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Streuberg nach Augensand eingelaufen, wonach diese beab­sichtigt, die Bahn nicht über Frohthal, sondern hier über Plauderberg zu führen, wenn sich die Stadt etwas ent­gegenkommend zeigt und keine Schwierigkeiten in den Weg legt- Berathen Sie nun, meine Herren, nach Eurem besten Ermessen, ich hoffe vor Schluß der Sitzung zurück zu sein. Adieu", damit schritt der Bürgermeister hinaus.

Die Stadträthe saßen nachdem soeben gehörten, wie angedonnert da und sperrten Mund und Nasen auf. Herr Brüllmann war der Erste, welcher seine Geistesgegenwart wiederfand.

Nimmermehr", schrie er, indem er mit geballter Faust auf den eichenen Rathstisch von Plauderberg schlug, daß sich die Platte bog.Nimmermehr eine Eisenbahn. Wißt Ihr Herren Collegen, was varaus entstände und wie es dann kommt? Ich will es Euch sagen:

Die Eisenbahn nimmt uns erstlich unsere besten Felder fort, die fragt nicht nach Kraut und Rüben und baut mitten hindurch. Dann bringt sie viele Leute, wildfremde Leute her. Die legen Fabriken an, vertheuern uns die Arbeiter, sie lassen sich in den Stadtrath wählen und führen dann dort das große Wort, sie spielen die Herren und Plauderberg ist verloren, rein verloren, sage ich Euch. Die ganze Gemüthlichkeit von Plauderberg fährt mit der Eisen­bahn zum Teufel. Also nichts da, keine Eisenbahn, meine Collegen."

Keine Eisenbahn", repetirte Stadtrath Hirnftei.

Nichts da", stimmte Stadtrath Splittersreund zu.

Doch wir wollen einmal sehen, was die gescheidten Herren Eisenbahner uns denn eigentlich schreiben, denen wollen wir schon antworten", fuhr Brüllmann fort,also hört."

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Str. 270.

Marburg, Dienstag, 18. November 1879.

xiv. Jahrgang

Anzeigen nimmt entgegen: dir Expedition d.lvlatte», sowie d-Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; üöasenstein & Bögler in zümkfurt o. M., Berlin, Leipzig, Köln rc.; Rudolf Reffe in Berlin, Frank­furt a. M. rc.

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte« sowie d-Annoncen-Bureauk von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnonn'sche Buckhandl. daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W- ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in

Bremen.

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. DasJournal de St. PeterSbourg" reproducirt die bricht derTilsiter Zeitung" über die Dampferfahrten »t dem Niemen und sagt: Wir haben schon vor mehr

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Tagesbericht.

Die Budget - Commission des Abgeordnetenhauses ge­nehmigte am Sonnabend das Extraordinarium des land- mrthschaftlichen Ministeriums, der Gestüteverwaltung, der Staatsarchive, sowie den Etat der indirekten Steuern und dm Rest des Justizetats ohne erhebliche Veränderung.

f °g DieNordd. Allgem. Ztg." schreibt: Das Verbot des k LZ Difahrens der preußischen Stromstrecke des Niemen durch 1 ft Asche Dampfer behufs Transports von Passagieren und I "X o ern s" die Folge der Schwierigkeiten, welche von den 1 5 Albehörden von Kowno gegen die Fahrten des preu- X pschrn DampfersFalke" trotz der ihm aus Petersburg ' pwordenen Ermächtigung erhoben wurden, sei aus An- I 3 tttinun9 des Handelsministers im Einverständnisse mit

SS >vn Auswärtigen Amte erfolgt und beziehe sich dem Zwecke --«ach nur auf Fahrten behufs Transports von Gütern u vcr> mb Passagieren. Dagegen sei den russischen Dampfern j, ^erwehrt, zum Zwecke von Reparaturen oder des Ueber- 'Oo Aems in Tilsit nach und von dem TUsiter Hafen ohne jjtr uansport von Gütern oder Passagieren zu fahren.

