschmeichelt fühle; daß die Wahl seiner Gattin ein Gegenstand der Unterhaltung, der Spekulation-, tausendfacher Berechnung, ja des Eingehens von Wetten fei, wie gute Freunde ihm verrathen hatten; daß die Sehnsucht nach dem Erringen feiner Person — und nicht zu vergessen seiner zeitlichen Güter — hochangesehene Damen zu dem Schritte hatte verlestm können, ihm geradewegs mit Anträgen zuvorzu- kvmmen; — dies Alles hatte ihm eine fast unbezwingliche Abneigung gegen jegliche entgegenkommende Schritte, im letzten Grunde eine gerechtfcrttgte Verachtung für das ge- sammte weibliche Geschlecht eingeflößt.
Trotz alledem war der geheime Grund seines Kommms nach Wohlde wiederum die Brautschau. Im verflossenen Winter hatten einige Ballabende ihn mit der Familie des Generalconsuls Kretschmar bekannt gemacht und in der That die auffallend fchöne, zurückhaltende und gescheidte Marianne war ihm nicht gleichgültig geblieben. Obgleich sie im Range ihm nicht völlig ebenbürtig war, hatte er ernstlich überlegt, ob es nicht gerathen sei, durch einen schnellen Entschluß ein für allemal die verdrießliche Ehestandsfrage zu erledigen. Heute nun fühlte er zu seinem größten Leidwesen, daß ihm eine feste Entfcheidung geradezu unmöglich gemacht sei, wenn er nicht vor Gott und sich selbst und seiner künftigen Gatttn zum Lügner werden wolle. Frau Generalkonsul Kretfchmars erfreute Begrüßung,
Mariannes Erröthen scheuchten ihn zurück; der Umstand, die gefeierte Sängerin an ihrer Seite zu sehen, ließ ihn in mehr als einer Beziehung bedenken fassen, — nein, auch Marianne Kretschmar erschien ihm nicht seiner würdig genug I
Was sollte er beginnen? Wohlde sogleich wieder ver- lassen? Die weiche, wohllautende Stimme der Sängerin, die plaudernd neben dem Generalkonsul schritt, fesselte ihn wider seinen Willen. Er mußte lächeln, als ihm plötzlich die erzürnte Aeußerung einer verwittweten Nachbarin in den Sinn kam. Diese, im Besitz von 4 ledigen, liebenswürdigen Töchtern, sah mit großem Merger den vielbegehrten jungen Gutsbesitzer allen ihm gestellten Netzen entschlüpfen und sprach einftmal vor vielen Zeugen in gewählter Gesellschaft ohne Zagen das prophettsche Wort aus: „Denkm Sie an mich, Robert von Pflug wählt dereinst eine Tänzerin oder Sängerin zur Gattin; die Erfahrung lehrt, daß der Dünkel mit Beschämung endigt — denken Sie an mich." Dieses kühne Wort war ihm hinterbracht und hatte ihn damals geärgert ttotz seiner Lächerlichkeit. Heute machte es ihn lächeln trotz seiner inneren Verstimmung. Wie unsäglich fern lag ihm die Gefahr, im Ernste zu thun, wie die fcharfzüngige verwittwete Nachbarin vorher gesagt hatte!
„Aus einer jeden Verwicklung ober Schlingung löst Gott für die, welche unter seiner Hand gehen, den himmlischen Frieden heraus," spricht ein weiser Mund.
Wahl hatte Robert von Pflug ein Bewußtsein der Alles leitenden und ordnenden göttlichen Liebe, allein fein hohes Selbstgefühl ließ ihn keinen Augenblick zweifeln, daß die Gestaltung und Behütung seines Lebens vor allen Dingen auf seiner eigenen Kraft beruhe; dieser vertraute er — und „wehe dem, der zu der Wahrheit geht durch Schuld."
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Tagesbericht.
Von einer Einladung an den Prinzen Wilhelm, dem Georgsfeste in Petersburg beizuwohnen, ist in berliner best- imterrichteten Kreisen nichts bekannt.
Die Eisenbahn-Commission des Abgeordnetenhauses hat den Vertrag betreffend den Ankauf der Hannover-Alten- becker Bahn mit 13 gegen 8 Stimmen angenommen; gegen die Annahme stimmten die Mitglieder des CentrumS und der Fortschrittspartei.
Der König und die Königin von Dänemark treffen am Freitag zum Besuche des Hofes in Berlin ein.
