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Marburg, Freitag, 14. November 1879.
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än;eigen nimmt entgegen. sie Expedition d.vlatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in jkasiei unb Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; nocfenftein <£ Bögler in Frontsurt n- M., Berl'.u, Leipzig, Cöin tu; Ru:-olv La>js< in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte- sowie dAnnoncen-Bureaur von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllnstrtrteS SonntaaSblatt" durch die Ervedition tKock'icke Buchdru^eret) bezogen Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf,, (excl. Bestellgebühr). -Lnsertionsgebühr"für die gespaltene Ze" 10 Pf, * * Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf, berechnet.
Die Leistungsfähigkeit der Volksschule.
Man legt mit allem Rechte in der Schule besonderen Nachdruck auf die Pflege des Patriotismus. Wir glauben aber nicht, daß aus den Wegen des Simultanismus das gesteckte Ziel erreicht werden kann. Auch in dieser Hinsicht ist die confessionelle Schule weit leistungsfähiger. Es ist ja geradezu unmöglich, daß die Jugend sich patriotisch entzünde an einem Unterrichte, wobei man, um nicht anzn- stoßen, seiner freudigen Zustimmung zum Werke Luther's, seinem Bedauern über die Gegen-Reformation durch die Jesuiten einen Ausdruck geben, wobei man von Worms nicht mehr sagen darf, als daß daselbst ein Wein wächst, der Liebfrauenmilch heißt, und eine blühende Leder-Industrie besteht, oder von Magdeburg nichts Anderes, als daß es eine starke Festung ist, in deren Nähe der Rübenbau florire. Jedenfalls sind die Helden der Befreiungskriege, die Sieger von Gravelotte und Sedan nicht Schüler der simultanen, sondern der confessionellen Schule gewesen.
Bezüglich der Förderung des religiösen Friedens, der ebenfalls zu den Zielpunkten der Sumultanschule gerechnet wird, lauten die Acten nicht verheißungsvoller. Entweder Jndifferentismus oder Fanatismus! Ein badischer Sirnul- tanlehrer klagt, daß seine katholischen Schüler ihre evangelischen Mitschüler Ketzer und lutherische Dickköpfe schimpften und die evangelischen den katholischen mit Götzendiener antworteten. Der holländische Minister Thorbeck sagt: „Durch die Staatsschule hat, statt des confesstonelleu Friedens, wie man erwartete, umgekehrt der confessionelle Gegensatz sehr zugenommen", welche Worte der bayerische Cultusminister auf Grund seiner Erfahrungen folgendermaßen bestätigt: „Es steht zu befürchten, daß die weitere Durchführung des Princips der Simultanschule unter der Bevölkerung dauernden confessionellen Unfrieden erzeugt." Dagegen: Schiedlich — friedlich I
Das trifft die erziehliche Seite der Simultanschule. Bietet die unterrichtliche Seite derselben nicht freundlichere Farben? Nein! Sie hat den Rahmen des Unterrichts zu weit gesteckt, viel zu viel Lehrgegenstände in den Lections- Plan ausgenommen. Der Unterricht verliert sich ins Weite und Breite und kann nicht in die Tiefe dringen. An die Stelle der Gründlichkeit tritt die Oberflächlichkeit. Wie gewonnen so zerronnen. Auf Preußen darf man freilich m dieser Richtung nicht exemplificirm. Hier ist das Si- multanschul-Princip nicht hinreichend lange genug wirksam gewesen, und bis jetzt noch nicht zur allgemeinen Geltung gelangt. Aber Hessen, Baden, die Pfah sind vollgültige Instanzen. Im Großherzogthum Hessen sollen die Schüler der einklassigen Volksschule unterrichtet werden nicht blos in Deutsch, Rechnen, Raumlehre, Zeichnen, Geographie, Geschichte, Naturbeschreibung, Naturlehre, Gesang, Turnen, Industrie und Religion, sondern auch in den „unbedingt