DieTilsiter Zeitung" meldet: Den beiden russischen MipfernKiejstut" undNerys" ist, da auf der rus­chen Seite des Flusses sich kein Winterhafen befindet, »flucht im TUfiter Hasen gestattet worden. DerKiejstut" bereits eingetroffen, derNerys" wird morgen er- ktttt.

Der französische Botschafter Graf St. Ballier ist von seinem Besuche bei dem Fürsten Bismarck in Varzin am Freitag Abend nach Berlin zurückgekehrt. Ueber das Befinden des Fürsten Bismarck geht derStarg. Ztg." ms Schlawe, 9. November, aus guter Quelle folgende Nachricht zu: Dr. Struck ist .allerdings zu öfteren Malen . in Varzin gewesen, von Berlin aus hat er aber nie Arz- e am nrien empfangen, was bei schlimmen, vor Allem plötzlichem L beiden, doch wohl der Fall gewesen wäre; ein Arzt von Berlin ist nie Bismarck's Befinden wegen in Varzin ge- ' »efen. Thatsache ist, daß er an einem unangenehmen »'S- Rheumatismus event. Hexenschuß leidet, er bewegt sich = aber sonst in der gewohnten Joppe in Feld und Wald.

Dem Vernehmen nach richtete der Berliner Univer- =j Ms-Senat bezüglich des Beschlusses der General-Synode »ber die. Besetzung der theologischen Professuren an den Universitäten die Bitte an den Kultusminister, vor seiner Entscheidung über den Antrag den Senaten aller Landes- lluiversitäten Gelegenheit zur Aeußerung zu geben.

Tanz.

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1878

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Die Entstehung von Reu-Plauderberg.

Humoreske von Joseph Steinbach.

(Fortsetzung.)

taffe! 79.

»Ist der Herr Stadtrath Brüllmann zu Hause? ffrug f, als er in das Haus Brüllmanns eintrat, wo Frau 't»dtrath Brüllmann eben dabei war, ihren Hühnern und Am in der Hausflur ein Frühstück zu pröckeln. Das Avartete plötzliche Erscheinen des Polizeimannes mit der ^widrigen rothen Nase, gab jedoch der geflügelten Ge­schäft Veranlassung, alle Fluchtmittel zur Hülfe zu Men, und somit flog eine alte Henne, die in ihrer bffrichtung von einer jungen gestört worden war, dem "lzeidiener Greifhand mit ihrer ganzen Brestseste so derb die unvorsichtig lang gewachsene Nase, daß sie sicher Npießt worden wäre, wenn die ziemlich große rothe ?Ang nicht gar so elastisch gewesen wäre. Nach ftied- ersttr A Schlichtung dieses Hühnerhausbruches mit der Frau i ^dträthin Brüllmann, erledigte 'sich Greifhand seines «ltrages.

»Was gibts denn wieder so absonderliches im Stadt- tcucr. H heute, daß mein Mann heute die Arbeit wieder i>cr= ^»en muß? fragte Frau Brüllmann ungehalten.

»Ich weiß es nicht", sagte Greishand, indem er nach ' Thüre griff.

»Fräulein von Frühreich ist gewiß wieder um eine ^chützung eingekommen, aber nichts da, die kann ihren ^ verkaufen, wenn sie kein Geld hat," sprudelte Frau ^mann weiter.

' ".»Ich weiß es nicht", sagte Greishand, indem er die »ure hinter sich zuzog.

.An ging er zu den Stadträthen Hetzmund, Planmeier

. 0 Hirnsrei, und machte seine Einladungen. Als er zu

als einem Monat constatirt, daß die durch die russischen Localbehörden ergriffenen Maßregeln redressirt worden sind. Wir glauben daher, daß die Behauptung derTilsiter Zeitung" auf einem Mißverständniß beruht.

