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Marburg, Freitag, 21. November 1879

XIV. Jahrgang

Ameisen nimmt entgegen, tie Expedition d.vlatteS, sowie d.Annoncen-Bnreauk von Th- Dietrich & Co. in gaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Bfenftein & Bögler in rkfurt a- M.. Berlin, i'g, Cöln rc.; Rudolf Wosie in Berlin, Kraut- fort a. M- rc.

OhtthMr jfitiiiig.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie d-Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen-

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllnftrtrtes SonntagSdlatt" durch die Expedition «Koch'fche Buchdruckeren bezogen 2, Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (ejcl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa. Für m der Expedition zu ertheileude Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

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x gj Pracht aus dem Gewölk hervor und färbte weithin, einem " . r et Nordlicht gleichend, Meer und Himmel mit dunkler Röthe. , c Nur wenige Spaziergänger genossen den überraschenden r310J Stichen Anblick. Die Mehrzahl der im Bade Wohlde

1870.

') Nachdruck verboten.

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ausgesetzt ungünstigen Witterung des Sommers. Im Laufe des Tages war das Himmelszelt noch von leichten nebligen Schleiern bedeckt gewesen. Nunmehr brach die Sonne, bevor sie in den Wellenspiegel hinabsank, mit strahlender

der öffentlichen Arbeiten zu suchen. Ebenso hinfällig die Vermuthungen selbst sind die Folgerungen, welche Börsenzeitung daran knüpft.

Die neueste Nummer derProv.-Corrcsp." enthält fast ausschließlich einen ausführlichen Bericht über die Ver- handlungen des Abgeordnetenhauses über die Eiscnbahn- vorlageu und bringt zunächst den Wortlaut der Rede des Ministers Maybach, sowie Auszüge aus dem stenographischen Bericht über die Reden der Abgg. v. Rauchhaupt und Miquel. ____________

Die Commission des Abgeordnetenhauses zur Borbe- rathung des Gesetzes über die Steuer vom Vertriebe geisti­ger Getränke ist gestern gewählt worden und hat sich in folgender Weise constituirt: Abgg. v. Colmar-Meyenburg (Vorsitzender), Dr. Bitter, Waldenburg (Stellvertreter), Dr. Kolberg und Hansen, Schriftführer, Bosselmann, Christophersen, Franßen, Edler, Bemards, Maiß, Müller v. Wedel!, Presdorf, Erlers, v. Zitzewitz, Herling, Herr, BronnS, Strücker, Dr. Petri, Zelle, Steffens. ~ Die Commission wird voraussichtlich ihre Arbeiten erst in der nächsten Woche aufnehmen, um den anderen Com­missionen, welchen viele der Mitglieder der neuen Com­missionen angehören, Gelegenheit zu geben, ihre Arbeiten zunächst zu fördern.

Die von Wiener Blättern aus Rom gebrachte Meldung, wonach der Nuntius Jacobini dem Papste die glückliche Beendigung der mit Deutschland geführten Verhandlungen ««gezeigt hätte, wird von derGermania" als auf Sen­sation berechnet und unrichtig bezeichnet.

Keilenden Gäste hatte sich, der übrigen Baderegel getreu, iur Einnahme des Abendbrotes rechtzeitig in ihre Woh­nungen begeben, selbst dem schönsten Naturschauspiel zur $jefce die Hausordnung nicht brechend, oder auch in dm dämmernden lindeubeschattetm Zimmern kaum den Scheide- ßruß der Sonne ahnend.

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Drei Tage am Meere.*)

Erzählung von I. Hochkirch.

Was heißt denn gerecht sein, als richtig scheu?

i. L- v. Francois

S onnenuntergang.

Ueber dem Seebade Wohlde lag der Friede des Abends. Eine trübe Regenzeit war überwunden; heute kündete das feuchtende Abendroth kommende beffere Tage, die sehnlich fettens der Badegäste herbeigewünscht wurden; denn nicht nur die Pflege der Gesundheit, auch jegliche freudige Hin­gabe an die Schönheit der Natur litt unter der fast un-

Tage-bericht.

