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Marburg, Sonnabend, 22. November 1879

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folgen. In der Zwischenzeit soll die Berlin-Stettiner

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Das Projekt der Kanalisation des Mains von Frank­furt a. M. bis an seine Mündung in den Rhein, welches der Finanzminister in seinen erläuternden Bemerkungen über die Finanzlage bei Einbringung des Etats im Ab­geordnetenhause in Aussicht stellte, kann nunmehr als im Ganzen abgeschlossen angesehen werden. Mit den bethei- ligten Staaten, Bayern und Hessen-Darmstadt, sind die hierauf bezüglichen Vereinbarungen getroffen, und der for­melle Abschluß der Verträge steht nahe bevor. Außerdem hatte das Ministerium der öffentlichen Arbeiten als Vor­bedingung des Baues die Forderung aufgestellt, daß die Stadl Frankfurt a. M. sich zur Uebernahme der Kosten für den Bau des nothwendigen städtischen Hafens ver­pflichte. In den letzten Tagen nun haben die Stadtbe­hörden Frankfurts die bündigste Erklärung dahin abge­geben, daß sie die Hafenbaukosten in Höhe von 1,260,000 Mark übernehmen wollen. Damit sind alle Vorbedingun­gen erfüllt, und die Einbringung eines Nachtrags-Etats an den Landtag zur Bewilligung der Gesammtkosten resp. Forderung der ersten Baurate ist binnen Kurzem zu erwarten.

187V.

1 angenommen. Dagegen welcher folgendermaßen lautet:

24 des Geschästsstatuts wird Reservefonds der Stammbahn M. der Gesellschaft zu dem der Verpflichtung, den Mit­

wurde der letzte Absatz 2, „Mit Rücksicht auf den § vereinbart, daß aus dem der Betrag von 908,000 alleinigen Zwecke und mit gliedern und Hülfsarbeitern des Directoriums die für den Verlust ihrer bisherigen dienstlichen Stellung zu gewäh­renden Entschädigungen zu zahlen, und die Vertretung des Staates gegenüber etwaigen weiteren Ansprüchen der bezeichneten Mitglieder und Beamten zu übernehmen, über­lassen worden, der Rest des Reservefonds dagegen dem Staate zur Verfügung anheimfallen soll", nicht angenommen, sondern zu gleichzeitiger Berathung mit § 8 zurückgestellt, welcher von den Beamten der Berlin-Stettiner Eisenbahn über­haupt handelt. — Zu langen juristischen Erörterungen gab § 3 Veranlassung, welcher von der theilweisen Ver­letzung des Gerichtsstandes der Bahnverwaltung handelt. Doch wurde schließlich dec §. 3 ganz wie die beiden vor­hergehenden angenommen. Den Schwerpunkt des ganzen Vertrages enthält § 4, welcher die den Aktionairen

Eisenbahngesellschaft verpflichtet sein, die Bahn im Inter­esse das Staates zu verwalten und in wichtigen Angelegen­heiten sich der vorgängigen Zustimmung des Ministers der öffentlichen Arbeiten zu versichern. Ebenfalls vom 1. Januar 1879 ab übernimmt der Staat Nutzungen und Lasten des Vermögens der Berlin-Stettiner Eisenbahn, in- sonders die gesammten Reinerträge sowie die ordnungs­mäßige Unterhaltung und Erneuerung der Bahnanlagen und Betriebsmittel. Die Bestände des Reservcbaufonds und der Reservefonds fallen dem Staate zur freien Ver­fügung anheim. — Soweit wurde § 2 in demselben Stimmenverhältniß wie §

Drei Tage am Meere.

Erzählung von I. Hochkirch.

(Fortsetzung)

Herr von Pflug verneigte sich und bat den Herrn Generalkonsul Kretschmar, ihn mit der Gesellschaft bekannt j» machen.

