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jHacßucg, Sonnabend, 15. November 1879
xiv. Jahrgang
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Aus Berlin wird noch gemeldet: Herr Regierungöprä- Pent v. Wunnb, der seit mehreren Tagen hier anwesend
beglich sein werde, legte Herr von Wurmb dar, daß die Wahl des Wahlkreises Biedenkopf angefochten sei, daß sie ddraussichtlich cassirt werde und daß er dann aus einer
3« de« Woge« der Revolntioa.
Frei bearbeitet von Viktor Schwarz.
(Schluß.) Dreiundzwanzigstes Kapitel. Eine Königin.
Tagesbericht.
Eine von dem Aeltestcollegium der Kaufmannschaft in Berlin angenommene motlvirte Tagesordnung weist auf den Ort hin, wo die Aeußerung des Ministers Maybach über die Börse gefallen und auf die Stellung des Ministers, die ihn gegen eitle anderweitige Verfolgung schütze. Die am darauffolgenden Tage von dem Minister abgegebene Erklärung erscheine nicht genügend, die von dem Minister geübte Kritik erscheine aber für Jedermann ungerechtfertigt, und diejenigen Stellen an welche etwa eine Beschwerde gerichtet werden könne, seien von dem Vorgänge hinlänglich unterrichtet.
Deutsches Reich.
Berlin, 13. November. Auf der Tagesordnung der heutigen Bundesrathssitzung steht u. a. der Ausschußbericht, betreffend die Tarifirung oer gedorrten Cichorie, ferner die Ausschußanträge, betreffend die Tarifirung der Cigarrenkistenbretter, die vorläufige Aeuderung des amtlichen Waarenverzeichnisses, die Stalistik des amtlichen Waarenverkehrs des deutschen Zollgebiets mit dem Aus- laude; endlich mündliche Berichte über die Zollbehandlung des nicht zur Leuchtölfabrikation bestimmten Petroleums) über den Anschluß eines Theils des Hamburger Freihafen- gcbiets an das Zollgebiet, über Eingaben wegen Nachvergütung von Tabak und Wein, über eine Eingabe wegen „Hoch die Königin! Hoch Marie Antoinette!" schallte es tausendstimmig durch die Luft!
„Vertraut uns., Madame," rief Mutter Rothkäppchen mit ihrer Sentorstimme; „bei uns in Paris seid Ihr sicher! Unv bringt auch die Kinder mit! Wir lieben alle die Kinder!"
Alles lachte und als sich jetzt die Königin dankend neigte, ehe sie sich vom Balkon zurückzog, folgte ihr lautes Jubelgeschrei. ... *
_ Als sich Mutter Rothkäppchen thriumphirend nach chren Schwestern umwandte, fühlte sie, daß sich eine bebende Hand fest auf ihre Schulter stützte und bleich wie ein Gespenst stand Leonie vor ihr.
„Was gibts denn, Kind? Haft Du einen Geist gesehen?" fragte sie erschreckt.
„Nein, aber — sie — sie morden ihn!"
„Wen denn? Doch nicht Deinen kleinen Grafen? Weß- halb denn? Ist er am Ende doch ein Verräther? Nun, wir wollen sehen, was sich thun läßt!"
Beide eilten fort; Leonie schritt voran und stöhnte halblaut: „Es ist meine Schuld! Ich liebte ihn und ich — verrieth ihn! Und nun muß er sterben! Oh rettet — rettet ihn!" . . .
„Muth, schöne Wölfin," tröstete die Alte; selbst sie empfand Mitleid, als sie cie Verzweiflung in dem schönen Gesichte wahrnahm.