DerReichsanzeiger" schreibt: Bei Besprechung unseres gestrigen Artikels über die von dem Aeltestencollegium der Berliner Kaufmannschaft abgegebene Erklärung äußert die heutigeBerliner Börsenzeitung", daß jener Artikel als Antwort des Ministers Maybach zu betrachten sei. Diese Annahme ist unrichtig. Der Artikel stammt zwar aus amtlicher Quelle; diese ist jedoch nicht im Ministerium

Armee und des Unterstaatssecretärs v. Schelling zum Staassccretär im Reichsjustizamte.

DerReichs-Anzeiger" publicirt die Ernennung Geh. Oberjustizraths Oehlschläger zum Generalauditeur der

^rpvrhobm, erfreuten sich eines lebhaftm Besuches; doch waren auch die kleinen, fast ausnahmslos zur Aufnahme dvn Gästen hergerichteten Häuser der Fischer und Schiffer ^llständig besetzt, und Seebad Wohlde würde selbst nun t.4'£ ncclb da der Herbst nahte, glänzende Tage gefeiert habm, .79,9 ü>enn nicht eben das von Monat zu Monat unfreundlich bleibende Wett« den besten Glanz seines Badelebenö ge­trübt hätte.

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Die ersteren waren schon für den Bedarf des Kreisgerichts äußerst beschränkt, sind aber für den erheblich größeren Raumbedarf des mit dem 1. Oktober d. I. ins Leben ge­tretenen Landgerichts und Amtsgerichts völlig unzureichend und nur durchHinzunahme der Wohnung desDivistonsgenerals würden ausreichende Geschäftsräume herzustellen sein. Es lag nun in der Absicht, durch Ankauf einer Villa des Landrath v. Scheer-Thöß zum Preise von 60,000 M. eine Woh­nung für den Divisionsgeneral zu schaffen und die Woh­nung dadurch für Gerichtszwecke frei zu machen. Die Commission lehnte jedoch nach längerer Discussion diese Position ab und strich in gleicher Weise eine Summe von 140,000 M, welche als erste Rate zum Erweiterungsbau resp. Neubau des Gefängnisses zu Hannover durch Her­stellung eines Gebäudes zur Vollstreckung der Haftstrafen und kurzen Gefängnißstrafen gefordert wurden. Die übrigen Positionen des Extraordinariums wurden bewilligt. Dem­nächst ging die Commission zur Berathung des Etats der Bauverwaltung über, und wurde das Ordinarium nach den Ansätzen des Etats genehmigt. Im Extraordinarium wurden die ersten 9 Titel, welche Bewilligungen für aus­zuführende Wasserbauten forderten, genehmigt und dann um 4 Uhr die Debatte auf morgen Vormittag 7 Uhr vertagt. Um das ihr überwiesene umfangreiche Material baldigst zu erledigen wird die Commission voraussichtlich auch morgen Abend eine Sitzung halten.

In dem mit Laubgewinden festlich geschmückten Garten­salon desLeipziger Garten" war in den gestrigen Abend­stunden die konservative Fraktion des Abgeordnetenhauses zu einem Diner vereinigt. Kaurn vermochte der geräumige Saal die Versammlung zu fassen, so mächtig hat das kleine Häuflein Conservativer der letzten Session sich vergrößert, und mit sichtlicher Genugthuung erfüllte alle Anwesenden die Thatsache, den conservativen Hauch im Lande nunmehr in einer so stattlichen Versammlung verkörpert zu sehen. Ein anderes, Allen innewohnendes Gefühl, welches auch in den Trinksprüchen mehrfach zum Ausdruck gelangte, war die aufrichtige Freude darüber, daß nach jahrelanger Tren­nung die Confervativen in der parlamentarischen Arbeit und so auch hier bei fröhlichem Mahle wieder einig sich zusammengefunden hatten. Als Gäste beehrten die Minister Bitter und v. Puttkamer die Fraktion mit ihrer Anwesen­heit. Der erste Trinkspruch, von dem Abg. v. Rauchhaupt als Führer der Fraktion ausgebracht, galt selbstverständlich Sr. Majestät dem Kaiser und Könige, besten selbstlose unermüdliche Pflichterfüllung der Redner in begeisterten Worten als leuchtendes Vorbild für jeden echt conservativen ein Hervorragen über manche seiner Standesgenossen, namentlich auch in Bezug auf alle Dinge, die das Herz angchen, während er in sich selbst einen höheren Schwung, eine tiefere Erfassung, die ihn wiederum trieben, sich un­verstanden in sein Inneres Mückzuziehen und dadurch kalt und unnahbar zu erscheinen ja zu werden. Ihm, der auf der einsamen Scholle eines sich selbst genügenden, alle Vortheile und Vollkommenheit vereinigenden Rittergutes aufgewachsen und dort in vornehmer Abgeschlossenheit seit­her verblieben war, fehlte das Maß, welches die große Welt, das stürmende und schleifende bewegte Leben allein dem Eharakter bieten kann, ihm fehlte der läuternde Scherz I einer bitteren Prüfung.

