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Jliaröutg, Donnerstag, 13. November 1879.
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allp- Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JvuftrirteS SountagSblatt" durch die Expedition (Lpch'fche hpinnpn Witrf hitrA hi» ®nftÄmfpr Kp2 ^pitffrftpn WpiApä Ä Wrtrf KA fllfet (prrl (RpftpflnphAfirl __ ^MfpWtnn&ftphfthr für htp npfhflFtrttP Qpifp 1A
Buchdruckerei) bezogen Sh Wart, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Wart 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr). — Znsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen Werden 25 Pfg. berechnet.
Tagesbericht.
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## »erlitt, 11. November. Durch die Presse gehen verschiedene Nachrichten über eine anderweite Verlheilung der Geschäfte im Auswärtigen Amt. Es ist indeß zu bemerken, daß die gegenwärtige provisorische Verlheilung vorläufig keiner Aendemng unterworfen werden wird. Demgemäß bleibt Graf Stolberg mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichskanzlers beziehungsweise des Staatssekretär beauftragt, während der Wirkliche Geheime Rath v Philipsborn die Geschäfte der handelspolitischen, und die Herren v. Radowitz und Bucher die der politischen Abthei- lung führen. — Da in dem jetzt vorgelegten Staatshaushaltsetat als preußischer Antheil an dem Ertrag der Zölle und der Tabaksteuer die Summe von 23,900,000 M. veranschlagt ist, so findet eine hiesige Zeitung es unverständlich, weshalb der Matrikularbeitrag für dasselbe Finanzjahr lediglich in derselben Höhe wie der des laufenden Jahres in Ansatz gebracht worden ist. Denn wenn man die Annahmen des nächsten Finanzjahres bereits abschätzeu könne, so werde man dazu auch bei den Ausgaben im Stande sein müssen. Es ist darauf zu erwidern, daß die Zölle und Verbrauchssteuern einen in sich fest abgeschlossenen Theil des Etats bilden, besten Veranschlagung erfolgt und erfolgen kann, bevor der Reichshaushalt in seiner Totaütät aufgestellt wird. Aber erst nach der Austtellung des ge- sammtm Haushaltsplanes, nach dem also sämmtliche Einnahmen und Ausgaben in Ansatz gebracht sind, kann berechnet werden, welche Summen zur Deckung der Ausgaben durch Matrikularbeiträge aufzubringen sind. Wenn asto die Nnzelstaaten den Matrikularbeitrag für ihren Haushalt im Voraus veranschlagen wollen, so können sie sich nur an die Höhe desselben im laufenden Jahre halten, so lange eben der Reichshaushaltsetat nicht im Ganzen vorliegt. — Die technische Commission für Seeschifffahrt wird nach erfolgter Anordnung am 1. Dezember im Reichs- karyleramt unter Vorsitz des Geheimen Oberregierungsratb Dr. Rösing zusammentreten. Auf der Tagesordnung sichen vorläufig drei Vorlagen. 1. Die Vervollständigung der Statistik der Seeämter; 2. die Erörterung der Frage, ob eine reichsgesetzliche Conttole in Bezug auf die Prüfung
den taktmäßigen Schritt einer Kolonne und dann erschim die Vorhut vor den SchloßthormI
Einige wenige Muthige, und unter ihnen Susanne in ihrem Bauernkostüm, wagten sich vor daS Thor, um zu rckognosciren.
Susanne hatte ein Körbchen mit Lebensmitteln am Arme und Berti)eilte sie unter die lärmenden Aufrührer; ihre Bauernkleidung schützte sie vor dem Verdacht, zum Hofe zu gehören, und so konnte sie hie >und da Erkundigungen einziehen und Näheres über den Zweck und die Stärke des Zuges erfahren.
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der Seetüchtigkeit der Schiffe einzuführen sei; L eirze Vorlage über das Leuchtfeuerwesen an der Küste der Nordsee.
