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Marburg, Mittwoch, 19. November 1879.
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Lungen nimmt entgegen: He Expedition d.vlatte», Jeane d-Annoncen-Bureaux Don Th, Dietrich & Co. in jtossel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; üaasenstein &. Boaler in Frankfurt a- M., Berlin, Leipzig, Cöln re.; Rudolf «falle in Berlin, Frankfurt a. M. re.
(Oteiijrffifiiic jritmiii.
Anzeigen nimmt entgegen bte@xpebitton d. Blattr- sowie d-Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; SB. LhieneS in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JüuftrirteS SonntagSOlatt" durch die Expedition lKoch'fche Buchdruckeret) bezogen 2» dkark, durch bte Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa. Für tn der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
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Tagesbericht.
Die Eisenbahn - Commission des Abgeordnetenhauses Lbertrug das General-Referat über alle Eisenbahn-Vor- lagen dem Abgeordneten Miquel, das Referat über den Ankauf der Magdeburg - Halberstadter Bahn dem Abg. Hammacher, der Berlin-Stettiner dem Abg. v. Ledlitz, der Köln-Mindener dem Abg. Dr. Grimm, der Hannover- Altenbekener dem Abg. v. Hüne.
lieber die Anwesenheit des russischen Thronfolgers und Gemahlin in Berlin wird uns ferner mitgetheilt: Ohne Aufenthalt begab sich am Sonntag Morgen das großfürstliche Paar in das russische Botschaftshotel, wo es Wohnung genommen, wohnte nach kurzer Rast in der dortigen Kapelle dem Gottesdienst nach griechischem Ritus bei und empfing nach Beendigung desselben die zur Dienstleistung kvmmandirten Officiere, die Flügeladjutanten General- Lieutenant Graf Wilhelm Brandenburg und Oberstlieu- tmant v. Lindequist. Mittags machte der Kaiser seinem Großneffen einen Besuch, ebenso auch die Prinzen und Prinzessinnen, welche hier anwesend sind. Der Kaiser und die Prinzen erschienen hierbei in russischer Uniform. Diese Besuche wurden im Laufe des Nachmittags vom Großfürsten mit seiner Gemahlin erwidert, wobei der Großfürst die Uniform des Westgreußifchen Ulanen-Regi- ments Nr. 1 trug, dessen Chef derselbe ist. Der Großfürst erstattete dann später auch noch den Botschaftern Englands, Frankreichs, Oesterreich - Ungarns und der Türkei, sowie dem Grafen Moltke einen Besuch ab und begab sich um 5 Uhr in das Palais des Kaisers, um mit seiner Gemahlin an dem Diner theilzunchmen, zu dem die hier anwesenden Prinzen und Prinzessinnen, auch die fremden Einladung erhalten hatten. Die Tafel umfaßte nur 25 Gedecke und war gegen 6 Uhr beendet. Die Großfürstlichen Herrschaften begaben sich in ihr Hotel zurück. • Die Großfürstin begab sich seht bald wieder zum Opernhause, wo auf AllerhöchstenEefehl „Rienzi" gegeben wurde. Sie erschien mit Beginn der Vorstellung um 61/-. Uhr, während dtr Großfürst erst gegen Ende des zweiten Aktes eintraf, ju dessen Beginn der Kaiser erschien und zwischen der Großfürstin und der Prinzessin Friedrich Karl Platz nahm. — Nach Beendigung der Vorstellung, während welcher die hohen Herrschaften den Thee einnahmen, kehrten sie in das Botschaftshotel zurück. — Gestern Vormittag machte das Großfürstliche Paar gemeinschastliche Ausfahrten und wohnten Nachmittags einem Galadiner von 80 Gedecken : m Palais des Kaisers bei. Die russischen Herrschaften scheinen sich in Berlin gut zu gefallen, bann ihre Physiognomie scheint dies auszusprechen. Es werden ihnen zu Ehren noch mannichfache.Festlichkeiten bei Hofe veran- ßaltet werden.
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Die Entstehung von Neu-Plau-erberg.