An einem entfernten Tische, zu welchem der einsame Gast bereits beim Eintritt artig hinübergegrüßt hatte, er­hoben sich die dort zu einer traulichen Gruppe vereinigten Herren und Damen und schritten langsam, plaudernd und scherzend, der Ausgangsthür zu. Sie näherten sich dadurch dem jungen Manne, der, sobald er ihren Aufbruch gewahrte sich ebenfalls erhob uud ihnen entgegentrat. Im Saale nebenan rauschte jetzt voll und prächtig eine Ouvertüre von der Empore des Orchesters herab, um demnächst, wenn genügend Gäste versammelt seien, einem angenehmen Tanze zu weichen.

Erlauben Sie mir, Ihnen die Hand zu reichen, lieber Herr von Pflug, und Sie in Seebad Wohlde herzlich willkommen zu heißen," sprach ein älterer starker, großer Mann, der in seiner Körperhaltung und in den Zügen seines bartlosen Antlitzes beständig eine steife Bewegungs­losigkeit zeigte, eine Kälte, die mit der warmen Herzlichkeit seiner Worte eigenthümlich kontrastirte.Sie sind heute eingetroffen, nicht wahr, und noch ganz unbekannt hier? Es ist mir außerordentlich lieb, Sie in unserm Kreise einführen zu dürfen. Wir haben uns bereits seit einigen Wochen mitsammen eingelebt und sind schier unzertrennlich. Erlauben Sie, daß ich Ihnen jetzt unsere neuen Freunoe vorstelle." (Fortsetzung folgt.)

Die beiden prächtigen Hotels, welche sich unfern des - TaA Dieeresstrandes aus dem Grün freundlicher Gartenanlagen