Leipzig, 8. Novbr. Das Projekt, mit dem Eingehen der Nationalliberalen „Deutschen Allgem. Zeitung" vom 1. Januar k. I. ab ein neues Organ ähnlicher politischer Tendenz ins Leben zu rufen, ist zu Wasser geworden. Das Co mite, welches sich zu diesem Zweck geblldet, hat es angesichts der ungünstigen Zeitverhältniste, die selbst auf alt- renommirte und gut dotirte Blätter nicht ohne Einfluß geblieben, für zweckmäßig befunden, nach mehrfachen Besprechungen den Plan wieder aufzugeben. Ob die „Deutsche Allg. Ztg." dadurch Aussicht auf eine Fortexistenz erhält, ist zum mindesten sehr zweifelhaft.
Sottdershttttsttt, 7. November. Der „L. Z." wird geschrieben: In Folge gänzlicher Mißernte ist in dem Bezirke der fürstl. Oberherrschaft Gehren ein so besorgniß- erregender Nothstand eingetteten, daß auf Anregung I. H. der Frau Erbprinzessin hier und in Arnstadt Hilfs- comitös zusammengetreten sind, welche in den übrigen Bezirken des Landes Beiträge an Geld, Naturalien und Kleidungsstücken sammeln, um dem hereinbrechenden Elende zu wehren. Schon herrschen auch in unseren Waldortschaften, wie in dem Goldisthal und anderen Orten Rudolstadts Typhus und andere Krankheiten, so daß schleunige Hülfe Noch thut. Der Zustand ist um so bedenklicher, da er schon vor Einbruch des Winters anhebt.
Karlsruhe, 7. November. Die „Badische Landpost", welche seit einiger Zeit in mehr und mehr verschärften Angriffen und Beschuldigungen gegen die Regierung auftritt, ist neuerdings in einem Artikel ihrer Nr. 141 vom 1. d. M. so weit gegangen, von der Regierung zu behaupten, daß sie seit mehr denn einem Dezmnium im Dienste einer politischen Richtung stehe, welche die Irreligiosität und Sittenlosigkeit des Volkes sichtlich und that- sächlich int Gefolge habe. Solche Vorwürfe und Verletzungen ihres Ansehens kann die großherzogliche Staatsregierung nicht länger hingehen lassen. Das Staatsministerium hat sich deshalb veranlaßt gesehen, Hierwegen gegen das genannte Blatt durch die Staatsanwaltschaft Anklage erheben zu lassen.
Müttchett, 11. Novbr. (Kammer der Abgeordneten.) Beratbung über die Rückäußerung deS Reichsrathes über das Eisenbahngesetz. Anlangend den Art. 1 (sog. Hofs- nungsartikel), so beantragt Abg. Herz, den Reichsräthen beizustimmmen. Grämet beantragt Namens des Ausschusses, auf dem ersten Beschlüsse der Kammer zu beharren, v. Schlör erklärt sich gegen diesen Antrag deö.Ausschusses. Rußwurm spricht dafür, Frickhinger dagegen. Minister v. Pfretzschner erklärt, all sein Bestreben gehe auf das Zustandekommen des Gesetzes; er sei daher gegen den Ausschußantrag. Die Regierung habe noch 16 Millionen für die nächsten zwei Jahre zu verbauen. Dies komme
I» Den Wogen der Revolution Frei bearbeitet von Vittor Schwarz. (Fortsetzung.) Einundzwanzigstes Kapitel.
Die Todtenglocke.
scheu noch nie verlaffen! Und wenn ich sterben müßte, würde ich den Muth nicht verlieren I"
Während dessen verzehrte der König mit gutem Appetit ein gebratenes Huhn; dann wünschte er seiner Gemahlin zärtlich gute Nacht und begab sich zur Ruhe. Marie Antoinette aber folgte endlich Susannens flehenden Bitten soweit, daß sie sich angekleidet auf ein Sopha warf, und für einige Stunden vergaß sie ihr Elend im Schlummer. Bald indeß fuhr sie mit einem lauten Schrei empor und verwirrt um sich blickend, rief sie: „Wo sind sie?"
„Wer denn, meine thmre Herrin?" fragte Susanne, besorgt über sie neigend.