nothwendigen Elementen" der Zoologie, Chemie, Physik, Astronomie, Geologie und Mineralogie, wozu in der für das kleinste Gebirgsdörflein obligatorischen Fortbildungsschule noch kommt Unterricht in der Vcrfassungsurkunde. Da ist es denn kein Wunder, daß selbst in Städten Mainz und Darmstadt die Prüfungen äußerst dürftig ausfallen und exempelsweise in einer oberhessischen Volksschule eine versuchte Definition eines „Parallel-Epipedums" in den orthographischen Fehlern geradezu erstickte. Ueber die im April 1878 abgehaltene Prüfung der Constanzer Gewerbeschule, deren Schüler sämmtlich aus der Simultanschule hervorgegangen, schreibt die dasige liberale „Const Ztg.": „Die erste Classe hat ein wahrhaft trauriges Resultat. Bei den meisten der ca 100 Schüler saßen nicht einmal die elementarsten Kenntnisse fest, Schönschreiben, Rechtschreiben und Rechnen." Von der Pfalz aber, wo die Simultanschule am längsten besieht, weiß man, daß unter den dastgen Rekruten sich mehr Analphabeten (des Schreibens und Lesens unkundige Leute) befinden, als selbst unter den polnischen Rekruten Ostpreußens. Aber auch ein preußischer Lehrer hat auf einer Lehrerversammlung in Kreuznach gelegentlich einer Verhandlung über die „Allgemeinen Bestimmungen" sich folgendermaßen ausgedrückt:
„Nach der von mir gemachten Erfahrung muß ich erklären, daß früher meine Schüler besser entwickelt waren und bessere Kenntnisse in den Hauptfächern hatten, da diesen , die allermeisten der 28 wöchentlichen Schulstunden zufielen, so daß in den Stoff derselben sich mehr vertieft, auf das Gründlichste zu Werk gegangen und alles tüchtig geübt werden konnte. Nach den neuen Bestimmungen sind viele Stunden den Nebenfächern zugewiesen, wodurch der Unterricht in den Hauptfächern eine bedeutende Einbuße erlitten hat, der in den Nebenfächern aber lange nicht in dem Maße die Geisteskräfte der Schüler entwickelt, zudem durch die Vielheit der verschiedenen Unterrichtsfächer der Fassungskraft der Jugend zu viel zugemuthet und in Folge dessen bei schwächer Begabten Verwirrung zu entstehen scheint."
Das mögen der Belege genug sein. Wir fummiren sie in folgenden Sätzen: Die Simultanschule will den Kindern zu viel beibringen. Darum bringt sie ihnen zu wenig bei. Sie bleibt in der Halbheit stecken und:
Die Halbheit taugt in keinem Slück, Sie weicht noch hinter nichts zurück.
.Die confessionelle Schule beschränkt sich dagegen auss Mögliche und Nothwendige. Darum bringt sie etwas Ganzes zu Stande. Ganze Leute haben wir aber in allen Lebensstellungen nöchig.
Tagesbericht.
Die „Provinz.-Corresp." schreibt: Der Kaiser, welcher sich eines ungetrübten Wohlseins erfreut, beabsichtigt außer
zu kleinen Jagdausflügen Berlin in nächster Zeit nicht zu verlassen. ______________
Zum Nachfolger des verstorbenen Generals der Caval- lerie v. Podbielski als General-Juspecteur der Artillerie ist, wie man hört, der General-Lieutenant v. Bülow, bisher Jnspecteur der 2. Feld-Artillerie-Jnspettion ernannt worden. An Stelle des General-Lieutenants v. Bülow tritt der General v. Dresky, bisher Jnspecteur der 4. Fcld- Artillerie-Jnspektion in Coblenz, der wiederum durch den General-Lieutenant v. Voigts-Rhetz ersetzt wird.