„Hier die Perle in unserer Krone," fuhr dieser vor­stellend fort. — „Sie verzeihen, meine verehrten Damm, daß ich diesen Ausdruck gebrauche, und stimmen mir sicher- lich freudig zu — unser liebes Fräulein Luttrud, Ihnen dem Namen nach wahrscheinlich schon bekannt; — Herr ^encertmeifter’ Truchseß, Fräulein Elise Truchseß, unsere liebenswürdige junge Künstlerin, — Frau Concertmeister Truchseß, — Herr Lieutenant von Tempelhoff; — meine Gattin und Tochter sind Ihnen bekannt, — ebenso unser Mieter Freund, Herr Advokat Feddersee."

Dann der Gesellschaft dm Neugekommenen nennmd, schloß der Generalkonsul: „Herr von Pflug auf Alt- Gamm."

Herr von Pflug begrüßte die Vorgestelltm durch ehr- ttbietige Derbeugungm und reichte dem schon bekanntm ^genannten Advokaten die Hand. Auch Frau General- wnsul Kretschmar, eine imposante Erscheinung, an Größe und Stärke ihrem ©alten wenig nachstehend, tauschte mit Fobert von Pflug einen Händedruck und sprach demselben chde Freude darüber aus, ihn in Seebad Wohlde zu fesseln. [Es war Frau Generalkonsul Kretschmar eigen, sich stets unlogisch auszudrücken.)

„Zu fesseln, dürste ich wohl eigentlich nicht sagen," !chte sie sich besinnend hinzu, „obgleich es meiner Marianne Und mir, so wie uns Allen sehr lieb sein würde, »ernt etz uns gelänge, Sie zu feffeln, Herr Pflug."

Fräulein Marianne Kretschmar erröthete ein wenig bei Men Worten der Mutter, die, aufs Neue eine ungeschickte Äußerung ahnend, verbessernd hinzufügte: „Sie sind ein $ seltener Gast, Herr von Pflug, Sie schwinden so schnell

Kassel 87 V.

der Berlin-Stettiner Eisenbahngesellschaft von Staatswegen zu gewährende Rente aus 43/.i pCt. festgesetzt. Abg. Dr. Röckerath berechnete den gegenwärtigen Ertrag der zu er­werbenden Bahn auf 3'/s, günstigsten Falles 32 3 pCt., und die Gewährung einer solchen Rente würde auch der Billigkeit entsprechen. Ein fernerer Einwand desselben Ab­geordneten bezog sich auf daS ungenügende rollende Material der Berlin-Ltettiner Bahn, doch wurde dieser Einwand von anderer Seite widerlegt. Die Abstimmung ergab: 14 Stimmen für und 6 Stimmen (des Centrums und des Fortschritts) gegen § 4. Die Gewährung einer Rente von 43/4 pCt. ist also in eventueller Abstimmung ange­nommen. — Nach Annahme des §. 4 trat eine Pause ein.

Inirigen nimmt entgegen: tte Expedition d.vlatte», sowie dAnuoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Eisenstein & Bögler in nkfurt a. M., Berlin, »zig, Cöln rc.; Rudolf

Nofte in Berlin, Frank­furt a. M. rc.

Tagesbericht.

Gegenwärtig finden im preußischen Staatsministerium Berathungen statt über die Verlängerung des sogenannten kleinen Belagerungszustandes, welcher bekanntlich am 28. November 1878 in Folge eines Bundesrathsbeschluffes von demselben Tage durch das preußische Staatsministerium über die Stadt Berlin und die angrenzenden Kreise auf die Dauer eines Jahres verhängt wurde. Der bezügliche Antrag Preußens wird in derselben Weise wie im Vor­jahre dem Bundesrathe zur Genehmigung vorgelegt werden Md wahrscheinlich bereits auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung desselben gelangen. Dem Vernehmen nach soll die Verhängung der Ausnahmemaßregeln auf die Dauer eines Jahres verlängert werden.