„Oh, es war nur ein Traum, aber ein scheußlicher, entsetzlicher Traum," und Marie Antoinette bedeckte die Augen mit der Hand. „Denke nur, Susanne, mir träumte, der Henker nehme meinen Kopf ans einem Korbe mit Sägespänen und zeige ihn dem Volke und dann — aber nein, es war zu entsetzlich, bann sah ich mich selbst blutend und ohne Kopf, und der König und Madame Elisabeth, meine thenre Schwägerin, traten mir gleichfalls enthauptet entgegen und reichten mir die Hand! Ach, ich weiß wohl, daß es lauter Unsinn ist; denn Träume sind Schäume; das kommt nur von dem Schall der großen Todtmglocke von Notte-Dame, welcher schon seit gestern Abend mir beständig im Ohre klingt — ich will nicht mehr daran denken!"
Inmitten der nach Versailles ziehenden Schaaren mar- schirte Vater Jgnazius; freilich war seine Awesenheit im ,-uge nicht freiwillig, denn vier Sansküloten hatten ihn zwischen sich genommen und betrachteten mit erhobenem Beil jede seiner Bewegungen. Jaques Armand war ein grausamer Egoist, aber doch fühlte er sich versucht, den
wachsen war.
In Versailles war man inzwischen noch ohne Ahnung ter drohenden Gefahr. Freilich tauchten hie und da Gerüchte auf, aber Niemand schenkte ihnen Glauben, und so ®ar der König an diesem Tage auf die Jagd geritten snb Marie Antoinette hatte denselben in Klein - Trianon iugebracht. Gegen Abend kehrten beide Majestäten zurück und bald daraus meldete ein Posten, eine große, in der »ferne aufwirbelnde Staubwolke lasse das Herannahen einer großen Truppenmasse vermuthen. Bald gewann diese Bc-1 Haupiung an Wahrscheinlichkeit; ja man vernahm sogar!
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Die „Kölnische Zeitung" äußert, es werde sich in nächster Zeit ziemlich sicher beurcheilen lassen, ob Rußlands Erklärung, es schließe sich der Tendenz der deutsch^öster- nichischen Abmachungen an, bloß eine diplomatische Phrase toar oder ob es tatsächlich in das Bündniß eintritt. Dieselbe schreibt: „Die erste sichtbare Folge des deutsch- österreichischen Einvernehmens waren die Verhandlungen Mr Erleichterung und Hebung des gegenseitigen Handels- derkehrs. Fürst Bismarck, der jetzt seine Kraft so eifrig auf die handelspolitischen Angelegenheiten des Reiches ver- »enbet, wirb es gewiß nicht unterlassen, Rußland wenigstens zu den Grundsätzen fteundnachbarlicher Billigkeit int
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„Wir wollen hier die Carmagnole lernen — Achtung: eins — zwei — drei! gefällt Dir der Tanz mein Täubchen? Sieh meine schöne weiße Schürze — bis morgen wird sie blutig sein — ich will das Haupt der Königin darunter stecken?"
Zweimal entging Susanne mit genauer Noch der Wölfin und Mutter Rothkäppchen, und zitternd vor Angst Md Aufregung trat sie endlich wieder in das Gemach der .Königin.
„Oh Madame," schluchzte sie, „es ist eine Bande von Mordbrennerinnen — sie dürsten nach Blut!"
„Beruhige Dich, mein Kind •=- es wird nicht so sehr schlimm sein!"
„Doch Madame, es fft schlimm — sie sind aus Rand und Band! Oh, wie kann Gott dies zulassen?"
„Still, mein Kind — wir wollen nicht verzweifeln! Und ich habe Muth! Ich bin eine deutsche Erzherzogin, die Tochter der größten Kaiserin, und Gott hat die Dent-
„Wir wollen nur Gerechtigkeit," „wir wollen Blut," tobte eine zweite.
Handelsverkehr anzuhalten, von denen es bekanntlich noch fthr weit entfernt ist. Erfolgt hier kein Wandel, so wissen wir, daß es mit dem Dreikaiserbunde nichts geworden ist; tritt dagegen eine Besserung ein, so hat die Erneuerung des Bundes wenigstens eine Folge gehabt, die ungetheilte und rückhaltlose Billigung verdient." i » >?