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Berlin, 19. Novbr. Die Commission des Abgeord­netenhauses für die Eisenbahnvorlagen erledigte in beinahe sechsstündiger Sitzung nur die General-Debatte über den Vertrag wegen Ankaufs der Berlin-Stettiner Eisenbahn. Prinzipielle Fragen blieben bei dieser Diskussion verab­redetermaßen gänzlich unerörtert, da es sich bei der General- Diskussion nur darum handelte, zu ermitteln, ob der Kauf­preis, welcher vertragsmäßig für die Bahn gezahlt werden soll auch angemessen ist. Ebenso wurden bei dieser De­batte die juristischen Bedenken, welche gegen den Vertrag zu erheben waren, nur gestreift, und ihre Erledigung auf die Spezialdiskusfion verschoben. Doch hatte der Regierungs- Commistar jedem einzelnen Bedenken gegenüber hinreichen­des Material zu Händen. Der Berichterstatter der Com­mission Abg. Frhr. v. Zedlitz (Berlin) resumirle sich dahin, daß der Staat bei dem Ankauf der Bahn allerdings kein glänzendes Geschäft gemacht habe, daß ec aber auch keine Gefahr laufe Einbußen zu erleiden. Fast alle Redner, welche zur Generaldiskussion das Wort nahmen, stimmten darin überein, daß es nicht möglich sei, die Rentabilitäts­berechnung so genau und absolut sicher festzustellen und daß es deshalb unmöglich sei, annähernd die Feststellung zu machen, ob die Höhe des Kaufpreises eine angemessene sei, und nach diesem Maße der Abschätzung vermochte man den Inhalt des Vertrages nicht anzugreisen. Das rollende Material der Bahn ist zwar nicht so groß wie der durch­schnittliche Satz bei den Staatsbahnen dies festsetze, es reicht aber nichtsdestoweniger für die Bedürfnisse der Bahn aus. Der Bahnkörper selbst ist in gutem baulichen Zustande und stehen keine bedeutende Reparaturen vorerst in Aus­sicht, welche durch bedeutende Ausgaben die Rentabilität der Bahn zu schädigen geeignet wären. Die Abfindungs­summen, welche an die höheren Bahnbeamten zu zahlen sind, belaufen sich 908,000 Mk. Die Vertheilmig derselben an die einzelnen Oberbeamten ist ein Internum der Aktien­gesellschaft. Um 3 Uhr wurde die Generaldiskussioy ge­schlossen und die Spezialdiskussion auf morgen Vormittag vertagt. Die Budgetcommission des Abgeordnetenhauses beriech heute zunächst das Extraordinarium des Justizmi­nisteriums. Dasselbe enthielt u. a. eine Forderung von 66,000 Mark zum Ankauf eines Hauses zur Herstellung einer Wohnung für den Divisions-Commandeur in Neiße. In dem ehemaligen fürstbischöflichen Residenzschlosse zu Neiße befinden sich nämlich die Geschäftsräume des bis­herigen Kreisgerichts und eine durch Allerhöchste Cabinets- ordre dem Divisions-Commandeur zugewiesene Wohnung.

Im Gasthauszur Möve" wurde an kleinen Tischen zu Abend gespeist. Man überließ sich mit sichtlichem Be­hagen den Freuden der Tafel und erging sich dieselben zu würzen, in zwangloser Plauderei. Das unaufhörliche Geräusch und Summen ber Speisenden wurde vom Neben­zimmer her durch vereinzelte musikalische Klänge übertönt, wie sie das Stimmen von Instrumenten verursacht. Ein dumpfer Schlag auf die große Trommel, ein elegant« kleiner Lauf, ein kräftig« Griff in die Seiten, sanft abge­brochene Töne in allen Höhen und Tiefen in der Thal; im Nebensaale bereitete sich das vortreffliche Orchester, dessen sich Seebad Wohlde rühmte, zu dem sür heute Abend an­gekündigtenAbend-Concert mit Tanz" vor. Das Speise­zimmer jedoch leertesich auf die lockenden Stimmen bald sichtlich.

Einsam an einem Tische saß ein schöner, ernster Mann mit dunkelblondem, kurzgeschnittenem Vollbart, träumerischen Augen und üb« die Stirn herabhängendem, leichtgekräusten Haupthaar. Die ruhige, überlegte Weise seines Benehmens ließ uuschw« erkennen, daß eine strenge Schulung und Bildung des Innern mit c« äußeren festen Haltung Hand gehe. D« erst mit dem heutigen Tage in Wohlde einge­troffene Gast verrieth sogleich durch sein Auftreten, nicht nur daß « in den vornehmsten Kreisen zu Hause sei, sondern daß « auch geistig die ihn umgebende Menge um eines Hauptes Länge überrage. Leider kannte er diese seine Ueb«legenheit und trug schwer an betfelben. Ihn verfolgte beständig das Gefühl, welches einen großgewach­senen Mann in einem niedrigen .Simmet zu beschleichen pflegt: die Nothwendigkcit, sich zu bücken, sich herabzulassen, sich in Verhältnisse zu fügen, die bas freie Ausrichten ver­bieten. Gleichwie dem großgewachsenen Manne erging es auch chm: er neigte sich mehr als nöthig war, auö Be- sorgniß anzustoßen, und legte dadurch sein gespanntes Wesen in Fesseln, die dem unbefangenen Beobachter nicht entgingen, und häufig zu einem spottenden Lächeln häufig zu einem harten Verurtheileu Veranlassung gaben. Nicht allein in geistig« Beziehung fühlte d« ernste, schöne Mann

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