Unter dem 16. d. M. hat der neue Justizminister bestimmt: Die Vorschläge für die Bestellung der Untersuchungsrichter, sowie der ständigen Vertreter derselben find für jedes einzelne Landgericht von den Präsidenten der Oberlandesgerichte bis zum 6. Dezember d. I. dem Zuftizministcr einzureichen. Im Falle der Verhinderung des ständigen Vertreters des Untersuchungsrichters wird ein zeitweiliger Vertreter durch den Präsidenten des Land- zerichts ernannt. Die Bestimmung der Zahl der bei dem Landgerichte zu blldenden Civil- und Strafkammern erfolgt durch den Präsidenten des Landgerichts; die Bestimmung der Zahl der bei dem Oberlandesgerichte zu bildenden Civil- und Strafsenate durch den Präsidenten des Ober- lwdesgerichts. Auf die Hilsskammern und Hilfssenate Men die vorstehenden Vorschriften keine Anwendung. Die Bestimmung der Zahl der Amts- und Landrichter, welche außer dem Vorsitzenden als Mitglieder der bei einem Amtsgerichte gebildeten Strafkammer zu berufen M, sowie die Berufung der Amtsrichter in diese Strafkammer erfolgt durch den Präsidenten des Landgerichts.
Drei Tage am Meere.
Erzählung von I. Hochkirch.
(Fortsetzung.)
: „Ich bin so glücklich, im Elternhause, in Mutter- und .Schwesterherzen für jede mich bewegende Empfindung, es ifi Freude oder Schmerz, verständnißvolle Theilnahme zu Men", sprack Herr von Pflug, durch ihre Worte über- safcht und unwillkürlich zu offener Aussprache hingeriffen; sein gesammtes Fühlen aber hing fast ausschließlich mit Miger Wärme an Mutter und Heimath.
„Und ich. habe Niemand, nach dem ich mich sehnen Mitte", entgegnete Fräulein Luttrud, „weder Heimath noch Geschwister."
„Do leben Ihre Eltern nicht mehr?"
„Vor zwei Jahren verlor ich den Vater; meine Mutter 'UNnte ich kaum."
Ach, Sie Arme! rief Herr von Pflug warm. — und Mder überkam ihn für einen Augenblick die fast leiden- Mftliche Hinneigung zu der schönen Künstlerin an seiner Seite ein Gefühl, ergreifender und hinreißender als M Natur, mächtiger und überwältigmder als daS Abend- M selbst — drüben über der See.
Finanzminister nicht verstehen. Dieselbe Meinungsverschiedenheit herrscht auch heute noch zwischen den zeitigen Ministern der Landwirthschaft und der Finanzen. Frage wird deßhalb wohl durch Majoritätsbeschluß schieden werden muffen.
Eine Berliner Privatdepesche des „Pester Lloyd" wiffen, von maßgebender russischer Stelle fei die Auflösung der Kosaken-Regimenter beabsichtigt und solle die Auflassung der Institution der Kosaken nächstens erfolgen. In der Civilverwaltung Rußlands ständen ebenfalls große Verän-
&ür den Monat Dezember werdett von allen ö Postanstalten (auf dem Lande von den Landpostboten) Bestellungen auf die
Merhessische Zeitung
mit deren Gratisbeilage
JllustrirteS Sonntagsblatt
angenommen.
Die Sxped. d. vberh. Zeitung.