Endlich erreichten sie eine Gruppe Sanskülotten; inmitten des Kreises saß Santerre; vor ihm stand eine Tromm.l, welche er als Schreibtisch benutzte und derselben gegenüber stand Montarbas, barhaupt, die Anne auf den Rücken gefesselt, mit einem Lächeln der Verachtung auf den schönen Lippen. Er neigte sich, als sich Leonie seinem
Men Wahl als Sieger hervorgehen werde. In der Thal $ die Wahl' des nur mit einer Majorität von 3 Stimmen gewählten Abg. Bork angefochten, Herr Landrath Wißmann mir es, der es sich angelegen sein ließ, eine seiner ersten Handlungen als Abgeordneter die Uebergabe eines weit- Hichrigen Wahlprotestes gegen jene Wahl fein zu lassen, ßb sich des Herrn Regierungspräsidenten Hoffnungen er- ftllen werden, das wird sich binnen Kurzem entscheiden. Der Anfechtungsgrund soll lediglich darin bestehen, daß es nicht für zulässig hält, daß ein Amtsrichter einem Bürgermeister sagen dürfe, er möge den oder den Canoi- "tten wählen.
j i „Heraus mit ihr! Sie soll sich zeigen! Da ist der —< $nig! Wo terfn? Der da, mit dem gepuderten Haar und tl f tz Spitzenkrause! Warum tritt sie nicht auf den Balkon? ist nach Oesterreich geflohen — sie wirbt Truppen tzen uns! Ah bah! Sie fürchtet sich' nicht! Sie wird
„ iß, wohnte vorgestern einem Diner bei dem Herrn Staals- wnister Grafen Eulenburg bei und soll den dort gleich- [3043 falls anwesenden Führern der nationalliberalen Partei " gegenüber die Hoffnung ausgesprochen haben, daß er noch während dieser Session ihr College im Landtage zu werden Mnke. Auf die erstaunte Frage, wie denn dies jetzt noch
5«eigen nimmt entgegen, tie Expedition d.vlatte-, fowte d.Annonren-Bureaur gen Tb- Dietrich & Eo. in gefiel und Hannover; Th. Mirich in Frankfurt a.M.; ßaafenfiein & Vogler in Hwlrkfurt a M., Berlin, Üripig, Eöln »c.; Rudolf $Lfffie in Berlin, Frank» furt a. M. rc.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte- sowie b. Annoncen-Bureaur von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäzer'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Luch Handl, daselbst; Jnvstidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
längere Bruchstücke aus einer Broschüre: „Mederland durch Deutschlayd annektirt" von Herrn H. H. Nori, früherem Mitgliede der zweiten Kammer, aus welcher hervorgeht, daß der Autor den Satz vertritt, Holland gcavi- tire sowohl vermöge seiner geographischen Lage, als auch mit seinen materiellen wie geistigen Interessen nach Deutschland,
In Italien steht in Folge der Mißernte ein schwerer Nothskano in Aussicht. Man schreibt darüber der „Pol. Corr." aus Rom: „Nach den beim Ministerium einge- laufenen Berichten beträgt der Ausfall gegen eine Mittelernte beim Mais 10, beim Weizen 5, beim Roggen, Gerste und Hafer 2'/- Millionen Quintali oder Zoll- centner. Die Folgen machen sich bereits fühlbar, Mehl und Brot steigt fortwährend im Preise und man kann dem Winter nur mit Besorgniß entgegensetzen. „Ein schweres Jahr", heißt es in einem der neuesten vom Ministerium veröffentlichten Ernteberichte, „steht dem Landarbeiter wie dem Handwerker bevor; die peinlichen Verlegenheiten werden zwar erst in den ersten Monaten des nächsten Jahres beginnen, weil jetzt noch Vorräche vorhanden sind. Nicht weniger bedrängt wird aber die Lag? des kleinen Grundbesitzers sein, welcher ohne Ersparnisse und Zubußen die Folgen der Mißernte zu ertragen hat." Die Regierung hat natürlich ein wachsames Auge auf diese Zustände gerichtet und thut ihr Möglichstes, um Heu Nothstand zu lindern und seiner eventuellen Ausbeutung zu politischen Zwecken zuvorzukommen."