Humoreske von Joseph Steinbach.
[Schluß.)
Genau um dieselbe Stunde, als die Stadtrathssitzung ® Plauderberg statt fand, saß der Jngenimr Spitzwinkel bei foiem Vorgesetzten, dem Oberbaurath Scharfmaß, an einem togm Arbeitstische, auf dem die Pläne für die neue Strecke lagen.
I Der Ingenieur verfolgte eine rothe Linie mit dem llMger bis an einen Punkt, der mit P. bezeichnet war, hielt an.
„Sehen Sie, Herr Oberbaurath, auf der Karte, die nach Plauderberg abgesandt, habe ich eine rothe Linie unterhalb Plauderberg hergezogen und eine zweite, schwarz ^Ulktirte, oberhalb des Ortes her. Die Letztere soll die Eisenbahn bebeuten. Den Plauderbergern kann man näm« "sh nicht trauen, bas ist ein eigenthümlicher Menschenschlag, werben uns Schwierigkeiten in ben Weg legen, wo. sie können, um babei eigennütziger Weise zu profitiren; un ein unentgeltliches Ueberlaffen bes Weichbildes, denke Uh schon gar nicht, dort muß alles expropriirt werben.
„Sehr richtig, Herr Spitzwinkel," sagte bet Oberbau- ruth, „bte Pläne sind soweit gebiehen, um bem Ministerium ^gelegt werden zu können. Lassen Sie also die weiteren Vermessungen der Strecke mit der nöthigen Vorsicht und Diskretion vornehmen."
Einige Tage nachher fuhr der Ingenieur Spitzwinkel UEbfi einigen andern untergestellten Beamten auf Plauder- Aö zu, eine Anzahl Arbeiter war schon vorauSgegangen. ^io Schenkung des Weichbildes seitens ber Stabt Plauder-
war gegen alles Erwarten eingetroffen unb man war
Die „Norbb. Allgem. Zeitung" schreibt: Oefterreich- Ungarn hat mit Rücksicht darauf, daß der gegenwärtige Handelsvertrag mit Deutschland mit Ende dieses Jahres abläuft, zunächst die Einleitung von Besprechungen vor- geschlagen, welche eine Orientirung über den Umfang und die Richtung des neuen Handelsvertrages bezwecken. Die nach der Annahme des Vorschlags von Oesterreich-Ungarn entsandten Delegirten Dr. Bazant, Matlekowitz uno Berct- vas sind hier eingetroffen. Mit der Leitung der Besprechungen ist von österreichisch-ungarischer Seite der Botschaftsrath Graf Wolkenstein betraut. Die diesseitige Leitung übernahm Minister Hofmann. An den Besprechungen nehmen der Reichsschatzamts-Direktor Burchard und der Geheime Legationsralh Jordan Theil.
Zu der gestrigen außerordentlichen Generalversammlung der Berlin-Potsoamer-Eisenbahn waren 13,846,000 Mark Aktien angemeldet und die Versammlung demnach nicht beschlußfähig. Bezüglich des Antrages von Actionären, für den Umtausch der Actieu gegen Consvls einen früheren Termin als ben 1. Januar 1883 anzusetzen, gab ber an- wesenbe Regierungscommisiar Namens des Ministers die Erklärung ab, daß auf Festsetzung des 2. Januar 1881 als Umtauschtermin würde eingegangen werden können. — Die nächste Generalversammlung findet am 11. Decern- ber statt.
Meldung der „Polit. Corresp." aus Konstantinopel. Musurus Pascha wurde von der Pforte bereits am 14. d. M. beauftragt, Salisbury die positivsten Zusicherungen über ihre ernste Absicht zu geben, baldmöglichst zur Durchführung der Reformen nicht blos in Klein-Asien, sondern auch in den europäischen Provinzen zu schreiten. Musurus zeigte gleichzeitig die dcmnächstige Berufung Baker Pascha's auf einen wichtigen Posten an. — In einer jüngst erlassenen Note des Ministers des Auswärtigen Sawas Pascha an den Agenten Bulgariens wird wiederum Be- schtverde erhoben über die üble Behandlung der Mohqrne- baner in Bulgarien. — Aleko Pascha wurde Samstag vom Sultan zur Tafel gezogen.