Die Mittheilung von der Jnhibirung des Verkehrs russischer Dampfschiffe aus dem Niemen wird von einigen Berliner Blättern mit lebhafter Befriedigung besprochen. Dre Vossische Zettung erklärt, daß die Maßregel zwar nur an übermäßiger thatsächlicher, aber von desto größerer principieller Bedeutung sei. Nach einem Hinweis auf das Verfahren der russischen Behörden gegen den Dampferder Falke , äußert sie, daß man an derarttge Willkürakte von Seiten russischer Grenz-Behörden allerdings schon gewöhnt sei.Ungewöhnlich ist es aber, daß von unserer Seite solchen Gewaltakten wirksame Repressalien entgegengesetzt werden. Darin liegt unseres Beoünkens die prinzipielle Wichtigkeit der erwähnten Nachricht. Denn die That der Staatsregierung bedeutet nicht mehr und nicht weniger als den vollständigen Bruch mit einem traditionellen politischen Systeme. Man wird in Rußland das Gefühl nicht ver­mindern können, daß ein vermeintlicher Vasall, dessen Folg­samkeit seit langen Jahren einen ganz sicheren Faktor in allen politischen Berechnungen des russischen Uebermuthes gebildet hat, den Gehorsam, zu welchen seine Lage und vorausgesetzte Schwäche ihn verpflichtet, versagt, die ge­wohnte geduldige Schwäche abschüttelt, und als gleichbe­rechtigte und-gleichwerthige Macht dem Schutzherrn gegen­über auftritt, der auf diese Schutzherrschast sich ein An­recht erworben zu haben glaubt, und die Macht zu besitzen glaubt, dieses Recht geltend zu machen. Wir sprechen natürlich so im Sinne der gewöhnlichen russischen An­schauung." Die Einwendungen des politischen Doktrinaris­mus, daß die Maßregel den russischen Unterthanen kaum größeren Schaden bringen werde, als den deutschen, möge ja richttg sein,aber, fährt sie fort, alle diese Einwen­dungen und noch viele andere, welche noch gemacht werden könnten, fallen nach unserer Meinung gar nicht in das G/Wicht gegen die Thatsache, daß dem sich übermächtig dünkenden, nach jeder Richtung hin übelwollenden Nach­barn ernsthaft und fühlbar die Zähne gezeigt werden. Es ist dazu wahrlich hohe, die höchste Zeit geworden, und wir können es nur billigen, daß man sich über alle solche Be­denken hinweggesetzt hat. Wir hoffen, im Gegentheil, daß man sich in diesem Falle nicht bloß mit einfacher Reme­dur begnügen, sondern weiter gehen und Genugthuung for­dern wird. Wir sind nicht entfernt gemeint, zur allge­meinen Versetzung der Lage beizutragen. Wir haben uns im Gegentheil gehütet, in die in neuester Zeit empor­lodernden Flammen des Zeitungskrieges schüreno zu blasen. Wenn man aber sieht, daß das Verhältniß, wie es bisher bestanden hat, und im Namen verwandtschaftlicher Ver- hältnisfe der Herrscherfamilien zum offenbaren Schaden Stadtrath Klughuhn kam, da wußte Frau Klughuhn schon ganz genau aus dem Munde der Frau Brüllmann, daß das Fräulein von Frühreich Unterstützungen haben solle, daß diese aber keineswegs bewilligt werden dürsten, denn sie habe am vergangenen Sonntage weiße Strümpfe ge­tragen.

Polizeidiener Greifhand rütztete seinen Auftrag aus und ging, ohne sich weiter um die Stadträthin Klughuhn und die weißen Strümpfe des Fräulein von Frühreich zu küm­mern, da ihm solche Einmischungen der Stadträthinnen in die Sachen der Herren Stadträthe tägliche Vorkommniffe waren.

Nachmittags um die bestimmte Stunde wanderten die Herren Stadträthe plaudernd und gestikulirend dem Stadt­hause zu. Sie ergingen sich in allerlei Vermuthungen, welche wlchttge Sache eigentlich zur Berathung vorliegen wurde. Im Uebrigen waren die Stadträthe Plauderbergs keineswegs unter sich gut einig, nur wenn es galt, irgend eine sonst allgemein anerkannte Neuerung einzuführen, so standen sie wie ein Mann zusammen, um dieser den Ein­gang zu verwehren.