Der „National - Zeitung" entnehmen wir über den gegenwärtigen Chef des Reichs-Justizamts, Staatssecretär Dr. v. Schelling, nachstehende biographische Notizen: Dr. d. Schelling, ein Sohn des berühmten Philosophen, ist nach dem neuesten „Jahrbuch der Preußischen Gerichts­verfassung" am 19. April 1824 geboren, am 12. Decbr. 1844 in den Justizdienst getreten und am 14. December 1876 zum Unterstaatssecretär ernannt worden. Die bis- henge Laufbahn des neuen Chefs der obersten Reichs- Zustizbehörde ist eine außerordentlich wechselvolle gewesen md hat ihm jedenfalls reiche Gelegenheit geboten, auf allen Gebieten des Rechts und der Gesetzgebung umfassende Erfahrungen zu sammeln. Im Jahre 1849 zum Assessor ernannt, sungirte er Anfangs der fünfziger Jahre zuerst sls interimistischer Staatsanwalt beim Kreisgericht in Hechingen, wurde dann definitiv daselbst angestellt, um Anfangs der sechsziger Jahre jene Stellung mit der als Staatsanwalt beim Stadtgericht in Berlin zu vertauschen. Zm Jahre 1863 wurde er zum Appellationsgerichtsrath in Glogau befördert, demnächst aber im Justizministerium

Hülssarbeiter beschäftigt, im Jahre 1866 zum Geh. Zustizrath und vortragenden Rath, gleichzeitig auch zum Mgliede der Justiz - Examinations - Kommission ernannt. Zm Jahre 1869 Geheimer Ober-Justizrath, 1873 Mitglied des königlichen Gerichtshofes für kirchliche Angelegenheiten, 1874 Präsident des Appellationsgerichts Halberstadt — eine Ernennung, die wohl keine effektive Bekleidung des Amtes im Gefolge hatte —, wurde v. Schelling im Zahre 1875 zum Vicepräsidenten des Obertribunals be­rufen und hat diese Funktionen so lange — im Ganzen «wa zwei Jahre — wahrgenommen, bis er in die bis

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» sowie d. Annoncen-Bureaur von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jägersschc Buchhandlung daselbst;

Hermann'sche Buchbandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thiene» in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

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Frau Kretschmar sah auf Herrn von Pflug, und ver­stohlen sah auch die schöne Marianne auf ihn.

„Wir gehen allesammt," entschied der Generalkonsul, „nur einen Augenblick nicht wahr? — um unsere Abcnd- promenade nicht zu versäumen."

„Einen Augenblick? — ja, bann schließe auch ich mich an," sagte der Conzertmeister Truchseß, ein energischer, mittelgroßer Mann mit grauem Haar und dunklen lachen­den Augen, „tanze vielleicht selbst einmal!"

„Robert, auch Du bist dem nicht entgegen, einen Augen­blick am Tanze Theil zu nehmen?" fragte der Advokat den Schulkameraden.

„Durchaus nicht," versetzte Herr von Pflug, „obgleich ich offen gestehe, daß mir die frische Seeluft erquickender scheint als die hiesige."

„Es ist nur ein Versuch," tröstete der Advokat.

„Wer ist die Dame in dem mattblauen Kleide, die der Generalkonsul als mir dem Namen nach bekannt wähnte?" flüsterte Herr von Pflug dem Advokaten zu, während die Gesellschaft lebhaft erörterte, ob es statthaft sei, ohne festliche Toilette gemacht zu haben, den Conzertsaal zu be­treten.

„Die schöne Dame dort in mattblauer Seide? Unser liebes Fräulein Luttrud? gab Kuno Feddersee leise zurück, „liebster Freund, daS ist eine Sängerin, ein ausgehender Stern."

„Eine Sängerin?" rief Herr von Pflug bestürzt, und unausgesprochen durchflog ihn der Gedanke: In welche Kreise bin ich da gerathenl"

„Sie ist hübsch und anziehend," setzte er zu dem Freunde gewandt, hinzu.

„Sie ist eine Schönheit," entgegnete dieser, „alle sind berauscht durch sie, der Generalkonsul trägt sie auf den Händen, und dort der arme schiffbrüchiche Lieutenant, dem hat sie völlig ben Kopf verwirrt."

(Fortsetzung folgt.)