Deutsches Reich.
*• Berlin, 17. November. Im Reichskanzleramte sind heute die Bevollmächtigten Deutschlands und Oesterreich-Ungarns zur Besprechung über die zukünftige Gestaltung der handelspolitischen Beziehungen beider Reiche zu- fammengetreten. Es nehmen daran theil von Seiten Deutschlands der Präsident des Reichskanzleramts und preußischer Hanbelsminifter Hofmann, ber Wirk!. Geh. Legationsrath Jorban unb ber Direktor im Reichskanzleramt Burcharbt, von österreichisch-ungarischer Seite ber K. K. Botschaftsrath Gras Wolkenstein, bie Ministerialräthe
an dem plötzlich eingekehrten Gemeinsinn ber Plauberberger wirklich irre geworoen.
Als bie Ingenieure jedoch in die Nähe Plauderbergs kamen, sahen sie, daß sich bie Flur, bes vor bem sonst so frieblichen Plauberberg, ganz veränbert hatte. In ben Feldern waren Gräben aufgeworfen, ganze Haufen Ziegel steine lagen bork angefahren, unb eine Menge Arbeiter schaffte so fleißig, als gält es bie Stadt Plauberberg gegen einen anbringenben Feind in Vertheidigungszustanb zu setzen.
„He da, Freunb," rief ber Jngenimr einem Vorübergehenden zu, „was bedeutet benn eigentlich bte Thätigkeft im Felde?"
„Das will ich Euch sagen," antwortete ber Angeredete. Dorr bauen wir Häuser, wir haben bas Gelb dafür. „Unb barnit schritt er weiter.
„Das bezweifle ich leinen Augenblick, daß die Plauberberger Gelb haben," sagte lachmb ber Ingenieur zu seinem College«, „boch sie scheinen es gern los zu sein, nun kann geholfen werben."
Nach Verlauf einer Stunde ging bie Vermessung um Plauberberg herum los. Die Arbeiter schlepptm ganze Bünbel Pfähle herbei, kleine Fähuchm wurden aufgesteckt, und so rückte man allmählig mit dm Vermessungen dis an den neuen Bauplatz heran.
„Nun, was macht Ihr denn eigentlich hier?" fragte der Ingenieur Spitzwinkel einen bei ben Arbeitern stehenden Mann.
„Hier bauen wir Häuser, wenn« Euch beliebt," sagte derselbe.
„Nun, das beliebt uns eigentlich nicht," sagte der Jn-
Bazant und v. Matlekovits, die Ministerialfekretäre v. Glanz und b. Michalovich und der Sectionsrath v. Beretvas. Bei diesen Besprechungen handelt es sich zunächst um eine vorläufige Orientirung hinsichtlich der Grundlagen, auf welchen demnächst ein umfassender Zoll- unb Handelsvertrag vereinbart werden soll. Die eigentlichen Vertrags- Verhandlungen werden erst stattfinden, wenn die Verständigung über die Grundlagen gelungen ist. — Der Reichskanzler hat dem Bundesrath Vorschläge zugehen lassen zur Feststellung ber Tarifsätze für biejenigen Waarengattungen, bezüglich bereit das Tarifgesetz am 1. Januar 1880 in Kraft treten soll. Danach empfiehlt es sich als Taravergütung zu gewähren für Gegenstände, bei welchen zwar nicht in dem Tarif von 1873, aber in früheren Tarifen eine solche Vergütung vorgeschrieben war, bie diesen Artikeln zuletzt bewilligten Sätze; für Gegenstände, bei welchen entweder in früheren Zolltarifen eine Tara überhaupt nicht zugestauden war, ober boch in Folge ber veränderten Tarifi- rung eine Modifikation des bisherigen Prozentsatzes geboten erscheint, die Sätze für diejenigen Maaren, mit welchen jene Gegenstände ihrer Beschaffenheit und Verpackung nach die nächste Verwandtschaft