In Betreff der immer wieder auftauchenden Mittheilnn- gen von Arbeiten, bezw. Gutachten des Kronsyndicats in der Angelegenheit des Herzogs von Cumberland rc., welche neuerdings so weit gehen, Details aus diesem Rechtsgutachten anzuführen, kann die „N. Pr. Z." die positive Versicherung geben, daß die Kronsyndici mehr als drei Jahre nicht berufen und versammelt gewesen sind, also auch kein Rechtsgutachten abgegeben haben können, da ein solches von ihnen nicht erfordert worden.
Die Berliner Börsen-Commission beschloß, das Aeltesten- Collegium der Kaufmannschaft aufzufordern, wegen der auf die Börse bezüglichen Aeußerung des Ministers Maybach in der Sitzung des Abgeordnetenhauses geeignete Schritte zu unternehmen.
Meldung der „Polit. Corresp." aus Konstantinopel. Nach dem im Ministerrathe erörterten neuen Finanzprojecte würden die Vvrschußglänbiger in Galata und die auswärtigen ^Gläubiger verschiedene Steuern pachten, die Tabak- und Salzregie für die Regierung verwalten und sich hierdurch bezahlt machen. Den auswärtigen Gläubigern würden überdies Beträge aus den Einkünften Cyperns und Rurne- liens zugewiesen. Die Regierung soll sich indeß das Recht Vorbehalten, die Gläubiger in Galata zu befriedigen unb mit den auswärtigen Gläubigern unter deren Zustimmung neue Engagements einzugehen, wodurch die Zölle für neue Finanzcombinationen ganz frei würden.
Deutsches Reich.
Berlin, 12. Nov. Die Reise des Großfürst-Thronfolgers von Rußland erhält nachgerade eine etwas mythen- hafte Gestalt. Erst hieß es: er kommt schon am Anfang der Woche nach Berlin; dann er komme am Donnerstag; endlich, er komme am Sonnabend Jetzt ist auch dieser Termin wieder in Frage gestellt, und während es gestern hieß, bei Hofe sei schon Alles für seinen Empfang vorbereitet, heißt es heute, in den Kreisen der russiscken Botschaft habe man bis jetzt noch keine offizielle Mittheilung darüber erhalten; nur Ende voriger Woche sei ein offiziöses
I« den Wogen der Revolution.
Frei bearbeitet von Viktor Schwarz.
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! Fortsetzung.) Zweinndzwanzigstes Capttel. Blut.
„Noch einen Kuß, Susanne!"
„Leb' wohl, Pierre, und die heilige Jungfrau schütze Dich) Oh Pierre, sei nicht tollkühn!"
. „Herr Marquis," sagte Pierre bescheiden, „Ihre Vor- 'Hren fochten gegen die Ungläubigen; die Meinen schlachten ^?ur Schweine, aber Sie sollen sich meiner nicht zu schämen habcu!«
„Das weiß ich, mein treuer Pierreentgegnete de
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„Ohne Sorge, mein Kind — ich thue nur meine Pflicht! Aber sieh'! Ich bin der Einzige Nichtadelige in der königlichen Leibgarde und ich muß mich dieser Ehre dürdig zeigen unb kämpfen, als ob ich ein Conetable von Frankreich anstatt eines Bauern sei!"
„Ja, mein Pierre! Ich bin stolz auf Dich — auch ich M meine Pflicht thnn unb wenn eins von uns fallen Mie bann auf Wiedersehen im Paradiese!"
Dann stahl sich Susanne wieder aus dem Wachtzimmer
Pierre postirte sich mit Marquis de Favras oben an A Haupttreppe, welche zu den Salons der Königin führte, ^ie standen dicht neben einander, der Marquis und der Bauer — der Eine der Sproß eines alten Adelsgeschlechts, Andere der Sohu eines Viehzüchters, aber in Beiden flammte die Liebe für die angestammte Dynastie gleich Mächtig empor, und Beide warm fest entschlossen den Mcn Blutstropfen zu opfern, wenn es die Rettung der Majestäten galt.