Md), daß Fräulein Luttrud seinen heimischen Kreisen Mehörte! Er glaubte, ja er fühlte unzweifelhaft, daß er ’v eine Aufmerksamkeit erweisen könne, wie sein Herz sie M vielen Jahren noch nie empfunden habe. Er war in
Lungen nimmt entgegen: Ht (Srpebitioit d.Blattes, sowie dAnnoncen-Bureaux inm Th. Dietrich L Co. in I Mel und Hannover; Lh. H-trich in Frankfurt a.M.; I kaasenstein & Bögler in fcantfurt a. M., Berlin, leidig, Löln ec.; Rudolf Hoffe in Berlin, Krank
rath eingegangenen Eingaben in Bezug auf die Zollbehandlung von Naphtha beschloß der BundeSrath auf den vom Geh. Finanzrath Zänker Namens des dritten Ausschusses erstatteten Bericht, den Reichskanzler um Veranlassung der Ausarbeitung eines Gesetzentwurfs für dir bei Bewilligung der Zollfreiheit des nicht zur Lenchtölfabrikativu bestimmten Mineralöls zu beachtenden Normalbestimmungen zu ersuchen, sowie um die Vorlegung eines solchen Gesetzentwurfs an den Bundesrath. Jrn Uebrigen war der Bundesrath damit einverstanden, daß bis zur Beschlußfassung über einen solchen Gesetzentwurf die Landesfinanzbehörden auf Grund der im zweiten Absatz Anmerkung 1 zu „Petroleum" im Zolltarif ausgesprochenen Ermächttgung unter von ihnen für geeignet befundenen Kontrolen die zollfreie Einlassung solcher Oele sowie die Rückgabe des bezahlten Zolles verfügen können. — Zu der am 20. d. zu Stolp vollzogenen Einweihung des dort neu erbauten Post- und Telegraphengebäudes hatte sich der Generalpostrneister in Begleitung des Geh. Ober- regierungsraths Kindt und des Geh. Oberpostraths Witt- mann dorthin begeben. Die Feier verlief in würdiger Weise. Der Generalpostrneister nahm bei der Nähe von Varzin Veranlassung, dem Fürsten Bismarck einen Besuch abzustatten. — Die im Reichseisenbahnamt ausgestellte Uebersicht der Betriebsergebnisse der deutschen Eisenbahnen für Oktober d. I. ergiebt für die 88 Bahnen, welche auch schon im entsprechenden Monat des Vorjahrs im Betriebe waren und zur Vergleichung gezogen werden konnten, folgende, theilweise auf provisorischer Ermittelung beruhende Daten: Die Einnahme aus allen Verkehrszweigen war im Oktober d. I. bei 45 Bahnen höher, bei 43 niedriger, die Einnahmen aus allen Verkehrszweigen vom 1. Januar bis 31. Oktober d. I. bei 40 Bahnen höher, bei 48 geringer als in dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahrs. — Ein Circular des spanischen Generalzollamts in Betreff des Eingangszolls für gewisse gefirnißte Metallwaren ist auch für Deutschland von Interesse. Nach diesem Circular sind die Zollbehörden Spaniens angewiesen, die aus Deutschland oder den übrigen mit Spanien in VertragSverhältniß stehenden Ländern stammenden gefirnißten Bronze, Kupfer- und Messingwaaren nach Nr. 45 des spanischen Tarifs zu behandeln, wie es bisher bezüglich der gleichartigen Objekte französischer Herkunft geschehen ist. Der Zoll beträgt demnach 100 Pesetas für 100 Kilogramm.
Ans Rorddeutschlaud, 22. Novbr., schreibt die „D. R.-P.": Die Zahl der Theologie Studirenden an den 17 deutschen evangelisch-theologischen Facultäten hebt sich wieder, wenn auch langsam. Der Stand dieser Frage erkennt sich
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatter sowie d.Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jägerische Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; SB. Thienes in Elberfeld; 6. Schlotte in
Bremen.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „MustrirteS SonutagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 2ß Mart, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr). — Jnfertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
317. n fo- kauft
berungen bevor; das Reich solle in zwölf Statthaltereien eingetheilt werden, damit (das Princip der Centralisation um so prägnanter zum Ausdruck gelange.
Deutsches Reich.
•* Berlin, 23. November. Wie man hört, haben nunmehr die Verhandlungen über einen dem Reichstag vorzulegengen Gesetzentwurf, die Börsensteuer betreffend, innerhalb der betheiligten Verwaltungen begonnen, nachdem daS preußische Staatsministerium sich in seiner neulichen Sitzung über die Stellung Preußens zu dieser Angelegenheit schlüssig gemacht hat. Trotz der erheblichen Schwierig- rigkeiten, welche die besondere Natur der in Betracht kommenden Objette einer zuverlässigen und nicht zu umgehen- ben steuermäßigen Behandlung entgegenstellt, hofft man doch ben Gesetzentwurf so zeitig fertig stellen zu können, baß derselbe nach Eröffnung des Reichstags diesem alsbald zugehen wird. Die Arbeiten für den Reichshaushaltsetat auf 1880/81 sind in vollem Gange. Die Fertigstellung steht in so naher Aussicht, daß der Bundesrath gleich nach der Weihnachtspause in die Berathung der Vorlage eintreten kann. Nach der bis jetzt vorliegenden Aufstellung wird der Etat ein nur wenig verändertes Aussehen gegen seinen Vorgänger haben. — Betreffs der an den Bundes-