In der Eisenbahn-Kommission des Abgeordnetenhauses begann heute Vormittag die Spezialdiskusston über den Vertrag, betreffend den Uebergang des Berlin-Stettiner Eisenbahn-Unternehmens auf den Staat, vom 13. Juni 1879. Vorangeschickt wurde nochmals, daß alle Abstim­mungen nur eventuelle seien und kein Kommissionsmit­glied in irgend einer Weise für die Schlußabstimmung binde, welche nach Erledigung der Garanttefraze erfolgen wird. § 1 der Vorlage, welcher die Uebcrtragung der Verwaltung und des gesammten Betriebes des Berlin- Stettiner Bahnnetzes an den Staat auf ewige Zeiten aus­spricht , wurde mit allen gegen die zwei Stimmen der fortschrittlichen Mitglieder Klotz und Quadt und gegen die Stimme des Abgeordneten Dr. Röckerath (Centrum) an­genommen. § 2 der Vorlage bestimmt den Zeitpunkt der Uebergabe auf ben ersten Tag des zweiten auf die Per­fektion des Vertrages folgenden Monats. Doch soll bereits vom 1 Januar 1879 ab Verwaltung und Betrieb der Berlin-Stettiner Eisenbahn für Rechnung des Staates er- wie die Sonne in diesem Sommer; darum erfreut es so sehr, wenn man einmal einen Blick von Ihnen erhascht."

„Zu viel Güte für meine arme Person, Fran General­konsul", erwiderte Herr von Pflug lächelnd: „Die Sonne hat uns allerdings im Lause des Sommers arg vernach­lässigt. Ihr Badeleben büßte sicherlich dadurch an Annehm­lichkeit ein."

„Wir haben einige Mal die Abendkonzerte besucht," berichtete Frau Kretschmar, „Sie wissen, Marianne tanzt sehr gern, und so fügte es sich, daß wir uns beteiligten. Sie erinnern, Ihre und Mariannens Bekanntschaft, sowie unser Aller Bekannffchaft, ist ja durch die schönen Winter- Ballabende eingeleitet. Der hiesige Saal ist ausgezeichnet, aber im Sommer und während einer Kur — nun, tanzt es sich doch nicht gut."

„Fräulein Marianne tanzt gern," mischte Kuno Fedder­see, der Advokat, sich ein, „nebenan lockt die Musik zum Tanze, — Frau Generalkonsul, erlauben Sie mir, Ihre Fräulein Tochter zum Tanze zu führen."

„Sie spielen ein Volkslied augenblicklich, danach tanzt es sich schlecht," bemerkte der als „Lieutenant" bezeichnete, jedoch nicht in Uniform gekleidete Herr, eine noch sehr jugendliche, wustdersam trübsinnige Erscheinung. Sein blühendes Antlitz verzog sich selten zum Lachen, sein blaues Auge schweifte oft sinnend in die Ferne, wie im Verkehr mit einer unsichtbaren Welt; sein Herz hing in der Thal mit Leidenschaft an ben schönen Künsten, an bem Edelsten unb Besten auf Erden, unb im Widerspruch mit bem Haschen nach ben idealsten- Gaben sprach sein Mund mit Vorliebe bittere, kleinliche Worte. Er war in sich zerfallen unb fühlte sich, gleich Robert von Pflug, unverstanden in ber bösen Welt. •

„Volkslieb ober niHt Volkslied," rief der Advokat, „es eilt zum Schluß; unfehlbar blüht alsobald ein Tanz auf, unb Fräulein Marianne erweist mir die Ehre, an demselben mit mir Theil zu nehmen."

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Erscheint täglich außer an ben Werktag», nach Sonn- unb Feiertagen. Preis für das Quartal mit bet wöchentlichen Beilage „JlluftrtrteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdrucker«,) bergen 2i Mark, durch bte Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr). - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa.

Für m der Erpedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet-

jetzt bekleidete Stellung als Unterstaatssekretär im Justiz- | Ministerium einberufen worden ist, von der aus er nun­mehr, tote früher Dr. Friedberg, der jetzige Justizminister, als Staatssekretär in das Reichsamt übergeht.

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