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Die „Polit. Corresp." meldet aus Philippopel von gestern, daß Aleko Pascha, einer persönlichen Einladung des Sultans folgend, nach Konstantinopel reisen werde. -
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» sowie d-Annoncen-Bureaux Von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermarm'schc Duchbandl. daselbst; Jnvalidjendank in Berlin; W. Thienes in Äberfeld; C. Schlotte in Bremen-
(neigen nimmt entgegen: ölaiH zjr Expedition d.vlatte», sowie d-Annoncen-Bureaux von Th- Dietrich & 60. in Assel und Hannover; Th. Dietrich in grantfurt a.M.; Sensenstein & Bögler in foHttfurt a. M., Berlin, geizig, Edin re.; Rudolf Aosse in Berlin, Frankfurt a. M. re.
Gegenüber den verworrenen Nachrichten über die wei- teren Schritte zur Herbeiführung handelspolitischer Vereinbarungen zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn et« fchren wir, daß die bezüglichen commissarischen Besprechungen in der zweiten Hälfte dieses Monats zwischen den beiderseitigen Bevollmächtigten beginnen werden.
Es ist nunmehr auch durch Allerhöchsten Erlaß vom 29. Oktober verordnet, daß die Richter und. Staatsan- teälte des Reichsgerichts eine Amtsttacht erhalten. Dieselbe »ird aus einer Robe und einem Barett von Wollstoff in krmoisinrother Farbe, sowie aus einem weißen Halstuche mit herabhängenden Zipfeln bestehen. Der Besatz der Robe, sowie die Bekleidung des Randes des Baretts wird ton rothem Sammet sein. Der Rand des Baretts wird fci den Rächen mit zwei rvthseidenen, bei den Präsidenten mit zwei goldenen Schnüren geziert sein. Der erste Präsident des Gerichts erhält noch überdies einen über die Schultern reichenden Kragen von rothem Sammet, besten unteres Ende mit Pelzwerk von nordamerikanischem blauem Fuchs besetzt werben soll. Am Barett destelben werden ton goldene Schnüre sich befinden. Die Gerichtsschreiber erhalten schwarze Roben mit karmoistnrothem Umfallkragen. Für die Rechtsanwälte ist dem Vernehmen nach vorerst ton Einführung einer Amtstracht abgesehen, bis dahin, daß die Rechts-Anwaltschaft selbst den Wunsch nach einer solchen zu erkennen geben werde.
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Die Sonne neigte sich schon dem Untergange zu, als n gsi Ke tobende Menge sich Versailles näherte. Immer noch schallte die Todtenglocke von Notre-Dame und ihr schauriger ton ließ manches Herz erbeben und manchen Muthigen erbleichen.
Wenn auch aus den verschiedensten Elementen bunt Msammengewürfelt, zeigte doch der Zug nach Versailles üu Allgemeiuen wenig oder gar keine Unordnung. Die Franzosen fügen sich unendlich rasch der Disciptin, und einige wenige Commando genügten, um die Bewegung zu ftzanisiren. An chrer Spitze marschirte die Wölfin mit ihrer Truppe und Montarbas mußte ^gestehen, daß sie iw Anführerin geschaffen schien. Er verhehlte sich auch dicht, daß sich ihnen noch manche Schwierigkeit entgegen* Men werbe, aber er wußte auch, baß ihre Energie allm
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Q,öt Es ist möglich, daß der Besuch des Großfürsten-Thron- u9ul folget am Berliner Hofe wegen deS Besuches am Wiener Hofe und wegen der Reise des Kaisers Wilhelm zu den —i Jagden in der Goehrde sich bis Sonntag verzögert. — Die Rückkehr des deutschen Kronprinzen aus Italien dürste voraussichtlich erst Mitte Januar erfolgen. — Der Besuch des ftanzöstschen Botschafters bei dem Fürsten Bismarck m Barzin war bereits im Frühjahr verabredet und wurde nur durch das Unwohlsein des Fürsten verzögert.