Die „Pol. Corresp." meldet: Aus Konstantinopel. Der Kriegsminister ordnete die Zurückziehung eines TheileS der an der griechischen Grenze stehenden Truppen, sowie die Verabschiedung des größten Theils des Armeecorps von Gallipolis an. — Aus Belgrad: Die Skuptschina ist in Nisch eröffnet und Tuzakovic zum Präsidenten gewählt worden. Die Eröffnungs-Thronrede wird morgen gehalten werden.
m der Expedition zu erthertende Auskunft und Annahme von Abreffen werben 25 Pfg. berechnet. V 9‘
, „Schweig, Du Hund! Was habm Dir die Kinder ge- hh," rief Mutter Rothkäppchen, dem Schreier eine derbe __^lllschelle versetzend.
, „Das war Recht," .schrieen die Umstehenden. „Hoch ^tter Rothkäppchen!"
Wie veränderlich ist doch die Gunst betf Volkes! Vor einer Stunde dürstete man noch nach dem Blute der ■R’ain und als sie jetzt bleich, aber hochaufgerichtet, flam- ®ö«t Auges auf den Balkon hinaustrat und sich über ° Geländer neigte, da brach stürmischer Jubel los und
. Ein Artikel der „Nat.-Ztg." beschäftigt sich ziemlich «attt, ^Schmd mit der in neuester Zeit in Holland geführten Juuj? «wtroverse über die Vorzüge eines engeren Zusammeü-
Die schon für den Regierungsbezirk Kassel angebahnte Gründung von Unterstüßungs- Lpar- und anderen Kassen für Forstbeamte und andere Forstbedienstete verspricht ertiqfl Mn Erfolg, und ist es die Absicht des Ministers für 1 ■ Landwirthichaft, Domänen und Forsten, diese Einrichtung auf das ganze Land auszudehnen. Die im Ressort der । Postverwaltung bereits bestehenden Unterstützungskassen 'S» Derben für die ins Auge gefaßte Einrichtung als Vorbild bienen können.
des Zollerlasses für Roheisen, über Eingaben wegen Stundung von Weinzoll und über eine Eingabe betreffend die Normaltara zur Feststellung des Nettogewichts der Fässer beim Branntweinexport. — In den Zeitungsberichten über die Rede des Ministers Maybach in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 8. November findet sich ein Jrrthum, der auch in. die Provinzial-Correspodeuz übergegangen ist, welche diese Rede nach dem Oldenburgischen Bericht gegeben hat. Dem Minister wird irrthümlich die Aeußerung in den Mund gelegt, es sollten die Bureaus des Reichseisen- bahuamts in das Ministerium für öffenttiche Arbeiten verlegt werden. Nach Ausweisung des stenographischen Berichts hat der Minister diese Verlegung allerdings in Aussicht genommen für das kürzlich geschaffene neue Reichsamt für die Verwaltung der Reichsbahnen. Dieses Amt darf aber nicht verwechselt werden mit dem Reichseisenbahuamt, welches wesentlich eine Aufsichtsbehörde ist, während das Reichsbahn-VerwaltungSamt den unmittelbaren Bahnbesitz des Reichs verwaltet. — lieber den am 8. November bei der Station Bischofsheim erfolgten Zusammenstoß zweier Züge thellt das Reichseisenbahnamt auf Grund des Berichts eines von ihm entsandten Kommissars Folgendes mit: Nach dem Resultat der bisherigen Erhebungen kann der Unfall nicht auf Mängel der technischen Einrichtungen zurückgeführt werden. Auch bezüglich der Abfertigung und Annahme der Züge haben die bestebenden Vorschriften Seitens des Stations- Personals in Bischofsheim Beachtung gefunden. Der Unfall läßi sich nach den bisherigen Ermittelungen nur durch unrichtige Weichenstellung