Die Herren traten in den Saal und setzten sich um den Tisch herum. Gleich nachher trat der Bürgermeister Krummschrist ein und legte einen großen Brief nebst einer Plankarte auf den Tisch.

Herr Brüllmann" sagte der Bürgermeister eilfertig, übernehmen sie gütigst für eine Stunde den Vorsitz, der Herr Landrath Tadelberg ist soeben eingetroffen und ich muß ihm über den Stand der Angelegenheiten bezüglich deö durchgebrannten _ Steuerexekutors Viclfras Mittheilungen machen, ich hoffe bald fertig zu fein. Hier ist ein Brief mbst einem Plan von der neuen Eisenbahn-Gesellschaft von

unserer Interessen dauernd aufrecht erhalten worden ist, eine so gründliche Veränderung erlitten hat, wie diese Maßregel der Reichsregierung sie andeutet, so ist es uns erlaubt, unserer prinzipiellen Beftiedigung darüber Aus­druck zu geben. Es hängt weit mehr davon ab, als das unbedeutende Interesse eines so schon auf ein Minimum herabdrückenden Grenzverkehrs."

Aus Paris wird vom Sonnabend gemeldet: Anläßlich des an der Börse verbreiteten Gerüchtes beschäftigte sich der Ministerrath heute mit den auswärtigen Angelegen­heiten. Der Minister des Auswärtigen Waddington er­klärte, es lägen ohne Zweifel im Orient Schwierigkeiten vor, die der Lösung harrten, und Gegensätze, die zu versöhnen seien; aber es sei keinerlei Verwickelung zu befürchten. Nichts lasse eine Aktion der Mächte außerhalb des diplo­matischen Terrains befürchten. Das JournalLe Na- , tional" sagt, Finanzminister Löon Say habe erklärt, daß die Baisse an der gestrigen Börse lediglich von der Spe­kulation herbeigeführt worden sei.

Meldung derPollitischen Correspondenz" aus Kon­stantinopel. Layard hatte am 13. d. M. Audienz beim Sultan und besprach mit diesem die Reformfrage. Es verlautet, der Sultan habe auf die Nothwendigkeit einer längeren Frist für die Einführung der Reformen hingewiefen, zu welchen er und seine Regierung entschlossen seien. Am 17. d. soll eine griechisch-türkische Couferenz stattfinden zur Prüfung der verschiedenen Grenzlinien. Dem Vernehmen nach bemüht sich die Pforte, einen Anlehensvorschuß von 300000 Livres zu contrahiren.

Der türkisch-englische Conflikt, denn ein solcher scheint tatsächlich vorhanden zu fein, nimmt nach den neuesten Mtttheilungen ernstere Wendungen an. Das geheimniß- vvlle Schweigen, welches ter englische Premier bei seiner letzten Rede über die orientalischen Angelegenheiten beobach­tete, ließ irgend eine Ueberraschung erwarten und wenige Tage später meldet der Telegraph, daß die engliscke Flotte abermals beordert sei, sich zum Auslaufenach" Osten" bereit zu halten. Am Freitag cirkulirtcn in Paris Gerüchte, daß die englische Flotte Ordre erhalten habe, ins Schwarze Meer einzulaufen. In London folgt Cabinetsrath auf Cabinetsrath. Der am Donnerstag dort abgehaltene Mi­nisterrath hat, wie man von dort schreibt, Anlaß zu vielen und ernsten Gerüchten gegeben. ES heißt in Kreisen, die man für gut unterrichtet hält, die britische Regierung hätte am Mittwoch die Information erhalten, daß eine Allianz zwischen Rußland und der Türkei znm Abschlüsse gelangt sei. Daraufhin wurde sofort ein außerordentlicher Cabinets­rath einbcrufen, um den ersten Aspekt der Angelegenheiten in Erwägung zu ziehen. Wie man aus Konstantinopel