haben; für alle übrigen Gegenstände bie im bisherigen Zolltarif enthaltenen Prozentsätze. — Die Firma Breitkopf unb Härtel in Leipzig hatte unter bem 20. Oktober an ben Kultusminister bie Mittheilung gerichtet, baß eine Anzahl von Buchdruckerfirmen über bie einzuhallmden Grundsätze der deutschen Orthographie übereingekommen sei. Zugleich hatte die genannte Firma das orthographische Hülssbuch des Profeffors Sanders als Leitfaden bezeichnet, bem bie bereinigten Buchdruckfirmeu zu folgen übereingekommen feien. Der Kultusminister hat nun unter bem 12. d. ber Firma Breikopf unb Härtel erwidert, baß et sich außer Staube sehe, im Bereich ber preußischen Unterichtsverwaltung bie Bestrebungen bet vereinigten Firmen zu förbern und zur Geltung zu bringen. Die preußische Unterrichtsverwaltung habe in ber Regelung bes orthographischen Schulunterrichts sowohl vor ber orthographischen Reichskonfereiiz als nach derselben diejenigen Gmndsätze als maßgebend eingehalten, welche bet verstorbene Professor Rudolf v. Raumer durch seine Arbeiten festgestellt habe. Dem entsprechend habe die im Jahre 1871 von erfahrenen Schulmännern Berlins auf Grund der Raumer'schen Abhandlungen verfaßte Schrift „Regel- und und Wörterverzeichniß für die deutsche Orthographie" mit Genehmigung der Unterrichtsbehörde eine in stetiger Zunahme begriffene Ausbreitung an den höheren Schulen Preußens erhalten. Diese bereits von dem Minister Falk befolgten Grundsätze festzuhalten finde sich der Kultusminister um so mehr bestimmt, als in Oesterreich und Bayern dieselben Grundsätze zur Annahme gelangt sind und also Hoffnung vorhanden ist, daß in nächster Zeit über einen weiten Bereich im gejammten Schulunterricht eine
genieur. „Habt Ihr denn in Plauberberg nicht Wohnungen genug?"
„Das geht Niemanden etwas an," erwiderte der Gefragte. „Wir dürfen auf unfernt Eigenthum und mit unferm Geld machen, was wir wollen."
„Gewiß ja," meinte ber Ingenieur, „aber wir wollen hier bie Eisenbahn durchführen, ich bin nämlich der Ingenieur Spitzwinkel".
„Unb ich bin der Stadtrath Klughuhn," war die Antwort. „Ich stehe hier auf meinem Grund und Boden und geht mich Eure Eisenbahn nichts an."
„Da mögt Ihr Recht haben," sagte Spitzwinkel, „wie wollt Ihr benn bie Straße hier anlegen, vielleicht kann ich mich etwas darnach einrichten.
„Mein Haus kommt hier grabe quer über," antwortete Klughuhn, „hier kommt bie HauSthüre hin; wie bie Anbern bauen, das kümmert mich nicht."
„Ein hübscher Plan für einen neuen Ort zu grünben," meinte ber Ingenieur. „Schaufelmann," rief er einem Arbeiter zu, „schlagen Sie hier einen Pfahl hinein, hier ist bie Mittellinie."
„Dann fährt mir aber bie Eisenbahn schnurstracks zur Hausthüre hinein," sagte Klughuhn.
„Ich kann nicht bafür," sagte ber Ingenieur, „hier ist die Mittellinie."
„Herr Ingenieur," sagte Klughuhn, „das kostet aber Geld, so leichten Kaufs lasse ich mir die Eisenbahn nicht durchs Haus fahren."
„Dann wirds bezahlt, hier ist bie Mittellinie," antwortete bet Ingenieur, und ging mit dem Arbeiter weiter^__
Mittellinienpfähle zu schlagen. cohlen-
Die Plauberberger Bauherrn wußten nun gej. Wo?
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