erklären. Nach der vorläufigen Aussage mehrerer unbeteiligter Bahnbediensteten hat die Einfahnsweiche für den Mainzer Personenzug bis kurz vor dessen Ankunft richtig gestanden. Der Stations- vorsteher in Bischofsheim versichert, vor Ertheilung der Erlaubniß zur Einfahrt des Mainzer Zuges sich von der rüstigen Stellung der Weiche überzeugt zu haben. Das Maschinenpersonal dieses Zuges behauptet, daß bei Annäherung des Zuges die Weiche erst im letzten Augenblick von Jemand auf die Ablenkung umgestellt worden fei, so daß aller Anstrengung ungeachtet der Zusammenstoß mit dem in entgegengesetzter Richtung auf dem anderen Geleise sich bewegenden Frankfurter Zug nicht habe vermieden werden können. Der Wärter, welcher die Einfahrtsweiche zu bedienen hatte, versieht diesen Posten feit fast fünf Jahren, und seine Dienstführung hat während dieses Zeitraums niemals zu Tadel Anlaß gegeben. Er hatte kurz vor dem Unfall nach einer sechsstündigen Ruhe seinen Dienst wieder übernommen und will weder seinen Posten verlassen, noch die Einfahrtsweiche umgeftettt haben. Es fehlt endlich jeder Anhalt für die Annahme, daß eine dritte Person in der Stellung der Weiche eine Aendemng veranlaßt haben ' oder daß dieselbe durch die anfahrenoe Locomotive selbst- , lhätig umgelegt worden sei. Die Feststellung der Schuld-
Platze näherte und schien sprechen zu wollen, aber jetzt begann Santerre die Verhandlung mit den Worten: „Bürger Montarbas!" —
I „Nicht doch -T wenn man mich vor ein Kriegsgericht stellt, bann bin der Graf Arnold von Montarbas!
. Ihr seid Bürger und ich bin ein Pair von Frankreich!" „Gut denn," rief der Andere wuthschnaubend; „Bürger oder Graf, Ihr seid ein Verräther und Niemand kann uns deßhalb verwehren, Euch eine Kugel durch den Kopf zu jagen!"
„Vielleicht doch," meinte Montarbas gleichmüthig; „wenn man erst^anfängt, die Führer der Revolution zu erschießen, wird die Sache unangenehm und es dürften sich nicht leicht neue auftreiben lassen; Keiner trägt gern seine eigene Haut zu Markte!"
Gegen dies Argument ließ sich nichts einwenden, aber Santerre wußte sich zu helfen. „Leonie Armand," rief er, tretet vor und wiederholt Eure Anklage gegen diesen Verräther!"
Leonie versuchte zu sprechen, aber die Stimme versagte j ihr und nur ein unverständliches Stöhnen drang von den bleichen Lippen.
„So laßt doch die Dame in Ruhe — Ihr seht doch, daß sie nicht sprechen kann. Ladet scharf und macht ein Ende!" rief Montarbas ungeduldig.
Erstartt ob solcher Kühnheit trat Santerre einen Schritt zurück; Leonie gewann jetzt die Sprache wieder und rief schluchzend! „Ich meinte es nicht so! Ich war eifersüchtig — ich wollte mich rächen und ihn verderben! Er ist unschuldig und — ich liebe ihn! Fragt Kapfab! Er ist mein Bruder! Und er weiß, daß ich die Wahrheit spreche!"
Frif Schlosses von Versailles^ Ludwig XVI. hatte sofort dem d stcki sich zu zeigen, Folge geleistet, aber Marie Antoinette ieflis Ame — es widerstrebte ihrer stolzen Seele, der Canaille tat» r. Willen zu sein. Als illdeß 4>ie Rufe lauter und t. M Egender wurden, überwand sie ihren Stolz und dm ^Uphin und seine Schwester bei der Hand fassend, trat * hinaus auf dm Balkon.
„Weg mit den Kindern!" schrie ein trunkener Sans- >tte