Favras gerührt, „aber glaube mir, die Schweine wie die Ungläubigen waren ehrenhaftere Gegner als ras Gesindel, welches uns hmte bedroht!"
Jetzt stürmten die ersten Angreifer die Treppe herauf. Sie machten Halt, als sie die beiden Männer mit gezückten Degen bemerkten, welche so ruhig und glcichmüthig ihnen entgegenblickten. „Vorwärts" 1" schrie es von unten, „nieder mit der Leibgarde! Spießt sie auf!"
Aber keiner der Sanskülytten wagte sich vorwärts. Sie hattm keine Schußwaffen und be Favras unb Pierre sahen so entschlossen aus, daß die Vordersten stuckend und scheltend den Rückzug antraten!.....Unten am
Fuße der Treppe herrschte chaotische Verwirrung. Es fehlte au einem entschlossenen Führer, und Aller Augen wandten sich auf Montarbas, welcher eben mit Kopfab herbeieilte. Der Letztere war, sehr gegen seinen Willen, zu Montarbas Adjutanten ernannt worden; jetzt blickte er mißtrauisch auf jede Muskete und verwünschte im Stillm die Revolution.
„Wie?" rief Montarbas spottend; „schämt Ihr Euch nicht, Euch von zwei Männern im Schach halten zu lassen und zweihundert gegen zwei — der Spaß ist gut!"
De Favras erkannte die (Stimme, und sich über die Balüstrade neigend, rief er: „Ah, Graf von Montarbas, kommt Ihr endlich? Die Spieltische sind schon längst — wie steht's mit der Revanche, welche Ihr uns schuldet? Rasch, ziehen Sie ab, sollte die oberste Sorte nicht nach Wunsch ausfallen, so kennen Sie ja die Bedeutung des „corrigez la fortune“!"
Mit einem heiseren Wuthschrei erhob Montarbas seine Pistole, aber war es nun absichtlich oder zufällig, Jaques Armands Arm streifte bett [einigen und anstatt be Favras
sank ein Sanskülotte — Montarbas Kugel hatte ihn mitten ins Herz getroffen!
„Mörder!" schrie Santerre wüthmb, aber feine Stimme verhallte in dem allgemeinen Geschrei, mit welchem die Sanskülvtten jetzt zum Angriff stürmten! Rechts unb links regnete es hageldichte Hiebe; Pierre und ber Marquis fochten wie Verzweifelte und immer noch standen sie aufrecht an der Spitze der Treppe, während hinter ihnen einige toentge Schweizer mit gekreuzten Hellebarden ihre Position verstärkten.
„Pierre, rufe eine Stalldime," rief de Favras mit grimmigem Lachen; „sie soll die Treppe mit ihrem Besen säubern — denn man stolpert ja über lauter Sanskülotten!"
„Stopft ihm bas Lästermaul," schrieen bie Angreiser, aber erst alb be Favras' Degen mitten durchgebrochm war, gelang es einem halben Dutzend ber Ausrührer, ihn zu üderwältigm. Aus hnnberi Wunbm blutenb, sank er zurück, unb seine letzten Worte warm: „Pierre, wende mein Gesicht von dem Gesindel ab! Ich bin ein Pair von Frankreich und ich mag nicht unter den Augen ber Canaille sterben!" . . .
Ueber seine Leiche hinweg theilte Pierre wuchttge Hiebe aus, aber die Uebermacht schwoll an unb blutenb, schwankend sank er endlich rücklings gegen eine Thüre — Er gab sich verloren! „Susanne," stammelte er matt und dann verließ ihn bie Besinnung. Wer ehe noch die Sanskülotten ihn zerstampfm konnten, öffnete sich eine Thüre in feinem Rücken unb Susanne, unterstützt von einem schweizer, zog ihn mit Aufbietung aller Kräfte in ein Gemach, dessen Eingang sich hinter ihm schloß!
Montarbas stand auf halber Treppe und als er Susanne gewahrte, vergaß er die Revolution und wollte um